Luxury Management studieren

Karriere machen mit Luxus

Es war eine gute alte Tradition: Investmentbanken und Consulting-Firmen nahmen den größten Teil der MBA-Absolventen auf, zumindest in den USA, aber auch in London. Doch als anlässlich der großen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 Entlassungen in der Bankenwelt und anderswo erfolgten, mussten sich viele nach alternativen Berufswegen umsehen.

Für viele, die zuvor aufs Investment Banking aus waren, lag es da offenbar nahe, auf eine andere Branche umzuschwenken, die — zumindest was die Umsätze, den Glamour und Glitzer anbelangt — nicht allzu weit vom Investment Banking entfernt ist. Und in der Tat: „Etwa 20 Prozent der Studenten, die unseren MBA in Luxury Brand Management anstreben, waren zuvor in irgendeiner Weise in der Finanzindustrie tätig“, erklärte Anthéa Davis von der ESSEC, der bekannten Business School nahe Paris, seinerzeit.

Gucci Boutique in Berlin

Schon damals stellte sich die Frage, warum die Luxusgüterindustrie krisenresistenter als das Investment Banking sein sollte. Doch sie lässt sich leicht beantworten. Luxusgüter gab es schon im alten Rom und zuvor. Selbst zu Zeiten des Kommunismus und der Sowjetunion, ebenso in Maos China und anderswo, gehörten sie zu den beliebtesten Artikeln, die allerdings nicht der breiten Masse, sondern nur hohen Funktionären zugänglich waren.

Nach dem Niedergang des Kommunismus hat heute in Russland und China nicht nur die Ober-, sondern auch eine mehr oder weniger breite Mittelschicht — in China umfasst diese etwa 400 Millionen Menschen — Zugang zu Luxusgütern. So gehören Russen und Chinesen längst zu den beliebtesten Kunden der Luxusgeschäfte in Paris, London, Rom oder New York. Zwar hat Russland wegen der Sanktionen und des stark gefallenen Ölpreises derzeit wirtschaftliche Probleme, was die Besucherzahlen bei Prada, Gucci und all den anderen zurückgehen ließ. Ähnliches gilt für die Besucher aus China oder Brasilien, dem es ebenfalls nicht gut geht. Doch die Branche weiß, dass es schon immer Konjunkturwellen und damit Absatzeinbrüche gab und es danach stets aufwärts ging.

Wer sich von der Luxusgüterindustrie angezogen fühlt und sich hier seine berufliche Zukunft vorstellen kann, sollte sich also nicht von derartigen Schwankungen irritieren lassen. Selbst im Investment Banking ging es nach der Krise — zumindest im Bereich Mergers & Aquisitions — wieder bergauf.

Zudem haben viele Menschen offenbar ein unstillbares Verlangen, anderen zu demonstrieren, dass man es geschafft hat. Und was eignet sich dazu besser als ein Täschchen von Louis Vuitton, ein Anzug von Armani oder eine Rolex? Zudem gibt es genug Reiche, die ihr Kaufverhalten nicht wegen eines Konjunktureinbruchs ändern.

Die Umsätze und Gewinne in dieser Branche werden also weiterhin „formidable“ sein. Vor allem wenn eine oder mehrere bekannte Luxusmarken zum Portfolio des Unternehmens gehören. Nicht ohne Grund ist Bernard Arnault, Chef des französischen Luxuskonzerns LVMH, der in den letzten Jahren sehr viele Luxusmarken erwarb, einer der reichsten Menschen auf dem Planeten.

Und wo lernt man das Luxus-Business kennen? Am besten immer noch in Ländern wie Frankreich und Italien. Doch auch hierzulande werden zunehmend Studiengänge dazu angeboten.

ESSEC bei Paris

Eine der ersten Adressen weltweit ist bis heute die bereits erwähnte ESSEC Business School. Allein schon deshalb, weil Paris, die Weltmetropole des Luxus, nur einen Katzensprung entfernt ist. Ihr Luxury-MBA ist so etwas wie die Eintrittskarte in die Welt des Glitzers und des Schönen. Vermutlich gibt es keine größere Luxusgüterfirma, in der nicht wenigstens ein ESSEC-Absolvent zu finden ist. Viele von ihnen dürften auch damit befasst sein, neue Märkte in fernen Ländern zu erschließen. Für die elfmonatige Ausbildung werden allerdings 44.000 Euro Studiengebühren berechnet.

Die südlich von Paris in Jouy-en-Josas gelegene Management School HEC, die wie die ESSEC bei vielen Rankings gut abschneidet, hat zwar keinen auf die Branche zugeschnittenen MBA im Programm. Man kann aber das „Luxury Strategy Certificate“ erwerben, etwa als Ergänzung eines anderen MBA-Studiums.

Das ist jedoch nicht alles, was Paris in Sachen Luxury-Studium zu bieten hat. Wie wäre es mit einem MBA in International Luxury Management an der International Business School IEMI? Unterrichtet wird wie bei der ESSEC und der HEC auf Englisch. Das Ganze dauert ein Jahr und kostet rund 12.000 Euro Gebühren.

Auch an der Paris School of Business lässt sich eine Eintrittskarte in die Luxusindustrie erwerben. Der Master in Luxury & Fashion Management dauert zwölf Monate und ist für 19.000 Euro zu haben. Und dann ist da noch Mod-Art International in Paris, eine weitere B-School. Bei ihr kann man eine Ausbildung zum MBA in Luxury Goods & Fashion Industries absolvieren. Sie dauert 15 Monate und schlägt mit 9.500 Euro zu Buche. Ebenso wie bei den anderen MBA-Programmen gehören ein oder mehrere Praktika in einer Luxusgüterfirma dazu. Auch in diesen beiden Schulen wird auf Englisch unterrichtet.

