Investmentbanking, Vermögensverwaltung oder Corporate Finance? Wer ein Fach wie Banking & Finance studiert, dem steht die Finanzwelt offen.

Studienreport Finance

Finanzprofi werden

Frankfurt steht vor allem für drei Dinge: für Johann Wolfgang v. Goethe, der hier 1749 geboren wurde und nach dem die Universität benannt ist. Für den größten deutschen — und viertgrößten europäischen — Flughafen. Und für die geballte Konzentration von Geld und Macht, die in der glitzernden Frankfurter Skyline ihren sichtbarsten Ausdruck findet und der Stadt den Beinamen „Mainhattan“ eingebracht hat. Gleich fünf Dax-Konzerne haben in und um Frankfurt ihren Sitz. Dazu kommen die Deutschland- und Europa-Zentralen vieler internationaler Unternehmen wie Nestlé, Ferrero, Procter & Gamble und Sanofi-Aventis.

Viele, die auf der Suche nach einem anspruchsvollen und gut bezahlten Job sind, landen deshalb früher oder später in Frankfurt. Die Stadt hat die höchste Arbeitsplatzdichte Deutschlands. Allein der Finanzsektor zählt 75.000 Beschäftigte. Sie arbeiten für große Universalbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank, für genossenschaftliche Institute wie die DZ Bank, öffentlich-rechtliche Banken wie die KfW und die DekaBank, traditionsbewusste Privatbanken wie das 1674 gegründete Bankhaus Metzler oder für eine der rund 150 ausländischen Banken, die in Frankfurt ihren Sitz haben. Weitere wichtige Arbeitgeber sind die Europäische Zentralbank, die Bundesbank, der Bundesrechnungshof, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die europäische Finanzaufsichtsbehörde EIOPA. Hinzu kommen Spezialbanken, Fintechs, Finanzberatungen, Brokerhäuser und zahllose weitere große und kleine Finanzfirmen.

Kein Wunder, dass auch die Frankfurt School of Finance & Management — eine der ersten Adressen in Sachen Finance-Ausbildung hierzulande — in Frankfurt ihren Sitz hat. 1957 als Bankakademie gegründet, ist die ehemalige Hochschule für Bankwirtschaft längst auch vielen jenseits der deutschen Grenzen ein Begriff. Ihr Finance-Master hat es als einziges Masterprogramm einer deutschen Hochschule im Bereich Banking in die Top 30 der „Financial Times“ geschafft. Es wird mit den vier Schwerpunkten Capital Markets, Risk Management, Corporate Finance und Financial Advisory angeboten und kann in vier Semestern oder auch — als Fast-Track-Variante — in nur drei Semestern absolviert werden.

Auch das siebensemestrige Bachelor-Programm Banking & Finance der Frankfurt School bietet die Möglichkeit, sein Wissen auf einzelnen Gebieten zu vertiefen. Im Vordergrund steht jedoch eine breite betriebs- und bankwirtschaftliche Ausbildung, zu der auch Fächer wie Mikroökonomie und Marketing gehören. Der Unterricht findet — wie auch beim Master — komplett auf Englisch statt. Sowohl für den Bachelor als auch den Master muss man tief in die Tasche greifen: Die Programme schlagen mit 40.900 bzw. 36.500 Euro zu Buche. Dafür wird aber auch einiges geboten. So ist ein Auslandssemester an einer der über 100 Partneruniversiäten der Frankfurt School fester Bestandteil des Curriculums. Außerdem ist das Studium eine gute Investition in die Karriere. Denn frischgebackene Finance-Master der Frankfurt School erzielen im Schnitt ein Jahresgehalt von 52.630 Euro plus 11.261 Euro an Boni.

Damit wird klar, weshalb sich Studienfächer und -schwerpunkte wie Banking & Finance, Finanzwirtschaft oder Bankbetriebslehre ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Denn trotz Herausforderungen wie der Digitalisierung, einer immer schärferen Regulierung und den aktuellen Niedrigzinsen zahlen Finanzdienstler wie Banken und Versicherungen Gehälter, nach denen man sich anderswo die Finger leckt. Laut Statistik der Jobbörse Absolventa erzielen Absolventen im Bankbereich zwischen 43.000 und 58.000 Euro. Der Durchschnitt liegt bei 52.694 Euro. Nicht schlecht für einen Berufseinsteiger.

Wie viel man tatsächlich verdient, hängt — wie immer — vom Studienabschluss, von der Unternehmensgröße, Region und anderen Faktoren ab. Master werden meist besser bezahlt als Bachelor. Wer noch schwankt, ob er seinen Bachelor in Banking & Finance mit einem Mastertitel krönen soll, sollte außerdem bedenken, dass etliche Einstiegspositionen im Banking — auch Traineestellen — oft Masterabsolventen vorbehalten sind.

Auch der Bereich, in den man einsteigt, spielt beim Gehalt eine Rolle. Geradezu legendär sind die Verdienstmöglichkeiten im Investmentbanking. Zwar sind die Zeiten eines Gordon Gekko („Wall Street“) vorbei, seit die Finanzkrise vielerorts zum Umdenken geführt hat. Doch im Investmentbanking lässt sich nach wie vor sehr gutes Geld verdienen. So sind sechsstellige Gehälter für Neulinge mit etwas Berufserfahrung keine Seltenheit. Dafür müssen die früheren „Masters of the Universe“ allerdings auch einiges zeigen, nicht zuletzt vollen Einsatz.

