Pannenprojekte wie der Berliner Flughafen zeigen: Der Staat ist oft kein guter Manager. Gut, dass es ein Studienfach wie Public Management gibt.

Studienreport Public Management

Den Staat besser managen

Vor 15 Jahren beschloss der Rat der Stadt München, die IT der Stadtverwaltung von Windows auf eine Linux-basierte Software namens „LiMux“ umzustellen. Viele fanden die Entscheidung damals gut, ist Linux doch eine Open Source Software und somit kostenlos. Zudem hat Microsoft bei Entwicklern und Anwendern nicht den besten Ruf. Mit LiMux, so die Hoffnung, würde man unabhängiger vom Quasi-Monopolisten werden. Leider hatten die Stadtväter die Rechnung ohne den Markt gemacht, auf dem Linux-Anwendungen, die den Anforderungen der Kommunalverwaltung genügen, bis heute nur schwer zu bekommen sind. Jetzt hat der Stadtrat dem Leuchtturmprojekt das Licht ausgedreht. Kostenpunkt für den Steuerzahler: 19,1 Mio. Euro.

Von solchen und ähnlichen Fällen berichtet Jahr für Jahr das „Schwarzbuch“ des Bundes der Steuerzahler. Denn die Verschwendung von Steuergeldern ist nicht auf Pannenprojekte wie den Berliner Flughafen oder den Stuttgarter Hauptbahnhof beschränkt, die bundesweit für Kopfschütteln sorgen. Es gibt sie überall — im Großen wie im Kleinen, im Norden wie im Süden der Republik. Und wie das Beispiel München zeigt, ist nicht immer Schlendrian, Kompetenzwirrwarr oder Missmanagement die Ursache. Oft sind es gut gemeinte, aber nicht zu Ende gedachte Lösungen, die sich im Nachhinein als teurer Irrweg erweisen.

Natürlich gibt es auch Städte und öffentliche Unternehmen, die besonders gut wirtschaften und jeden Cent zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. 2016 erzielten die deutschen Kommunen laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung dank sprudelnder Steuereinnahmen und Zuweisungen vom Bund sogar einen Überschuss von 4,5 Mrd. Euro — der höchste seit 2008. Offenbar ist es um die Finanzkraft der Kommunen besser bestellt, als man gemeinhin annimmt.

Was die Zahl nicht verrät: Deutschland ist in puncto kommunale Finanzen zweigeteilt. Während viele Städte in Bayern und Baden-Württemberg dank der Wirtschaftskraft der beiden Bundesländer aus dem Vollen schöpfen können, sind nicht wenige Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hochverschuldet. Die Stadt Essen etwa hat mehr kurzfristige Kassenkredite aufgenommen als die Gemeinden Bayerns, Baden-Württembergs, Sachsens und Thüringens zusammen.

Lies das Interview mit Prof. Markus Karp, der an der TH Wildau "Public Management" lehrt. Weiter ...

Leere Kassen sind nicht die einzige Herausforderung, vor der deutsche Kommunen stehen. Die Digitalisierung macht auch vor den Toren altehrwürdiger Rathäuser nicht Halt. Viele Bürger erwarten heute, mit Behörden und kommunalen Einrichtungen ebenso bequem online kommunizieren zu können, wie sie es vom Online-Banking und ihren Einkäufen im Internet gewohnt sind. Zwar ist E-Government in deutschen Amtsstuben seit einigen Jahren auf dem Vormarsch, doch es gibt noch erheblichen Nachholbedarf, wie der Vergleich mit anderen Ländern zeigt. Im aktuellen Digitalindex der Europäischen Kommission liegt Deutschland abgeschlagen auf dem 21. Platz. Dass man bei Wahlen wie in Estland seine Stimme per E-Voting abgeben kann, ist hierzulande noch Zukunftsmusik.

Viele Bürgermeister plagen allerdings ganz andere Sorgen. Sie müssen Flüchtlinge und Zugewanderte integrieren, für bezahlbare Wohnungen und eine ausreichende Zahl an Kita-Plätzen sorgen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Stadt — Stichwort „Smart City“ — für ihre Bewohner lebenswert bleibt und nicht am Verkehr erstickt. Laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Urbanistik sind es vor allem die Themen Zuwanderung, Wohnungsbau, Digitalisierung & Mobilität sowie kommunale Finanzen, die deutsche Stadtoberhäupter umtreiben.

