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Die Direktbank Cortal Consors — eine Tochter der französischen Großbank BNP Paribas — sucht Nachwuchs für die Vermögensberatung und weitere Finanzdienstleistungen. Durch ein Trainee-Programm wird man in relativ kurzer Zeit zum Finanzexperten ausgebildet. Björn Prell, 28, der in Bielefeld BWL studierte, hat es vor kurzem durchlaufen. Cortal Consors
Einstieg in Als ich im letzten November das Kölner Messezentrum betrat, blickte ich in viele müde, aber auch angespannte Gesichter. Für die meisten war es bereits der zweite Tag auf dem Absolventenkongress. Einige hetzten von einem Termin zum anderen, andere legten gerade eine kurze Verschnaufpause ein oder informierten sich an den Ständen der Unternehmen über Einstiegsmöglichkeiten. Ich verschaffte mir erst einmal einen Überblick über die Aussteller. Da ich ins Private Banking oder Asset Management einsteigen wollte, war ich vor allem an Banken interessiert.
Als ich bei meinem Messerundgang am Stand von Cortal Consors vorbeikam, stellte der Leiter des Geschäftsbereichs Beratung gerade das Unternehmen vor. Er erzählte auch ein bisschen von sich, wobei sich herausstellte, dass er — ebenso wie ich — ein begeisterter Motorradfahrer ist. Genau der richtige Anknüpfungspunkt für ein Gespräch, dachte ich. Dann schilderte er die noch relativ kurze Geschichte der Direktbank und erläuterte ihr Geschäftsmodell. Cortal Consors ist eine Tochtergesellschaft der französischen Großbank BNP Paribas. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es hier etwas lockerer zugeht als bei der Privatbank, bei der ich damals gerade ein Praktikum machte. Nach der Präsentation stellte ich mich dem Bereichsleiter vor. Es war ein sehr offenes Gespräch, bei dem ich weitere Einzelheiten über das Unternehmen und die Einstiegsmöglichkeiten für Absolventen erfuhr. Ich war vor allem an dem Trainee-Programm für den Vertrieb interessiert. Da es genau meinen Vorstellungen entsprach, bewarb ich mich gleich an Ort und Stelle. Der Bewerbung folgten dann später ein telefonisches Auswahlgespräch, bei dem auch eine Beratungssituation simuliert wurde, und ein persönliches Gespräch, das vor allem dem besseren gegenseitigen Kennen-lernen diente. Nach einem weiteren Bewerbungsgespräch am deutschen Hauptsitz von Cortal Consors in Nürnberg erhielt ich wenige Tage später die Zusage für die Trainee-Stelle. Im Februar dieses Jahres ging es dann los. Ich lernte nacheinander all jene Abteilungen kennen, mit denen ich später besonders häufig zu tun haben würde. Etwa die Zahlungsverkehrsabteilung, wo Zahlungsvorgänge wie Überweisungen, Lastschriften und Ähnliches abgewickelt werden, die Abteilungen Transaction Domestic und Transaction Global, die für den in- und ausländischen Handel mit Finanzinstrumenten und für Sparpläne zuständig sind, und die Abteilung Corporate Action, die sich mit Kapitalveränderungen wie Aktiensplits und obligatorischen Barabfindungen befasst. Damit war meine Tour durch das Unternehmen jedoch noch längst nicht beendet. In der Abteilung Taxes lernte ich alles über die Besteuerung von Kapitalerträgen, in der Kreditabteilung befasste ich mich mit Effektenkrediten, aber auch mit Mahnschreiben und Pfändungen, und in der Abteilung General Meeting stand ich unseren Anteilseignern als Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Hauptversammlung zur Verfügung. Die — aus meiner Sicht — interessantesten Stationen waren aber die Abteilungen Customer Relationship Management (CRM), Marketing, Anlagestrategie und Produktmanagement. Im CRM gefiel mir, dass ich von Anfang an selbständig und eigenverantwortlich arbeiten konnte. Obwohl ich dort nur kurze Zeit tätig war, erhielt ich einen guten Einblick in alle wichtigen Tätigkeiten und Funktionen. Die Erfahrungen in der Abteilung Anlagestrategie waren nicht weniger aufschlussreich. Die dortigen Mitarbeiter unterstützen den Vertrieb mit Analysen und Prognosen zu wirtschaftlichen Trends sowie mit Daten und Fakten für Kundengespräche. Voraussetzung ist natürlich die intensive Beobachtung der Finanzmärkte. Hier wird auch die Struktur der hauseigenen Musterportfolios überwacht und nötigenfalls