Nicht verwunderlich, dass das Investmentbanking mit Disziplinen wie Mergers & Acquisitions, Capital Markets oder Sales & Trading zu den Favoriten des Finance-Nachwuchses gehört. Fast ein Viertel der Masterabsolventen der Frankfurt School zieht es in diesen Bereich. Ein ebenso großer Teil geht in die Beratung. Und jeweils 14 Prozent arbeiten nach dem Studium im Asset Management oder im Corporate bzw. Retail Banking.

In welchem Bereich man auch arbeitet: Ohne juristisches Wissen geht im modernen Banking kaum noch etwas. Dafür sorgen nicht nur die steigenden Anforderungen des Finanz-, Insolvenz- und Kapitalmarktrechts, sondern auch komplexe und schwer zu durchschauende Finanzinstrumente wie Hedgefonds und Derivate. An der Uni Frankfurt wurde deshalb bereits kurz nach der Jahrtausendwende das Institute for Law and Finance (ILF) gegründet, das den interdisziplinären Masterstudiengang LL.M. Finance anbietet. Er kann als Vollzeitstudium in einem Jahr oder als berufsbegleitendes Teilzeitstudium absolviert werden. In diesem Fall dauert die Ausbildung zwei Jahre.

Die Studenten belegen Kurse wie „Law of Commercial Banking“, „Anatomy and Analysis of an IPO“ oder „Global Economic Environment“, in denen sie — auf Englisch — mit allem vertraut gemacht werden, was man zum Thema Recht und Finanzwirtschaft wissen muss. Ein sieben- bis achtwöchiges Praktikum in einer Kanzlei, Bank, WP-Gesellschaft oder Regulierungsbehörde rundet die Ausbildung ab. Sie kostet 18.000 oder 22.000 Euro, je nachdem ob man sich für die Vollzeit- oder Teilzeitvariante entscheidet.

Auch an der renommierten WHU — Otto Beisheim School of Management kann man einen Finance-Master erwerben, der es in den viel beachteten QS World University Rankings auf den 20. Platz geschafft hat. Es gibt drei Pflichtkurse (Core Modules) — Advanced Econometrics, Capital Market Theory und International Financial Reporting — und ein Dutzend Wahlpflichtfächer (Electives) wie Advanced Corporate Finance, Behavioural und Emotional Finance und Financial Technologies. Die Unterrichtssprache ist Englisch. In das 21-monatige Studium integriert sind ein Praktikum und ein Auslandsaufenthalt. Dafür steht den Studenten das internationale Netzwerk der WHU aus 200 Partnerhochschulen und 160 Partnerfirmen zur Verfügung. An Gebühren fallen 26.800 Euro an. Die Kurz-Variante (17 Monate) kostet 21.600 Euro.

Oder man macht seinen Master of Finance in der Schweiz, am wunderschönen Luganer See. Die dortige Università della Svizzera italiana, kurz USI, hat ein dreisemestriges Masterprogramm aufgelegt, mit dem man sich auf Quantitative Finance, Banking and Finance oder Digital Finance spezialisieren kann — je nachdem wo die persönlichen Interessen und Vorlieben liegen. Für 12.000 Franken erhält man nicht nur eine erstklassige Finance-Ausbildung. Als globaler Finanz-Hub ist die Schweiz auch ein ideales Pflaster, um in der Finanzwelt Karriere zu machen.

Auch mit einem Bachelor-Studium kann man dafür den Grundstein legen. Zwei Hochschulen, die einen Bachelor in Banking & Finance im Angebot haben, sind die FOM Hochschule und die Fachhochschule des Mittelstands (FHM), die sich auf berufsbegleitende Studiengänge spezialisiert haben. An der FOM dauert das Studium sieben Semester und kostet 15.000 Euro. Man kann es in unterschiedlichen Zeitmodellen, zum Beispiel als Abend- oder Block-Studium, und an verschiedenen Orten — Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, München, Siegen oder Stuttgart — absolvieren.

Die Gehälter sind
nach wie vor hoch

An der FHM in Bielefeld ist das Studium in neun Trimester aufgeteilt, dauert also drei Jahre. Die Gebühren belaufen sich auf 17.100 Euro. Die Vorlesungen finden samstags und einmal pro Trimester während einer Präsenzwoche statt.

Wer nach Studienmöglichkeiten im Banking & Finance Ausschau hält, darf auf keinen Fall die Angebote der Sparkassen-Finanzgruppe und der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG) außer Acht lassen. Letztere ist seit über 40 Jahren ein unverzichtbarer Partner der genossenschaftlichen Banken in allen Fragen der Ausbildung. Die Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe — kurz S-Hochschule — ist zwar erst 15 Jahre alt, doch bereits eine renommierte Institution.

Allein vier Bachelor-Programme hat die S-Hochschule im Angebot. So kann man dort nicht nur Bankwirtschaft studieren, sondern auch Finance, Banking & Sales und Wirtschaftsinformatik für Finanzdienstleister. Dazu gibt es die Masterprogramme Banking & Finance, und Management von Finanzinstitutionen. Alle Studiengänge sind berufsbegleitend und dauern sieben (Bachelor) bzw. vier Semester (Master). Die Business School der ADG wiederum hat einen Bachelor in Management & Finance und einen Master in Banking & Finance im Programm, die drei bzw. zwei Jahre dauern und ebenfalls berufsbegleitend sind. Auch ein duales Studium mit der Vertiefung Finance & Banking ist dort möglich.

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