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Der Handel ist für Absolventen, die schnell Karriere machen wollen, bis heute eine verlockende Option. Beim Kaufhof werden sie durch ein 18-monatiges Trainee-Programm zu Geschäftsführern ausgebildet. Jörg Kanabei, 27, der in Köln Betriebswirtschaft studierte, hat daran teilgenommen und wird demnächst eine Kaufhof-Filiale leiten. Kaufhof
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Karriere Meine Karriere beim Kaufhof begann bereits mit 14 Jahren. Ich absolvierte ein zweiwöchiges Schülerpraktikum im Zentraleinkauf der Galeria Kaufhof GmbH im Bereich Kleinelektronik. Allerdings ahnte ich damals noch nicht, dass das Unternehmen einmal eine entscheidende Rolle in meinem Berufsleben spielen würde.
Meine letzte Klausur an der Uni schrieb ich zum Thema „Hat das Warenhaus noch eine Zukunft in Deutschland?“ Eine Frage, die ich bereits damals mit einem klaren „Ja“ beantwortete. Daran hat sich nichts geändert. Weder ein Shopping Center noch der E-Commerce bietet einen so freien und bequemen Zugang zur Warenwelt. Gegen Ende des Studiums musste ich mich dann für einen Beruf entscheiden. Durch meine Praktika und die Studienschwerpunkte Marktforschung und Marketing sowie Handel und Distribution hatte ich den Handel bereits ausgiebig kennen gelernt — sowohl theoretisch als auch praktisch. Warum also nicht hier ins Berufsleben starten? Auf einer Absolventenmesse begegnete ich dann wieder dem Kaufhof. Die Metro-Tochter bot ein 18-monatiges Trainee-Programm an, bei dem man zunächst das gesamte Unternehmen kennen lernen und sich anschließend auf die Position eines Geschäftsführers spezialisieren würde. Ein Angebot, das mir wegen der Kombination aus Controlling und operativer Tätigkeit, bei der man schnell in Führungsverantwortung hineinwachsen würde, geradezu auf den Leib geschneidert war. Eigentlich eine Mischung all dessen, was ich bei den drei Praktika gemacht hatte. Ich bewarb mich und saß bereits wenig später in einem Vorstellungsgespräch. Kurz darauf unterschrieb ich den Arbeitsvertrag. Meine erste Trainee-Station war die Galeria-Kaufhof-Filiale in Köln-Weiden, wo ich — zum Start des Weihnachtsgeschäfts — in der Spiel- warenabteilung den obligatorischen sechsmonatigen Verkaufseinsatz ab- solvierte. Vom Playmobil THW-Set über die Carrera-Bahn bis zum klassischen Gesellschaftsspiel traf ich auf viele alte Bekannte. Ich beriet Kunden, half beim Aufbau der Waren und füllte die Regale nach. Die Kenntnisse, die ich dazu benötigte, eignete ich mir meist durch Learning-by-Doing an, daneben unterstützten mich die Abteilungsleiterin und die Kollegen. Auch jetzt merkte ich wieder, wie viel Spaß mir die Arbeit im Handel macht. In keiner anderen Branche zeigt sich so schnell, ob man erfolgreich ist oder nicht. Bei anderen Jobs hatte ich oft den ganzen Tag intensiv gearbeitet und wusste dennoch nicht so recht, ob ich auch produktiv gewesen war. Jetzt konnte ich Abend für Abend schwarz auf weiß sehen, ob der Vorjahresumsatz übertroffen wurde und damit das tägliche Planziel erreicht war. Das gab mir ein gutes Gefühl. Ich übernahm mehr und mehr Verantwortung, bis ich dann während der letzten zwei Monate selbständig die Abteilung Schuhe und Strümpfe leitete. Mit allem, was dazugehört: Personalplanung, Warenaufbau, Lagerwirtschaft, Inventur und nicht zuletzt die Gespräche mit den Kunden. Wie man sieht, ist die Arbeit im Handel nicht ohne. Die Erfahrungen, die ich im Verkauf sammelte, kommen mir noch heute zugute — mehr als manche Vorlesung an der Uni. Nur wenn man versteht, wie die Arbeit an der Basis funktioniert, hat man später einen Blick für die Dinge und weiß, was wirklich wichtig ist. Hinzu kommt, dass man von den Mitarbeitern viel mehr respektiert wird, wenn man selbst praktische Erfahrung vorweisen kann. Das ist vermutlich in den meisten Branchen so, im Handel aber ganz besonders. Anschließend ging es nach Mannheim und Ludwigshafen, um dort das Tagesgeschäft eines Personal- und Organisationsleiters kennen zu lernen. Da beide Häuser nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind, werden sie von einem Personalmanager betreut. In den folgenden Wochen lernte ich viel über Controlling und Personalführung und was es heißt, für die Ergebnissteuerung einer Filiale verantwortlich zu sein. Dazu gehören nicht nur die Warenwirtschafts-, Ertrags- und Personalplanung, sondern auch das Kosten- und Investitionsmanagement einschließlich des monatlichen Kosten-Controllings. Die Überwachung der Haussicherheit und Hauslogistik fällt ebenfalls in den Aufgabenbereich des Personal- und Organisationsleiters. Mir wurde unter anderem die Aufgabe übertragen, für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft dreißig Aushilfen zu rekrutieren. Man ließ mir weitgehend freie Hand, angefangen bei den Bewerbungsgesprächen über die Auswahl und den Vertragsabschluss bis zu ihrer Einarbeitung. Damit war wieder selbständiges und eigenverantwortliches Arbeiten angesagt — immer mit voller Unterstützung meines Vorgesetzten. Nach sechs Monaten stand dann der nächste Wechsel an. Diesmal ging es nach Mainz, wo ich in die Aufgaben eines Geschäftsführers Ware eingearbeitet wurde. Nicht nur, dass ich meine bisherigen Kenntnisse weiter vertiefen konnte, ich lernte auch sehr viel Neues dazu. Im Handel ist man nur dann erfolgreich, wenn der Kunde oberste Priorität hat. Damit steht die Befriedigung der Kundenwünsche im Mittelpunkt der täglichen Arbeit eines Geschäftsführers. Hinzu kommt die ständige Weiterentwicklung der Filiale und ihrer Mitarbeiter. Der Geschäftsführer entscheidet, welche Umbaumaßnahmen vorgenommen werden, wofür die Eventfläche genutzt wird und welche Trainings das Verkaufspersonal durchläuft. Einen Großteil des Arbeitstages verbrachte ich, wie es bei uns so schön heißt, „auf der Fläche“. Damit ist gemeint, dass man ständig das Gespräch mit den Abteilungsleitern und Mitarbeitern sucht und alles Wichtige im Auge behält, damit der Überblick über das große Ganze nicht verloren geht. Für zusätzliche Abwechslung sorgten verschiedene Seminare, bei denen es beispielsweise um Arbeitsrecht ging, und ein zweiwöchiger Aufenthalt in der Hauptverwaltung. Was mich besonders an der Arbeit eines Geschäftsführers reizt, sind die vielseitigen Aufgaben, die damit verbunden sind. Zum einen der enge Kontakt zu anderen Menschen, den ich auf keinen Fall missen möchte. Dann der Umgang mit Zahlen, der mir schon immer viel Spaß gemacht hat. Hinzu kommt, dass man seine Arbeit weitgehend frei einteilen kann. Natürlich ist man an Termine gebunden, doch wenn einem mal vor lauter Zahlen und Statistiken der Kopf schwirren sollte, kann man ihn bei einer Runde durch das Warenhaus durchlüften und sich danach mit neuem Schwung wieder an die Arbeit machen. Die Öffentlichkeitsarbeit, für die man als Geschäftsführer ebenfalls zuständig ist, hat mir auch viel Freude gemacht. Dazu gehören die Kontakte zur örtlichen Presse und zu Behörden, Verbänden sowie zur Werbegemeinschaft des Handels. Ein aktuelles Thema ist beispielsweise die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten. Gleich nach dem Trainee-Programm wurde ich Assistent des Geschäftsführers einer der größten Galeria-Kaufhof-Filialen. Unser Führungsteam — der Geschäftsführer Ware, die Geschäftsführerin Personal und Organisation und ich — ist für über 400 Mitarbeiter, ca. 23.000 qm Verkaufsfläche und einen stattlichen Umsatz verantwortlich. Meine momentane Hauptaufgabe besteht darin, die beiden Geschäftsführer nach Kräften zu unterstützen. Auf diese Weise kann ich mir bei den zwei Profis noch eine Menge abgucken. Die Erfahrungen, die ich als Trainee und jetzt als Assistent gemacht habe, haben meine Begeisterung für den Handel weiter gesteigert. In welcher anderen Branche kann man innerhalb so kurzer Zeit so viel Verantwortung übernehmen und sich dabei auch noch wie ein Unternehmer fühlen? Mein nächster Karriereschritt steht übrigens bereits fest: Ich werde als Geschäftsführer Ware die Leitung eines eigenen Warenhauses übernehmen. Ich kann es kaum erwarten.
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