angepasst. Da die Abteilung zu BCapital gehört, einer weiteren Tochterfirma von BNP Paribas, können die Anlageexperten stets auf die Analysen des weltweit operierenden Mutterkonzerns zurückgreifen. Auf diese Weise sind die Vermögensberater immer bestens informiert. Im Produktmanagement spiegelt sich die ganze Bandbreite des Bankgeschäfts wider. Hier findet man Mitarbeiter, die den Kontakt zu potenziellen Emittenten herstellen und pflegen, aber auch Tüftler, die sich in Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen neue Produkte, Aktionen, Angebote — oder ganz allgemein: Lösungen — für unsere Kunden ausdenken. Wenn ich nicht gerade in einer der verschiedenen Abteilungen Station machte, arbeitete ich meist im Bereich Service Select, der der Vermögensberatung angegliedert ist. Hier werden vermögende Kunden mit einem Anlagevolumen von über 75.000 Euro betreut, etwa indem wir ihnen spezielle Events oder die Mitgliedschaft in unserer VIP-Business-Lounge anbieten. Außerdem werden Anfragen aus den Filialen, den so genannten Finance Lounges, und aus der Aktienberatung bearbeitet. Besteht Interesse an einer weitergehenden Beratung, werden die Kunden an die Vermögensberatung weitergeleitet. Die Mitarbeiter der Bank standen mir insbesondere in den ersten Wochen, in denen man sich mit den Bankprodukten und vielen anderen Dingen vertraut machen muss, mit Rat und Tat zur Seite. Zu Beginn der Traineezeit ist man vor allem Zuhörer, der die erfahrenen Kollegen zu den Kundengesprächen begleitet. Dabei kann man sich vieles abgucken. Als mir die wesentlichen Abläufe klar waren, konnte ich die Mitarbeiter dann zunehmend aktiv unterstützen. Auch den Vermögensberatern habe ich immer wieder über die Schulter geschaut und auch bereits einige Angebote für sie erstellt. Bei Cortal Consors liegt der Schwerpunkt der Vermögensberatung auf dem Fondsgeschäft sowie auf Zertifikaten und geschlossenen Beteiligungen. Damit werden vor allem Kunden angesprochen, die ihr Geld — etwa zur Altersvorsorge — mittel- bis langfristig anlegen wollen. Getreu der bekannten Portfoliotheorie von Harry Markowitz weisen ihre Portfolios deshalb meist eine breite Risikostreuung auf. Um die Risiken zu minimieren, werden die Depots immer wieder darauf untersucht, ob möglicherweise bestimmte Branchen, Länder oder Anlageklassen übergewichtet sind. Die meisten Beratungsgespräche werden telefonisch abgewickelt. Mit der Eröffnung der ersten Finance Lounges in Nürnberg und Berlin ist Cortal Consors jetzt auch ins Filialgeschäft eingestiegen. Das gibt uns Beratern die Möglichkeit, wichtige Kundengespräche Face-to-Face und in angenehmer Atmosphäre zu führen. Der Mutterkonzern BNP Paribas war von der Idee und der Gestaltung der Finance Lounges so begeistert, dass sie nun auch in Frankreich eingeführt werden sollen. Auch die Aus- und Weiterbildung kommt während des Trainee-Programms nicht zu kurz. Zum einen finden spezielle Schulungen zu einzelnen Produkten (z.B. Beteiligungen und Altersvorsorge) statt. Zum anderen wurde ich während der sechs Monate Certified Professional und später zertifizierter Anlageberater. Die letztere Qualifizierung erfolgte an der Frankfurt School of Finance & Management. Neben den beruflichen Anforderungen stimmte auch das Freizeitangebot. Unser Basketball-Team konnte sich bei einem Turnier mit den Mannschaften anderer Unternehmen messen. Und mit den Motorrad-Enthusiasten des Unternehmens geht es regelmäßig in die nähere Umgebung von Nürnberg, etwa in die wunderschöne Fränkische Schweiz. Trainees, die wie ich zuvor eine Banklehre durchlaufen haben, beenden das Programm schon nach sechs Monaten, andernfalls dauert es ein Jahr. Damit musste ich nicht wieder bei „Adam und Eva“ anfangen. Heute bin ich Vermögensberater bei Cortal Consors, was einige Vorteile hat. So muss ich den Kunden beispielsweise nicht bestimmte „unternehmensnahe“ Produkte empfehlen, sondern kann frei darüber entscheiden. Ich kann mir gut vorstellen, noch einen internationalen Abschluss, etwa einen MBA, zu erwerben oder für die zusammen mit BNP Paribas geplante Privatbank zu arbeiten. Langweilig wird es also sicher nicht.
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