Studienreport

Der Weg zum Medienprofi

Schon in der Schule hatte sich Tobias — wie viele seiner Mitschüler — für Medien begeistert. Kein neues TV-Format, das seiner Aufmerksamkeit entgangen wäre. Und kein Tag ohne Facebook, Youtube & Co. Aber Tobias war nicht nur ein bekennender Medien-Junkie, er nutzte die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters auch, um selber kreativ zu werden, indem er Texte und Videos produzierte, um sie in seinem Blog und auf Facebook zu posten. Sogar einen eigenen Youtube-Kanal hatte er sich zugelegt. Dass er sich darüber hinaus bei der Schülerzeitung seines Gymnasiums engagierte, war für ihn Ehrensache.

Nach dem Abi spielte er kurz mit dem Gedanken, Journalismus oder Kommunikationswissenschaft zu studieren, verwarf die Idee aber wieder. Denn eigentlich sah er sich mehr als Macher und Organisator denn als Kreativer. Ihm schwebte vor, später mit einer eigenen Medienfirma coolen Content für TV-Sender, angesagte Start-ups und Video-on-Demand-Firmen zu produzieren. Letzteren gehörte, da war er sich sicher, die Zukunft. Alternativ konnte er sich auch eine Zukunft als Social-Media-Manager in der Marketing-Abteilung eines Konzerns vorstellen. Er hatte eine ganze Reihe von Ideen, wie man die sozialen Medien dort noch besser einsetzen konnte.

Damit lief alles auf ein Studienfach wie Medien- oder Kommunikationsmanagement hinaus. Tobias sah sich die Angebote verschiedener Hochschulen an und entschied sich dann für eine kleine Privatuni, die mit ihren guten Verbindungen in die Wirtschaft warb. Vom ersten Semester an praktische Erfahrungen zu sammeln — am besten bei einem großen Medienkonzern, der die gesamte Bandbreite der Branche abdeckte und bei dem man alles über Medien erfuhr — war ihm enorm wichtig. Wollte er doch selbst eines Tages zu den Medienprofis gehören.

Was ebenfalls für den Studiengang sprach: Das Curriculum sah auch ein Auslandssemester an einer Partnerhochschule der Uni vor. Tobias hätte zwar nichts dagegen gehabt, die gesamte Studienzeit an einem Ort zu verbringen, doch ein Semester im Ausland nahm er gern mit. Schließlich war kaum eine Branche so international wie „seine“ Branche, die Medienindustrie. Zu wissen, wie andere Medienmärkte funktionieren, konnte also nicht schaden, zumal er dabei gleich noch seine Sprachkenntnisse verbessern würde. Mit Sicherheit würden ihm diese Erfahrungen irgendwann nützlich sein.

Zudem versprach das Studium Einblicke in den „Maschinenraum“ einer Medienfirma, sprich die Arbeit von Tontechnikern, Beleuchtern, Cuttern und Kameraleuten. Das hatte Tobias schon immer interessiert. Der einzige Wermutstropfen: die recht happige Studiengebühr, die ihn zwingen würde, einen Studienkredit aufzunehmen und neben dem Studium zu arbeiten. Einen Job zu finden würde bei seinen guten Kontakten zwar keine Schwierigkeit sein. Aber die Bezahlung war meist ziemlich mau. War eine staatliche Hochschule vielleicht doch die bessere Alternative?

Wer — wie Tobias — Medienmanagement studieren will, sieht sich vielen Möglichkeiten gegenüber. Das geht zwar fast allen so, die heute vor der Wahl eines Studienfaches stehen. Doch in kaum einer Disziplin treibt die Spezialisierung so bunte Blüten wie hier. Will sich jemand als PR-Profi auf Krisenkommunikation kaprizieren? Kein Problem. Die DEKRA Hochschule für Medien in Berlin hält ein Master-Programm dafür bereit. Liegt jemandem die deutsch-französische Partnerschaft am Herzen? Dann könnte der Bachelor-Studiengang europäische Wirtschaftskommunikation der Uni Siegen etwas sein. Oder doch lieber Wirtschaftskommunikation auf Chinesisch? Die Hochschule für Angewandte Sprachen in München hat das im Programm.

Eine Suchanfrage beim „Hochschulkompass“ ergibt über 1.000 Studiengänge, die mit Medien zu tun haben. Da kann man schon mal — nicht nur als Studienanfänger — den Überblick verlieren. Viele Angebote — siehe oben — wenden sich allerdings an ausgesprochene Spezialisten, gestandene Praktiker und Interessenten, die bereits ein erstes Studium absolviert haben.

