| Auf der
Uni wird man mit Fachwissen vollgepackt,
Kommunikationstechniken lernt man jedoch nicht. Dabei ist
Kommunikationsfähigkeit mit das Wichtigste, was ein
guter Manager heute braucht. Wer auf der Karriereleiter
nach oben möchte, sollte deshalb ständig an seinen
"communication skills" feilen. Gelegenheiten
dazu ergeben sich jeden Tag. Worauf es ankommt, erfahren
Sie hier. Improve your communication Gut
kommuniziert Wie einer denkt, so spricht er. Das jedenfalls meinen viele Kommunikationsexperten und zum Teil haben sie damit recht. Wenn einer klar und präzise formulieren kann, wird er mit Sicherheit auch klar und präzise denken. Formuliert er hingegen unklar und verworren, muß das noch nicht unbedingt bedeuten, daß er kein guter Denker ist. Vielleicht ist er durch Angst blockiert siehe Examen -, vielleicht hat er aber auch einfach keine Übung, seine Gedanken zu verbalisieren.
Da sich die über Jahrzehnte eingeschliffenen Kommunikationsstile nicht über Nacht verändern lassen, ist es sinnvoll, wenn man sich bereits früh Gedanken darüber macht, wie man seine Kommunikation verbessert. Hier einige Tips, worauf man unbedingt achten sollte. |
| Don't waste my time |
Als Berufsanfänger werden Sie es sofort bemerken: Zeit ist in der Wirtschaft ein enorm knappes Gut geworden. Auf allen Ebenen, besonders aber auf den Führungsebenen, beschleunigt sich das Tempo mehr und mehr. Man muß immer schneller und gezielter arbeiten, will man den steigenden Anforderungen gerecht werden und sein Pensum erledigen. TurboManagement ist angesagt. Die Kommunikation muß sich diesen veränderten Bedingungen anpassen. Wer langatmige und ausschweifende Erklärungen abgibt, wer mit seiner Botschaft nicht rüberkommt, wer Ähs und Öhs vor sich hinstammelt, wird in diesem Umfeld mehr und mehr als Zumutung empfunden. Dieser "Don't waste my time"Trend ist überall zu beobachten. Zahl und Dauer von Business Meetings werden reduziert, Besprechungen und Memos verkürzt (Lee Iacocca: "lch lese kein Memo mehr, das länger als eine Seite ist") und auch Geschäftsreisen zunehmend nur noch durchgeführt, wenn sie sich absolut nicht vermeiden lassen und wirklich Sinn machen. Selbst die Telefonate werden kürzer: Nach zwei bis drei Minuten werden die meisten bereits ungeduldig und zappelig. Eine gute Kommunikation ist in der BusinessWelt deshalb vor allem eine gezielte, knappe und eindeutige Kommunikation. Nur sie ist zeitökonomisch und damit gelitten. Fragen Sie sich einmal, ob Sie zu denen gehören, die ihre eigene Zeit und die der anderen durch Umständlichkeit verschwenden. |
| Straight Talk |
Straight Talking heißt zur Sache zu kommen und die Dinge möglichst direkt anzusprechen. Das kann nur, wer weiß, was er will. Dazu müssen Sie Ihre Gedanken sortieren. Möchten Sie beispielsweise eine Information weitergeben oder eine bekommen? Es mag verblüffend sein, aber bei manchen muß man erst einmal nachfragen, was von beidem sie eigentlich wollen. Der häufigste Grund: Viele haben Angst Fragen zu stellen, weil sie meinen, das verrate ihre Unkenntnis oder Unsicherheit. Sie weichen dann in nebulöse Aussagen aus und hoffen, die gewünschte Auskunft werde sich schon irgendwie ergeben. Machen Sie diesen Fehler nicht. Fragen stellen ist okay, nur so können Sie lernen. Ihr Gegenüber nimmt Ihre Frage sowieso ganz anders wahr, als Sie denken. Er erkennt daran, ob Sie wirkliches Interesse an der Sache haben, sieht, wo Sie gedanklich unterwegs sind oder festhaken und weiß dann meist, wie er Ihnen helfen kann. Sollten Sie in ein berufliches Umfeld geraten, wo Fragen stellen negativ gewertet wird, dann sollten Sie sich überlegen, ob eine Company mit dieser Unternehmenskultur die richtige für Sie ist. Straight Talking erfordert auch, daß Sie genau wissen, welche Botschaft Sie vermitteln wollen. Oder gehören Sie zu denen, die schnell vergessen, was sie eigentlich sagen wollten? Vielleicht, weil Sie selbst keine Klarheit darüber haben? Wenn es zu Ihrer bisherigen Lebenserfahrung gehört, daß Ihre Mitmenschen im Gespräch mit Ihnen unübersehbare Ermüdungserscheinungen zeigen, dann sollten Sie sich in diesem Punkt schnellstens einem Selbst-Check unterziehen. |
