Studienreport IT-Management

Es warten unzählige Jobs

Die Digitalisierung ist längst ein Faktum. Selbst Menschen, die sie kritisch sehen, etwa weil sie um ihren Job fürchten, kämen nicht auf die Idee, sich ihr — wie anno dazumal die Maschinenstürmer, die versuchten, die erste Industrialisierung zu stoppen — in den Weg zu stellen. Frei nach Erich Honecker könnte man sagen: Die Digitalisierung in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Ihre Vorteile für den Einzelnen sind längst sichtbar. Nie war es beispielsweise so einfach, mit Freunden zu kommunizieren, nach einem billigen Urlaubsflug zu suchen oder die Weihnachtsgeschenke zu bestellen. Und wer genießt es nicht, jederzeit — unabhängig von TV-Sendeterminen — die Lieblingsserie zu sehen oder die komplette Musiksammlung auf dem Smartphone abrufbereit zu haben?

All das ist erst ein Vorgeschmack darauf, wie die Digitalisierung Wirtschaft und Gesellschaft verändern wird. Denn große Zukunftsthemen wie Industrie 4.0, Smart Home und autonomes Fahren beginnen sich gerade erst zu entfalten. Auch die flächendeckende Breitbandversorgung des Landes ist längst nicht verwirklicht. Vieles ist noch ungewiss, weshalb die Prognosen nur so ins Kraut schießen. Wie etwa die Arbeit 4.0 aussehen wird, lässt sich derzeit nur erahnen. Werden wirklich eines Tages sogar anspruchsvolle Tätigkeiten wie die des Arztes oder Rechtsanwalts zum Teil durch Algorithmen ersetzt? Angesichts dieser Ungewissheit ist es kein Wunder, dass das bedingungslose Grundeinkommen seit einiger Zeit intensiv diskutiert wird. Es könnte als Ausgleich und Absicherung vor einer ungewissen Zukunft dienen, wie inzwischen selbst einige im Silicon Valley glauben.

Sicher ist allerdings, dass die Jungen schon früh auf die digitale Zukunft vorbereitet werden müssen. Zwar kann jeder Vierjährige, der noch nie ein Smartphone in der Hand hielt, in kürzester Zeit mit Wischen, Tippen und Intuition eine App starten und benutzen. Doch das allein reicht längst nicht als digitale Kompetenz aus, um fit für die Zukunft zu sein.

In den Schulen tut sich bereits etwas. So wird seit einigen Jahren mit wachsendem Erfolg versucht, mehr Mädchen für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu begeistern — natürlich mit dem Hintergedanken, dass sie sich nach dem Abitur für ein entsprechendes Studium entscheiden. Denn gerade die Ingenieurwissenschaften, technische und IT-Fächer werden noch immer von Männern beherrscht.

Manche Schulen haben angefangen, den Unterricht stärker auf die Digitalisierung auszurichten. Etwa durch das neue Fach „Informationstechnologische Grundbildung“ (ITG). Hier lernen die Schüler den Umgang mit gängiger Software, etwa zur Foto- und Videobearbeitung. Auch der kritische Umgang mit den Schattenseiten der Digitalisierung — wie Cybermobbing, Fake News und mangelnder Datenschutz — wird unterrichtet. Dabei geht es vor allem darum, Kinder und Jugendliche vom gedankenlosen „User“ zum verantwortungsvollen Anwender und Gestalter des digitalen Wandels zu machen. Dazu gehört auch, die Grundlagen der Programmierung zu vermitteln.

Einige Politiker fordern, das Fach Informatik an weiterführenden Schulen einzuführen. Wenn es dazu dient, die Schüler wie im Fach ITG mit grundlegenden Fähigkeiten für die digitale Zukunft auszustatten, ist dagegen sicher nichts einzuwenden. Allerdings sollten die Bildungspolitiker nicht glauben, dass künftig jeder programmieren können und es deshalb bereits in der Schule lernen muss.

Software-Entwickler spielen bei der Digitalisierung natürlich eine wichtige Rolle. Aber längst nicht jede IT-Fachkraft, die heute oder in Zukunft gebraucht wird — der Mangel ist seit Jahren groß und wird es wohl auch noch lange bleiben —, muss ein Experte für C++, Java oder Python sein. Im Gegenteil: Da alle Zweige der Wirtschaft und alle Teile der Unternehmen betroffen sind, werden Mitarbeiter mit Querschnittswissen gesucht, die das große Ganze im Blick haben und die losen Enden zusammenführen.

Einer der Berufe, der durch die Digitalisierung immer nötiger wird, ist der IT-Manager, der an der Schnittstelle von Management und IT tätig ist. Als Führungskraft gibt er die Ziele der digitalen Transformation von Prozessen und Unternehmensbereichen vor, analysiert die Ergebnisse und optimiert die Vorgehensweise. Da es eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe ist, kann sich auch die Bezahlung der IT-Manager sehen lassen: Sie kann ohne weiteres im sechsstelligen Bereich liegen. Als IT-Manager kann man auf der Karriereleiter weit nach oben gelangen und es beispielsweise zum CIO (Chief Information Officer) bringen, der als Vorstandsmitglied die gesamte IT des Konzerns verantwortet.

