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Wer häufig mit dem Flugzeug unterwegs ist, dem wird der Name Gebr. Heinemann ein Begriff sein. Das Hamburger Familienunternehmen betreibt an vielen Flughäfen Duty Free Shops und ist auch als Großhändler und Logistik-Dienstleister erfolgreich. Julia Bayer stieg nach ihrem Wirtschaftsstudium an der FH Mainz als Retail-Trainee ein. Inzwischen ist die 31-Jährige auf dem Sprung zum Shop Manager. Gebr. Heinemann Arbeitsplatz Airport: Als ich meine Diplomarbeit — es ging um interne Kommunikation — beim Betreiber des Frankfurter Airports, der Fraport AG, schrieb, erlebte ich den Flughafen von einer ganz neuen Seite. Er ist nicht nur Ausgangspunkt für Reisen in alle Welt, sondern auch ein quirliger Arbeitsplatz für Menschen mit unterschiedlichsten Qualifikationen. Neben der internationalen Atmosphäre faszinierten mich auch die vielen, oft edlen Geschäfte, die man dort findet. Ich fragte mich, was diesen Markt vom normalen Einzelhandel unterscheidet.
Neugierig geworden, nahm ich mir vor, bei nächster Gelegenheit mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten. Bei einer Absolventenmesse war es dann soweit. Nachdem ich mich bei zwei, drei anderen Firmen „warmgelaufen" hatte, steuerte ich den Messestand der Gebr. Heinemann an. Eine freundliche Mitarbeiterin lud mich zum Gespräch ein. Dabei erfuhr ich, dass es außer dem Retail-Programm, auf das ich ein Auge geworfen hatte, noch zwei weitere Trainee-Programme mit den Ausrichtungen Einkauf und Vertrieb gibt, die am Firmensitz in Hamburg stattfinden und ebenfalls anderthalb Jahre dauern. Sie bereiten auf eine zentrale Fach- und Führungslaufbahn im jeweiligen Bereich vor. Am Ende des Gesprächs kamen wir beide zu dem Ergebnis, dass das Retail-Programm genau das Richtige für mich wäre. Da mein Gegen-über selber Retail-Trainee war, erfuhr ich viel über den Inhalt und die Anforderungen des Programms. Gesucht wurden praxisorientierte Wirtschaftswissenschaftler, die eine anspruchsvolle Karriere im Handel anstrebten. Die 18-monatige Ausbildung sah auch einen Einsatz an einem ausländischen Flughafen vor — für mich ein weiterer Pluspunkt, da ich während eines Semesters im schottischen Aberdeen das Leben und Arbeiten im Ausland schätzen gelernt hatte. Ich bewarb mich noch an Ort und Stelle und wurde einige Zeit später zum Assessment Center nach Hamburg eingeladen. Da es mein erstes AC war, fuhr ich etwas nervös in die Hansestadt. Die professionelle Moderation und die lockere Atmosphäre sorgten jedoch dafür, dass sich mein Lampenfieber schnell legte. So fiel es mir nicht schwer, mich mit all meinen Stärken (und Schwächen) zu präsentieren. Beim AC, das aus Interview, Case Study und Gruppendiskussion bestand, waren neben den Personalmitarbeitern auch Retail Manager verschiedener europäischer Standorte dabei. Während im Interview unter anderem unsere Motivation getestet wurde, ging es bei der Case Study darum, die fachlichen und analytischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Bei der abschließenden Gruppendiskussion standen dann Teamwork und Führungsstärke im Mittelpunkt. Noch am selben Abend erfuhr ich, dass ich zu den Teilnehmern des Trainee-Programms gehören würde. Im Frühjahr 2008 ging es mit den „Welcome Days", dem obligatorischen Einführungsseminar für alle frischgebackenen Trainees, los. Ich lernte meine neuen Kollegen kennen und knüpfte erste Kontakte. Außerdem machte ich Bekanntschaft mit meiner Patin, die selber noch Trainee war und mich in den nächsten Monaten unterstützen würde. Ein Besuch des Zentrallagers im Hamburger Stadtteil Allermöhe rundete die „Willkommenstage" ab. Dann erwartete mich auch schon die erste Trainee-Station. Am Flughafen Hamburg lernte ich die Basics eines Handelsunternehmens. Es ging um Kundenberatung, Inventur, Logistikprozesse, um das Warenbewirtschaftungssystem und die Besonderheiten des Reisemarktes. Am Anfang des dreimonatigen Einsatzes arbeitete ich im Schichtdienst mit, danach