| Open Communication |
Eine gute und gekonnte Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Statt dessen sollen Informationen hin und her fließen. Das erreichen Sie aber nur, wenn Sie aus Ihrer Kommunikation kein abgeschottetes System machen, das anderen die Möglichkeit nimmt, mit Ihnen in einen Dialog zu treten. Autoritäre Kommunkationsformen sind beispielsweise dialogfeindlich. Der andere bekommt dann entweder Angst, oder er hat die Nase voll von Ihnen und dreht innerlich ab. Nicht viel anders ist es, wenn Sie auf verbale SelbstbeweihräucherungsTrips gehen oder in einschläfernde Monologe verfallen. Kommunizieren Sie also offen. Geben Sie dem anderen die Chance zu partizipieren. Die Belohnung folgt auf dem Fuße: Durch diese PingPongKommunikation entsteht ein wechselseitiger Kommunikationsfluß, eine vernetzte Kommunikation. Und sehr häufig werden Sie nach Gesprächsende schlauer sein als zuvor. Autoritäre Kommunikatoren bleiben hingegen meist so dumm, wie sie zuvor schon waren. |
| Power Talk |
Wollen Sie häufig etwas haben und bekommen Sie es nur selten? Oder statt dessen etwas ganz anderes? Dann überprüfen Sie einmal, ob Sie nicht meist im Konjunktiv mit viel Wenn und Aber dahergewabbelt kommen. Denn wenn es unter Umständen ganz interessant wäre, einmal zu erfahren, ob Ihr Gegenüber vielleicht doch dieses und jenes tun könnte, aber nur, wenn es möglich wäre und nicht unangenehm sein würde - nun, dann haben Sie ein Problem.
Power Talk bedeutet nichts anderes, als genau die Kraft und Energie in die Kommunikation zu legen, die notwendig ist, um Ihr Ziel zu erreichen. Sie werden übrigens die hochinteressante Beobachtung machen, daß Sie bei dieser Art der Kommunikation viel schneller erfahren, woran Sie sind. Denn bei den meisten löst die Konjunktiv-Kommunikation auch nur KonjunktivAntworten aus: ...wäre möglich, könnte sein, vielleicht, weiß ich noch nicht, mal sehen... Power Talk hingegen zwingt auch Ihr Gegenüber zur Klarheit: Ausweichen, Raus und Verschieben wird schwer. |
| Talk positively |
Norman V. Peale, Dale Carnegie und Joseph Murphy haben recht. Die Macht des positiven Denkens ist eine Tatsache. Die Macht des positiven Kommunizierens auch. Es ist einfach ein Unterschied, ob Sie Ihrem Chef sagen "Ich weiß nicht, ob ich den Bericht bis Dienstag schaffe" oder "Ich werde versuchen, den Bericht bis Dienstag zu schreiben". Oder ob Sie Fremden mit einem "Ich kann mir Namen sowieso nie merken" begegnen, statt mit "Ich werde immer besser darin, mir Namen sofort zu merken". Wenn Sie Ihre Aussagen in positive Sätze kleiden, hat das zwei Folgen. Zum einen installieren Sie bei sich selbst und bei Ihren Gesprächspartner eine positive Sichtweise, die die Atmosphäre der gesamten Kommunikation prägt. Zweitens aktivieren Sie damit sich selbst und die anderen. Wenn Möglichkeiten sichtbar und denkbar werden, ist es oft nur noch ein kurzer Weg zu ihrer Realisierung. Negative Sichtweisen lähmen und blockieren hingegen, und zwar nicht nur Sie selbst, sondern auch Ihr Gegenüber. |
| Inner Talk |