Seit einiger Zeit gibt es mehrere spezialisierte Studiengänge, die auf diesen Beruf vorbereiten. Dabei stehen IT-Themen ebenso wie BWL- und Management-Themen im Lehrplan. Zwar ist die Ähnlichkeit mit einem Wirtschaftsinformatik-Studium groß, allerdings orientiert sich das IT-Management-Studium stärker an Managertätigkeiten in der Wirtschaft. Manchmal werden die Studiengänge auch als Digital Technology Management, IT-Management, IT-Consulting, Digital Innovation, Information Management oder Management & IT bezeichnet. Auch „Schrägstrichkombinationen“ wie BWL/IT-Management gibt es. Und wie oft bei Studiengängen, die sich an der Praxis orientieren, sind die Fachhochschulen hier besonders engagiert.

Die ADG Business School beispielsweise, die ihren Hauptsitz im Schloss Montabaur hat, hat den Bachelor-Studiengang Management & Digital Innovation im Angebot. Das Studium kann berufsbegleitend absolviert werden und kombiniert ein Fernstudium mit Präsenzphasen. Vermittelt werden betriebswirtschaftliche Fächer wie Organisation, Accounting, Finanzmanagement und Marketing sowie IT-nahe Themen wie IT-Organisation und IT-Projektmanagement, Innovationsmanagement und Datensicherheit.

Wer sich nach dem Bachelor-Abschluss hier weiterqualifizieren will, kann an der ADG Business School das Master-Programm Digital Innovation & Business Transformation absolvieren. Bei dieser zweijährigen Ausbildung steht die digitale Transformation von Unternehmen im Mittelpunkt.

Einen Master-Studiengang für angehende IT-Manager bietet auch die Uni Hamburg an. Sein Name: IT-Management und -Consulting (ITMC). Der Studiengang ist nicht nur praxisorientiert — was durch die Zusammenarbeit mit rund zwei Dutzend Unternehmen bei Praktika, Projekten und Master-Arbeiten erreicht wird —, sondern auch eng mit der Forschung verzahnt. Die Themen des viersemestrigen Studiums sind unter anderem IT-Innovation und IT-Transfer, Business Intelligence, Consulting und Empirical Software Engineering. Im zweiten Semester machen die Teilnehmer ein längeres Praktikum, im dritten Semester bearbeiten sie ein umfangreiches Projekt.

Einen branchenspezifischen Studiengang führt die Hochschule Neu-Ulm durch. Information Management Automotive richtet sich an alle, die im IT-Management eines Autokonzerns oder -zulieferers Karriere machen wollen. Unterrichtet wird deshalb nicht nur betriebswirtschaftlicher und Wirtschaftsinformatik-Stoff, man erlangt auch viele Kenntnisse aus dem Bereich Automotive. Dabei geht es um Themen wie Car 2.0, Service Management Automotive sowie Performance Management Automotive. Zum sieben Semester dauernden Studiengang, bei dem der Unterricht zum Teil auf Englisch erfolgt, gehört selbstverständlich auch ein Praxissemester.

Die Hochschule Schmalkalden betont bei ihrem Studiengang Informatik und IT-Management die IT-Aspekte des Managements. Deswegen wird neben Wissen zum IT-Management — etwa Strategie, IT-Governance, Prozessmanagement und IT-Consulting — auch handfestes Informatik-Know-how vermittelt. Dazu zählen Big-Data-Technologien, Visualisierung und Interaktion sowie serviceorienterte Software-Architekturen. Es ist ein berufsbegleitendes Fernstudium und dauert fünf Semester. Die Studenten können zusätzlich eine Zertifizierung zum Datenschutz- oder IT-Sicherheitsbeauftragten erwerben.

Auch das Master-Studium Wirtschaftsinformatik/IT-Management der Nordakademie in Hamburg kann man berufsbegleitend absolvieren. Im Curriculum finden sich unterschiedlichste Basis-Module, etwa Ethik und strategische Unternehmensführung, Pflichtmodule wie IT-Controlling oder Software-Engineering sowie Wahlpflichtmodule wie IT-Outsourcing und Ubiquitous Computing. Praxiserfahrung sammelt bei einem längeren Projekt, dessen Thema von einem der Unternehmenspartner vorgegeben wird.

Die Ausbildung zum IT-Manager kann man auch im Rahmen eines dualen Studiengangs — einer Kombination von betrieblicher Praxis und Hochschulstudium — absolvieren. Etwa an der FH Wedel in der Nähe von Hamburg. Dort heißt der Studiengang IT-Management, Consulting & Auditing. Die dualen Studenten verbringen abwechselnd 16 Wochen an der Hochschule und zehn Wochen im Partnerunternehmen. Im sechsten Semester arbeiten sie in der Praxis. Gegenstand der Bachelor-Arbeit im siebten Semester ist eine praktische Thesis, die ein Problem aus dem Unternehmen behandelt.

Ginge es allein nach der Vielfalt dieser und vieler weiterer Studiengänge, sollte es mit der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft eigentlich gut klappen. Vorausgesetzt, die vielen anderen Faktoren spielen mit.

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