Ein Job bei einem namhaften Markenartikler ist für viele ein Traum. Für Claudia Schneider wurde er Realität. Nach ihrem BWL-Studium in Passau und einem Praktikum bei Unilever stieg sie vor drei Jahren als Marketing-Trainee beim Konsumgüterriesen (u.a. Langnese, Lätta, Sunil) ein. Heute ist die 29-Jährige Brand Managerin für eine britische Margarine-Marke.

Unilever

Karrierestart
mit Cornetto & Co.

Als ich mich ein Jahr vor Beendigung meines Studiums bei Unilever für ein Marketing-Praktikum bewarb, ahnte ich nicht, dass ich damit bereits die entscheidende Weiche für meine berufliche Zukunft gestellt hatte. Nach einem Online-Test und Telefon-Interview traf ich den Senior Brand Manager von BiFi, der sich intensiv nach meinen Marketing-Kenntnissen erkundigte. Was ich ihm erzählte, hat ihn offenbar überzeugt, denn wenig später erhielt ich die Zusage für das Praktikum.

Es war das Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Unilever wollte die Gelegenheit nutzen, um BiFi, die bekannte Mini-Salami, noch populärer zu machen. Ein Werbevertrag mit Nationalspieler Bastian Schweinsteiger war bereits unter Dach und Fach. Nun galt es, die Werbebotschaft am Point of Sale, im Fernsehen, Internet und natürlich auf den BiFi-Verpackungen möglichst effektiv in Szene zu setzen. Letzteres war eine der Aufgaben, mit denen ich mich im Laufe meines viermonatigen Praktikums befasste.

Nachdem das Verpackungsdesign entworfen war, musste alles genau mit der Rechtsabteilung, dem Einkauf und der Produktion abgesprochen werden. Dieser Abstimmungsprozess und die vielen Deadlines, die dabei zu beachten waren, entpuppten sich als echte Bewährungsprobe, die ich jedoch dank der Unterstützung vieler Kollegen meisterte.

Parallel dazu half ich bei der Vermarktung zweier neuer Produktvarianten: einer geräucherten BiFi und einer BiFi im Vollkornbrötchen, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen sollte. Da das Projekt noch in den Kinderschuhen steckte, wurde mir die Analyse des deutschen Brotmarktes übertragen. Außerdem sollte ich herausfinden, welche Teigsorten für den Brotmantel in Frage kamen. Aufgrund dieser Recherchen wurden später im BiFi-Werk in Ansbach die ersten Produkttests durchgeführt.

Die abwechslungsreichen Aufgaben sorgten dafür, dass das Praktikum wie im Flug verging. Als man mich dann fragte, ob ich mich später für das zweijährige Trainee-Programm bewerben wolle, war ich sofort Feuer und Flamme. Nicht nur, dass bei Unilever kein Tag wie der andere verläuft und man bereits als Praktikant mit anspruchsvollen Aufgaben betraut wird. Auch dass alle mit großem Engagement bei der Sache sind und die Faszination, die von den vielen bekannten Marken ausgeht, hatten mich von dem Unternehmen überzeugt. Jetzt musste ich nur noch das Assessment Center überstehen.

Genau ein Jahr nach meinem Praktikum betrat ich wieder die Firmenzentrale in der Hamburger City. Diesmal führte mich der Weg ins Marketing von Langnese, der ersten Station meines Trainee-Programms. Die nächsten Monate würden also ganz im Zeichen von Magnum, Cornetto & Co. stehen. Kann man sich als Marketing-Trainee einen schöneren Berufsstart wünschen? Zumal mich das junge achtköpfige Marketing-Team auch noch mit einem üppigen Blumenstrauß empfing.

Meine erste größere Aufgabe war die Organisation der alljährlichen Verkaufstagung, die bereits in drei Wochen stattfinden sollte. Zusammen mit einer Event-Agentur entwickelte ich ein Konzept, das wir dann Schritt für Schritt weiter ausarbeiteten und verfeinerten. Die Veranstaltung fand beim Hamburger Hafen statt. Hier sollten der Verkaufsmannschaft und dem Key Account Management die Eiscreme-Neuheiten des kommenden Jahres präsentiert werden.

Für den reibungslosen Ablauf des zweitägigen Events erhielt ich von den Teilnehmern viel Lob. So etwas motiviert natürlich. Mit frischem Schwung ging ich an die nächste Aufgabe heran. Diesmal ging es darum, die Verbraucher über unsere Produktneuheiten zu informieren. Zusammen mit einer Internet-Agentur brachte ich unsere Website auf den neuesten Stand. Außerdem versorgten wir die Presse mit Info-Material und entwarfen einen Newsletter. Schließlich mussten auch noch die Preistafeln dem geänderten Sortiment angepasst werden.

