MBA

Hilft bei der Karriere

Der Master of Business Administration ist — wie könnte es anders sein — eine amerikanische Erfindung. So rühmt sich die Wharton School in Pennsylvania, bereits 1881 die erste Business School der Welt eröffnet zu haben. Vom MBA war jedoch noch nicht die Rede. Etwas später, im Jahr 1902, konnte man am Dartmouth College in New Hampshire den Master of Commercial Science erwerben. Bis dann die Harvard University 1908 erstmals einen MBA-Studiengang anbot.

Allen diesen Ausbildungen lag die Erkenntnis zugrunde, dass Buchhaltungskenntnisse allein nicht mehr ausreichten, um eine Firma erfolgreich zu führen. Man musste auch etwas von Strategie, Produktion, Marketing, Logistik und Personalführung verstehen. Es waren genau 47 Studenten, denen erstmals ein MBA-Titel von Harvard verliehen wurde.

1950 durfte sich zum ersten Mal jemand außerhalb der USA „Master of Business Administration“ nennen — und zwar in Kanada. Kurz danach startete die Universität in Pretoria/Südafrika ein MBA-Programm. Zu dieser Zeit wurde die Idee auch in Großbritannien aufgegriffen, wobei sich die Ausbildungen stets am amerikanischen Vorbild orientierten.

Und das bedeutete: eine generalistische, knapp zwei Jahre dauernde Ausbildung in den betriebswissenschaftlichen Kernfächern. Außerdem brachten die Teilnehmer praktische Erfahrungen mit, was sich in der Regel von allein ergab. Denn in den angelsächsischen Ländern ist es üblich, nach dem Bachelor ein paar Jahre in der Praxis zu verbringen, Geld zu verdienen und dann eventuell das — nicht gerade billige — Master-Studium zu beginnen.

Voll auf das US-Modell setzten auch die Gründer des bekannten INSEAD in Fontainebleau bei Paris, das bereits 1957 an den Start ging. Mit einem Unterschied: Das MBA-Studium dauerte dort nur zwölf, später sogar nur noch elf Monate. Eine Neuerung, die auch von anderen europäischen Business Schools aufgegriffen wurde. In den achtziger Jahren wurde es zudem üblich, dass man neben den Kernfächern, die zu Anfang des Studiums unterrichtet werden, Wahl- oder Vertiefungsfächer (Electives) belegte. Sie waren entweder funktionsbezogen wie Controlling, Finance, Marketing oder IT, oder branchenbezogen, befassten sich also mit den Besonderheiten der Konsumgüter-, Flugzeug- oder Tourismusindustrie, um nur einige zu nennen.

Hinzu kam, dass sich immer mehr Business Schools auf die Industrien spezialisierten, die in ihrem Umfeld angesiedelt sind. So bietet die Columbia University in New York eine besonders intensive und gute Ausbildung in Finance, schließlich befindet sich die Wall Street um die Ecke. Gleiches gilt für die Cass Business School in London, deren Absolventen gern bei Banken in der City, dem Finanzzentrum der Stadt, anheuern. Oder die ESSEC bei Paris. Sie gilt als Mekka für all diejenigen, die einmal in der Luxusgüterindustrie hoch hinaus wollen. Und viele, die an der Stanford University in Kalifornien ihren MBA machen, stehen bereits mit einem Bein im Silicon Valley. Denn Entrepreneurship ist ein beliebtes Wahlfach an dieser Business School, die zu den besten der Welt zählt.

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Ging es zu Anfang vor allem darum, Buchhalter durch eine umfassende BWL-Ausbildung zu so etwas wie Allround-Managern zu machen, wurden MBA-Programme später zu einer sinnvollen Zusatzausbildung für Ingenieure sowie Naturwissenschaftler, die es ins Management oder gar ins Top-Management zog und die deswegen ihr Fachwissen erweitern mussten. Eine Funktion, die die Business Schools heute noch erfüllen. Kein Wunder, dass sie oft als „Managerschmieden“ bezeichnet werden. Auch deshalb, weil man zunehmend MBAs in Top-Positionen in der Industrie antraf. Schließlich eilte ihnen der Ruf einer kleinen Elite voraus, die aufgrund ihrer umfassenden und vor allem praxisorientierten Ausbildung das Zeug hatte, selbst Großkonzerne zu leiten.