So wie es ein Inner Management gibt, so gibt es auch eine innere Kommunikation. Wir alle sprechen zu uns, viele sogar unaufhörlich. Achten Sie einmal darauf, wie Sie zu sich selbst reden. Sprechen Sie unklar und verworren mit sich, im Konjunktiv, vielleicht sogar überwiegend mit negativen Formulierungen? Dann klingt Ihre Kommunikation nach außen, also die mit anderen Menschen, höchstwahrscheinlich auch nicht viel anders. Moderne Kommunikationstrainer setzen deshalb heute zuerst beim Inner Talk ihrer Schüler an. Wer mit sich selbst die richtige Sprache spricht, wird dies auch mit anderen tun. Eine einleuchtende Sache. Das Training der inneren Kommunikation ist bereits ein Teil Therapie. Wie überhaupt die Art der Kommunikation eines Menschen eine Menge über ihn und seine innere Verfassung aussagt. Wer an seiner Kommunikation arbeitet und sie verbessert, der arbeitet auf sehr intensive Weise auch an seiner Psyche. Dies ist nicht nur Peale und Co. bekannt, sondern gehört schon seit einiger Zeit zum gesicherten Wissen der modernen Psychologie. |
| Body Talk |
Der Kommunikationspapst Paul Watzlawick hat es einmal schön auf den Punkt gebracht: Es gibt keine Nichtkommunikation. Auch wenn Sie nichts sagen, kommunizieren Sie durch Ihren Körper. Das Faszinierende daran ist, daß die meisten Menschen durch ihre Körpersprache sehr genau ausdrücken, was sie verbal vielleicht zu vertuschen suchen. "Der Körper lügt nicht", ist eine jedem Kommunikationsexperten bekannte Weisheit. Wenn Ihre verbale Kommunikation wirklich beim anderen ankommen soll, müssen Sie dafür sorgen, daß sie sich mit den Signalen Ihres Körpers deckt. Wenn hier eine erkennbare Dissonanz vorliegt, werden Ihre Botschaften diffus und der andere wird Ihren Worten nicht trauen. Dann kann Ihnen passieren, daß man Sie nicht ernst nimmt, Ihre Vorschläge ignoriert, Ihren Diskussionsbeitrag übergeht und sogar Ihre Anweisungen nicht ausführt. Die wichtigste Regel des Body Talk haben wir bereits gelernt: Der Körper lügt nicht. Das hängt vor allem damit zusammen, daß fast alle Körpersignale unbewußt ausgesandt werden und damit einen tiefen Einblick in das geben, was in einem Menschen tatsächlich vorgeht. Allerdings muß man sich darin üben, diese Signale zu lesen. Oder besser gesagt: Man muß lernen, diese Signale beim anderen bewußt wahrzunehmen und in der Kommunikation mit ihm umzusetzen. Denn erstaunlicherweise ist es so, daß man die vom Gegenüber unbewußt ausgesandten Körpersignale bereits "irgendwie", sprich unbewußt oder halbbewußt, registriert, sie meist jedoch nicht wach verarbeitet. Psychologen haben herausgefunden, daß zwei oder mehr Gesprächspartner auf dieser unbewußten oder halbbewußten Ebene in einen "gemeinsamen Tanz" eintreten, wobei beide in subtilster Weise aufeinander reagieren. Dabei gleicht sich der Atemrhythmus an, die noch tolerablen Körperabstände werden festgelegt, die Häufigkeit und Intensität der Blickkontakte bestimmt und die beidseitigen Körperbewegungen koordiniert. |
| Learn the body language |
Wer seine "communication skills" verbessern möchte, muß jedoch in der Lage sein, diese unbewußte bzw. halbbewußte Ebene zu verlassen und mit den Körpersignalen - übrigens auch den eigenen - bewußt und gezielt umzugehen. Eine sehr wichtige Unterscheidung ist die zwischen ablehnenden und zustimmenden Gesten. Wer sich zurücklehnt oder einen Schritt zurücktritt, die Arme vor der Brust verschränkt, die Beine übereinanderschlägt und beim Gestikulieren die Handflächen nach unten hält, dessen Körper signalisiert ein mehr oder weniger starkes "Nein". Passen Sie auf, wenn Sie diese Körperhaltungen erkennen und Ihr Gegenüber dennoch zustimmende Äußerungen macht. Höchstwahrscheinlich fühlt er sich zu dieser Zustimmung gezwungen, sie ist keinesfalls aufrichtig und Sie sollten sich nicht unbedingt darauf verlassen.
