Rückversicherungen sind ein wichtiger Teil des Assekuranzgeschäfts, weil sie die Risiken der Erstversicherer abdecken. Zu den Großen der Branchen gehört die Hannover Rück, die als „vielseitiger Spezialist" viele unterschiedliche Risikoarten versichert — und das in 150 Ländern. Anna Solodenko, 27, arbeitet nach Abschluss des Trainee-Programms als Underwriter im Unternehmen.

Hannover Rück

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Rückversicherungen sind meist im Hintergrund tätig. Als „Versicherungen der Versicherer" sorgen sie dafür, dass es im Assekuranzgeschäft zu keinen gravierenden Störungen und Ausfällen kommt. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Branche manchmal von Absolventen übersehen wird, die nach einer interessanten beruflichen Tätigkeit Ausschau halten.

Auch ich hatte zunächst nicht an Rückversicherungen gedacht, als ich mich nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Hannover (Schwerpunkte: Wirtschaftspolitik, Marketing und Nonprofit Management) nach einem Job umsah. Mein künftiger Arbeitsplatz sollte vor allem zwei Bedingungen erfüllen: Internationalität und eine abwechslungsreiche Aufgabe, zu der auch Reisen gehören sollten. Mit Versicherungen hatte ich das bislang nicht in Verbindung gebracht. Doch dann machte mich eine Bekannte auf die Hannover Rück und deren Trainee-Programm aufmerksam. Sie hatte es selbst durchlaufen und berichtete sehr eindrucksvoll von ihren Erfahrungen.

Neugierig geworden, holte ich auf der Firmen-Homepage weitere Informationen ein. Bewerber für das Trainee-Programm sollten längere Zeit im Ausland studiert haben und mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen. Gesucht wurden Wirtschaftswissenschaftler, aber auch Mathematiker und Juristen.

Da ich während meines Studiums ein Jahr in Australien gewesen war und neben Englisch auch noch Russisch, Ukrainisch und ganz passabel Spanisch spreche, waren die Anforderungen kein Problem. Also bewarb ich mich.

Als einer der größten Rückversicherer der Welt ist die Hannover Rück rund um den Globus tätig. Man pflegt Geschäftsbeziehungen zu über 5.000 Versicherungsgesellschaften in rund 150 Ländern. Die Unternehmenssprache ist zwar Englisch, da die Mitarbeiter jedoch aus etwa 30 Nationen kommen, hört man in der Konzernzentrale in Hannover die unterschiedlichsten Sprachen.

Mir war das bereits bei meinem ersten Vorstellungsgespräch in Hannover aufgefallen, als mir eine ganze Reihe gut gelaunter Mitarbeiter entgegenkamen, die sich auf Spanisch, Englisch, Russisch und in anderen Sprachen unterhielten. Schon damals dachte ich, dass ich mich in diesem Unternehmen wahrscheinlich sehr wohl fühlen würde.

Während des auf 18 Monate angelegten Trainee-Programms hatte ich dann ausreichend Gelegenheit, alle Sparten und Marktsegmente der Hannover Rück kennenzulernen und mir klar darüber zu werden, welche Tätigkeit und welcher Bereich am besten zu mir passten. Deshalb rate ich jedem, der noch nicht so recht weiß, wo seine berufliche Zukunft liegt, ein Trainee-Programm zu absolvieren. Zumal dies auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, danach in einer Position zu arbeiten, die genau den eigenen Wünschen und Vorstellungen entspricht.

Zum Trainee-Programm gehören fünf Stationen in unterschiedlichen Abteilungen des Unternehmens. Während der sechsten und letzten Ausbildungsphase arbeitet man dann in einer Niederlassung oder Repräsentanz im Ausland. Jeder Einsatz dauert etwa drei Monate, wobei man von Anfang an in das Tagesgeschäft einbezogen wird. Ergänzt wird das Ganze durch Schulungen und Seminare.

Den dreimonatigen Auslandseinsatz verbrachte ich jeweils zur Hälfte in unseren Büros in Toronto und Kuala Lumpur. Dabei lernte ich nicht nur die nationalen Besonderheiten des Assekuranz-Business, sondern auch Land und Leute kennen. In besonders guter Erinnerung ist mir ein traditionelles Fest in Malaysia, zu dem mich eine Kollegin eingeladen hatte. Zurück in Deutschland hatte ich nicht nur fachlich einiges dazugelernt, sondern war auch um manche persönliche Erfahrung reicher.

Bereits vor meinem Auslandseinsatz stand fest, in welchem Unternehmensbereich ich nach Abschluss des Trainee-Programms arbeiten würde. Denn in der Abteilung, in der ich damals tätig war, wurde eine Stelle frei. Da mir die Arbeit dort gut gefiel und ich mich auch mit den Kollegen sehr gut verstand, griff ich gleich zu, als mir die Stelle angeboten wurde. Das führte dazu, dass ich statt der geplanten fünf nur vier Stationen durchlief. Woran man sehen kann, dass das Trainee-Programm bei der Hannover Rück flexibel gehandhabt wird.

Als so genannter Underwriter bin ich heute für unser fakultatives Haftpflicht-Portfolio in Nordasien, wozu China, Taiwan, Japan und Südkorea zählen, und in Indien verantwortlich. „Fakultativ" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Erstversicherer bei Einzelrisiken von Fall zu Fall entscheidet, ob und bei wem er diese rückversichert. Dass ich gut zwei Jahre nach meinem Einstieg bereits ein eigenes Portfolio manage, gehört zur Philosophie der Hannover Rück. Mitarbeiter lernen hier früh, Verantwortung zu übernehmen.

Meine Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Risiken einzuschätzen, die unsere Kunden, die Erstversicherer, bei uns versichern möchten, und die Konditionen auszuhandeln, zu denen wir uns an einem Risiko beteiligen. Zu meinem Portfolio gehören unter anderem eine japanische Pharmafirma, deren Produkthaftpflicht wir rückversichern, und ein Busunternehmen in Hongkong, an dessen allgemeiner Haftpflicht wir uns beteiligen.

In diesem Job sind nicht nur ausgeprägte analytische Fähigkeiten wichtig, sondern auch Kundenkontakte, weshalb Dienstreisen für mich fast zum Alltag gehören. So werde ich demnächst zwei Wochen in Taiwan sein, um unsere dortigen Kunden zu besuchen.

Heute weiß ich, wie interessant die Tätigkeiten sind, die Rückversicherungen zu bieten haben. So dürfte es nur wenige Branchen geben, in denen es derart international zugeht. Meetings mit Kollegen und Kunden aus aller Welt sind an der Tagesordnung. Doch die Arbeit ist nicht nur ungemein abwechslungsreich, sondern auch sehr anspruchsvoll und findet zudem in einem hochprofessionellen Umfeld statt: Unsere Kunden sind nämlich selbst Versicherungsfachleute, die genau wissen, wovon sie sprechen. Keine Frage: Ich habe meinen Traumjob gefunden.

 

Hannover Rück

Hauptsitz: Hannover. Das Unternehmen beschäftigt 1.900 Mitarbeiter.

Gesucht: Wirtschaftswissenschaftler, -informatiker und -mathematiker. 12- bis 18-monatige Trainee-Programme in mehreren Bereichen.

Kontakt: Clarissa Lange, Telefon 0511/5604-1163, E-Mail: personnel@hannover-re.com. Weitere Informationen unter www.hannover-rueck.de.

 

(aus WISU 7/09)