Studienreport Taxation

Steuerprofi werden

Die Digitalisierung macht auch vor dem Steuerrecht nicht Halt. Weil die großen amerikanischen IT-Konzerne kräftig Umsatz und Gewinn außerhalb der USA machen, dort aber keine oder nur sehr wenig Steuern zahlen, diskutieren Europas Finanzminister eine neue Digitalsteuer, mit der sie einen Teil der Milliarden abschöpfen können, die Google, Facebook und andere auf dem alten Kontinent verdienen. Ein Vorschlag, der in der Bevölkerung gut ankommt. Denn viele Bürger ärgert es, dass sie einen Großteil des Jahres für den Fiskus arbeiten müssen, während die Silicon-Valley-Firmen — von denen gleich mehrere zu den wertvollsten der Welt gehören — nahezu ungeschoren davonkommen. Die 0,0005 Prozent Steuern, die Apple jahrelang für seine in Europa erzielten Gewinne entrichtete, sind mittlerweile legendär.

Sollte die Digitalsteuer wirklich kommen — im Gespräch sind drei Prozent auf die Umsätze, die Facebook, Google, Uber, Airbnb und andere in Europa erzielen —, wäre es ein Bruch mit einem Grundsatz der internationalen Unternehmensbesteuerung, wonach Waren und Dienstleistungen dort besteuert werden, wo sie hergestellt werden. Und nicht dort, wo sie gekauft oder genutzt werden. Die Software, die dafür sorgt, dass die IT- und Internetkonzerne so unglaublich profitabel sind, wird aber nicht in Europa, sondern in den USA entwickelt.

In Deutschland wächst jedoch die Skepsis gegenüber der Google-Steuer. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat schon vor längerem dagegen Bedenken geäußert. Die Bundesregierung hat auch erkannt, dass der Schuss nach hinten losgehen kann: Würden die Firmen künftig nicht im Herstellungs-, sondern im Verbrauchsland besteuert, würde die exportstarke deutsche Wirtschaft zweimal zur Kasse gebeten. Damit das nicht zum Standortnachteil wird, müsste der deutsche Fiskus die Unternehmenssteuern senken und auf beträchtliche Steuereinnahmen verzichten.

Nicht nur mögliche neue Steuern, auch die vielen bereits existierenden Abgaben und der bürokratische Aufwand, der damit verbunden ist, halten die Unternehmen ständig auf Trab. Und weil die Steuern einen erheblichen Kostenblock darstellen, der über Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit mitentscheidet, sind die Firmen immer auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Steuerlast zu reduzieren. Dazu gibt es zahlreiche — ganz legale — steuerrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten und Schlupflöcher, die sich nicht nur im nationalen Steuerrecht, sondern auch in internationalen Vorschriften finden. Sie aufzuspüren und zu nutzen ist die Aufgabe von Steuerexperten.

Kleinere Unternehmen engagieren in der Regel externe Steuerberater, während sich größere oft eine eigene Steuerabteilung mit entsprechend qualifizierten Experten halten. Allen, die hier ihre berufliche Zukunft sehen, bietet sich ein interessanter Ausbildungsweg an: Studiengänge für betriebliches Steuerwesen oder International Taxation, die häufig mit einem Master abgeschlossen werden. Sie sind nicht zu verwechseln mit der Ausbildung zum Steuerberater, denn sie sind eine eigenständige Qualifizierung, mit der man beispielsweise in Steuerabteilungen von Unternehmen einsteigen kann. Oft werden die Studiengänge auch von Steuerberatern absolviert, die sich im internationalen Steuerrecht fitmachen wollen.

So bietet die Universität Hamburg den einjährigen berufsbegleitenden Masterstudiengang International Taxation an. Im Studium werden die Steuersysteme von zehn Ländern im Detail vorgestellt — von den USA und Großbritannien über Italien und Luxemburg bis Indien. Zudem geht es um internationale Rechnungslegung, die Besteuerung multinationaler Unternehmen, internationale Erbschaftsteuer und internationale Finanzwissenschaft. Außer dem Master können die Teilnehmer den Titel „Fachberater/in für internationales Steuerrecht“ erwerben.

Die Universität Köln führt einen berufsbegleitenden Studiengang für Unternehmensteuerrecht durch. Das Programm, das mit dem Master of Laws (LL.M.) abgeschlossen wird, ist in vier Module aufgeteilt: Grundlagen, nationales Unternehmensteuerrecht, europäisches und internationales Unternehmensteuerrecht sowie Unternehmensbesteuerung und Gestaltungsberatung. Im Studium erwerben die Teilnehmer Fähigkeiten, die bei Unternehmen immer wieder gefragt sind: Steueroptimierung der laufenden Geschäftstätigkeit, die steuerrechtliche Gestaltung von Umstrukturierungen, die Beurteilung der steuerrechtlichen Auswirkungen internationaler Unternehmenstätigkeiten sowie die Bewältigung wirtschaftlicher Krisensituationen in der Steuerberatung.

