Der Polymerspezialist Rehau ist eines jener mittelständischen Unternehmen, die oft als „Hidden Champions“ bezeichnet werden. Den Bewerbern bieten diese erfolgreichen Firmen nicht nur hochinteressante Jobs, sondern häufig auch bessere Karriereperspektiven, als man sie bei Großkonzernen findet. Eine Erfahrung, die auch der 26-jährige Frederik Bösch gemacht hat.

Rehau

Einstieg nach Maß ins
B2B-Marketing

Nach meinem BWL-Studium an der Handelshochschule Leipzig und mehreren Praktika und Studienaufenthalten im Ausland hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung von meiner künftigen Berufstätigkeit: Ich wollte im Marketing eines internationalen Unternehmens arbeiten — am liebsten im Business-to-Business-Bereich, der mich wegen der speziellen Anforderungen, die hier ans Marketing gestellt werden, besonders reizte.

Meine Wahl fiel schließlich auf Rehau. Der Polymerspezialist stellt Kunststoffprodukte für die unterschiedlichsten Industriezweige her — von der Tiefbaufirma über die Automobilbranche bis zur Luft- und Raumfahrtindustrie — und verbindet die Vorteile eines mittelständischen Familienbetriebs mit denen eines globalen Konzerns, der in über 50 Ländern aktiv ist. Für das zwölf Monate dauernde Trainee-Programm wurden Kaufleute, Ingenieure und Naturwissenschaftler mit internationaler Erfahrung und Interesse an der Kunststoffindustrie gesucht. Ich bewarb mich und wurde bereits kurze Zeit später zu einem Assessment Center eingeladen, das ich erfolgreich durchlief.

Im Januar 2007 ging es los: Ich zog von Norddeutschland ins oberfränkische Rehau, wo sich die Zentrale des 1948 gegründeten Unternehmens befindet. Die ersten Wochen wohnte ich in einem der firmeneigenen Appartements, die den neuen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben. Da dort noch zehn weitere Trainees Unterschlupf gefunden hatten, war es fast wie in einem Studentenwohnheim. Auf diese Weise fiel uns allen nicht nur der Übergang ins Berufsleben leichter, es war auch eine gute Gelegenheit, die neuen Kollegen kennen zu lernen.

Wir waren eine bunte Truppe aus den verschiedensten Ländern und mit den unterschiedlichsten akademischen Abschlüssen, die auf das ganze Unternehmen verteilt wurde. Mein „Heimathafen“ — so wird bei Rehau die Fachabteilung genannt, der man als Trainee zugeordnet ist — war das Geschäftsfeld „Industrie Mitteleuropa“. Es ist eine der drei strategischen Säulen des Unternehmens. Die beiden anderen sind Bau und Automotive.

Wie jedem Trainee wurde auch mir ein Mentor zur Seite gestellt, der mein Ansprechpartner bei sämtlichen Fragen zum Trainee-Programm war. In meinem Fall handelte es sich um den Leiter dieses Geschäftsfeldes, eine erfahrene Führungskraft. Gemeinsam erstellten wir meinen Einsatzplan für die nächsten zwölf Monate, wobei ich bei der Wahl der einzelnen Stationen darauf achtete, möglichst viel vom Unternehmen kennen zu lernen. Der Schwerpunkt lag auf Marketing und Vertrieb.

Gleich die ersten Aufgaben ließen in puncto Vielseitigkeit keinen Wunsch offen. Es ging um anspruchsvolle Fragen zur quantitativen und qualitativen Geschäftsplanung, außerdem arbeitete ich intensiv an strategisch wichtigen Projekten wie der Koordination des Innovations- und des Risikomanagements mit. Bei Feedback-Gesprächen und „Evening Sessions“ überprüften mein Mentor und ich meine Lernfortschritte und richteten die weitere Einsatzplanung danach aus.

