|
Der GMAT ist ein vierstündiger,
standardisierter Test in englischer Sprache, der vom Education
Testing Service (ETS) entworfen und weltweit vom Graduate
Management Admission Council (GMAC) durchgeführt wird. Mit ihm
werden quantitatives Denkvermögen unter Zeitdruck und verbale
Fähigkeiten geprüft. Bis auf die beiden 30-minütigen Essays
handelt es sich um einen Multiple Choice-Test.
Mittlerweile wird
der GMAT ausschließlich am Computer durchgeführt. Da es sich
um einen „computer adaptive test" handelt, werden die
Fragen bei richtigen Antworten automatisch schwieriger — und
umgekehrt. Eine Frage gilt als umso schwieriger, je weniger
Teilnehmer zuvor die richtige Antwort fanden. Die dahinter
stehende Idee ist, dass man sich auf dem Schwierigkeitsgrad
einpendelt, der den eigenen Fähigkeiten entspricht. Einzelne
Fehler fallen dann nicht ins Gewicht, wenn man sich
anschließend durch richtige Antworten wieder auf denselben
Schwierigkeitsgrad vorarbeitet.
Besondere
Aufmerksamkeit sollte man den ersten acht Fragen der jeweiligen
Sektion schenken, da sich die Qualität der Antworten stark auf
das Ergebnis auswirkt. Das Gleiche gilt neuerdings für die
letzten fünf Fragen der beiden Hauptsektionen.
Beim GMAT kann man
nicht durchfallen. Stattdessen gilt es, eine möglichst hohe
Punktzahl zu erzielen. Je renommierter das MBA-Programm ist,
für das man sich bewirbt, desto höher ist in der Regel die
geforderte Mindestpunktzahl. Wobei diese oftmals nicht genau von
den Business Schools definiert wird. Auf diese Weise bleibt man
bei den Zulassungskriterien flexibel. So werden nicht selten
Bewerber mit einer geringeren GMAT-Punktzahl angenommen, wenn
sie aus anderen Gründen (z.B. ungewöhnliche Berufserfahrungen
etc.) als besonders interessant erscheinen. Deshalb macht es in
solchen Fällen durchaus Sinn, sich auch dann bei Top-Schulen zu
bewerben, wenn man beim GMAT nicht ganz so gut abgeschnitten
hat. Am strengsten ist übrigens die Stanford Business School.
Ihre MBA-Studenten erzielten im Durchschnitt fast 730 Punkte.
Ein Ergebnis, das vielleicht einer von 200 Teilnehmern erreicht.
Der GMAT soll
darüber Aufschluss geben, ob man in der Lage ist, komplexe
Sachverhalte und Probleme unter Zeitdruck zu analysieren und
schnell einer Lösung zuzuführen. Daran lässt sich auch
erkennen, ob jemand effizient arbeiten kann, was wiederum
Hinweise darauf gibt, ob man den anspruchsvollen und oft sehr
stressreichen MBA-Programmen gewachsen ist.
Der GMAT setzt keine
Fachkenntnisse voraus. Es sind weder spezielle mathematische
Kenntnisse erforderlich, noch werden eine besonders gute
Allgemeinbildung oder gar vertiefte wirtschaftswissenschaftliche
Kenntnisse verlangt. Mathematisches Grundlagenwissen genügt,
allerdings sollte man einigermaßen sattelfest im Englischen
sein, da man sonst zu viel Zeit beim Erfassen der Fragen
verliert. Die Herausforderung besteht eher darin, sich auf die
spezielle Struktur dieses Tests einzustellen, was sich jedoch
vorweg relativ gut trainieren lässt.
Obwohl der GMAT nur
ein Zulassungskriterium von vielen ist, räumen ihm die
B-Schools relativ viel Bedeutung ein. Ein Grund ist, dass dieser
standardisierte Test fast die einzige Vergleichsbasis bei der
Beurteilung internationaler Bewerber ist. Den Business Schools
fällt es nämlich häufig äußerst schwer, die Qualität
ausländischer Hochschulabschlüsse einzuschätzen. Deshalb ist
die Verlockung groß, eine Vorselektion anhand des GMAT-Scores
vorzunehmen, bevor man in die umfangreichen weiteren
Bewerbungsunterlagen einsteigt. Dies gilt umso mehr, wenn eine
B-School von Bewerbungen überschwemmt wird, wie dies — wegen
der gesunkenen Einstellungsmöglichkeiten in der Wirtschaft —
momentan der Fall ist. Dies bringt nämlich viele auf die Idee,
ihre berufliche Qualifikation um einen MBA- oder sonstigen
wirtschaftlich ausgerichteten Master-Titel anzureichern, um so
die Karrierechancen zu erhöhen.
Manchmal hilft ein
gutes GMAT-Ergebnis auch dabei, trotz mäßiger
Studienergebnisse von der Business School angenommen zu werden.
Ein guter GMAT erhöht außerdem die Chance, eines der —
übrigens sehr seltenen — Stipendien zu ergattern, die von den
Business Schools vergeben werden.