Es gibt übrigens einen hervorragenden Trick, wie man Körpersignale besser verstehen kann. Ahmen Sie sie einfach einmal nach! Wenn Sie beispielsweise die Arme vor der Brust verschränken und sich zurücklehnen, werden Sie sofort merken, wie Sie innerlich in eine Abwehrhaltung gleiten. Wie im ersten Teil gesagt wurde, ist es wichtig, daß Ihre Worte mit Ihren Körpersignalen übereinstimmen. Sonst wirken Sie genauso unglaubwürdig wie Ihr Gegenüber aus dem obigen Beispiel. Wenn Sie also Ihrem Chef erklären, Sie seien sich absolut sicher, daß dieses Werbekonzept innerhalb kurzer Zeit erfolgreich umgesetzt werden könne und die Umsätze beträchtlich steigern würde, dann sollten Sie sich währenddessen möglichst nicht an der Nase reiben oder am Ohr zupfen. Denn damit signalisiert Ihr Unterbewußtsein, daß Sie selbst nicht recht daran glauben. Jetzt haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie lernen Ihre Körpersignale zu steuern, was ein intensives SchauspielerTraining voraussetzt, oder Sie werden ehrlicher und sagen einfach, daß Sie dem Werbekonzept zwar gewisse Chancen einräumen, es aber doch noch an einigen Stellen verbessert werden müßte. Viele Manager und Politiker glauben übrigens, sich für die erste Möglichkeit entscheiden zu müssen. Das ist in der Regel ein verhängnisvoller Fehler, denn zum perfekten Schauspieler reicht es bei den allermeisten nicht. Aus lauter Angst, eine falsche Geste zu machen und sich durch ihre Körpersignale zu verraten, verfallen diese Leute dann häufig in ein maskenhaftes und unnatürliches Verhalten. Dabei vergessen sie völlig, daß ihr ausdrucksloses Pokerface, der scheinbar unbeteiligte Blick und die rigide Körperhaltung dem Kenner genau das mitteilen, was in ihnen vorgeht: Angst, einen Fehler zu machen und Gefühle zu zeigen. Beides sicher keine Empfehlungen für einen modernen Manager, der wissen müßte, daß Fehlermachen und Gefühle dazugehören. Es kommt eben nur darauf an, wie man damit umgeht. Noch etwas sollten Sie wissen: Die Psychologie hat herausgefunden, daß das Auseinanderfallen von verbaler Botschaft und Körpersignal Ursache für viele neurotische Störungen beim Empfänger sein kann. Viele Eltern senden solche sogenannten Doublebind-Botschaften gegenüber ihren Kindern aus. Etwa die Mutter, die die Arme verschränkt, sich zurücklehnt und gleichzeitig ihrer kleinen Tochter sagt, wie sehr sie sie doch liebe. Teilweise können massive und dauerhafte DoublebindBotschaften sogar schizoide und schizophrene Verhaltensweisen auslösen. Da jeder Mensch bereits derartigen doppeldeutigen Botschaften ausgesetzt war und auch unter ihnen gelitten hat, haben viele ein hochsensibles Wahrnehmungssystem dafür entwickelt. Wenn es Alarm schlägt, ist es mit dem Vertrauen gegenüber dem anderen in der Regel vorbei. Die Koordinierung und Harmonisierung Ihrer eigenen Worte und Ihrer Körpersprache steigern also Ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen, das man Ihnen entgegenbringt. Und nur ein glaubwürdiger Kommunikator ist ein guter Kommunikator. Wer seine eigene Körpersprache überprüfen möchte, sollte das am besten mit Hilfe von Videoaufzeichnungen machen. Unterhalten Sie sich mit drei verschiedenen Bekannten jeweils zehn Minuten vor Ihrem laufenden Camcorder. Wählen Sie jeweils ein Thema, das Sie persönlich interessiert. Beim Abspielen des Videos werden Sie staunen, was Sie alles bei sich entdecken. |