Je weiter das Trainee-Programm voranschritt, desto mehr Aufgaben übernahm ich. Eine besonders wichtige Erfahrung war der zweiwöchige Aufenthalt im Stuttgarter Verkaufsbüro, wo ich Außendienstmitarbeiter bei ihren Kundenbesuchen begleitete. Dadurch bekam ich erstmals einen Eindruck davon, wie die Umsetzung strategischer Beschlüsse in der Praxis aussieht. Das hilft mir heute, die Folgen mancher Entscheidung besser abzuschätzen.

Danach wollte ich unbedingt noch Erfahrungen in der Produktion sammeln. Mein Mentor organisierte eine Stippvisite in einem der größten deutschen Werke in der Nähe von Bremen, das unter anderem Kantenbänder für die Möbelindustrie herstellt. Ausstaffiert mit einem Blaumann (der bei Rehau allerdings grau ist) arbeitete ich eine Woche in der Produktionsplanung und der Produktion mit, was mir so manchen Einblick in logistische Abläufe vermittelte.

Höhepunkt des Programms war ein zweimonatiger Aufenthalt im Verkaufsbüro Dubai. Ich half bei der Organisation der „Woodshow“ mit, einer großen Möbelmesse der Region, und erstellte eine Studie zum Möbelmarkt Saudi-Arabiens und der Emirate. An die benötigten Informationen kam ich, indem ich Vertriebsmitarbeiter bei ihren Kundenbesuchen begleitete, wodurch ich auch Land und Leute kennen lernte. Was mich besonders freute: Nach meiner Rückkehr nach Deutschland wurden viele Empfehlungen der Studie umgesetzt.

Ein fester Bestandteil des TraineeProgramms sind die Schulungswochen. Bei der ersten, an der ich teilnahm, drehte sich alles um Soft Skills und Team Building. Nach einem Persönlichkeits- und Präsen-tationstraining fuhren wir in die Fränkische Schweiz, wo wir — ausgestattet mit Lampe, Helm und wasserdichtem Overall — eine abenteuerliche Höhlenwanderung unternahmen. Es ging darum, den Team Spirit zu stärken.

Bei den nächsten Schulungswochen standen dann Finance, Prozess- und Projektmanagement im Mittelpunkt. Zu letzterem Thema wurde am Ende der Schulung — unter Anleitung eines erfahrenen Projektmanagers — auch ein Planspiel durchgeführt. Neben diesen externen Fortbildungsterminen gab es auch immer wieder interne Seminare und — vor allem in den Fachabteilungen — „Face-to-Face“-Schulungen.

Es ist noch nicht lange her, dass ich das Trainee-Programm beendet habe. Und wie ich mir erhofft hatte, konnte ich große Teile des Unternehmens und viele Prozesse und Strukturen kennen lernen. Nach dem Trainee-Programm stehen einem bei Rehau praktisch alle Türen offen. Einige zieht es ins Ausland, aber auch in der Zentrale in Rehau werden stets fähige Nachwuchsleute gebraucht. Ich wurde Assistent der Geschäftsleitung — eine Position, bei der ich mein Wissen, wie ich finde, besonders gut einbringen kann.

Wer nach seinem Studium nach einem interessanten Job Ausschau hält, sollte auf keinen Fall den Mittelstand außer Acht lassen. Zu Recht werden viele deutsche mittelständische Unternehmen „Hidden Champions“ genannt. Sie sind nicht nur weltweit ungemein erfolgreich, sondern bieten auch außergewöhnliche Karrierechancen.

Rehau

Hauptsitz: Rehau. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 15.000 Mitarbeiter.

Gesucht: Wirtschaftswissenschaftler, Wirtschaftsinformatiker und Wirtschafts-ingenieure. Geboten wird ein 12-monatiges Trainee-Programm.

Kontakt: Vera Dorschner, Telefon 09283/77-1742, E-Mail: vera.dorschner@rehau.com. Weitere Informationen: www.rehau.de/karriere.

 

(aus WISU 8-9/08)