|
|
Die Schweizer Unternehmensberatung Helbling, die auch mit Büros in Deutschland vertreten ist, bietet verschiedene Beratungsleistungen aus einer Hand. Bei Corporate Finance — einer von fünf Schwerpunkten — werden Unternehmen in Finanzierungs- und M&A-Fragen beraten. Marc Breidenbach, 25, ist nach einem Praktikum heute als Consultant bei Helbling tätig. Helbling Corporate Finance Heute M&A-Berater, Sonntagabend kurz vor zehn. Im Fernsehen läuft der Abspann von „Tatort“, meinem Lieblingskrimi. Von der Handlung habe ich diesmal allerdings nicht viel mitbekommen, da ich in Gedanken bereits bei dem Projekt war, das morgen wieder auf mich wartet: Unser Beraterteam soll einem Mittelständler aus der Metallindustrie helfen, den Gewinn um zehn Mio. Euro zu steigern, und seine Finanzierung langfristig absichern. Auf mich kommen dabei verschiedene Analysen zu. Auch eine Werksbesichtigung in Polen steht auf dem Programm.
Nach dem Start schließe ich die Augen und lasse die letzten 18 Monate Revue passieren. Anfang 2007 war ich noch Student an der International School of Management (ISM) in Dortmund. Genauer gesagt war ich damals in Singapur, wo ich gerade mein zweites Auslandssemester absolvierte. Nach mehreren Praktika in der Beratungsbranche und in der Industrie hatte ich ein klares Berufsziel: Ich wollte Unternehmensberater werden. Bei der Suche nach einem passenden Beraterjob für die Zeit nach meinem Studienabschluss, bei dem ich vor allem auch meine Finance-Kenntnisse anwenden konnte, stieß ich dann schnell auf den Namen Helbling. Um das Beratungsunternehmen mit Schweizer Wurzeln besser kennen zu lernen, wollte ich dort vorweg ein Praktikum absolvieren und gleich auch noch eine praktische Diplomarbeit schreiben. Und tatsächlich: Nach mehreren Telefoninterviews hatte ich die ersehnte Praktikanten-/Diplomandenstelle in der Tasche. Kaum aus Singapur zurück, begann dann auch schon mein Praktikum bei der Tochterfirma Helbling Corporate Finance in Düsseldorf. Doch ich sollte nur kurz dort bleiben, denn man hatte mich bereits für ein Projekt in Süddeutschland eingeteilt, bei dem es um die Restrukturierung eines großen Baukonzerns ging. Gleich am nächsten Tag ging es los. Gewappnet mit Laptop und all den anderen Accessoires, die man als Berater so braucht, machte ich mich in aller Herrgottsfrühe zum Flughafen auf, um pünktlich um 9 Uhr beim Team-Meeting in Süddeutschland zu sein. Nach einer aufmunternden Begrüßung und einem kurzen Briefing erhielt ich auch schon die erste Aufgabe. Ich sollte die Margen der einzelnen Bauprojekte berechnen, sprich die Profit- und Loss-Maker ermitteln. Die Arbeit machte mir richtig Spaß, weshalb die Zeit wie im Flug verging. Als wir dann gegen 23 Uhr im Hotel eintrafen, stellte sich jedoch heraus, dass der Portier meinen Zimmerschlüssel nicht am vereinbarten Ort deponiert hatte. Da alle Hotels in der Umgebung wegen einer Messe ausgebucht waren und Schlaf in der Beratungsbranche ein knappes Gut ist, hatte ich nichts dagegen, im Zimmer eines Kollegen zu übernachten. Es sollte der einzige Zwischenfall dieser Art während des zweimonatigen Praktikums bleiben. Danach stand
meinem Einstieg als Berater nur noch die Diplomarbeit im Weg. Wir, das heißt
mein betreuender Professor, Helbling und ich, einigten uns schließlich auf
das Thema „Distressed M&A-Transaktionen bei Automobilzulieferern“. Wie sich
herausstellte, standen mir die Helbling-Berater jederzeit für Fragen zur
Verfügung — eine bessere Betreuung hätte ich mir kaum wünschen können. Sie
machte sich am Ende nicht nur bei der Note bemerkbar, ich erhielt obendrein
