Japan Tobacco International, kurz JTI, ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Tabakwaren. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz ist auf Expansionskurs und auf der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs — unter anderem in der Bedarfsplanung, wo Oliver Benter vor drei Jahren anfing. Das Tabakgeschäft hatte der heute 30-Jährige bereits als Student kennengelernt.

Japan Tobacco International

Erfolgreicher Start im
Tabak-Business

Es war im vierten Semester meines Wirtschaftsinformatik-Studiums an der Uni Trier, als mir eine Kommilitonin einen Nebenjob bei Japan Tobacco International vermittelte. Das Unternehmen — seit der Übernahme des internationalen Geschäfts von J.R. Reynolds vor elf Jahren der drittgrößte Tabakwarenhersteller der Welt (u.a. Camel, Winston) — unterhält in Trier ein Werk mit über 1.600 Mitarbeitern, was es zum größten privaten Arbeitgeber der Region macht.

Ich arbeitete zunächst 20 Stunden pro Woche als Datentypist im Produktionsbereich, dem sogenannten Making/Packing. JTI führte damals — es war das Jahr 2003 — die japanische Management-Methode Kaizen ein, bei der es bekanntlich um kontinuierliche Verbesserungen in allen Unternehmensteilen geht.

Das setzte auch eine genaue Analyse der Produktionsdaten voraus. Dazu wurde ein Scorecard-System aufgebaut, mit dem die Schwachstellen im Produktionsprozess aufgespürt werden sollten. Die ermittelten Daten wurden anschließend in bestimmte Kennzahlen umgewandelt, mit deren Hilfe sich neue Stör- und Fehlerquellen schnell erfassen und beseitigen ließen.

Der Nebenjob war die perfekte Ergänzung zu meinem Studium: Ich verdiente nicht nur gutes Geld, sondern erhielt auch jede Menge Informationen für meine Diplomarbeit, die sich mit dem Zusammenspiel von Business Intelligence und Kaizen befasste. Durch das von JTI entwickelte Kennzahlensystem konnte ich meine theoretischen Ausführungen mit hieb- und stichfestem empirischen Datenmaterial untermauern. Was sich dann auch in der Note niederschlug.

Aus dem einen Jahr, das ich ursprünglich im Produktionsbereich von JTI verbringen wollte, wurden schließlich vier. Doch das war, wie sich noch herausstellen sollte, erst der Auftakt zu meiner Karriere im internationalen Tabakgeschäft.

Denn 2007 — ich hatte gerade meine Diplomarbeit beendet — machte mir JTI ein Jobangebot, zu dem ich einfach nicht nein sagen konnte. Seit dieser Zeit arbeite ich als Demand Planning Manager im Bereich Leaf.

Hier dreht sich alles um Rohtabak. Meine Abteilung ist für die strategische Planung des Tabakeinkaufs zuständig. Wir sind also dafür verantwortlich, dass der für unsere Produkte benötigte Rohtabak jederzeit in ausreichender Menge und Qualität vorhanden ist.

Während meiner Tätigkeit in der Produktion hatte ich viel über die Herstellung von Zigaretten und die damit verbundenen Fertigungsabläufe gelernt. Umso interessanter war es jetzt, alles über den Rohstoff Tabak zu erfahren. Das Ganze ist allerdings eine Wissenschaft für sich. So gibt es zwar zahlreiche Tabaksorten, aber nur wenige Güteklassen kommen für die Weiterverarbeitung in unseren Produkten in Betracht.

Um zu wissen, welche Tabaksorten in welcher Menge geordert werden müssen, verschaffen wir uns zunächst einen Überblick über die Verkaufszahlen, die von den Ländern gemeldet werden. Diese werden dann mit den Beständen in den Produktionsstätten und dem Zentrallager in Antwerpen abgeglichen. Weitere Anhaltspunkte kommen von den Kollegen, die für die Tabakmischungen, die sogenannten Blends, zuständig sind. In ihren „Bills of Material" ist genau festgehalten, welche Güteklassen für die einzelnen JTI-Produkte benötigt werden.

Eine wichtige Rolle bei der Einkaufsplanung spielt auch die Verfügbarkeit der Tabake, d.h. welche Sorte in welcher Güteklasse zu welcher Zeit geerntet wird und damit von uns eingekauft werden kann. Erst wenn all diese Daten vorliegen und in Bezug gesetzt werden, lässt sich ein optimales Einkaufsprogramm erstellen. Nur so kann man sicherstellen, dass stets genügend Tabak auf Lager ist und die Produktion reibungslos vonstatten geht.

Da sich das Headquarter des Unternehmens in Genf befindet, bin ich immer ziemlich viel unterwegs. Von dort werden die weltweiten Aktivitäten koordiniert. Bei meinen letzten Aufenthalten in der Schweiz ging es darum, zwei vor kurzem erworbene Rohtabakfirmen aus Südafrika und Brasilien in den Konzern zu integrieren. Ein hochinteressantes Projekt, das mit einigen Herausforderungen verbunden war.

Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich immer wieder auf mein Wissen aus dem Studium zurückgreifen kann. Denn auch in einer traditionsreichen Branche wie der Tabakindustrie geht heute nichts mehr ohne die Informationstechnologie. Beispielsweise gibt es spezielle Programme für die Qualitätsanalyse. Auch bei der Einkaufsplanung wird eine spezielle Software eingesetzt. Eine meiner Aufgaben ist es, bei der Wahl geeigneter Programme zur Datenerfassung und -verarbeitung zu helfen.

Daneben erstellen meine Kollegen und ich Inventaranalysen, die für die Cash-Flow-Prognosen benötigt werden. Diese Analysen sind auch wichtig, um rechtzeitig auf Lieferengpässe und Preiserhöhungen reagieren zu können.

Wie mein weiterer Werdegang bei JTI aussieht? Vorerst würde ich gern im Bereich Leaf bleiben. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten. Da Tabak auf der ganzen Welt angebaut wird und JTI zu den führenden Playern der Branche zählt — das Unternehmen bezieht Tabak aus über 40 Ländern und ist in 27 Staaten mit eigenen Produktionsstätten vertreten —, sind die Vorausset-zungen für einen interessanten Auslandseinsatz bestens, zumal JTI auch entsprechende Programme anbietet.

Andererseits komme ich durch meinen Job und die vielen in-ternationalen Kontakte bereits heute viel herum. So war ich bereits auf Teneriffa und in Sri Lanka, wo sich eine unserer Fabriken und ein Zulieferer befinden, sowie in Südafrika und in Malawi, wo ich bei der Integration von Planungssystemen half. Selbst hier in Trier geht es dank der vielen Kollegen aus dem Ausland ausgesprochen international zu. Wenn man so will, kann ich also auch daheim Auslandsluft schnuppern.

 

Japan Tobacco International

Deutscher Hauptsitz: Trier. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 25.000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es 1.700.

Gesucht: Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsinformatiker. Einstieg per Training-on-the-job.

Kontakt: Tel. 0651/815-0, E-Mail: germany.careers@jti.com. Zusätzliche Informationen unter www.jti.com.

 

(aus WISU 6/10)