Da jeder Marketing-Trainee bei Unilever drei verschiedene Abteilungen kennenlernt, ging es nach einem Jahr im regionalen Marketing von Langnese ins strategische europäische Marketing der Eiscreme-Sparte. Dass sich die europaweite Marketing-Zentrale in Rom befindet, machte mir den Abschied von den Hamburger Kollegen etwas leichter. Irgendwie hat dieser Standort eine gewisse, wenn auch unbeabsichtigte Folgerichtigkeit: Schließlich ist Rom nicht nur Italiens Hauptstadt, sondern auch die Hauptstadt des Dolce Vita. Und wer kennt sich mit Speiseeis besser aus als die Italiener?

In Rom erwartete mich jedoch nicht nur ein süßes Leben, sondern auch harte Arbeit. In unserem internationalen Team, zu dem Italiener, Holländer und Franzosen gehörten, war ich — zusammen mit der Senior Brand Managerin — für die Eisdesserts in Holland, Belgien, Großbritannien, Irland und Schweden verantwortlich. Wir sollten eine bereits in Deutschland erfolgreiche Produktreihe in Holland, Belgien, Großbritannien und Schweden einführen. Das erforderte einiges Fingerspitzengefühl — nicht nur was den Namen und das Design des Produktes, sondern auch die Kommunikation betraf. Zum Glück stand mir eine fähige italienische Designerin zur Seite, die meine Ideen perfekt umsetzte.

Beim strategischen Marketing geht es vor allem um die Entwicklung neuer Produkte. Das bedeutet, dass man bei den Geschmackstrends in den einzelnen Ländern stets auf dem Laufenden sein muss. Mit einem Koffer voller Ideen fuhr ich nach Süditalien, wo Unilever eine große Eisfabrik betreibt. Mit dem Produktionsprozess hatte ich bereits während eines einwöchigen Aufenthalts im Langnese-Werk in Heppenheim, wo ich selbst am Band stand, Bekanntschaft gemacht. In dem italienischen Werk werden in einer riesigen „Zutatenküche" die verschiedensten Eiskreationen zusammengestellt — ein El Dorado für Leckermäuler. Die vielversprechendsten Rezepte werden dann in der Marktforschung weiter getestet.

Zurück aus Rom standen sechs Monate Außendienst auf dem Programm — die letzte Stufe der Trainee-Ausbildung. Ausgestattet mit Firmenwagen und festem Kundenstamm musste ich zeigen, dass ich auch an der Verkaufsfront meinen Mann oder vielmehr „meine Frau" stehen kann. Eine meiner Meinung nach unerlässliche Erfahrung für jeden, der im Marketing arbeiten will. Denn erst beim täglichen Kontakt mit den Leitern und Mitarbeitern der unterschiedlichsten Verkaufsstellen wird einem richtig bewusst, wie weit der Weg von der ersten Produktidee bis in die Einkaufstasche der Konsumenten ist.

Nach dem Ende der Traineezeit bot man mir eine Stelle an, zu der ich einfach nicht Nein sagen konnte. Ich sollte Brand Managerin für eine spanische Light-Marke werden. Mit anderen Worten: Man übertrug mir die Verantwortung für eine in Spanien äußerst beliebte Produktlinie, zu der unter anderem kalorienarme Mayonnaise, Ketchup, Margarine und Marmelade zählen.

Ehrlich gesagt hatte ich anfangs Bedenken, ob ich dieser Aufgabe gewachsen sein würde. Doch ich merkte schnell, dass ich durch die Erfahrungen der letzten zwei Jahre sehr gut auf meinen Job vorbereitet war. Nachdem ich meinen Kommunikationsstil dann den südlichen Gepflogenheiten angepasst hatte — anstelle von E-Mails setzte ich mehr auf persönliche Gespräche —, klappte auch die Zusammenarbeit mit den spanischen Kollegen bestens.

Eines meiner ersten Projekte als Brand Managerin war eine Studie, bei der ich zusammen mit einer Marktforschungsagentur die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise auf das Konsumverhalten unserer Zielgruppe untersuchte. Schließlich hat die Krise in Spanien besonders zugeschlagen. Bevorzugten die dortigen Verbraucher jetzt andere Produkte? War unsere Werbung noch zeitgemäß?

Ich war gerade mal vier Monate als Brand Managerin tätig, als unser „Light-Team" von Hamburg ins europäische Headquarter nach Rotterdam umzog. Internationale Marken-Manager müssen eben flexibel sein! Inzwischen hat sich auch mein Tätigkeitsfeld geändert. Seit kurzem bin ich für eine britische Margarine-Marke zuständig und gerade dabei, mich in diese neue Aufgabe einzuarbeiten. Dass man sich immer wieder auf andere Kulturen und Konsumgewohnheiten einstellen muss, ist eine der reizvollsten Seiten meines Berufes.

 

Unilever

Deutscher Hauptsitz: Hamburg. Das Unternehmen beschäftigt 174.000 Mitarbeiter, davon 7.600 im deutschsprachigen Raum.

Gesucht: Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsingenieure. Geboten wird ein Trainee-Programm mit mehreren Schwerpunkten.

Kontakt: Tel. 0800/0007530, E-Mail: recruitment.de@unileverservices.com. Weitere Informationen unter www.unilever.de.

 

(aus WISU 10/09)