Die Projektfinanzierung zählt zu den interessantesten Bereichen im Kreditgeschäft. Wer hier arbeitet, hat es mit stets wechselnden und anspruchsvollen Aufgaben zu tun. Alexander Poch, der an der FH Braunschweig-Wolfenbüttel BWL studierte, war bereits früh vom internationalen Projektgeschäft fasziniert. Nach seinem Studium entschied sich der 30-Jährige für ein Trainee-Programm der Nord/LB.

Norddeutsche Landesbank

Berufsstart
Projektfinanzierung

Nach Banklehre und einjähriger Tätigkeit im Privatkundengeschäft wollte ich meine Kenntnisse weiter vertiefen. Ich entschied mich für den Studiengang Bank- und Finanzmanagement an der FH Braunschweig-Wolfenbüttel, und da mich vor allem das internationale Bankgeschäft interessierte, legte ich auch Auslandssemester in Vancouver, Birmingham und Luxemburg ein.

Bis ein Artikel in einem Wirtschaftsmagazin mein Interesse für Projektfinanzierung weckte. Bei der Projektfinanzierung geht es um Kredite für Investitionsvorhaben, die von wirtschaftlich und rechtlich selbständigen Projektgesellschaften betreut werden. Dreh- und Angelpunkt bei der Kreditvergabe ist die Ermittlung des künftigen Cash Flow. Ich richtete nicht nur mein Studium auf dieses Thema aus, auch meine Diplomarbeit („Eine unter Rendite- und Risikoaspekten optimierte Finanzierungsstruktur für Windparkprojekte“) handelte davon.

Nach dem Studium suchte ich dann nach einer Bank, die mir einen Einstieg in die internationale Projekt- finanzierung ermöglichen würde. Dabei legte ich auch Wert auf gute berufliche Entwicklungschancen und ein angenehmes, nicht von kurzfristigem Profitdenken geprägtes Arbeitsumfeld. Trotz dieser recht hohen Ansprüche an meinen ersten Job wurde ich erstaunlich schnell fündig: Das Trainee-Programm „Structured Finance“ der Nord/LB schien genau zu meinen Vorstellungen zu passen.

Mein erster längerer Einsatz im Rahmen dieses Trainee-Programms erfolgte dann als Mitglied des Teams „Infrastructure Markets Europe“. Es ist auf die Finanzierung und Betreuung von Public-Private-Partnership-Projekten (PPP) spezialisiert, also auf Investitionsvorhaben, bei denen öffentliche und private Interessen Hand in Hand gehen. Hinzu kommt die Finanzierung öffentlicher Projekte, etwa im Bildungssektor, im sozialen Wohnungsbau oder im Gesundheitswesen.

Die Finanzierung von Infrastrukturprojekten war zwar Neuland für mich, doch ich brachte etwas theoretisches Wissen mit. Eine meiner ersten Aufgaben war eine Kreditüberwachungsvorlage für ein von uns mitfinanziertes Verkehrsprojekt in Spanien. Ich sammelte und analysierte alle erdenklichen Informationen und Daten, die für die Stärken/Schwächen-Analyse und die Kreditüberwachung benötigt wurden.

Auch mein nächstes Projekt war ein öffentliches Bauvorhaben, diesmal in Griechenland. Was die Projektfinanzierung so faszinierend macht, ist die Tatsache, dass kein Investitionsvorhaben dem anderen gleicht — selbst wenn es auf den ersten Blick oft so aussieht. Jede Finanzierung erfordert deshalb individuelle Lösungen.

Meine nächste Station war die Abteilung „Energy Origination Europe“. Hier werden Kunden aus der Energiebranche akquiriert, wobei der Schwerpunkt auf den erneuerbaren Energien liegt, vor allem auf der Windkraft. Es werden sowohl Onshore-Anlagen, also Windparks auf dem Festland, als auch Offshore-Anlagen — Windparks auf See — finanziert. Die Nord/LB verfügt hier über eine umfangreiche Expertise und zählt zu den weltweit wichtigsten Kreditgebern. Dank der Vorkenntnisse, die ich durch meine Diplomarbeit besaß, arbeitete ich mich schnell in das Thema und in die speziellen Risiken von Windpark-Finanzierungen ein.

Da die Teams im „Structured Finance“ von Hannover, London, New York und Singapur aus arbeiten, ergab sich auch die Möglichkeit zu einer vierwöchigen Stippvisite in unserer Londoner Niederlassung. Als einer der weltweit wichtigsten Finanzplätze ist die britische Hauptstadt auch bei Projektfinanzierungen von großer Bedeutung. Es war interessant zu sehen, wie sich die britischen Gesetze, die oft von den deutschen abweichen, auf die jeweiligen Finanzierungsstrukturen auswirken. Einige der Kollegen, die ich in London traf, kannte ich bereits von den Telefonkonferenzen, die im „Structured Finance“ regelmäßig stattfinden.