Schon dieser Überblick zeigt: Wer Experte für Unternehmensteuern werden will, muss sich mit vielen juristischen und betriebswirtschaftlichen Themen befassen. Die meisten Teilnehmer bringen bereits Steuerwissen mit — entweder aus ihrem Erststudium, bei dem sie entsprechende Vertiefungsfächer gewählt haben, oder aus ihrer Tätigkeit als Assistenten in einer Steuerberatungsgesellschaft. Voraussetzung für die Zulassung zu einem Studium ist dies allerdings nicht. Es wird lediglich ein erstes abgeschlossenes Wirtschafts- oder Jurastudium verlangt.

Weil das Steuerberaterexamen als Königsweg zu einer Karriere in Sachen Steuerrecht und -beratung gilt, sind einige Taxation-Studiengänge eng mit ihm verzahnt. Etwa das Masterstudium Betriebliche Steuerlehre der Hochschule München. Im viersemestrigen Studium erwirbt man umfangreiche Kenntnisse im Handels-, Gesellschafts- und Steuerrecht. In Zusammenarbeit mit Steuerlehrgängen wie Dr. Bannas werden die Teilnehmer zudem intensiv auf das Steuerberaterexamen vorbereitet. So haben sie die Möglichkeit, nicht nur den Master of Taxation zu erwerben, sondern auch noch das Steuerberaterexamen abzulegen. Das bietet auch die Uni Freiburg: Innerhalb von sieben Semestern kann man dort berufsbegleitend einen Master und das Steuerberaterexamen machen. Die Präsenzphasen können in Freiburg und in Hamburg absolviert werden.

Ähnlich ist auch der Master of Taxation der Hochschule Mainz aufgebaut. Im Anschluss an das fünfsemestrige, berufsbegleitende Studium nehmen die Studenten am Steuerberaterexamen teil. Darauf werden sie während des fünften Semesters durch ein intensiven Klausurentraining vorbereitet. Voraussetzung für die Zulassung zu diesem Masterstudiengang sind ein erster Studienabschluss sowie ein halbes Jahr Berufserfahrung im Steuerbereich.

Auch Doppelabschlüsse
sind möglich

Der „Taxmaster“, den die Hochschule Aalen in Zusammenarbeit mit der Steuerfachschule Dr. Endriss durchführt, zielt auf einen Doppelabschluss ab. In das berufsbegleitende Studium sind die Steuer- und Klausurenlehrgänge der Steuerfachschule so integriert, dass man am Steuerberaterexamen teilnehmen kann, wenn man den Master of Arts in Taxation in der Tasche hat. Interessant für berufstätige Studenten ist auch, dass man den Taxmaster an sechs verschiedenen Standorten erwerben kann. Die zugehörigen Steuerlehrgänge finden bundesweit sogar an neun Orten statt.

Bisweilen wird die betriebliche Steuerlehre mit anderen BWL-Fächern kombiniert. Etwa beim Master in Finance, Accounting and Taxation der FU Berlin. Das viersemestrige Vollzeitstudium behandelt Finanzierung, Bilanzierung, Wirtschaftsprüfung, Controlling und Steuern. Damit eignet es sich vor allem für Studenten, die einen ersten Wirtschaftsstudiengang hinter sich haben und sich auf den Einstieg in eine Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder in ein Unternehmen vorbereiten wollen, wo sie etwa als Experten für Controlling oder Finanzierung arbeiten.

Der Master of Accounting & Taxation der Mannheim Business School ist ein berufsbegleitendes Two-Track-Studium: Wer sich in Richtung Steuerberatung entwickeln will, konzentriert sich auf Taxation, wer Wirtschaftsprüfer werden möchte, nutzt die Accounting-Schiene. Beide Tracks können innerhalb von drei Jahren im Teilzeitstudium absolviert werden.

Allen, die sich schon in ihrem Erststudium in Richtung Steuerexperte entwickeln wollen, bieten sich entsprechende Bachelor-Studiengänge an. So führt die Hochschule Worms zwei Bachelor-Studiengänge in Steuerlehre durch. In sieben Semestern erwirbt man Kenntnisse in Steuerrecht und verwandten BWL-Fächern. Damit wird man auf eine spätere Tätigkeit als Steuerberater vorbereitet. Das Studium ist auch im Praxisverbund möglich: Wer sich für diese Variante entscheidet, arbeitet in den Semesterferien bei einer Steuerberatungs- oder WP-Gesellschaft. Zudem kann man sich auf die externe Prüfung für Steuerfachangestellte vorbereiten.

Wer sich beruflich international orientieren möchte, kann im sieben Semester dauernden Bachelorstudiengang International Taxation and Law der Hochschule Rhein-Waal entsprechendes Know-how erwerben. Zunächst geht es dabei um nationales Steuerrecht, anschließend spezialisiert man sich auf das internationale Steuerrecht. Der Unterricht findet komplett auf Englisch statt. Teil des Studiums ist auch ein Praxis- oder Auslandssemester.

Ein Steuer-Fernstudium, das sich vor allem an Berufstätige richtet, führt die TU Kaiserslautern durch. In vier Semestern werden die zentralen Gebiete — Allgemeines Steuerrecht und Steuerverfahrensrecht, Einkommen- und Körperschaftsteuerrecht, Umsatz-, Gewerbe- und Umwandlungssteuerrecht sowie internationales Steuerrecht — abgedeckt. Am Ende erwirbt man den Master of Laws (LL.M.).

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