begleitete ich die Shop und Category Manager, um das Tagesgeschäft aus der Perspektive der Führungskräfte kennenzulernen. Mein erstes eigenes Projekt war die Betreuung und Neugestaltung des internen Newsletters. Die Unterschiede zum Einzelhandel in der Stadt waren besonders aufschlussreich. Da sich das Angebot der Duty Free Shops an die Reisenden an den Flughäfen richtet, sind Öffnungszeiten von nahezu 24 Stunden keine Seltenheit, weshalb die Mitarbeiter im Schichtsystem arbeiten. Weitere Unterschiede sind die TÜV-geprüften Preise, was den Kunden Preisvorteile bis zu 30 Prozent garantiert, die Vorschriften bei der Mitnahme von Flüssigkeiten und die größeren Packungsformate, etwa Spirituosen in Ein-Liter-Flaschen oder 300 Gramm schwere Schokoladentafeln. Eine weitere Besonderheit ist, dass man hier nur mit gültiger Bordkarte einkaufen kann und die Kunden meist nicht viel Zeit haben. Das erfordert eine gezielte und professionelle Beratung durch das Verkaufspersonal. Als Nächstes war der Düsseldorfer Flughafen an der Reihe. Diese drei Monate waren mit unterschiedlichsten Aufgaben und Projekten ausgefüllt. Unter anderem mit der Urlaubsvertretung des Assistenten des Retail Managements, der Planung und Durchführung einer Teambuilding-Maßnahme für Führungskräfte und der Mitarbeit bei einem Shop-Umbau. Die dritte Station stand dann ganz im Zeichen der neuen Einzelhandelsmarke Heinemann: Damit wurde dem Duty-Free-Geschäft des Unternehmens ein einheitliches und unverwechselbares Gesicht verliehen. Als Standort für den Pilotshop wurde der Flughafen Hamburg auserkoren. Bei diesem Projekt arbeiteten wir Trainees sozusagen an vorderster Front mit. Da wir mit der Dokumentation der Markeneinführung beauftragt waren, mussten wir uns mit vielen Themen wie Operations, HR, Communications und Services befassen. Für das nötige Know-how in Sachen Projektmanagment sorgte ein zweitägiges Training in der Hamburger Zentrale. Bau und Eröffnung des 1.400 Quadratmeter großen Shops an der Hamburg Plaza erlebten wir dann aus nächster Nähe mit. Gemeinsam mit den Geschäftsführern bestückten wir am Ende auch die Regale mit Ware. Station Nummer vier des Trainee-Programms war der Flughafen Köln/ Bonn, wo ich unter anderem einen Lagerverkauf für die Mitarbeiter des Flughafens organisierte und das Intranet betreute. Daneben stand vor allem die Kundenberatung im Mittelpunkt. Bei meinen täglichen Runden durch die acht Shops, die Gebr. Heinemann in Köln betreibt, lernte ich auch viel über Gesprächs- und Mitarbeiterführung. Auf diese Weise wuchs ich jeden Tag ein Stückchen mehr in die Rolle einer Führungskraft hinein. Die letzte Station hieß Österreich. In unserem Duty Free Shop am Flughafen Salzburg führte ich eine Sortimentsbereinigung im Warensegment Perfume/Cosmetics durch, außerdem befasste ich mich mit der Planung und Umsetzung umsatzsteigernder Maßnahmen. Auch diesmal erweiterte sich wieder mein Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Zunehmend nutzte ich nun auch die Kontakte, die ich während meiner vorherigen Stationen zu anderen Flughäfen geknüpft hatte. Kurz vor dem Ende des Programms teilte mir dann unser Personalchef mit, dass ich nach meiner Trainee-Zeit als Assistent des Retail Managements am Flughafen Köln/ Bonn anfangen könne. Es war genau die Herausforderung, die ich mir erhofft hatte. Da ich dort bereits gearbeitet hatte, das Team also gut kannte und mich dort auch sehr wohl gefühlt hatte, nahm ich das Angebot gern an. Die Assistenz des Retail Managements umfasst alle Themen rund um den Verkauf wie Umsatzanalysen, die Optimierung von Prozessen, die Pflege der Kontakte zu den Konzessionären und die operative und strategische Weiterentwicklung des Outlets. Nachdem ich nun ein knappes Jahr in dieser Position gearbeitet habe, fühle ich mich bestens vorbereitet, das Management eines Duty Free Shop zu übernehmen. Doch damit ist mein Weg bei Gebr. Heinemann noch lange nicht zu Ende.
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