| Get into rapport |
Grundlage jeder Kommunikation ist, daß Sie als Sender einer Botschaft mit dem Empfänger in Rapport sind. Rapport ist ein Begriff aus der modernen Hypnoseforschung, wie sie vor allem in der Form des NeuroLinguisticProgramming (NLP) von den Amerikanern Richard Bandler und John Grinder betrieben wird. Das Interessante ist, daß sich beide vor allem auch als Kommunikationsforscher verstehen. Jeder gute Hypnosetherapeut weiß, daß er nur dann sein Gegenüber erreicht, wenn er sich zuvor auf ihn "einschwingt", eben in Rapport mit ihm geht. Wie Bandler und Grinder aufdeckten, gilt für eine gute Kommunikation genau dasselbe. Dieses Einschwingen hat verschiedene Facetten. Wenn Sie jemandem etwas erklären wollen, sollten Sie beispielsweise vorher herausfinden, was er bereits weiß, wie groß sein Kenntnisstand ist. Ist er kein Fachmann auf dem Gebiet, dürfen Sie keine Fachsprache sprechen, sondern müssen sich allgemeinverständlich ausdrücken. Weiterhin müssen Sie Geschwindigkeit, Menge und Komplexität des von Ihnen ausgehenden Informationsflusses so steuern, daß Sie den anderen nicht überladen. All dies klingt fast selbstverständlich, im täglichen Kommunikationsalltag wird jedoch laufend gegen diese Regeln verstoßen. Um das festzustellen, müssen Sie nicht erst in der Praxis arbeiten. Es reicht, wenn Sie sich einige Lehrbücher anschauen oder einige Anfängervorlesungen besuchen. Sehr häufig wird in einer für Anfänger völlig unangemessenen Sprache eine hochverdichtete Informationslawine auf den Zuhörer abgeladen. Keine Frage: Viele Dozenten sind nicht in Rapport mit Ihren Studenten. Das daraus resultierende Desinteresse am Fach und die schlechten Prüfungsergebnisse schreiben Sie dann allerdings den Studenten und nicht ihrer eigenen mangelnden Kommunikationsfähigkeit zu. |
| Stay in rapport |
Ein guter Kommunikator achtet auch immer darauf, daß er mit seinem Kommunikationspartner in Rapport bleibt. Denn wenn er ihn verliert, kommt die Botschaft nur bruchstückhaft an, wird nicht oder mißverstanden
Die zweite Regel ist, ein FeedbackSystem zu installieren. Am einfachsten ist es, mit Hilfe gelegentlicher Fragen zu überprüfen, ob der andere noch gedanklich folgt und das Bisherige richtig verstanden hat. Das ist vor allem bei solchen Gesprächspartnern notwendig, die stumm und regungslos vor Ihnen sitzen und noch nicht einmal durch Kopfnicken zu verstehen geben, ob sie noch dabei sind. Doch aufgepaßt! Es gibt Menschen, die Angst haben, Fragen zu stellen, wenn sie etwas nicht verstanden haben, und dennoch zustimmend nicken, damit man es nicht merken soll. Dann helfen nur geschickte Kontrollfragen, die den anderen zu einer Sachaussage zwingen, anhand der Sie sehen können, ob er Sie tatsächlich verstanden hat. Doch sind Sie sanft und nicht schulmeisterlich, sonst blocken ängstliche Menschen noch mehr ab. Das perfekte FeedbackSystem ist natürlich der Dialog, da Sie dann permanent checken können, ob die Kommunikation greift. Sie sollten deshalb immer versuchen, möglichst viele Dialogelemente in Ihre Kommunikation einzubauen. Guten Kommunikatoren gelingt dies selbst bei Reden und Ansprachen, meist mit Hilfe von vielen eingestreuten rhetorischen Fragen und lebensnahen Beispielen, die den Zuhörer persönlich involvieren und in einem "inneren Dialog" mit dem Redner gehen lassen. Und übrigens: Gute Lehrbuchautoren verwenden