Intra-Unternehmensberatung

Keine Angst vor
unsicherem Terrain

Consultant ist ein beliebter, aber auch sehr anspruchsvoller Beruf. Wer hier Karriere machen möchte, muss einiges mitbringen. WISU sprach mit Bernd Hauk, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Intra-Unternehmensberatung.

WISU: Ist es ein Unterschied, ob man als Berater bei einer kleinen oder großen Consulting-Firma arbeitet?
Hauk: Ich denke schon. Während große Consulting-Firmen meist systematisiertes Wissen anwenden und deshalb vielfach standardisiert vorgehen, kommt es bei kleineren vor allem auf das Erfahrungswissen des Beraters an.
WISU: Wie macht sich das in der täglichen Arbeit bemerkbar?
Hauk: Große Unternehmensberatungen treten meist mit großen Teams auf, bei kleineren Beratungen sind auch die Teams meist kleiner. Damit steht der einzelne Berater mehr im Rampenlicht. Man kann sich also nicht hinter einem großen Team verstecken.
WISU: Viele Absolventen wollen Unternehmensberater werden. Wie kann man herausfinden, ob man sich für diesen Beruf eignet?
Hauk: Wichtig ist zum Beispiel, dass man sich auch auf unsicherem Terrain wohlfühlt.
WISU: Weil man ständig mit neuen Aufgaben konfrontiert wird?
Hauk: Zum einen das, zum anderen findet man sich stets in neuen Umgebungen, d.h. bei anderen Kunden wieder, man muss also immer wieder mit fremden Menschen zusammenarbeiten. Davor darf man keine Angst haben, stattdessen sollte es einem Spaß machen. Man muss diesen häufigen Wechsel des Arbeitsumfeldes als anregende Herausforderung erleben. Scheue Menschen, die gern zurückgezogen arbeiten, tun sich deshalb mit einer Beratertätigkeit schwer. Darum ist uns auch ein Bewerber, der nach seinem Studium ein paar Monate lang auf eigene Faust um die Welt reiste, lieber als jemand, der nur auf den Malediven am Strand lag.
WISU: Neugier und Selbständigkeit sind also wichtig?
Hauk: Unbedingt. Dazu gehören auch unternehmerisches Denken und die Freude daran, dicke Bretter zu bohren. Das können ganz unterschiedliche Aufgaben sein, die vorher oft gar nicht absehbar sind.
WISU: Ist es für junge Berater nicht oft eine zusätzliche Herausforderung, von den Kunden — zumal wenn es sich um gestandene Ma-nager handelt — ernst genommen zu werden?
Hauk: Man arbeitet wie gesagt im Team, zu dem auch ältere und erfahrene Berater gehören. Dennoch ist richtig: Auch als junger Berater muss man das Vertrauen der Kunden gewinnen. Und das geht nur, wenn man über ein gesundes und stabiles Selbstbewusstsein verfügt, das natürlich mit den entsprechenden Soft Skills und mit Fachwissen einhergehen muss. Ganz wichtig ist auch, dass man authentisch bleibt.
WISU: In welcher Hinsicht?
Hauk: Es sollte einem leichtfallen, sich natürlich zu verhalten und ungestelzt aufzutreten. Man sollte auch nicht vorgaukeln, alles zu wissen und zu können. Das kann niemand. Man muss jedoch die Bereitschaft mitbringen, ständig zu lernen und seine Wissenslücken zu füllen. Nicht nur die Kunden lernen von den Beratern, auch als Berater lernt man von den Kunden und den immer neuen Aufgabenstellungen.
WISU: Kann man sich das, was einen guten Berater ausmacht, denn aneignen? Oder ist es eher so, dass man es hat oder eben nicht hat?
