Wer für eine internationale Strategieberatung wie Booz & Company arbeitet, muss sein Können möglicherweise auch in fernen Ländern unter Beweis stellen. Für Philipp Wackerbeck, der in Passau BWL studierte und an der EBS in Oestrich-Winkel promovierte, ist das kein Problem. Schließlich ist er genau deshalb Unternehmensberater geworden.

Booz & Company

Strategieberatung
auf Arabisch

Eigentlich wollte ich nie Unternehmensberater werden. Nach meiner Promotion, die sich unmittelbar an mein BWL-Studium anschloss, schwebte mir eine wissenschaftliche Karriere oder eine Tätigkeit als Vorstandsassistent vor. Doch es sollte anders kommen. Durch die Doktorarbeit kam ich nämlich mit zahlreichen Vorständen und Bereichsleitern von Banken und Versicherungen in Kontakt. Der intensive Gedanken- und Erfahrungsaustausch, zu dem es dabei kam, weckte dann mein Interesse an strategischen Fragestellungen. Und so beschloss ich, mein Glück in der Beratungsbranche zu versuchen.

Die Entscheidung für Booz & Company fiel dann recht schnell. Erstens gefiel mir die Unternehmenskultur: Ich hatte sofort den Eindruck, dass ich mit den Leuten, die ich während der Bewerbung kennen gelernt hatte, gut zusammenarbeiten würde. Und zweitens bot mir das Unternehmen die Chance, wirklich international arbeiten zu können.

Mein erstes Projekt war dann auch gleich die Post-Merger-Integration zweier Chemieunternehmen aus den USA und Deutschland. Unsere Aufgabe war es, das Management bei der Zusammenführung der zwei ziemlich unterschiedlichen Gesellschaften und Unternehmenskulturen zu unterstützen. Wir waren mit einem großen, multinationalen Team an Bord: Die Kollegen kamen aus verschiedenen deutschen Büros sowie aus Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Großbritannien, Indien, China und den USA.

Ich war für die Zusammenlegung der beiden Finanzbereiche zuständig. Zusammen mit dem Projektleiter entwarf ich eine neue Struktur für die konzernweite Finanzorganisation und legte fest, in welchen Ländern und Regionen künftig welche Aufgaben in der Buchhaltung, im Controlling, Rechnungswesen und im Bereich Steuern durchzuführen waren. Die Umsetzung gestaltete sich allerdings schwieriger als anfangs gedacht. Nicht nur wegen der unterschiedlichen Unternehmenskulturen, auch die Zahlenwerke wurden nach verschiedenen Methoden und Standards erstellt.

Alles in allem war das Projekt jedoch sehr erfolgreich, und der Klient war mit unserer Arbeit hochzufrieden. Zur „Belohnung“ spendierte er dem ganzen Team und den Familienangehörigen ein verlängertes Wochenende in Lissabon, inklusive Segeltörn, Abendessen und einem abwechslungsreichen Unterhaltungsprogramm.

Bereits vor meinem ersten Projekt hatte ich an einem einwöchigen Einführungstraining in Washington teilgenommen. Neben einer Schulung, bei der uns die wichtigsten Berater-Tools vermittelt wurden, erfuhren wir auch mehr über die Philosophie von Booz & Company und den damit verbundenen Werten. In den nächsten zwei Jahren sollte ich noch viele maßgeschneiderte Trainings absolvieren, die alle ausgesprochen hilfreich waren. Wie man Projekte effektiv und vor allem effizient durchführt, lernt man jedoch am besten in der Praxis. Und durch intensive Gespräche mit den Klienten und den Kollegen, von denen man so manchen nützlichen Tipp und viele Anregungen erhält.

Nach einem weiteren Projekt in Deutschland, bei dem wir die neuen Geschäftsfelder eines führenden Finanzdienstleisters bewerteten, ging es dann zu meinem ersten Auslandseinsatz in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Saudi-Arabien. Wir sollten eine neu gegründete islamische Bank bei der Ausrichtung ihrer Geschäftsstrategie beraten.

Die besondere Herausforderung bei der Arbeit mit islamischen Banken besteht darin, dass sie laut Koran bei Krediten keine Zinsen verlangen dürfen. Die Banken bieten deshalb spezielle Finanzkontrakte an, die oft den Charakter von Venture Capital haben. Statt Zinsen erhält der Kreditgeber eine zuvor festgelegte Gewinnbeteiligung.

Der Einsatz war für uns alle eine große Herausforderung. Unser größtes Problem: Das Projekt begann im Fastenmonat Ramadan, bei dem bekanntlich während des Tages nichts gegessen und getrunken werden darf. Letzteres war nur dank der ununterbrochen laufenden Klimaanlagen auszuhalten — schließlich herrschen in dieser Region selbst im September Temperaturen von über 40 Grad.