Der GMAT dauert
knapp vier Stunden. Die reine Testzeit beträgt 3,5 Stunden. Den
Anfang bilden zwei halbstündige Essays. Nach einer optionalen
Pause von fünf Minuten schließen sich die beiden Multiple
Choice-Sektionen an. Hier erwarten den Testteilnehmer ein
quantitativer (37 Fragen in 75 Minuten) und ein verbaler Teil
(41 Fragen in 75 Minuten). Zwischen beiden kann man fünf
Minuten Pause einlegen.
Analytical
Writing Assessment.
Bei den zwei halbstündigen Essays muss man zu vorgegebenen
Themen Stellung nehmen. Ein Essay steht unter dem Motto „Analysis
of an Issue", der andere befasst sich mit der „Analysis
of an Argument". Im ersten Fall muss man seine Meinung zu
einem bestimmten Thema äußern und möglichst gut begründen.
Die Themen sind kontrovers, so dass es sich unbedingt empfiehlt,
sie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, um
anschließend eine überzeugende Position zu beziehen.
Bei der „Analysis
of an Argument" wird hingegen die Argumentationskette eines
anderen analysiert und bewertet. Dabei geht es darum, logische
Fehler oder sonstige Schwächen seiner Argumentation
herauszuarbeiten.
Die
quantitative Sektion.
Dieser Testabschnitt weist zwei Fragetypen auf: „Problem
Solving" und „Data Sufficiency". Beim ersten müssen
mathematische Textaufgaben aus den Bereichen Algebra, elementare
Geometrie, Prozentrechnung und Statistik gelöst werden. Man hat
die Wahl zwischen fünf vorgegebenen Antworten. Dazu ein
Beispiel:
Barry, Harry and
Larry are going on a skiing vacation. Each of the three is
driving an equal amount of the total distance of the trip which
is 600 miles in total. Each of the drivers drives his part with
an average of 30, 50 and 75 miles per hour, respectively. What
was the average speed of the whole trip in miles per hour?
A. 30; B. 35; C. 45; D. 50; E. 75.
The standard way to
solve this question illustrates the inefficiency test-takers
incur when they are not specially trained to solve such
questions. Each of the drivers drives a leg of 200 miles (600/3
= 200). Given the respective speeds, one can calculate the
individual times needed: for Barry 200/30 = 6 2/3, for Harry
200/50 = 4, and for Larry 200/75 = 2 2/3. In total, the trip
takes 6 2/3 + 4 + 2 2/3 = 13 1/3 hours. Hence, the average speed
is 600/(13 1/3) = 45 miles per hour. This takes some time to
calculate due to the fractions caused by dividing into 200. It
is much easier, however, to start right away with a trip length
that is a common multiple of the individual speeds (30, 50, and
75), and the result will be identical to that found using the
given number 200. Using a length of 150 for the legs, we get
150/30 = 5, 150/50 = 3 and 150/75 = 2 for the driving times. The
resulting division, 450/(5+3+2) = 45, yields the same correct
answer, but is much easier and faster to carry out.
Bei den Aufgaben zu
„Data Sufficiency" muss man herausfinden, welche
Informationen zur Lösung der Aufgabe benötigt werden. Dabei
werden zwei Informationen vorgegeben. Man muss nun entscheiden,
ob die Aufgabe mit Information 1 oder mit Information 2 gelöst
werden kann, ob beide Informationen zusammen nötig sind, ob
beide Informationen gleichermaßen zum Ziel führen, oder ob
keine der beiden Informationen ausreicht. Damit sind die
Antworten für jede Aufgabe festgelegt:
A. Statement (1)
alone is sufficient to solve the question.
B. Statement (2) alone is sufficient to solve the question.
C. (1) and (2) together are sufficient to solve the question.
D. (1) alone and (2) alone are sufficient to solve the question.
E. With the information given it is not possible to solve the
question.
Dazu ein Beispiel:
What is the value of
two-digit number X?
(1) One digit is 4 smaller than the other one.
(2) The sum of both digits is 12.
Both statements
alone do not suffice to answer the question. Statement (1) only
provides the relation between the two digits without any clue as
to their real identity. Likewise, statement (2) gives another
relation between the digits, but again, this alone does not
solve the problem (many different digits add up to 12). With
both statements together, we can determine that the digits must
be 8 and 4. These are the only two digits that fulfill both the
requirements of statement (1) and (2). Nothing is said about the
order of the digits, however, and so we are left with the two
choices 48 and 84. Thus, we can’t determine the value of X
exactly, and the answer is E.
Verbale
Sektion. Diese
Sektion enthält Fragen aus den Bereichen „Reading
Comprehension", „Critical Reasoning" und „Sentence
Correction". Sie werden in zufälliger Reihenfolge
präsentiert. Bei „Reading Comprehension" werden zu
längeren Textpassagen (ca. 350 Wörter pro Passage) jeweils
drei oder vier Fragen gestellt. Um sie richtig beantworten zu
können, muss man die logische Struktur der Texte und die
konzentriert dargebotenen Fakten erfassen.
