Vielseitige Ausbildung

Taxation studieren

Die Kleinen hängt man — die Großen lässt man laufen. Ungefähr so fühlen sich viele Durchschnittsbürger und -steuerzahler in Deutschland, wenn sie — wieder einmal — in der Zeitung lesen müssen, dass ein großer, international tätiger Konzern mithilfe eines raffinierten Geflechts von Tochterfirmen in Steueroasen und unter Ausnutzung ganz legaler Schlupflöcher seine Steuerzahlungen auf einen verschwindend geringen Betrag gedrückt hat. Und das oft unter aktiver Mithilfe von Regierungen, die auf diese Weise Standortpolitik betreiben.

Auch Deutschland beteiligt sich an internationalen Steuervermeidungsstrategien. So zahlte Apple in den fünf Geschäftsjahren bis September 2014 in Deutschland nur 40 Mio. Euro Ertragsteuern — obwohl das Unternehmen in diesem Zeitraum mit dem Verkauf seiner Produkte an deutsche Kunden einen geschätzten Bruttogewinn von 4,5 Mrd. Euro erzielte. Eigentlich hätten darauf etwa 1,3 Mrd. Euro Ertragsteuern gezahlt werden müssen. Dass es stattdessen nur 40 Mio. Euro waren, liegt an dem vom deutschen Fiskus sehr großzügig ausgelegten Doppelbesteuerungsabkommen mit Irland, wo Apple eine Tochterfirma hat.

Aus Sicht der deutschen Steuerzahler, die brav ihren Obolus entrichten, sind solche Steuerausfälle ärgerlich. Denn letztlich zahlt Otto Normalbürger die Zeche. Schließlich muss der Staat Steuereinnahmen erzielen, um seine Ausgaben zu finanzieren. Und wenn er Konzerne wie Apple nahezu ungeschoren davonkommen lässt, müssen die kleinen Steuerzahler dran glauben.

Doch das Thema Steuern ist eine Medaille mit zwei Seiten. Was aus Sicht der Steuerzahler frustrierend ist, ist aus der Perspektive der Unternehmen rationales Handeln. Da Steuern ein erheblicher Kostenfaktor sind, versucht jeder Wirtschaftsbetrieb, die Steuerlast zu mindern. Auf der ganzen Welt sind Heerscharen von Steuerexperten und -beratern damit beschäftigt, die Steuerzahlungen der Firmen zu optimieren. Apple ist also nur ein — wenn auch extremes — Beispiel für normales unternehmerisches Handeln.

Es hat nichts mit Drückebergerei zu tun, wenn Unternehmen versuchen, möglichst wenig Steuern zu zahlen. Oft ist es sogar eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit: Wenn sie im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, können sie nicht auf Dauer zu ungünstigeren Kosten als die Konkurrenten arbeiten. Und Steuern sind ein beträchtlicher Kostenblock.

Die Wirtschaft hat also großen Bedarf an Steuerexperten. Oft sind es externe Steuerberater, die gleich die Buchhaltung miterledigen. Es können aber auch Fachleute in der Steuerabteilung sein.

Allen, die hier ihre berufliche Zukunft sehen, bietet sich ein interessanter Ausbildungsweg an: Studiengänge — die meist mit einem Master abgeschlossen werden — für betriebliches Steuerwesen oder International Taxation. Sie sind nicht zu verwechseln mit der Ausbildung zum Steuerberater, sondern sind eine eigenständige Qualifizierung, mit der man beispielsweise in Steuerabteilungen einsteigen kann. Oft werden diese Studiengänge auch von Steuerberatern absolviert, die sich im internationalen Steuerrecht weiterqualifizieren wollen.

Ein Beispiel ist der Master of International Taxation, der seit 2001 von der Uni Hamburg angeboten wird. Der einjährige Studiengang kann berufsbegleitend absolviert werden, da der Unterricht an den Wochenenden stattfindet. Gegenstand ist die internationale Besteuerung. Dazu werden die Steuersysteme von zehn Ländern im Detail vorgestellt — von den USA und Großbritannien über Italien und Luxemburg bis Indien. Zudem geht es um internationale Rechnungslegung, die Besteuerung multinationaler Unternehmen, internationale Erbschaftsteuer und internationale Finanzwissenschaft. Genau wie bei anderen Master-Studiengängen erwerben die Teilnehmer Credit Points durch studienbegleitende Leistungskontrollen und verfassen am Ende des Studiums eine Master-Arbeit. Außer dem Master können sie den von der Bundessteuerberaterkammer verliehenen Titel „Fachberater/in für Internationales Steuerrecht“ erwerben.