Man sollte sich von der Fülle an Studienmöglichkeiten also nicht aus dem Konzept bringen lassen. Auch viele Bachelor-Studiengänge zum Medien- und Kommunikationsmanagement bieten Gelegenheit, sich auf bestimmte Medienfelder wie Sport- und Eventmanagement, digitale Medien oder Werbung zu spezialisieren. Und wer will, kann später immer noch ein Master-Studium dranhängen, um aus sich beispielsweise einen Experten für Krisenkommunikation zu machen.

Apropos Krise: Die Finanzkrise hat gezeigt, dass bei der Kommunikation zwischen den Banken auf der einen und der Öffentlichkeit auf der anderen Seite einiges schieflaufen kann. Um solche Kommunikationsdesaster zu vermeiden, beschäftigen Finanzdienstleister und Consultingfirmen heute Kommunikationsprofis, die auf Finanzthemen spezialisiert sind. Eine entsprechende Ausbildung bietet die Università della Svizzera italiana in Lugano mit ihrem Master in Financial Communication. Das zweijährige Programm findet auf Englisch statt und kostet 16.000 Schweizer Franken. Dass man am schönen Luganersee studiert, dürfte für viele eine zusätzliche Motivation sein.

Über eines sollte man sich allerdings im Klaren sein: Medienmanagement und Journalismus sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wer „irgendwas mit Medien“ studiert und dabei eine Karriere als investigativer Reporter vor Augen hat, könnte also eine böse Überraschung erleben. Wen es in die schreibende Zunft zieht, der sollte sich an einer Journalistenschule bewerben oder ein Volontariat bei einer Tageszeitung machen. Oder ein Fach wie Journalistik oder Publizistik studieren. So bietet das Institut für Journalistik der TU Dortmund mit dem acht Semester dauernden Bachelor-Studiengang „Wirtschaftspolitischer Journalismus“ eine vollwertige VWL- und gleichzeitig eine journalistische Ausbildung.

Es gibt auch Medienmanagement-Studiengänge mit journalistischer Vertiefungsrichtung. Wie etwa der Bachelor-Studiengang "Medienmanagement" mit der Vertiefung "Media and Journalism" an der sächsischen Hochschule Mittweida oder der Bachelor-Studiengang "Journalismus und Medienmanagement" der FH Wien. Doch spätestens im Beruf trennen sich die Wege. Medienmanager — sofern sie nicht in einem Medienkonzern oder für eine Mediaagentur arbeiten — findet man häufig im Consulting, in der Markt- und Meinungsforschung sowie im Marketingmanagement von Unternehmen. Gemeinsame Berührungspunkte gibt es vor allem im Bereich Public Relations (PR), wo man sowohl Medienmanager als auch gelernte Journalisten trifft. Das zeigt, wie vielseitig einsetzbar Medienmanager sind. Und warum der Beruf auf viele eine hohe Anziehungskraft ausübt.

Reines Medienmanagement bietet beispielsweise die Steinbeis School of Management und Innovation. Es ist sogar ein Bachelor-Studium, womit es sich für alle eignet, die bereits früh wissen, dass dies die richtige Branche für sie ist. Zu recht betont man dort, dass Verlage, Agenturen, Sender, Produktionsfirmen und sonstige Medienfirmen nicht nur von der Kreativität leben, sondern auch betriebswirtschaftliche Profis benötigen.

Hinzu kommt, dass wir alle glauben, ziemlich viel von Medien zu verstehen. Schließlich verbringen wir jeden Tag Stunden damit, Medien — in welcher Form auch immer — zu konsumieren. Sie sind unsere liebste Freizeitbeschäftigung und prägen das Bild, das wir von der Welt haben. Und sie haben uns bereits unser ganzes bisheriges Leben lang begleitet. Von der Märchen-CD oder -DVD, die wir als Kinder hörten und sahen, bis zum Streaming-Dienst, den wir heute nutzen.

Außerdem gehören sie — trotz der Probleme in einigen Bereichen, die unter der Digitalisierung leiden — zu den erfolgreichsten Produkten, mit denen weltweit hunderte Milliarden Umsatz erzielt werden. Laut einer PwC-Studie wird die Unterhaltungs- und Medienbranche hierzulande in den kommenden Jahren um durchschnittlich rund zwei Prozent wachsen. 2020 soll die Umsatzschwelle von 70 Mrd. Euro geknackt werden. Besonders dynamisch entwickelten sich zuletzt das Filmgeschäft, der Gaming-Sektor und die Außen- und Internet-Werbung.

Es kann sich also lohnen, Medienmanagement oder ein vergleichbares Fach zu studieren. Wichtig ist, dass man sich zuvor eingehend über die Studienangebote informiert.

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