Im Abschnitt „Critical
Reasoning" müssen Fragen zu kurzen Textpassagen
beantwortet werden, in denen bestimmte Situationen beschrieben
werden. Man muss analysieren, wie eine bestimmte These
unterstützt oder geschwächt werden kann, wobei fünf
Lösungsvorschläge vorgegeben werden, aus denen der beste
auszuwählen ist. Mit diesem Test wird vor allem das analytische
und logische Denkvermögen getestet. Hier ein Beispiel:
Icarus Airline
Manufacturing Corporation has continuously made greater profits
and provided Airlines with more efficient airplanes by producing
airplanes with increased seating capacity. Hoping to continue
this financial trend, the company is now planning to launch a
double decker jumbo jet.
The plan of the
company assumes all of the following except:
A. The demand
for airline services will increase in the future.
B. The increased efficiency due to higher seating capacity
will compensate for additional expenses incurred through
production of the new jumbo jet.
C. The new airplanes will be sufficiently reliable to
insure the company a net financial gain once they are in
operation.
D. Maneuvering the new airplanes will be no more difficult
for pilots than older, smaller models.
E. The new airplanes will not face such obstacles as too
narrow parking slots at the airports.
The trend is that
they have made money. To continue the trend, they will assume
anything in the design of the new jumbo jet that indicates that
they will make money. The correct answer will be a choice that
does not demonstrate a cost-related issue. Choice A implies that
increased service will mean increased revenue, something they
will have assumed if they make the decision to build the jumbo
jets. Choices B and C imply that they believe that the jets will
be reliable enough and have enough seats to compensate for
production and operation cost — once again an assumption that
leads to the company continuing their profit trend. Choice E
must be assumed as well because if airplanes are too big to land
and park at airports, they will have no clients, no matter how
good they are. The only choice that does not indicate a
financial factor assumption is choice D.
Bei "Sentence
Correction" soll aus fünf Variationen eines Satzes die
beste ausgewählt werden. Man muss nicht nur eine
grammatikalisch einwandfreie Lösung finden, sondern auch die
sprachlich effizienteste Variante. Deutschsprachige Teilnehmer
haben damit häufig Schwierigkeiten. Ein Beispiel (der
unterstrichene Satzteil ist grammatikalisch falsch):
A powder derived
from the North America Echinacea flower, which has been
effective in preventing colds,
is grown by many small farmers out West.
A. A powder
derived from the North America Echinacea flower, which has been
effective in preventing colds
B. A derivative, which has been effective in preventing
colds, of the North American Echinacae flower
C. A North American Echinacae flower derivative, which has
been effective in preventing colds
D. The North American Echinacae flower has a derivative
which has been effective in preventing colds, that
E. The North American Echinacea flower, a derivate of which
has been effective in preventing colds
The correct answer
is E.
Der Official Score
Report führt die Punktzahl für die Essays (zwischen 0 und 6
Punkten) sowie für den quantitativen und den verbalen Teil
(jeweils bis zu 60 Punkte) einzeln auf. Das Gesamtergebnis kann
zwischen 200 und 800 Punkten liegen. Im Durchschnitt werden etwa
500 Punkte erzielt. Ergebnisse unter 250 und über 650 Punkten
sind relativ selten. Man sollte versuchen, in allen Sektionen
des Tests hoch zu punkten, da sich nur so ein hohes
Gesamtergebnis erzielen lässt. Nur die beiden Essays sind nicht
ganz so wichtig: Ihre Note wird zwar einzeln ausgewiesen,
fließt jedoch nicht ins Gesamtergebnis ein.
In Deutschland kann
man den GMAT in Frankfurt, München oder Berlin ablegen. Die
Anmeldung ist nur über die Firma Sylvan in den Niederlanden
möglich (Sylvan Learning Systems B.V., CITO, P.O. Box 1109,
6801 BC Arnhem, Netherlands, Tel. 0031/26352-1577). Die Gebühr
beträgt 200 Dollar.
Zum GMAT gibt es
eine Fülle von Lernmaterialien. Es empfiehlt sich, mehrere von
ihnen heranzuziehen. Vor allem in den USA erfreuen sich
Vorbereitungskurse großer Beliebtheit. Sie haben den Vorteil,
dass der Stoff in der Regel besser aufgenommen wird als bei
einem rein kognitiv-abstrakten Vorbereitungstraining.
Kandidaten, die ein besonders hohes Ergebnis erzielen möchten
und mit Tests dieser Art nicht vertraut sind oder dazu neigen,
bei Tests unterhalb ihres Leistungsvermögens abzuschneiden,
sind diese Kurse besonders zu empfehlen. Die wirkungsvollste
Vorbereitung auf den GMAT dürfte jedoch eine Kombination aus
Selbststudium und Vorbereitungskurs sein.
|