ähnliche Elemente. Wir wissen nun also, daß man als guter Kommunikator nicht nur in Rapport mit seinem Gegenüber gehen muß, sondern vor allem versuchen soll, diesen Rapport aufrecht zu erhalten. Ausgefuchste Kommunikationsprofis sind gleichzeitig absolute Meister im Rapporthalten. Sie installieren nicht nur ein perfektes FeedbackSystem, sondern achten zudem in extremem Maß auf die Körpersignale des anderen. So wird beispielsweise jedes Anzeichen von Ablehnung und Widerstand sorgfältig registriert. Ist der beobachtete Widerstand bei dem zuerst eingeschlagenen Kommunikationspfad zu groß, steuern sie den betreffenden Themenkomplex im Gespräch geschickt noch einmal neu an und versuchen, ihn diesmal von einer Seite aufzurollen und darzustellen, die weniger Ablehnung erzeupt. Der Faktor "Ablehnung und Widerstand" ist bei jeder Kommunikation besonders wichtig. Wenn Sie Ihren Gesprächspartner in den Widerstand treiben, werden Sie unter Umständen zwar treffliche Streitgespräche vom Zaun brechen, meist jedoch kaum das erreichen, was Sie eigentlich wollen. Widerstand wird übrigens vor allem dann erzeugt, wenn man den anderen erkennbar nicht achtet und respektiert, ihm Vorwürfe macht und ihn beschuldigt. Das zwingt ihn in eine Verteidigungsposition. Resultat: Die Scharniere werden hochgeklappt und die Zugbrücken hochgezogen. Ist das erst einmal geschehen, werden Sie meist viel Energie und Zeit benötigen, um den anderen wieder aus seiner Festung herauszulocken - wenn es Ihnen überhaupt jemals wieder gelingt. |
| Rapport Mastership |
Wahre Meister der Kommunikation haben allerdings noch viel tiefere Einblicke in die Mechanismen menschlicher Verständigung. Die bereits zitierten Kommunikationsexperten und Begründer des NeuroLinguisticProgramming, Richard Bandler und John Grinder, haben vor Jahren einige dieser Zusammenhänge aufgedeckt. Zu den wichtigsten Geheimnissen, die sie gelüftet haben, gehört die Entdeckung, daß jeder Mensch auf einer bevorzugten Sprachebene kommuniziert. Diese Ebene entspricht der Wahrnehmungsebene, die er beim Kontakt mit seiner Umwelt in erster Linie aktiviert. Konkret: Menschen reagieren bei der Wahrnehmung von Sinneseindrücken vorrangig entweder auf die visuellen, die auditiven oder die kinestethischen Signale der Umwelt. Der "visuelle Typ" orientiert sich also in erster Linie optisch, der "auditive" akustisch und der "kinestethische" mit Hilfe seiner Körperwahrnehmung, d.h. durch Fühlen und Anfassen. Natürlich hört und fühlt der visuelle Typ auch, doch tritt für ihn die Bedeutung dieser Sinneseindrücke gegenüber dem Sehen zurück. Wenn Sie nun beispielsweise ein visueller Typ sind und die Welt vor allem mit den Augen wahrnehmen, dann werden Sie auch eine "visuelle" Sprache sprechen. Sie "sehen" dann viele Chancen, sind der Meinung, bei einem Problem "durchzublicken", halten "Einsicht" für eine Tugend, können sich "ein Bild" machen und meistens "leuchtet" ihnen ein Argument ein. Ganz anders die Sprache des auditiven Menschentyps. Für ihn "hört" sich etwas gut an, es "klingt" prächtig, es ist "Musik in seinen Ohren" und der "Übereinklang" mit anderen ist für ihn eventuell sehr wichtig. Der Kinestethiker wird von "spürbaren" Vorteilen sprechen, "empfindet" die Last einer Sache, "fühlt sich" bei einem Gedanken "nicht wohl" oder die Sache ist ihm sowieso zu "heiß", wenn sie ihn nicht gleich "kalt" läßt.
