Wachstumsbranche

Gesundheitsmanager werden

Der Gesundheitssektor hat sich zu einer wichtigen Säule der deutschen Wirtschaft entwickelt. Laut aktueller GGR (Gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung), die Mitte des Jahres vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht wurde, wurden 2014 in der Gesundheitswirtschaft 279 Mrd. Euro erwirtschaftet. Das sind rund elf Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. 207 Mrd. Euro davon entfielen auf Gesundheitsdienstleistungen, 72,1 Mrd. auf Handel und Industrie.

In den letzten Jahren war die Branche ein Wachstumstreiber für die gesamte Wirtschaft: Seit dem Jahr 2000 ist ihre Bruttowertschöpfung von 177 Mrd. Euro um 57,6 Prozent gestiegen. „Die Gesundheitswirtschaft konnte die Wachstumsraten der Gesamtwirtschaft seit Beginn des Jahrtausends in fast allen Jahren übertreffen“, heißt es in dem Bericht zur GGR. Allein die Bruttowertschöpfung der Arzneimittel- und Medizintechnik-Industrie stieg um 64,9 Prozent auf 24,9 Mrd. Euro im letzten Jahr. Auch an den Exporterfolgen der deutschen Wirtschaft hat die Gesundheitswirtschaft einen nicht unerheblichen Anteil: Sie ist für sieben Prozent der deutschen Ausfuhren verantwortlich.

Vor allem aber ist die Branche ein beachtlicher Jobmotor: Jährlich kommen in der Gesundheitswirtschaft 1,8 Prozent neue Jobs hinzu, während der Arbeitsplatzzuwachs in der Gesamtwirtschaft nur bei 0,5 Prozent liegt. Rund 6,2 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr im Gesundheitssektor gearbeitet. Damit verdient mittlerweile jeder siebte Erwerbstätige sein Geld mit der Gesundheit. Weitere rund drei Millionen Erwerbstätige sind nach Schätzungen indirekt mit der Gesundheitsbranche verbunden.

Die Branche wird oft in einen Kernbereich und die erweiterte Gesundheitswirtschaft unterteilt. Zum Kernbereich gehören etwa medizinische und pflegerische Dienstleistungen, die Herstellung von und der Handel mit Arzneimitteln und nicht verschreibungspflichtigen Präparaten. Weiterhin die Produktion und der Vertrieb von Medizintechnik sowie individuelle Gesundheitsleistungen. Die erweiterte Gesundheitswirtschaft, die kleiner als der Kernbereich ist, aber stärker wächst, umfasst Dienstleistungen und Produkte, die im weiteren Sinne mit Gesundheit zu tun haben. Also etwa Wellness, gesunde Nahrung und Sportbekleidung, aber auch Studien- und Ausbildungslehrgänge für Gesundheitsberufe.

Die meisten Menschen, die in der Gesundheitswirtschaft tätig sind, arbeiten in klassischen Berufen — als Ärzte, Apotheker, medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte, Pflegekräfte oder Physiotherapeuten. Es gibt aber auch Masseure, Diätassistenten, Techniker, Ingenieure, Naturwissenschaftler und IT-Experten. Nicht zu vergessen all diejenigen, die in organisierenden und leitenden Positionen arbeiten: die Gesundheitsmanager.

Wie in vielen anderen Branchen ließ sich auch in der Gesundheitswirtschaft in den letzten Jahren eine Akademisierung des Managements beobachten. Dass sich heute etwa eine Krankenschwester über die Oberschwester bis zur Leiterin des Pflegebereichs oder gar zur Gesamtpersonalmanagerin hocharbeitet, ist ohne Hochschulstudium kaum noch vorstellbar.

Auch hier: Immer mehr Manager haben einen akademischen Abschluss

Der Grund ist, dass auch in der Gesundheitswirtschaft die Aufgaben komplexer geworden sind und wie in anderen Branchen gute betriebswirtschaftliche Kenntnisse voraussetzen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die ökonomischen Rahmenbedingungen oftmals schwieriger geworden sind. So stehen die Krankenhäuser seit Jahren unter massivem Kosten- und Wettbewerbsdruck, den sie unter anderem durch Fusionen und das Outsourcing von Dienstleistungen zu entschärfen versuchen. Gerade die Manager von Krankenhäusern oder Krankenhauskonzernen müssen viel stärker gewinnorientiert handeln als in der Vergangenheit — und das in einer sehr personal- und kostenintensiven Branche. Auch mit dem Fachkräftemangel — und damit mit Themen wie Recruiting und Ausbildung — müssen sich heutige Gesundheitsmanager intensiv befassen: Nach Schätzungen werden im Jahr 2030 über 600.000 Fachkräfte in der Branche fehlen.