Da die Kommunikation mit dem Team des Klienten jedoch von Anfang an gut klappte, kamen wir trotz der schwierigen Umstände schnell mit der Arbeit voran. Während wir uns um Dinge wie Zielkunden, Vertriebswege, Produktportfolio etc. kümmerten, schwärmten die Mitarbeiter des Klienten in der ganzen Stadt aus, um die Filialen und Produkte der Konkurrenz unter die Lupe zu nehmen. Auf diese Weise hatten wir bereits nach wenigen Wochen einen sehr guten Überblick über den Markt und die wichtigsten Wettbewerber. Was für die strategische Positionierung „unserer“ Bank von großem Nutzen war.

Das Projekt war auch mit intensiver Reisetätigkeit verbunden. Da es sich nicht lohnte, am Wochenende nach Hause zu fliegen, habe ich immer im 10:4-Rhythmus gearbeitet, das heißt nach zehn Tagen, die ich vor Ort durcharbeitete, bekam ich vier Tage frei, die ich dann daheim in Deutschland verbrachte. Neben dem ständigen An- und Abreisen war ich auch viel in der Region unterwegs, etwa um mir erfolgreiche Konzepte anderer Banken anzuschauen.

Außer in Dubai, Abu Dhabi und Saudi-Arabien bin ich öfters in Kuwait und im Libanon gewesen, wodurch ich einiges von der Lebensweise der Bevölkerung und den Verhältnissen in dieser Region erfuhr. Sehr angetan war ich immer wieder von der Gastfreundschaft und der Herzlichkeit der Menschen.

Da ich während meiner Promotionszeit parallel ein Aufbaustudium in islamischem Bank- und Versicherungswesen absolviert hatte, avancierte ich bei den Mitarbeitern des Klienten rasch zum Experten für islamisches Bankwesen. Etwas skurril war es allerdings schon, wenn ich als Nicht-Muslim meine Meinung zu islam-konformen Finanzprodukten abgeben sollte.

Zurück in Deutschland erwarteten mich dann einige Projekte aus dem Bereich Finanzdienstleistungen, etwa der Aufbau eines neuen Vertriebsweges für eine Versicherung, die Entwicklung neuer Produkte für eine Bank, die vor allem im Privatkundengeschäft tätig war, sowie die Bewertung von Wachstumsstrategien für einen global arbeitenden Vermögensverwalter. Außerdem lernte ich durch zwei Projekte, bei denen ich ein Ministerium und eine Behörde beriet, die strategische Managementberatung im öffentlichen Sektor kennen. Da die Entscheidungsprozesse hier anders verlaufen und Probleme deshalb anders angegangen werden müssen, unterscheidet sie sich deutlich von der Firmenberatung. Das Interessante an diesen Projekten ist, dass sie über rein wirtschaftliche Fragen hinausgehen und oft aktuelle politische Entwicklungen berücksichtigt werden müssen, die den Projektablauf erheblich beeinflussen können.

Zu den Aufgaben eines Beraters gehört auch die Vermittlung zwischen Projektbeteiligten mit gänzlich unterschiedlichen Interessen. Dabei ist es wichtig, eine für alle akzeptable Lösung zu finden, ohne dass es zu faulen Kompromissen kommt. Etwa dann, wenn man vom Klienten ins Boot geholt wird, um bestimmte Veränderungen im Unternehmen durchzusetzen. In solchen Fällen wird einem als Berater viel Fingerspitzengefühl abverlangt. Aber auch viel fachliches Know-how ist nötig, um vom Klienten und den Mitarbeitern akzeptiert zu werden. Die Kunst besteht darin, die Mitarbeiter von der Notwendigkeit der Veränderungen zu überzeugen, ohne dabei das Führungsinstrumentarium eines Managers einsetzen zu können.

Wenn ich heute auf meine bisherige Zeit bei Booz & Company zurückblicke, fällt das Fazit ausgesprochen positiv aus. Die Arbeit als Strategieberater ist zwar anstrengend. Da man es jedoch meist mit anspruchsvollen Projekten und interessanten Persönlichkeiten zu tun hat, lohnt sich der Einsatz. Auf diese Weise habe ich in relativ kurzer Zeit eine Menge gelernt — nicht nur fachlich, sondern auch persönlich. Und aus dem einen oder anderen Kollegen ist inzwischen ein guter Freund geworden.

Die schönsten Momente meines Berufes sind jedoch die, wenn ich morgens die Zeitung aufschlage und lese, dass die Chemiefirma X, einer unserer Klienten, nach längerer Durststrecke wieder profitabel arbeitet. Oder dass die von uns beratene Bank Y gerade einen erfolgreichen Börsenstart hingelegt hat. Dann weiß ich, dass meine Kollegen und ich mal wieder gut gearbeitet haben.

 

Booz

Deutscher Hauptsitz: Düsseldorf. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 3.300 Mitarbeiter.

Gesucht: Wirtschaftswissenschaftler, -ingenieure, -informatiker, -mathematiker
sowie -psychologen. Direkteinstieg per Training-on-the-job.

Kontakt: Klaus Töpfer, Telefon 0211/3890-0,
E-Mail: karriere@booz.com. Weitere Informationen: www.booz.com/de.

 

(aus WISU 10/08)