Wenn Sie das alles verstanden haben, müssen Sie nur noch zwei Dinge üben. Erstens: Lernen Sie herauszuhören, welcher Typ Ihr Gegenüber ist. Die Wahl seiner Worte wird es Ihnen verraten. Zweitens: Lernen Sie, gezielt in seiner Sprache visuell, auditiv oder kinestethisch mit ihm zu kommunizieren. Warum? Ganz einfach: Wenn Ihr Gesprächspartner beispielsweise ein auditiver Typ ist und Sie in einer visuellen Sprache mit ihm reden, erreichen Sie ihn nicht richtig. Er hört zwar Ihre Worte, aber diese hinterlassen bei ihm bei weitem nicht den gleichen Eindruck, wie es auditive Ausdrücke tun würden. Das kann soweit führen, daß er sie manchmal gar nicht richtig versteht, oder Ihren visuellen Worten und Begriffen bei weitem nicht die Bedeutung beimißt, wie Sie selbst. Nur wenn Sie das Vokabular des auditiven Typs verwenden, befinden Sie sich beide auf einer gemeinsamen Kommunikationsebene. Nur dann können Sie sicher sein, seine volle Aufmerksamkeit zu erregen. |
| Sprechen Sie die Sprache des anderen? |
Sie sehen (oder spüren, oder hören schon heraus), die Wissenschaft des NeuroLinguisticProgramming, kurz NLP, hat einiges zu bieten. Wenn Sie Ihre "communication skills" in Richtung Meisterschaft vorantreiben wollen, werden Sie die Bücher von Bandler/Grinder und deren Schüler {z.B. Robert Dilts) begeistern. Die meisten liegen bereits in deutscher Sprache vor. Doch die Großmeister der Kommunikation verfügen noch über weitere Tricks. Einer davon ist nicht nur die Sprache der soeben beschriebenen Kommunikationsebenen zu finden, sondern darüber hinaus "the key words of the belief system" Ihres Gesprächspartners. Worum geht es dabei? Jeder Mensch ist in einem Glaubenssystem darüber verfangen, wie die Welt letztlich funktioniert. Dieses Glaubenssystem, das auch ein Wertesystem und relativ klare Verhaltensmuster für fast alle Lebenslagen umfaßt, teilt jeder Mensch ständig direkt und indirekt bewußt und unbewußt, seiner Umwelt mit. Diese Botschaften aus dem "belief system" kristallisieren sich meist in bestimmten "key words", in Schlüsselbegriffen, heraus, die mit schöner Regelmäßigkeit in der Sprache eines Menschen auftauchen. Hochsensible Meisterkommunikatoren orten diese Schlüsselbegriffe schnell und verwenden sie dann selbst in der Kommunikation mit dem Betreffenden. Sitzt Ihnen etwa jemand gegenüber, aus dessen Bemerkungen Sie immer wieder herauslesen, daß ihm Leistung und Erfolg über alles gehen, daß man sich ständig im Wettbewerb messen müsse und stets versuchen sollte, der Erste und Beste zu sein, und zwar nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben, dann haben Sie bereits einige Eckpfeiler eines "belief systems" und auch die dazugehörigen "key words" gefunden. Ohne jetzt näher auf die psychologischen Implikationen eines solchen Persönlichkeitsprofils einzugehen, ist es klar, daß Sie den Betreffenden kommunikativ am besten dann erreichen, wenn Sie die Schlüsselbegriffe Erfolg, Wettbewerb, Gewinnen, Leistung etc. häufiger mal in Ihre Botschaften einflechten. Wie Sie das drehen, obliegt Ihrer Geschicklichkeit und Raffinesse. Wenn Sie das mit den oben beschriebenen NLPTechniken verbinden, können Sie sicher sein, sich dem Idealziel von 100 Prozent Rapport gewaltig genähert zu haben. Ein guter Kommunikator ist jemand, mit dem man innerlich Kontakt aufnehmen kann und auch aufnehmen möchte. Das wird aber nur dann der Fall sein, wenn er sich persönl ich einbringt. |