auch noch ein Job-Angebot. Leider wurde ich bereits eine Woche später — Berater müssen flexibel sein — von dem Projekt abgezogen, um einem Unternehmen mit Liquiditätsproblemen zu helfen. Ich unterstützte unser Berater-Team bei seinen liquiditätssichernden Maßnahmen, analysierte die Finanzierungs- und Intercompany-Strukturen des Kunden und trug so meinen Teil dazu bei, dass die drohende Insolvenz schließlich doch noch abgewendet werden konnte. Es war meine erste Lektion in Krisenmanagement. Zurück zur Gegenwart. Nach der Landung in Stuttgart treffe ich kurz darauf beim Kunden, dem Mittelständler aus der Metallindustrie, ein, wo ich bereits von den gestern angereisten Kollegen erwartet werde. Vor uns liegt Projektphase zwei, in der die Erkenntnisse der Analysephase umgesetzt werden müssen. Ich habe mich vor allem mit der künftigen Umsatz- und Margenplanung befasst. Der CRO, der Chief Restructuring Officer, informiert uns über die Aufgaben. Er ist ein erfahrener Kollege, der jetzt in die Rolle des Geschäftsführers schlüpft. Während der Besprechung wird mir klar, dass es die kommende Woche in sich hat. Wir müssen nicht nur entscheiden, welcher Teil der Produktion wegen des Lohnkostenvorteils nach Polen verlagert werden soll. Zudem muss auch das zum Verkauf stehende US-Werk des Kunden potenziellen Interessenten schmackhaft gemacht werden. Dazu sind Gespräche mit der dortigen Werksleitung erforderlich. Außerdem muss der für nächste Woche geplante Besuch des US-Standorts vorbereitet werden. Die Meetings mit den Kollegen und den Mitarbeitern des Kunden laufen so gut, dass ich früher als sonst im Hotel bin und mich mit einigen Kollegen zum Abendessen verabrede. Da wir die Speisekarte des Hotelrestaurants bereits in- und auswendig kennen, wird diesmal auswärts gegessen. Während des Essens diskutieren wir noch den einen oder anderen kritischen Punkt des Projekts. Der nächste Tag beginnt mit einer kurzen Besprechung im Projektraum des Kunden. Die bisherigen Ergebnisse müssen für die Gesellschafter aufbereitet und ihnen bis zum Abend zur Verfügung gestellt werden. Der Tag ist angefüllt mit Telefonaten, dem Erstellen von Folien und ähnlichen Arbeiten. Mit Mühe und Not erreichen wir abends den Flieger nach Warschau. Vom Flughafen geht es dann noch zwei Stunden über Land, bevor wir beim polnischen Werk ankommen. Glücklicherweise liegt das Hotel direkt nebenan. Ich verschicke noch schnell ein paar E-Mails, bevor ich müde ins Bett falle. Es ist wieder mal Mitternacht geworden. Der folgende Tag verläuft etwas anders als geplant. Der Werksleiter will uns unbedingt die neue Werkshalle zeigen, die eigentlich gebaut wurde, um die Produktion am polnischen Standort zu steigern. Jetzt hilft sie uns, Teile der Produktion kurzfristig von Deutschland nach Polen zu verlagern. Der Werksleiter ist stolz, dabei eine zentrale Rolle zu spielen. Wir diskutieren verschiedene Szenarien mit ihm und kommen zu dem Ergebnis, dass noch zwei zusätzliche Produktionsmaschinen benötigt werden. Mir fällt die Aufgabe zu, bis Freitag einen Finanzierungsplan auszuarbeiten. Anschließend lädt der Werksleiter das gesamte Team in ein typisch polnisches Restaurant ein. Uns ist sofort klar: Heute wird es wieder spät. Der Donnerstag ist der Feinabstimmung vorbehalten. Wir koordinieren die einzelnen Schritte der Produktionsverlagerung. Zusammen mit dem Werksleiter passe ich die Umsatzplanung des Werks an die bevorstehenden Veränderungen an. Gegen 17 Uhr machen wir uns auf den Heimweg. Drei Stunden später habe ich dann wieder deutschen Boden unter den Füßen — und bin richtig froh, diesen Abend frei zu haben. Freitags ist bei Helbling meistens Bürotag. Wie viele andere Kollegen nutze auch ich diesen Tag, um Informationen auszutauschen und interne Dinge zu klären. Bis zum Mittag ist die Finanzierung der zwei Maschinen für das polnische Werk unter Dach und Fach. Nach dem Lunch beim Italiener steht dann Fortbildung auf dem Programm. Schulungen und Case Studies zu den unterschiedlichsten Themen finden bei Helbling regelmäßig statt. Heute geht es um Finanzplanung. Danach mache ich rasch meine Spesenabrechnung für den letzten Monat fertig. So komme ich noch rechtzeitig in den Biergarten, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Und am Sonntagabend gibt es wieder einen neuen „Tatort“.
|
|||
|