E.ON ist nicht nur der größte deutsche Energieversorger, sondern auch ein wichtiger Player auf dem Weltmarkt. Wer beim Düsseldorfer Konzern Karriere macht, hat oft das E.ON Graduate Program durchlaufen. So auch Johannes von Clary. Der 28-Jährige studierte in Passau Betriebswirtschaft und beendete vor kurzem das Einstiegsprogramm des Konzerns.

E.ON

Mit Energie
Karriere machen

Es war ein Praktikum bei einem Hamburger Erdöl-Broker, durch das ich zum ersten Mal mit der Energiewirtschaft in Kontakt kam. Schon damals faszinierte mich das Treiben auf den Rohstoffmärkten, womit dann auch mein Interesse an der Energiebranche geweckt war. Eine Leidenschaft, die bis heute anhält.

Die Energiewirtschaft ist für mich eine der aufregendsten Branchen, nicht nur weil sie die gesamte Volkswirtschaft „unter Strom" hält, sondern auch weil sie sich permanent verändert. Ich nahm mir deshalb vor, mich gleich nach meinem Studium bei einem großen Energieunternehmen zu bewerben.

Prompt stieß ich bei meiner Jobsuche auf eine sehr interessant klingende Stellenanzeige des Energieriesen E.ON. Das Düsseldorfer Unternehmen suchte Teilnehmer für das E.ON Graduate Program (EGP). Was mir auf Anhieb gefiel, war die starke internationale Ausrichtung des Programms. Nicht zuletzt deshalb, weil ich bereits einige Monate im Ausland gewesen war — als Austauschstudent in Budapest und als Praktikant in Hongkong — und mir das Leben als „Expat" gut gefallen hatte. Da sich das 18-monatige Graduate Program vor allem an Wirtschaftswissenschaftler wendet, die eine internationale Konzern-Karriere anstreben, und auch ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt vorgesehen ist, hatte ich schnell Feuer gefangen und bewarb mich.

Nach einem ersten Telefoninterview wurde ich zum Assessment Center in die Konzernzentale nach Düsseldorf eingeladen. Schon während des AC, das aus Interview, Case Study, Rollenspiel und Gruppendiskussion bestand, machten sich die Beobachter Notizen, welche Unternehmensbereiche für die Teilnehmer aufgrund ihrer speziellen Talente und Fähigkeiten in Frage kamen. Wie sich herausstellte, „passte" ich am besten zur Abteilung Trading & Optimization, die in den nächsten vier Monaten meine Heimatstation werden sollte.

Der „Welcome Day" war dann eine gute Gelegenheit, all die anderen EGP-Trainees kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen. Die folgenden Wochen waren mit den unterschiedlichsten Schulungen aus-gefüllt, bei denen es jedoch nicht nur um die Energiewirtschaft, sondern auch um Themen wie „Intercultural Effectiveness" ging.

Dann erwartete mich auch schon mein erstes kleines Projekt. Ich sollte eine Datenbank für Rohstoffpreise verbessern, anhand derer Markt- und Vorstandsberichte erstellt werden. Meine Aufgabe beschränkte sich zunächst auf die Abstimmung zwischen den Datenlieferanten, Nutzern und unserer IT-Abteilung. Doch es sollte nicht lange dauern, bis ich eigenverantwortlich Marktberichte erstellte. Auf diese Weise gewann ich früh einen guten Überblick über den Energiehandel und die wichtigen Zusammenhänge auf den Rohstoffmärkten.

Als Teilnehmer des Graduate Program steht einem vom ersten Tag an ein Mentor zur Seite. Er ist nicht nur der erste Ansprechpartner bei allen Fragen zum Unternehmen, sondern auch ein „Door Opener", der einem wichtige Kontakte im Konzern vermittelt. Denn der Weg eines EGP-Trainees ist nicht detaillliert vorgezeichnet. Es liegt weitgehend an einem selbst, welche Bereiche man in den 18 Monaten kennenlernt.

Da ich während meines Hamburger Praktikums bereits mit dem Rohstoffhandel in Berührung gekommen war, entschied ich mich für E.ON Energy Trading als nächste Station. Sie dauerte vier Monate, in denen ich bei mehreren Projekten mitarbeitete. Dabei ging es unter anderem um die Modernisierung von Kraftwerken und die bessere Vermarktung ihrer Produkte.

Im Januar 2009 ergab sich dann die Möglichkeit, für ein halbes Jahr nach Italien zu gehen. E.ON hatte dort ein Energieunternehmen übernommen, das umstrukturiert und in den Konzern integriert werden sollte.

Ich musste nicht lange überlegen und packte bereits in Gedanken meine Koffer. Eine Auslandstätigkeit bringt viele Herausforderungen mit sich, die einen jedoch — zumindest ist das meine Erfahrung — beruflich und auch persönlich voranbringen. Man muss nicht nur viele Hindernisse im Alltag und im Büro überwinden, sondern sich auch an die neuen Gegebenheiten anpassen. Schließlich geht es darum, trotz unterschiedlicher Arbeitsmethoden und sozialer Gepflogenheiten gut zusammenzuarbeiten, um als Team erfolgreich zu sein. Dabei wird einem auch schnell klar, was mit interkultureller Kompetenz gemeint ist.

Die nächsten sechs Monate verbrachte ich also in Mailand und Rom. Schon nach wenigen Tagen wusste ich, dass meine Entscheidung goldrichtig war. Nicht nur, dass ich bei allen Aufgaben und Projekten großen Handlungs- und Entscheidungsspielraum hatte. Ich arbeitete auch in vorderster Reihe bei der Integration des Unternehmens mit. Dabei bewährte sich auch das Netzwerk, das ich zuvor in der Konzernzentrale aufgebaut hatte. Immer wenn ich mir nicht sicher war, ob eine Idee tatsächlich so gut war wie ich dachte, fragte ich meine dortigen Kollegen um Rat.

Ich muss wohl ganz gute Arbeit geleistet haben. Denn als der leitende Integrationsmanager eines Tages sein Team erweitern wollte, sprach er ausgerechnet mich an. Damit stand ich vor der Wahl, entweder die letzte Station des Graduate Program sausen zu lassen oder mein erstes Job-Angebot im Konzern auszuschlagen.

Nach längerem Überlegen entschied ich mich schweren Herzens für Letzteres. Ich tröstete mich damit, dass noch eine lehrreiche Zeit in der Konzernzentrale auf mich wartete, in der ich auch meine nächsten Karriereschritte mit meinem Mentor besprechen konnte.

Doch schneller als gedacht überquerte ich erneut die Alpen in Richtung Italien. Diesmal nicht als Trainee, sondern als frischgebackener EGP-Absolvent.

Anders als bei meinem ersten Italien-Einsatz geht es diesmal nicht um eine Post-Merger-Integration. Unser Team soll den Zusammenschluss einer italienischen Firma mit einer E.ON-Gesellschaft in Düsseldorf vorbereiten und begleiten — ein ziemlich komplexes Vorhaben. Dank meiner bisherigen Erfahrungen fühle ich mich jedoch bestens vorbereitet.

 

E.ON

Hauptsitz: Düsseldorf. Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland 37.400 Mitarbeiter.

Gesucht: Wirtschaftswissenschaftler, Wirtschaftsingenieure und Informatiker. Geboten werden 18-monatige Trainee-Programme in den Business Units und das konzernweite E.ON Graduate Program.

Kontakt: www.eon-karriere.com.

 

(aus WISU 4/10)