Die Zahl der MBA-Studiengänge ist regelrecht explodiert. Da fällt die Auswahl nicht leicht. Zumal immer mehr ähnliche Ausbildungen angeboten werden.

Studienreport MBA

Karrierebeschleuniger

Der Master of Business Administration ist — wie könnte es anders sein — eine amerikanische Erfindung. In der klasssichen Variante ist es eine generalistische, knapp zwei Jahre dauernde Ausbildung in den betriebswirtschaftlichen Kernfächern. Die Teilnehmer bringen praktische Erfahrungen mit, was sich schon dadurch ergibt, dass sie in der Regel nach dem Bachelor ein paar Jahre in der Wirtschaft verbracht haben.

Heute dauert das MBA-Studium, vor allem in Europa, oft nur zwölf Monate. In den achtziger Jahren wurde es zudem üblich, dass man neben den Kernfächern Wahl- oder Vertiefungsfächer (Electives) belegte. Sie waren entweder funktionsbezogen wie Controlling, Finance, Marketing oder IT, oder branchenbezogen, befassten sich also mit den Besonderheiten der Konsumgüter-, Flugzeug- oder Tourismusindustrie, um nur einige zu nennen.

Hinzu kam, dass sich immer mehr Business Schools auf Industrien spezialisierten, die in ihrem Umfeld angesiedelt sind. So bietet die Columbia University in New York eine besonders intensive Ausbildung in Finance, schließlich befindet sich die Wall Street um die Ecke. Gleiches gilt für die Cass Business School in London, deren Absolventen gern bei Banken in der City, dem Finanzzentrum der Stadt, anheuern. Oder die ESSEC bei Paris. Sie gilt als Mekka für all diejenigen, die einmal in der Luxusgüterindustrie hoch hinaus wollen. Und viele, die an der Stanford University in Kalifornien ihren MBA machen, stehen bereits mit einem Bein im Silicon Valley. Denn Entrepreneurship ist hier ein beliebtes Wahlfach.

MBA-Programme sind auch eine Zusatzausbildung für Ingenieure sowie Naturwissenschaftler, die es ins Management zieht und deshalb ihr Fachwissen erweitern müssen. Kein Wunder, dass sie oft als „Managerschmieden“ bezeichnet werden.

Heute gibt es fast kein Land mehr, das keine B-School beherbergt. Selbst in Russland und China, einst Bannerträger des Kommunismus, sind sie etabliert. Von Indien, Australien, Südamerika, Afrika und natürlich Europa gar nicht erst zu reden. Weltweit gibt es nur wenige Hochschulen mit wirtschaftlichem Fachbereich, die keine MBA-Ausbildung bieten. Man kann also durchaus von einem weltweiten Siegeszug der MBA-Ausbildung sprechen.

Umso erstaunlicher, dass sie hierzulande erst relativ spät angeboten wurde. Was auch damit zu tun hat, dass der Master grundsätzlich nicht gut ins alte Diplom-System passte. Denn wer eine MBA-Ausbildung durchlaufen wollte, musste zu den damals üblichen sechs Uni-Jahren zwei weitere für ein klassisches Programm hinzurechnen. Das kürzere Studium an einer Fachhochschule reichte meist nicht für die Zulassung zum MBA-Studium. Mit der Bologna-Reform und der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge änderte sich dann alles. Das MBA-Studium wurde zu einer normalen Alternative für alle, die nach dem Bachelor noch einen Master draufsetzen wollen. Wobei allerdings oft ein bis zwei Jahre Praxiserfahrung verlangt werden. Praktika und eine Banklehre reichen nicht immer aus.

Mittlerweile gibt es hierzulande etwa 300 MBA-Programme. Nimmt man Österreich und die Schweiz hinzu, kommt man auf über 450. Der Sprung in die internationale Spitzenklasse, was sich durch gute Platzierungen in Rankings wie dem der „Financial Times“ ausdrückt, gelang bisher jedoch nur wenigen wie der Mannheim Business School, der HHL, ESMT und der WHU. Was jedoch nicht bedeutet, dass sich an all den anderen Hochschulen nicht auch gute Programme finden, die gehobenen Ansprüchen gerecht werden.