Auf Image und Prestige legen die internationalen Business Schools auch heute großen Wert. Nicht zuletzt deshalb, weil der Konkurrenzkampf zwischen ihnen sehr groß ist. Gibt es doch kaum noch ein Land, das keine Business Schools beherbergt. Selbst in Russland und China, einst Bannerträger des Kommunismus, sind sie längst etabliert. Von Indien, Australien, Südamerika, Afrika und natürlich Europa gar nicht erst zu reden. Generell lässt sich sagen, dass es weltweit nur wenige Hochschulen mit wirtschaftswissenschaftlichem Fachbereich gibt, die keine MBA-Ausbildung anbieten. Das gilt selbst für ein Land wie Frankreich, das sich schon immer vieler Elitehochschulen erfreute. In diesem Fall sind es die Grandes Ecoles, an denen die künftigen Top-Manager des Landes ausgebildet werden. Ihre Aufnahmebedingungen sind eher noch härter als die der führenden internationalen B-Schools. Was bereits damit anfängt, dass nur Bewerber mit besonders gutem Baccalauréat (Abitur) aufgenommen werden, die zudem die extrem schwierigen zwei- bis dreijährigen Classes Préparatoires (Vorbereitungsklassen) erfolgreich hinter sich gebracht haben.

Man kann also durchaus von einem weltweiten Siegeszug der MBA-Ausbildung sprechen. Umso erstaunlicher, dass sie hierzulande erst relativ spät angeboten wurde. Was auch damit zu tun hat, dass der Master grundsätzlich nicht gut ins alte Diplom-System passte. Denn wer eine MBA-Ausbildung durchlaufen wollte, musste zu den damals üblichen sechs bis sieben Uni-Jahren zwei weitere für ein klassisches Programm hinzurechnen. Das kürzere Studium an einer Fachhochschule reichte meist nicht für die Zulassung zum MBA-Studium.

Zu den MBA-Pionieren in Deutschland gehört etwa das Europa-Institut der Universität des Saarlandes. Hier hat man seit 1990 eine MBA-Ausbildung im Programm. Mit der Bologna-Reform und der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge änderte sich dann alles. Das MBA-Studium wurde zu einer normalen Alternative für all diejenigen, die nach dem Bachelor noch einen Master draufsetzen wollen. Wobei allerdings oft ein oder zwei Jahre Praxiserfahrung verlangt werden. Praktika und eine Banklehre reichen nicht immer aus.

Mittlerweile gibt es in Deutschland rund 300 MBA-Programme. Nimmt man Österreich und die Schweiz hinzu, kommt man auf über 450. Damit gehört der MBA auch im deutschsprachigen Raum zum regulären Angebot vieler Hochschulen. Der Sprung in die internationale Spitzenklasse, was sich durch gute Platzierungen in Rankings wie dem der „Financial Times“ oder der "Business Week" ausdrückt, gelang bisher jedoch nur wenigen wie etwa der Mannheim Business School, der HHL, der ESMT in Berlin und der WHU. Was jedoch nicht bedeutet, dass sich an all den anderen Hochschulen nicht auch gute Programme finden, die gehobenen Ansprüchen gerecht werden.

Während in den meisten angelsächsischen Ländern immer noch der Full-Time-MBA als Standardmodell gilt, der zudem bei den klassischen Rankings herangezogen wird, ist die Situation in deutschsprachigen Ländern wesentlich facettenreicher. So gibt es auch hier inzwischen Executive-Programme für gestandene Manager, die meist zwischen wenigen Wochen und ein paar Monaten dauern und vorwiegend an Wochenenden stattfinden. Daneben auch zahllose Teilzeitprogramme, die in der Regel berufsbegleitend absolviert werden. Sie machen heute sogar über die Hälfte aller Angebote aus. Nicht zu vergessen der bunte Reigen an Fernstudiengängen, meist per Internet, zu denen jedoch oft Präsenzphasen kommen. Ebenso wie zu fast allen Teilzeitprogrammen Online-Lernmaterial gehört.

Im Ausland erfolgt der Unterricht meist auf Englisch. In einigen Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien oft auch — zumindest zum Teil — in der Sprache des jeweiligen Landes. In Deutschland wird zunehmend auf Deutsch oder auf Deutsch und Englisch unterrichtet. Ein perfekter Unterricht in Englisch erfordert in der Regel Dozenten mit Englisch als Muttersprache. Oder zumindest solche, die etliche Jahre im englischsprachigen Ausland tätig waren.