An Lösungskonzepten und Reformvorschlägen herrscht kein Mangel. Bereits in den achtziger Jahren entwickelten neoliberale Ökonomen das New Public Management (NPM), das erfolgreiche Managementmethoden aus der Privatwirtschaft auf die öffentliche Verwaltung überträgt und auf Ent-Hierarchisierung, Dezentralisierung und schlanke Strukturen setzt. Aus trägen und unnahbaren Behörden sollten kommunale Dienstleister werden, die den Bürger nicht von oben herab, sondern wie einen Kunden behandeln. Vor allem in angelsächsischen Ländern fand das NPM großen Anklang. In Deutschland wurde daraus das „Neue Steuerungsmodell“. Es stieß jedoch von Anfang an auch auf Kritik. Viele setzten es mit Personalabbau und Privatisierungen gleich.

Inzwischen ist, wenn es um die Zukunft der öffentlichen Verwaltung geht, viel von einem NPM 2.0 oder gar einem NPM 3.0 die Rede. Darunter verstehen seine Anhänger einen Staatsapparat, der auf größtmögliche Transparenz und Bürgerbeteiligung setzt (Open Government), wobei das Internet im Mittelpunkt steht. Um den demografischen Wandel abzufedern — auch die öffentliche Verwaltung plagen Nachwuchssorgen —, muss die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter (Workability und Employability) verbessert werden.

Nicht nachlassen darf die öffentliche Verwaltung auch in ihrem Bemühen, bürgernäher und effizienter zu werden und überflüssigen Ballast abzuwerfen. Andererseits ist in manchen Bereichen — etwa der Energieversorgung — eine Rekommunalisierung angezeigt, nachdem man während der Privatisierungswelle in den neunziger Jahren oft übers Ziel hinausgeschossen ist.

Wie auch immer die öffentliche Verwaltung im Jahr 2030 oder 2050 aussieht: Wer heute Public Management studiert, kann sie später mitgestalten. Für ein solches oder verwandtes Studium wie Verwaltungswissenschaft, öffentliche BWL oder Non-Profit-Management sprechen nicht nur die guten Berufsaussichten und der sichere Arbeitsplatz. Man ist auch vielseitig einsetzbar. Denn den Absolventen steht nicht nur die gehobene bzw. — bei Master-Abschluss — höhere Beamtenlaufbahn offen. Ebenso infrage kommt eine Managementtätigkeit bei einem kommunalen Versorger, einem überregionalen Verband oder einer gemeinnützigen Organisation.

Diese Vielseitigkeit spiegelt sich auch im Studium wider. Auf dem Lehrplan stehen neben betriebswirtschaftlichen Kernfächern wie Personalführung, Kostenrechnung und Controlling auch VWL, öffentliches Recht, Kommunalpolitik, Soziologie und andere Fächer. Rund 30 staatliche Hochschulen haben „PuMa“ oder ein vergleichbares Studium im Programm, sei es als Bachelor- oder Masterstudiengang, als duales oder berufsbegleitendes (Fern-) Studium. Hinzu kommen die Angebote der privaten Hochschulen wie der FOM Hochschule oder der Fachhochschule des Mittelstands (FHM).

So bietet die TH Wildau ein duales Studium in öffentlicher Verwaltung an, das nach sieben Semestern mit dem Bachelor of Laws abgeschlossen wird. „PuMa“ als Vollzeit-Bachelorstudium gibt es etwa an den Hochschulen Osnabrück und Darmstadt und der Uni Freiburg.

Wer bereits in der öffentlichen Verwaltung arbeitet und dort Karriere machen will, entscheidet sich oft für ein weiterführendes Masterstudium an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl oder an einer der Verwaltungshochschulen der Bundesländer. An einigen wie der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg kann man auch einen Bachelor erwerben. Das duale Studium beginnt mit einem Einführungspraktikum, dem sich das Grundlagenstudium und eine Praxisphase anschließen. Danach wählt man einen Schwerpunkt wie Wirtschaft & Finanzen oder Kommunalpolitik/Führung. Nach sieben Semestern wird das Studium mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen.

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