Während in den meisten angelsächsischen Ländern immer noch der Full-Time-MBA als Standardmodell gilt, der zudem bei vielen Rankings herangezogen wird, ist die Situation in deutschsprachigen Ländern wesentlich facettenreicher. So gibt es Executive-Programme für Manager, die zwischen wenigen Wochen und ein paar Monaten dauern und vorwiegend an Wochenenden stattfinden. Daneben auch zahllose Teilzeitprogramme, die oft berufsbegleitend absolviert werden. Sie machen heute sogar über die Hälfte aller Angebote aus. Nicht zu vergessen der bunte Reigen an Fernstudiengängen, meist per Internet, zu denen meist auch Präsenzphasen gehören. Ebenso wie zu fast allen Teilzeitprogrammen Online-Lernmaterial gehört.

Im Ausland erfolgt der Unterricht meist auf Englisch. In einigen Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien oft auch — zumindest zum Teil — in der Landessprache. In Deutschland wird häufig auf Deutsch oder auf Deutsch und Englisch unterrichtet.

Für viele Interessenten ist die Unterrichtssprache Englisch deshalb wichtig, da sich dadurch ihr Englisch erheblich verbessern lässt. Wer jedoch von einer ausländischen B-School angenommen werden will, muss bereits ausreichende Englischkenntnisse vorweisen, was in der Regel mithilfe des TOEFL (Test of English as a Foreign Language) geschieht.

Durch ein MBA-Studium im Ausland lässt sich auch interkulturelle Erfahrung gewinnen. Ein Aspekt, der angesichts der — trotz Trump & Konsorten — weiter voranschreitenden Globalisierung von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Dem werden auch viele deutsche Anbieter gerecht, indem sie auf Wunsch ein Auslandssemester bei einer Partnerhochschule ermöglichen.

Neben dem bestandenen TOEFL wird im Ausland meist auch eine gewisse Mindestpunktzahl beim GMAT (Graduate Management Admission Test) oder beim GRE General Test verlangt. Ist sie besonders hoch, empfehlen sich die intensive Lektüre entsprechender Vorbereitungsbücher oder ein Übungskurs, die einen mit den Anforderungen vertraut machen. Bei vielen deutschen Programmen wird auf die Tests verzichtet, auch auf den Sprachtest.

Klassische Vollzeitprogramme, zumal im Ausland, bieten auch die Gelegenheit, ein persönliches Netzwerk aufzubauen, das beim weiteren Karriereweg helfen kann. Diese Aufgabe haben auch die Alumni-Organisationen vieler B-Schools. Diese Netzwerke der Ehemaligen erstrecken sich bei traditionsreichen Managementschulen meist um den ganzen Erdball.

Deutsche private Hochschulen, die ein MBA-Programm anbieten, finanzieren sich überwiegend durch Studiengebühren. Kostenlose Ausbildungen dieser Art gibt es so gut wie gar nicht. Die Gebühren können sich zwischen etwa 10.000 bis über 30.000 Euro bewegen. Im Schnitt liegen sie bei etwa 17.000 Euro, wobei die Executive-Programme zu den teuersten zählen. Auch deshalb, weil sich viele Firmen an dieser Zusatzausbildung ihres Personals beteiligen.

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Da MBA-Programme entweder als Career Booster oder als Career Changer dienen, sie also meist zusätzliche Karrierechancen mit sich bringen, geht es nicht nur um Fachwissen, sondern auch um das Aneignen von Soft Skills, die für Führungsaufgaben erforderlich sind. Das fängt bei Communication sowie Presentation Skills an und geht über Verhandlungs- und Konfliktlösungstechniken bis hin zu Self Management und Kreativitätsmethoden. Damit sind gute MBA-Studiengänge immer auch Leadership-Programme.

Außerdem stehen Gruppen- und Projektarbeit und das Lernen per Case Studies im Vordergrund. Sie sollen die Teilnehmer früh daran gewöhnen, dass es hier weniger um abstraktes Denken in luftigen wissenschaftlichen Höhen geht, sondern um die Lösung unternehmerischer Probleme.