Wer Manager in der aussichtsreichen Gesundheitswirtschaft — ein Ende des überdurchschnittlichen Wachstums ist wegen der demografischen Entwicklung in Deutschland so schnell nicht zu erwarten — werden möchte, hat die Wahl unter etlichen spezialisierten Studiengängen. Sie heißen meist „Gesundheitsmanagement“, manchmal auch „Management und Ökonomie im Gesundheitswesen“, „Healthcare Management“ oder ähnlich. Es gibt Bachelor- und Master-Studiengänge. Gemeinsam ist ihnen, dass sie interdisziplinär sind: Nicht nur betriebswirtschaftliches Wissen, auch medizinische und technische Grundlagenkenntnisse werden vermittelt.

Mehrere gesundheitswirtschaftliche Studiengänge bietet die private Hochschule Fresenius an, die nicht zufällig denselben Namen wie der größte deutsche Gesundheitskonzern Fresenius trägt: Carl Remigius Fresenius, der bereits Mitte des 19. Jahrhunderts den Vorläufer der Hochschule ins Leben rief, stammte aus derselben Familie wie Eduard Fresenius, der den heutigen Dax-Konzern vor rund 100 Jahren gründete.

Die Hochschule bietet etwa den Bachelor-Studiengang Management und Ökonomie im Gesundheitswesen an. Die Inhalte des sechs Semester dauernden Studiums reichen von Marketing und Rechnungswesen über Branchen-Know-how, die rechtlichen und medizinischen Rahmenbedingungen und aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen bis zu Soft Skills wie Gesprächsführung, Kommunikation und Präsentation. Außerdem haben die Studenten die Möglichkeit, Studienschwerpunkte wie Krankenhausmanagement, Managed Care und E-Health zu wählen.

Eine stärkere Spezialisierung auf den Gesundheitsmarkt bietet das Master-Studium International Pharmacoeconomics & Health Economics derselben Hochschule. Hier lernt man die Wettbewerbs- und Preismechanismen des Gesundheits- und Pharmamarktes kennen, erfährt, wie ein neues Healthcare-Produkt am Markt eingeführt wird und welche Gesundheitssysteme es gibt. An der zur Hochschule Fresenius gehörenden Carl Remigius Medical School werden außerdem zwei berufsbegleitende Studiengänge für die Gesundheitswirtschaft durchgeführt: Der Bachelor-Studiengang Gesundheit & Management für Gesundheitsberufe sowie das Master-Programm Führung & Management im Gesundheits- und Sozialwesen. Während sich das Bachelor-Studium vor allem an Ergotherapeuten und andere medizinische Fachkräfte richtet, die betriebswirtschaftliches Know-how erwerben wollen, um ihre eigene Praxis zu managen, ist das berufsbegleitende Master-Studium speziell für angehende Führungskräfte in Krankenhäusern und anderen Bereichen der Gesundheitswirtschaft konzipiert.

Auf die gesundheitswissenschaftliche Ausbildung sind die Medical School Berlin und die Medical School Hamburg spezialisiert. Die beiden privaten Hochschulen bieten den Bachelor-Studiengang Medical Controlling und Management an. Das Curriculum ist so konzipiert, dass BWL und Medizin kombiniert werden. Ziel ist es, die Teilnehmer auf eine berufliche Tätigkeit im operativen und strategischen Medizin-Controlling, in der Unternehmensentwicklung, im Projektmanagement, im Qualitätsmanagement oder als Assistent der Geschäftsführung eines Unternehmens der Gesundheitsbranche vorzubereiten. An beiden Hochschulen dauert das Vollzeitstudium sechs Semester und kostet rund 600 Euro pro Monat.

Ein interdisziplinäres Studium

Auch die Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth ist ganz auf die Gesundheits- und zudem auf die Sozialwirtschaft ausgerichtet. Man findet hier nicht nur die Bachelor-Studiengänge Management im Gesundheits- und Sozialmarkt und Gesundheitsmanagement und Technologie im Sozialmarkt sowie den Master-Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement — auch die ethische Seite dieses Wirtschaftszweiges wird beleuchtet. So beim Bachelor-Studiengang Gesundheitsökonomie und Ethik und beim Master-Studiengang Master Gesundheitswirtschaft und Ethik. Eine sinnvolle Abrundung des Studienangebots, spielen doch solche Fragen dank der schnellen kommerziellen und technologischen Entwicklung dieser Branche eine immer größere und oft auch kritische Rolle. Wer sich auch für solche Themen interessiert — was man beim Gesundheits- und Sozialwesen durchaus tun sollte — ist bei der privaten und staatlich anerkannten WLH an der richtigen Adresse. Ansonsten legt man dort viel Wert auf kleine Lerngruppen und deren intensive Betreuung. Durch die ins Studium integrierten Praxisphasen ist sichergestellt, dass früh Kontakte zum Arbeitsmarkt geküpft werden, was anschließend für einen schnellen Berufseinstieg sorgt.