Hauk: Neugier, Eigeninitiative, unternehmerisches Denken, Engagement — wenn man das nicht mitbringt, wird es schwer sein, es sich anzueignen. In der Regel ist das nicht möglich. Anders ist es natürlich mit Fachwissen, das man sich ebenso zulegen kann wie bestimmte Soft Skills, beispielsweise Präsentationstechniken. Hinzu kommt, dass Beratung eine Dienstleistung ist. Es muss einem also Freude machen, anderen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
WISU: Große Unternehmensberatungen sind es gewohnt, dass sie oft als Sprungbrett für eine Karriere in der Wirtschaft genutzt werden. Häufiger Mitarbeiterwechsel gehört dort also zur Tagesordnung.
Hauk: Bei uns ist das etwas anders. Wir suchen in erster Linie Mitar- beiter, die diesen Beruf längere Zeit ausüben und sich in ihm weiterentwickeln wollen.
WISU: Wie gut bereitet einen denn die Ausbildung an der Hochschule Ihrer Erfahrung nach auf die Beratertätigkeit vor?
Hauk: Theoretisches Wissen vermittelt sie recht gut. Allerdings fehlt es Absolventen oft noch an einer ganzheitlichen Sichtweise. Das liegt sicher auch daran, dass die Hochschulen vor allem atomisiertes Wissen vermitteln. Die Zusammenhänge muss man dann in der Praxis kennen lernen. Ein Weg, frühzeitig ganzheitlich denken zu lernen, sind übrigens gute Case Studies, wie sie von internationalen Business Schools eingesetzt werden.
WISU: Wie suchen Sie Ihre Bewerber aus?
Hauk: Als Erstes schauen wir uns natürlich die schriftlichen Bewerbungsunterlagen an, wir überprüfen also die so genannte Papierform.
WISU: Sind sehr gute Abschluss-noten ein Muss?
Hauk: Nein. Es muss jedoch erkennbar sein, dass der Bewerber leistungsorientiert ist.
WISU: Wie wichtig sind die Studienschwerpunkte?
Hauk: Da wir eine Strategie- und Prozessberatung sind und in erster Linie Industriekunden haben, sind wir beispielsweise weniger an Bewerbern mit ausgeprägtem Finance-Hintergrund interessiert. Generell suchen wir Absolventen mit einem breiten Interessenspektrum, wobei das Interesse für Industriethemen eindeutig erkennbar sein sollte.
WISU: Und wenn die Papierform stimmt?
Hauk: Dann laden wir den Bewerber zu einem ersten Gespräch ein, bei dem es in erster Linie um persönliches Kennenlernen und soziale Kompetenz geht. Hier zeigt sich, ob der oder die Betreffende jemand ist, den wir uns als Berater vorstellen können.
WISU: Worauf achten Sie bei den Persönlichkeitsmerkmalen ganz be-sonders?
Hauk: Der Gesamteindruck ist entscheidend. Von der Körpersprache bis zu der Art, wie sich jemand verbal ausdrückt. Von der Art, Fragen zu stellen und zu beantworten, bis zur persönlichen Ausstrahlung des Bewerbers.
WISU: Der persönliche Eindruck ist also sehr wichtig?
Hauk: Auf jeden Fall.
WISU: Wie erklären Sie es sich, dass einige große Unternehmen Bewerber heutzutage allein aufgrund eines Telefoninterviews ins Assessment Center einladen?
Hauk: Das lässt sich fast nur mit Personalknappheit in der Personalabteilung erklären. Bei uns würde ein Telefonat nicht ausreichen, um so weit im Bewerbungsprozess voranzuschreiten.
WISU: Nehmen wir an, unser Kandidat ist noch interessant ...
Hauk: ... dann geht es in einem zweiten Gespräch um seine bislang erworbenen Kenntnisse, also um seine fachliche Kompetenz: Inwieweit ist ein bestimmtes Wissen vorhanden, das sich zügig ausbauen lässt.
WISU: Muss man als Berater auch Leidenschaft mitbringen?
Hauk: Ich denke, dass man nur dann richtig gut in einem Beruf ist, wenn man ihn auch leidenschaftlich ausübt.

 

(aus WISU 8-9/08)