All das macht deutlich: Wer sich für ein MBA-Programm interessiert, muss so manches beachten. Dazu gehört als Erstes die Entscheidung, ob man bereits so viel generelles BWL-Wissen mitbringt, dass man sich für ein spezielles MBA-Programm entscheiden kann. Wobei die Richtung natürlich mit den späteren beruflichen Plänen übereinstimmen sollte. So bietet die SRH Heidelberg einen MBA Sales Management, der auf Vertrieb und Marketing ausgerichtet ist (s. nebenstehendes Interview). Will man sich selbständig machen, könnte ein Entrepreneur-Programm infrage kommen. Die TU Wien, die Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin oder die FH Aachen bieten diese MBA-Ausbildung an.

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Vielleicht ist auch ein Programm besser, das neben einer generellen Ausbildung Vertiefungsrichtungen bietet, wie es etwa an der Hochschule Koblenz, der Nordakademie oder der Steinbeis School der Fall ist. Oder ein General-Management-Programm, das sich auf die Kernfächer konzentriert, wie es etwa von den Unis Kassel und Magdeburg, der Hochschule Darmstadt und der FOM geboten wird.

Im Ausland oder zu Hause studieren ist eine weitere wichtige Entscheidung, wobei sich klar sagen lässt: Im Ausland wird es meist teurer, und es ist nur ein Vollzeit-Programm möglich. Es könnte jedoch ein Test sein, ob es einem Spaß macht, für längere Zeit im Ausland zu arbeiten. Deutsche Exportfirmen lechzen nach Mitarbeitern, die Auslandserfahrung in Form eines MBA-Studiums mitbringen.

Starke Indizien für die Qualität einer Business School sind die Akkreditierungen. Zumal der MBA keine gesetzlich geschützte Bezeichnung ist, also jeder den Begriff verwenden und nach Belieben mit Inhalt füllen kann. Doch es gibt Organisationen, die sich die Lehrangebote genau ansehen und überprüfen, ob sie gewissen Standards entsprechen. In den deutschsprachigen Ländern sind die bedeutenden Akkreditierungsorganisationen vor allem die FIBAA, ACQUIN und AQAS, im Ausland meist AACSB, EQUIS und AMBA. Wobei Akkreditierung und Akkreditierung nicht immer dasselbe ist. Manchmal geht es um die ganze Hochschule, dann wieder nur um ein Ausbildungsprogramm. Dahinter verbirgt sich also eine kleine Wissenschaft. Am besten man fragt die Anbieter, wie es mit den Akkreditierungen aussieht und was sie bedeuten.

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Inzwischen trifft man immer mehr MBAs in Führungspositionen an. Allerdings: Ein MBA-Titel ist kein Freifahrtschein in die Chefetage. Auch ein MBA muss zeigen, was in ihm steckt. Darauf, dass er nur wegen seiner Ausbildung anderen Anwärtern auf Führungspositionen vorgezogen wird, sollte er sich nicht verlassen. Richtig ist aber auch: Wer ein gutes MBA-Programm durchlaufen hat, hat gute Aussichten, beruflich weit zu kommen.

Manch einer fragt sich allerdings, ob es unbedingt ein MBA-Programm sein muss. Zumal immer mehr andere Studiengänge auftauchen, die ebenfalls eine gute Managementausbildung versprechen. Oft heißen sie „Master in Management“- oder „Master of Management“-Programme mit Abkürzungen wie MM, MBM, MIM oder MMgt. Sie machen dem MBA zunehmend Konkurenz und unterscheiden sich inhaltlich oft kaum von ihm, zumal einige auch stark den praktischen Aspekt betonen. Dem Einfallsreichtum der Hochschulen sind offenbar keine Grenzen gesetzt.

Man sollte also auch einen Blick auf diese Studiengänge werfen, etwa auf den Master in Unternehmensführung der Hochschule Schmalkalden oder den Master of Sustainable Development Management der Hochschule Rhein-Waal, um nur zwei zu nennen.

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