Für viele Interessenten ist die Unterrichtssprache Englisch auch deshalb wichtig, da sie davon ausgehen, dadurch ihr Englisch erheblich zu verbessern, was auch durchweg der Fall ist. Allerdings: Wer von einer angesehenen ausländischen B-School angenommen werden will, muss bereits ausreichende Englischkenntnisse vorweisen, was in der Regel mithilfe des TOEFL (Test of English as a Foreign Language) geschieht.

Für einige ist also der Wunsch, fließend in Englisch zu werden, mit ein Grund, für das MBA-Studium ins Ausland zu gehen. Hinzu kommt, dass der Teilnehmerkreis dort meist wesentlich internationaler ist, wodurch sich auch interkulturelle Erfahrungen gewinnen lassen. Ein Aspekt, der angesichts der — trotz Trump & Konsorten — mit Sicherheit weiter voranschreitenden Globalisierung von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Dem werden auch viele deutsche Anbieter gerecht, indem sie auf Wunsch ein Auslandssemester bei einer Partnerhochschule ermöglichen.

Neben dem bestandenen TOEFL wird im Ausland meist auch eine gewisse Mindestpunktzahl beim GMAT (Graduate Management Admission Test) oder beim GRE General Test verlangt. Ist sie besonders hoch, empfehlen sich die intensive Lektüre entsprechender Vorbereitungsbücher oder ein Übungskurs, die einen mit den Anforderungen vertraut macht. Bei vielen deutschen MBA-Programmen wird auf die Tests verzichtet, auch auf den Sprachtest.

Klassische Vollzeitprogramme, zumal im Ausland, bieten auch die Gelegenheit, ein persönliches Netzwerk aufzubauen, das beim weiteren Karriereweg helfen kann. Diese Aufgabe haben auch die Alumni-Organisationen vieler B-Schools. Diese Netzwerke der Ehemaligen erstrecken sich bei traditionsreichen Managementschulen meist um den ganzen Globus. Aus Sicht der Schulen haben sie zudem den Zweck, Kontakt mit den ehemaligen Schülern zu halten, von denen viele in Führungspositionen aufrücken und dann meist gern bereit sind, ihrer alten Alma Mater eine mehr oder weniger große Spende zukommen zu lassen. Für viele private Business Schools im angelsächsischen Raum ist dies eine Hauptfinanzierungsquelle.

Deutsche private Hochschulen, die ein MBA-Programm anbieten, finanzieren sich hingegen überwiegend durch Studiengebühren. Kostenlose Ausbildungen dieser Art gibt es so gut wie gar nicht. Die Gebühren können sich zwischen etwa 10.000 bis über 30.000 Euro bewegen. Im Schnitt liegen sie bei etwa 17.000 Euro, wobei die Executive-Programme zu den teuersten Angeboten zählen. Auch deshalb, weil sich viele Firmen an dieser exklusiven Zusatzausbildung ihres Personals beteiligen.

Da MBA-Programme entweder als Career Booster oder als Career Changer dienen, sie also fast immer zusätzliche Karrierechancen mit sich bringen sollen, geht es nicht nur um das Vermitteln von Fachwissen, sondern auch um das Aneignen von Soft Skills, die für Führungsaufgaben benötigt werden. Das fängt bei Communication und Presentation Skills an und geht weiter über Verhandlungs- und Konfliktlösungstechniken bis hin zu Self Management und Kreativitätsmethoden. Damit sind gute und ausgereifte MBA-Studiengänge immer auch Leadership-Programme.

Weniger Frontalunterricht und mehr Gruppen- und Projektarbeit zeichnen sie ebenso aus wie das Lernen per Case Studies. Sie sollen die Programmteilnehmer früh daran gewöhnen, dass es hier weniger um abstraktes Denken in luftigen wissenschaftlichen Höhen geht, sondern darum, unternehmerische Probleme pragmatisch und erfolgreich zu lösen. Obwohl man es nicht unbedingt so machen muss wie die Harvard Business School, bei der 95 Prozent des Wissens per Case Studies vermittelt werden. Induktives Lernen, also vom Speziellen zum Allgemeinen, macht sicher Sinn, deduktives Denken, vom Generellen zum Speziellen, ist jedoch nicht minder wichtig.