| Aus verhuschten Individuen werden niemals gute Kommunikatoren |
Was heißt es, sich persönlich einzubringen? Nun, das fängt beispielsweise damit an, daß Sie in der IchForm sprechen, wenn es um Sie persönlich geht. Ist doch klar? Dann achten Sie einmal darauf, wieviele Leute ständig in der ManForm sprechen, obwohl sie höchstpersönliche Erlebnisse schildern! "Wenn man dann solche Verkaufsergebnisse erzielt, hat man schon den Gedanken, ob einem nicht gekündigt wird." Was der Betreffende eigentlich sagen will: "Als ich so schlecht verkaufte, hatte ich Angst, man würde mir kündigen. Diese klare IchSprache ist nicht jedermanns Sache. Denn sie bedeutet, daß jemand Verantwortung übernimmt, sich nicht herausreden will und keine Angst hat, seine Gefühle zu äußern. Wenn Sie in den ManStil ausweichen, klingt alles wesentlich distanzierter, als ob es mit Ihnen eigentlich gar nichts zu tun hat. Der Kenner weiß natürlich, daß Sie Angst haben, sich einer unangenehmen Realität zu stellen, persönlich Verantwortung zu übernehmen und statt dessen lieber in diffuse Allgemeinplätze ausweichen. Soviel ist Ihnen jetzt sicher klar: Die IchSprache erfordert mehr Stärke und Charakter. Mit ihr bringen Sie sich eindeutig und unmißverständlich persönlich ein. Für Ihren Gesprächspartner bedeutet das: Sie sind wirklich präsent und nicht nur ein verhuschtes Individuum. Und für Ihre Kommunikation bedeutet es: Sie ist klar, intensiv und menschlich. Viele Politiker, Funktionäre und auch Manager kommunizieren im ManStil. Sie müssen sich dann allerdings nicht wundern, wenn sie als unecht, gezwungen, mechanisch und unpersönlich empfunden werden. Als jemand, der eine Rolle spielt, persönlich aber nicht engagiert ist. Wollen Sie, daß man auch Sie so wahrnimmt? Achten Sie bei Ihren Formulierungen weiterhin darauf, daß Sie so wenig Substantive und soviel Verben wie möglich benutzen. Der "substantivistische Stil" klingt hölzern, statisch und schwerfällig. Juristen reden und schreiben so, weil sie es nicht besser gelernt haben. Ein Grund auch, warum ihre Sprache von vielen als schwer verständlich, unangenehm, ja sogar unmenschlich empfunden wird. Übertreiben Sie es bitte nicht mit den Fremdwörtern. Manchmal läßt sich etwas genauer mit ihnen ausdrücken, häufig sind sie jedoch schlichtweg überflüssig. Sie beweisen auch nicht, daß Sie besonders schlau oder gebildet sind, wenn Sie möglichst jeden Satz mit einem Fremdwort spicken. Man hat Sie dann eher im Verdacht, daß Sie sich ein bißchen aufblasen wollen und sehr wichtig vorkommen. Ganz besonders schlimm: Manch einer setzt Fremdwörter falsch ein und blamiert sich damit auch noch. |
| Kein Bedarf für Handlungsbedarf |
Noch ein letzter Tip: Übernehmen Sie nicht jede modische Formulierung, auch wenn jeder zweite Politiker und jeder dritte Manager sie verwendet. "Es besteht kein Handlungsbedarf" ist solche eine Phrase, die Sie sich schenken sollten. Sagen Sie einfach, ob man was tun muß oder nicht. Basta. Ihre Zuhörer werden es Ihnen danken. (aus WISU 4/92, 5/92 und 6/92, aktualisiert) |