Monaco: Allgegenwärtiger Luxus

Im Süden Frankreichs, an der Côte d’Azur, reihen sich nicht nur Luxusvillen, Luxushotels und jede Menge Luxusgeschäfte — etwa in Cannes, Nizza oder St. Tropez — aneinander. Das Fürstentum Monaco, auch durch die geschäftstüchtige Herrscherfamilie Garibaldi bekannt, wartet sogar mit einer eigenen Business School auf, an der sich auch die Luxury World studieren lässt. So kann man den Schwerpunkt der Ausbildung zum General MBA an der International University of Monaco auf Luxury Management legen. Daneben gibt es den Master in Luxury Management. Die Gebühren für das knapp einjährige Programm: 21.100 Euro. „Monaco ist wie ein Labor für Luxusgüter“, meint Marika Taishoff von der B-School. Womit sie auf den allgegenwärtigen Luxus im Fürstentum anspielt. „Hier studiert man den Luxus nicht nur, hier lebt man ihn.“

Bei all diesen Programmen geht es darum, die Teilnehmer auf Führungspositionen vorzubereiten. Entsprechend umfangreich ist die Ausbildung. So gehören Fächer wie Marketing, Finance, Accounting, Organisation, HR oder Supply Chains überall zum Curriculum.

Hinzu kommen die Besonderheiten dieser Branche. „Wir befassen uns ebenso mit Produktpiraterie wie mit Anthropologie“, sagt Simon Nyeck von der ESSEC. „Denn Luxus hat auch etwas mit Kultur zu tun“, fügt er hinzu. Und Marika Taishoff meint: „Wir in Monaco erforschen das Verhalten der Luxuskonsumenten.“ Außerdem lernt man dort alles über E-Luxury. Ein wichtiges Thema, da die wahren Genießer des Luxus die Qualität eines Stoffes bislang lieber im Laden erfühlen und das Funkeln der Brillis real erleben wollen, als Bildern in E-Shops zu vertrauen. So gibt es noch Labels, die man nicht online erwerben kann.

Doch was wäre die Luxusindustrie ohne Italien, einem Land mit einer legendären Kunstgeschichte, berühmten Mode-, Auto- und Möbel-Designern und einmaligen Gaumenfreuden? Auch Italiens Luxusfirmen suchen talentierte Manager, meist an der SDA Bocconi, der besten B-School des Landes. Wie an den französischen Schulen arbeitet man an der SDA Bocconi mit großen Luxusfirmen zusammen. So verbringen die Teilnehmer des MBA-Programms mit dem Schwerpunkt „Luxury Business Management“ einige Wochen als Praktikanten bei Bulgari in Rom.

Italiens Luxusindustrie verteilt sich auf viele mittlere und kleinere Familienbetriebe. Eine ganze Reihe von ihnen hat es im Laufe der Jahre zu Weltruhm gebracht. Schon immer war der Mittelstand, ähnlich wie in Deutschland, die eigentliche Stütze der italienischen Wirtschaft. Nicht nur in dieser Branche, sondern beispielsweise auch im Maschinenbau, den man vor allem im Norden des Landes findet. Ein Grund, weshalb SDA Bocconi eng mit der mittelständischen Industrie verknüpft ist, die hier viele Nachwuchsmanager rekrutiert. Der Luxus-MBA dieser B-School kostet stolze 48.000 Euro, die Ausbildung dauert 12 Monate.

Alma Graduate School

Auch die Alma Graduate School der altehrwürdigen Universität Bologna hat sich einen guten Namen in der Luxusindustrie erworben. Sie bietet ein MBA-Programm mit dem Schwerpunkt „Design, Fashion and Luxury Goods“ an. Mit vielen bekannten Unternehmen werden intensive Beziehungen gepflegt, die den Studenten Praktika und später Jobs anbieten. Die Ausbildung dauert 12 Monate, die Gebühren betragen 27.000 Euro.

Haute Couture, kunstvolle Armbanduhren und Schmuckstücke, wunderbar duftende Parfums und prickelnden Champagner verbindet man zwar in erster Linie mit Frankreich und Italien. Doch auch in Deutschland gibt es Luxusgüterstudiengänge.

An der International School of Management (ISM), mit Niederlassungen in mehreren Städten, kann man in vier Semestern den Master in Luxury, Fashion & Sales Management machen. Neben dem branchenspezifischen Wissen, das im Studium vermittelt wird, wird auch die Internationalität der Branche betont. Deswegen verbringt man ein Semester an einer Partnerhochschule im Ausland. Die Berufschancen nach Abschluss des Studiums werden von der Studiengangsleiterin Prof. Christiane Beyerhaus als sehr gut eingeschätzt. Die Gebühren für das Masterstudium belaufen sich auf knapp 8.000 Euro.

Einen Bachelor in Fashion, Luxury & Retail Management bietet die EBC Hochschule, deren Campus in Hamburg, Berlin und Düsseldorf liegt. Und auf die Modebranche zugeschnittene Bachelor-Programme findet man an der Fachhochschule des Mittelstands und der Hochschule Reutlingen. Sie befassen sich mit Fashion Management und International Fashion Retail.

Wer eine rund um den Globus hochaktive Branche sucht, der zudem langfristig eine ausgesprochen rosige Zukunft prophezeit wird, wer sich für ein Berufsleben inmitten von besonderen Formen, Farben, Düften und Delikatessen begeistern kann, der sollte überlegen, ob er hier nicht mit einem dieser Programme einen Karrierestart wagen sollte. Es könnte eine goldrichtige Entscheidung sein.

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