All das macht deutlich: Wer sich für ein MBA-Programm interessiert, muss so manches beachten. Dazu gehört als Erstes die Entscheidung, ob man bereits so viel generelles BWL-Wissen mitbringt, dass man sich für ein spezielles MBA-Programm entscheiden kann. Und falls ja, für welche Richtung. Die natürlich mit den späteren beruflichen Plänen übereinstimmen sollte. So bietet beispielsweise die SRH Heidelberg einen MBA Sales Management, der auf Vertrieb und Marketing ausgerichtet ist. Möchte sich jemand später selbständig machen, könnte ein Entrepreneur-Programm in Frage kommen, das sich schwerpunktmäßig mit diesem Thema befasst. Die TU Wien, die Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin oder die FH Aachen bieten diese MBA-Ausbildung an.

Harvard: Hier wurden die ersten MBA-Titel vergeben

Vielleicht ist aber ein Programm besser, das neben einer generellen Ausbildung Vertiefungsrichtungen bietet, wie es etwa an der Hochschule Koblenz, der Nordakademie oder der Steinbeis School der Fall ist. Schließlich könnte auch ein General-Management-Programm das Richtige sein, das sich auf die Kernfächer konzentriert, wie es beispielsweise von den Unis Kassel und Magdeburg, der Hochschule Darmstadt oder der FOM geboten wird.

Im Ausland oder zu Hause studieren ist eine weitere wichtige Entscheidung, wobei sich klar sagen lässt: Im Ausland wird es meist teurer, und es ist nur ein Vollzeit-Programm möglich. Es könnte jedoch zugleich ein Test sein, ob es einem später Spaß macht, für längere Zeit im Ausland zu arbeiten. Deutsche Exportfirmen lechzen geradezu nach Mitarbeitern, die Auslandserfahrung in Form eines MBA-Studiums mitbringen.

Im Übrigen empfiehlt es sich, sich die Business Schools persönlich anzusehen und das Gespräch mit Studenten und Ehemaligen zu suchen. Dabei erfährt man viel über die didaktischen Qualitäten der Dozenten, den Praxisbezug des Unterrichts und über den Geist, der an der Schule herrscht. Er sollte inspirierend und animierend sein, damit man sich auf den Unterricht freut und angeregt wird, sich voll zu engagieren und sein Bestes zu geben.

Starke Indizien für die Qualität einer Business School sind auch die Akkreditierungen. Zumal der MBA keine gesetzlich geschützte Bezeichnung ist, im Prinzip also jeder den Begriff verwenden und nach Belieben mit Inhalt ausfüllen kann. Damit dies nicht geschieht, gibt es Organisationen, die sich die Lehrangebote genau ansehen und überprüfen, ob sie gewissen Standards entsprechen. In den deutschsprachigen Ländern sind die bedeutenden Akkreditierungsorganisationen vor allem die FIBAA, ACQUIN und AQAS, im Ausland meist AACSB, EQUIS und AMBA. Wobei Akkreditierung und Akkreditierung nicht immer dasselbe ist. Manchmal geht es um die ganze Hochschule, dann wieder um ein bestimmtes Ausbildungsprogramm. Dahinter verbirgt sich also eine kleine Wissenschaft. Am besten, man fragt die Anbieter, wie es mit den Akkreditierungen aussieht und was sie bedeuten.

Deutschland hat wie gesagt noch keine große Tradition, was die MBA-Ausbildung anbelangt, weshalb oft noch einige Missverständnisse herrschen, was sie genau ist, wie sie sich von anderen Ausbildungen unterscheidet und wann sie empfehlenswert ist und wann nicht.

Eins lässt sich jedoch feststellen: Man trifft immer mehr Master of Business Administration in Führungspositionen an. Die meisten sprechen sehr positiv über die Ausbildung und bestätigen, dass sie sie auf ihrem Karriereweg weitergebracht hat. Allerdings: Ein MBA-Titel ist nicht automatisch ein Freifahrtschein in die Chefetage. Auch ein MBA muss zeigen, was in ihm steckt. Darauf, dass er nur wegen seiner Ausbildung anderen Anwärtern auf Führungspositionen vorgezogen wird, kann er sich nicht verlassen. Richtig ist aber auch: Wer ein gutes MBA-Programm durchlaufen, das Lehrangebot genutzt und sich reingekniet hat, hat gute Aussichten, beruflich weit zu kommen.

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