Wenn — wie bei der Ölpest im Golf von Mexiko — große Schäden durch Unfälle oder Naturkatastrophen zu befürchten sind, treten die Rückversicherer auf den Plan. Ihr Geschäft ist sehr international. Das erfuhr auch Paul Gleitsmann, 27, der nach seinem Wirtschaftsstudium in Bayreuth und Hannover letztes Jahr im Konzernrechnungswesen der Hannover Rück anfing.

Hannover Rück

Als Financial Accountant
beim Rückversicherer

Mit der Hannover Rück kam ich erstmals durch eine Seminararbeit in Kontakt, die ich im Rahmen einer Statistik-Veranstaltung anfertigte und anschließend dem Unternehmen vorstellte. Das war im Oktober 2006. Als ich mich dann zwei Jahre später als Absolvent nach Einstiegsmöglichkeiten umsah, erinnerte ich mich wieder an die Hannover Rück. Ein renommierter Konzern, der weltweit gefragte Versicherungsprodukte anbietet, müsste einem jungen Wirtschaftsabsolventen wie mir doch interessante berufliche Perspektiven bieten.

Auf der Website des Unternehmens fanden sich dann auch eine Reihe attraktiver Trainee-Positionen. Ich bewarb mich und erhielt leider eine Absage. Damit schien das Thema Hannover Rück erst einmal erledigt zu sein. Bis ich dann einige Wochen später Post von der Personalabteilung bekam: Es ging um eine Stelle im Konzernrechnungswesen, und man lud mich zum Vorstellungsgespräch ein.

Damit hatte ich nicht gerechnet. Da mir die ausgeschriebene Position eines Financial Accountant jedoch gefiel, sagte ich kurzentschlossen zu. Auch deshalb, weil sie sehr gut zu meinen Studienschwerpunkten Rechnungslegung, Statistik und Anglistik passte. Eine — zugegeben — etwas ungewöhnliche Kombination, die sich jedoch jetzt als Pluspunkt erweisen sollte. Denn wie sich im Vorstellungsgespräch herausstellte, kam es bei der Stelle nicht nur auf gute Rechen- und Bilanzierungskenntnisse an, sondern auch auf sehr gutes Englisch.

Und das nicht ohne Grund. Denn wie in kaum einer anderen Branche geht es im Rückversicherungsgeschäft sehr international zu. Erst recht bei der Hannover Rück, einem der führenden Unternehmen in diesem Assekuranz-Zweig. Nicht nur, dass etwa jeder Zweite der zweitausend Mitarbeiter im Ausland tätig ist, auch die Konzernsprache ist Englisch.

Sprachen haben mich schon immer interessiert. So war ich bereits als Austauschschüler in den USA. Im Studium weckte dann eine chinesische Kommilitonin mein Interesse für Chinesisch. Während ich ihr half, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, erhielt ich von ihr Unterricht in Mandarin. Um die Sprache richtig zu lernen, entschloss ich mich auf ihren Rat hin, für ein Semester nach China zu gehen. So kam es, dass ich heute ganz gut Mandarin spreche.

Natürlich habe ich die freie Zeit neben dem Studium nicht nur dazu genutzt, Chinesisch zu lernen. Ich wollte auch möglichst viel Praxis- und Berufserfahrung sammeln. So arbeitete ich eine Zeit lang bei einer mittelständischen Firma. Später absolvierte ich dann noch ein Praktikum im niedersächsischen Wirtschaftsministerium und war Werkstudent bei einer Frankfurter Consulting-Firma, die sich auf die Beratung von Banken spezialisiert hatte. Hier schrieb ich dann auch meine praktische Diplomarbeit.

Doch zurück zur Hannover Rück. Das Vorstellungsgespräch verlief ausgesprochen positiv, und man lud mich zu einem „Schnuppertag" ein. Damit hatte ich die erste Stufe des Auswahlverfahrens bereits gemeistert. Schnuppertag bedeutet, dass man einen Tag in der Fachabteilung verbringt, für die man sich beworben hat. So haben beide Seiten Gelegenheit, sich kennenzulernen und herauszufinden, ob man zueinander passt. Am Ende dieses Tages stand dann fest, dass ich als Financial Accountant in der Konzernrechnungslegung der Hannover Rück anfangen würde.

Dass ich die Stelle bekam, verdankte ich nicht zuletzt meiner etwas exotischen Fächerkombination. Deshalb mein Rat an alle, die noch am Anfang ihres Studiums stehen: Bei der Fächerwahl nicht nur auf den Arbeitsmarkt schielen, sondern auch den eigenen Neigungen folgen. Damit fährt man oft besser. Denn wer stets das macht, was alle machen, ist später als Bewerber nur einer unter vielen. Außerdem lernt es sich leichter, wenn man auch Spaß am Studieren hat.

Wie alle Einsteiger der Hannover Rück erwartete mich ein ausgeklügeltes Einarbeitungsprogramm, das mich das verpasste Trainee-Programm schnell vergessen ließ. Ich bekam einen Tutor an die Seite gestellt — ein erfahrener Mitarbeiter aus dem Konzernrechnungswesen —, der mich an die ersten Aufgaben heranführte und zusammen mit mir einen speziell auf mich zugeschnittenen Einarbeitungsplan aufstellte. In ihm war genau festgehalten, welcher Kollege aus welcher Abteilung mir wann welche Dinge erklären würde.

Das Tutor-Programm erwies sich als enorm hilfreich. Wie alle Einsteiger lernte ich es schnell zu schätzen, dass ich einen konkreten Ansprechpartner im Unternehmen hatte, an den ich mich jederzeit wenden konnte. Neben dem täglichen Training-on-the-job fanden eine Reihe von Einführungsseminaren statt, bei denen es um Themen wie Datenverwaltung, MS-Office-Anwendungen und natürlich um das Rückversicherungsgeschäft ging.

Meine wichtigste Aufgabe als Financial Accountant ist die Koordination der Zwischen- und Geschäftsberichte. Während der Abschlusserstellung wandern alle Zahlen, die für den Abschluss oder den Anhang bestimmt sind, früher oder später über meinen Schreibtisch. Nach einer eingehenden Prüfung gebe ich sie dann zur Veröffentlichung an das Corporate Communications weiter.

Daneben kümmere ich mich um unser Tool zur Datenerfassung, unterstütze unsere ausländischen Gesellschaften beim Aufstellen ihrer Abschlüsse, betreue die IT-Systeme an der Schnittstelle von Datenerfassung und Konsolidierungstechnik, pflege das Datenanalyse-Tool und fertige neue Berichte an. Falls im Rahmen eines Updates neue Konten eingeführt werden, lege ich sie an und verwalte sie.

An Arbeit mangelt es also nicht. Momentan implementieren wir eine neue Software für die Datenerfassung, die künftig bei allen Einzel- und Konzernabschlüssen zum Einsatz kommen wird. Nur für meine Chinesischkenntnisse ergaben sich bislang noch nicht sehr viele Verwendungsmöglichkeiten. Doch wer weiß: Da die Hannover Rück auch in China tätig ist, könnte sich das ja eines Tages ändern.

 

Hannover Rück

Hauptsitz: Hannover. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 2.000 Mitarbeiter.

Gesucht: Wirtschaftswissenschaftler, -informatiker und -mathematiker. Geboten werden Trainee-Programme mit den Schwerpunkten Rückversicherung und Mathematik sowie Direkteinstiegspositionen.

Kontakt: Marc-Oliver Dorn, Telefon 0511/5604-1952, E-Mail: personnel@hannover-re.com.

 

(aus WISU 5/10)