Da London Sitz zahlreicher Finanzfirmen ist, hatte ich auch immer wieder Gelegenheit, an interessanten Verhandlungen teilzunehmen. Oft musste man nur die Straße überqueren, um die Gesprächspartner zu treffen. An die Arbeit im Großraumbüro, in dem 20 und mehr Kollegen arbeiteten, gewöhnte ich mich schnell. Zwar geht es etwas lauter und hektischer zu als in einem Zwei-Mann-Büro, dafür erfuhr ich eine Menge über das Londoner Geschäftsleben. Um viele Erfahrungen reicher und mit der Sonderaufgabe im Gepäck, spezielle Informationen über Kunden, Produkte und Konkurrenten einzuholen, fuhr ich zurück nach Hannover.

Neben „Structured Finance“ lernte ich auch mehrere Schnittstellenbereiche kennen, etwa die Abteilungen Kreditsicherheitenmanagement, Kreditrisikosteuerung und Kreditrisikomanagement, die Bereiche Financial Markets und Firmenkunden sowie das Kreditportfoliomanagement. Letztere Station gefiel mir besonders, da man sich hier mit der Konzentration von Risiken im Kreditgeschäft und der Frage „How much is too much?“ auseinandersetzt.

Ich arbeitete auch an einem Syndizierungsbericht mit, der dem Vorstand Informationen über die von der Nord/LB zu syndizierenden Kredite lieferte. Dabei handelt es sich um Darlehen, die zunächst von einer einzelnen Bank bewilligt und anschließend auf mehrere Kreditinstitute verteilt werden, was das Finanzierungsrisiko verringert. Eine Praxis, wie man sie vor allem bei Großprojekten findet.

Ein anderer Schnittstellenbereich, in dem ich Station machte, war die interne Revision für das Kreditgeschäft. Als Erstes machte ich mit den dort eingesetzten Prüfungstechniken Bekanntschaft, so dass ich die Bank aus einer völlig neuen Perspektive kennenlernte. Bei einer Prüfung des Bereichs Firmenkunden untersuchte ich mithilfe von Mitarbeiterinterviews die dortigen Vertriebs-prozesse. Parallel dazu analysierte ich einige ausgewählte Kreditgeschäfte im Hinblick auf Risikokonzentrationen.

Zu dieser Zeit war ich noch relativ neu in der Bank und mit dem Firmenkundengeschäft nicht sehr vertraut. Dank der Erfahrungen, die ich als Bankkaufmann beim Vertrieb von Privatkundenprodukten gesammelt hatte, arbeitete ich mich jedoch rasch ein. Bemerkenswert war auch, dass man mir als Neuling umfassende Einblicke in viele Geschäftsvorgänge gewährte. Was mir zeigte, dass die Bank ihren Trainees vom ersten Tag an großes Vertrauen entgegenbringt.

Parallel zu diesen Praxiseinsätzen nahm ich an verschiedenen Seminaren teil, die sich beispielsweise mit dem Thema „Einsatz von Derivaten im Kreditbereich“ oder „Internationale Rechnungslegungsstandards“ beschäftigten. Hinzu kamen Schulungen, die der Persönlichkeitsentwicklung dienten. Hier ging es dann um Themen wie „Ausstrahlung und Wirkung“ und „Erfolgreich kommunizieren“. Abgerundet wurde das Schulungsprogramm durch regelmäßige Englischkurse.

Derzeit nehmen ungefähr 40 Trainees an den Programmen der Nord/LB teil. Man trifft sich nicht nur bei den Schulungen oder im Betriebsrestaurant, sondern auch außerhalb der Arbeitszeit für gemeinsame Aktivitäten. Viele Trainees engagieren sich auch bei Projekten, mit denen die Trainee-Programme weiter verbessert werden sollen.

Um den Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern der Abteilungen zu fördern, finden regelmäßig Teambuilding-Veranstaltungen statt. Bei einem dieser Events arbeitete ich gerade in der Abteilung „Structured Finance Industries“. Die Bank hatte einen großen Bus gemietet, der die gesamte Abteilung in die nahe Lüneburger Heide brachte. Dort fand dann zwischen den Teams ein — allerdings nicht ganz ernst gemeinter — olympischer Sportwettkampf statt. Abends wurde zusammen gekocht. Auf diese Weise lernt man die Kollegen auch privat näher kennen.

Inzwischen sind neun von zwölf Monaten des Trainee-Programms vergangen. Zeit, ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. Wenn ich zurückblicke, stelle ich fest, dass ich bereits enorm viel gelernt habe. Schon jetzt fühle ich mich bestens auf die beruflichen Herausforderungen vorbereitet, die mich nach meiner Traineezeit erwarten. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist vielleicht, dass man in der Projektfinanzierung — Stichwort: alternative Energie — auch einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft leisten kann. Eine Aufgabe, die meine Kollegen und ich sehr ernst nehmen.

 

Norddeutsche Landesbank

Zentrale: Hannover. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 5.500 Mitarbeiter.

Gesucht: Wirtschaftswissenschaftler, -informatiker und -mathematiker. Es werden mehrere Trainee-Programme geboten.

Kontakt: Madelaine Hein, Tel. 0511/361-4950, E-Mail: madelaine.hein@nordlb.de. Weitere Informationen findet man unter www.nordlb.de/karriere.

 

(aus WISU 2/09)