Auf die Gesundheitswirtschaft konzentriert sich auch die Apollon-Hochschule — Apollon ist ein griechischer Gott, der unter anderem für die Heilung zuständig war. Die erst 2005 gegründete Hochschule hat ihren Sitz in Bremen und bietet ausschließlich Fernstudiengänge an — etwa die Bachelor-Studiengänge Pflegemanagement sowie Gesundheitsökonomie und die Master-Studiengänge Health Management, Health Economics und Gesundheitsökonomie.

Der Unterschied zwischen den Aufbaustudiengängen Health Management und Health Economics: Während sich der erste an Akademiker aus der Gesundheitsbranche — etwa Ärzte — richtet, ist der Master in Health Economics für branchenfremde Akademiker konzipiert, die sich für eine Management- oder Beraterkarriere in der Gesundheitswirtschaft interessieren. Die Apollon-Studienangebote in Gesundheitsökonomie sind interdisziplinäre Programme, die betriebswirtschaftliches und medizinisches Know-how für eine leitende Tätigkeit in der Branche vermitteln.

Die Hochschule Fulda hat den Bachelor-Studiengang Gesundheitsmanagement im Programm, der sich vor allem an jene richtet, die eine Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf gemacht haben und noch ein akademisches Studium draufsatteln wollen, um in Leitungspositionen aufzusteigen. Nach dem dritten Semester hat man die Wahl zwischen zwei Studienschwerpunkten: Management in Gesundheitseinrichtungen und gesundheitsfördernde Unternehmensgestaltung. Außerdem kann man die Master-Programme zu Public Health und Public Health Nutrition wählen, beide auch berufsbegleitend.

An der Hochschule Aalen werden im Fach Gesundheitsmanagement ein Bachelor- und ein Master-Studiengang angeboten. Berufserfahrung ist nicht notwendig. Beide können, müssen jedoch nicht berufsbegleitend absolviert werden. Denn während einer Woche, der Blockwoche, besucht man jeden Tag Vorlesungen, Seminare und Übungen. Die zweite Woche ist vorlesungsfrei. Jetzt hat man Zeit für den Beruf. Oder man studiert zuhause, bis es in der dritten Woche an der Hochschule mit dem Unterricht weitergeht. Damit bietet sich in der freien Woche auch die Möglichkeit, neben dem Studium praktische Erfahrungen - beispielsweise bei Praktika - zu sammeln.

Berufserfahrung wird jedoch beim neuen MBA-Programm International Healthcare Management der SRH Hochschule Berlin vorausgesetzt. Komplett in englischer Sprache wird den Teilnehmern in drei Semestern neben allgemeinem Managementwissen das spezifische Know-how vermittelt, das für die einzelnen Führungsaufgaben in der Gesundheitswelt erforderlich ist. Interessant auch der MBA-Studiengang Betriebliches Demografie- und Gesundheitsmanagement, der erstmals ab dem Wintersemester 2015/16 angeboten wird. Der Schwerpunkt liegt hier auf den demografischen Veränderungen und den Altersstrukturen im Unternehmen sowie dem betrieblichen Gesundheitsmanagement, mit dem die Gesundheit der Mitarbeiter gefördert und erhalten werden soll.

Die FOM Hochschule für Ökonomie und Management, die ihren Hauptsitz in Essen hat, verbindet Gesundheits- und Sozialmanagement und bietet ein gleichnamiges Bachelor-Studium an. Da es in der Praxis häufig Überschneidungen zwischen der Gesundheits- und der Sozialwirtschaft gibt, sind die Absolventen gut auf leitende Tätigkeiten in diesen Bereichen vorbereitet.

All dies zeigt auch, dass die Gesundheitswirtschaft ein weites Tätigkeitsfeld bietet, das zudem ständig größer wird. Da sie auch einige Besonderheiten aufweist — schließlich handelt es sich bei Gesundheit nicht um eine herkömmliche Ware —, bietet es sich an, schon früh durch Praktika Erfahrungen zu sammeln. Oder auch vor Studienbeginn ein soziales Jahr in der Branche zu absolvieren.

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