Auch an der Universität Köln werden Steuerrechtsexperten ausgebildet, allerdings liegt der Schwerpunkt des Studiums zum Master of Laws (LL.M.) nicht allein auf internationalem Steuerrecht. Das berufsbegleitende einjährige Programm ist in vier Module aufgeteilt: Grundlagen, nationales Unternehmensteuerrecht, europäisches und internationales Unternehmensteuerrecht sowie Unternehmensbesteuerung und Gestaltungsberatung. Im Studium erwerben die Teilnehmer Fähigkeiten, die von Unternehmen immer benötigt werden: Steueroptimierung der laufenden Geschäftstätigkeit, die steuerrechtliche Gestaltung von Umstrukturierungen, die Beurteilung der steuerrechtlichen Auswirkungen internationaler Unternehmenstätigkeiten sowie die Bewältigung wirtschaftlicher Krisensituationen.

Schon dieser Überblick zeigt: Wer Experte für Unternehmensbesteuerung werden will, muss sich mit vielen juristisch und betriebswirtschaftlich anspruchsvollen Themen befassen. Die meisten Teilnehmer bringen bereits Steuerwissen mit — entweder aus ihrem Erststudium, bei dem sie entsprechende Vertiefungsfächer gewählt haben, oder aus ihrer Tätigkeit als Assistenten in der Steuerberatung. Voraussetzung für die Zulassung zu einem Studium ist das allerdings nicht. Es wird nur ein erstes abgeschlossenes Wirtschafts- oder Jurastudium verlangt.

Einige Taxation-Studiengänge sind eng mit dem Steuerberaterexamen verzahnt. Etwa das Master-Studium Betriebliche Steuerlehre der Hochschule München. Durch das viersemestrigen Studium erwirbt man umfangreiche Kenntnisse im Handels-, Gesellschafts- und Steuerrecht. In Zusammenarbeit mit Anbietern von Steuerlehrgängen wie Dr. Bannas werden die Teilnehmer zudem intensiv auf das Steuerberaterexamen vorbereitet. So haben sie die Möglichkeit, nicht nur den „Master of Taxation“ zu erwerben, sondern auch noch das Steuerberaterexamen abzulegen. Das bietet auch die Uni Freiburg: Innerhalb von sieben Semestern kann man dort berufsbegleitend den Master of Arts - Taxation und das Steuerberaterexamen machen. Die Präsenzphasen können in Frankfurt, Freiburg und in Hamburg absolviert werden.

Ab September 2016 bietet auch die FOM ein Masterstudium an, bei dem gleichzeitig die Steuerberaterprüfung abgelegt wird. Das berufsbegleitende Studium dauert nur fünf Semester und findet an 15 der 28 deutschlandweiten Standorte der Hochschule statt. Man erwirbt den Master of Laws (LL.M.) und bereitet sich während des Studiums mithilfe des Steuerlehrgangs Knoll auf die Steuerberaterprüfung vor. Die Kosten für den Steuerlehrgang sind in den Studiengebühren enthalten. Die praktische Ausbildung als Steuerassistent findet bei einer Steuerberatungs- bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaft statt. Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Studium ist ein Bachelor-Abschluss oder die erste juristische Staatsprüfung.

Ähnlich ist auch der Master of Taxation der Hochschule Mainz aufgebaut. Im Anschluss an das fünfsemestrige berufsbegleitende Studium nehmen die Studenten am Steuerberaterexamen teil. Darauf werden sie während des fünften Semesters mit einem intensiven Klausurentraining vorbereitet. Voraussetzung für die Zulassung zu diesem Master-Studiengang sind ein erster Studienabschluss sowie ein halbes Jahr Berufserfahrung mit Steuern.

Viele Optionen,
gute berufliche Aussichten

Auch der „Taxmaster“ der Hochschule Aalen in Zusammenarbeit mit der Steuerfachschule Dr. Endriss zielt auf einen Doppelabschluss ab. In das berufsbegleitende Studium sind die Steuer- und Klausurenlehrgänge der Steuerfachschule so integriert, dass man am Steuerberaterexamen teilnehmen kann, wenn man den Master of Arts in Taxation in der Tasche hat. Interessant für berufstätige Studenten ist auch, dass man den Taxmaster an sechs verschiedenen Orten erwerben kann. Die zugehörigen Steuerlehrgänge finden sogar bundesweit an neun Orten statt.

Bei einigen Master-Studiengängen wird die betriebliche Steuerlehre mit anderen BWL-Fächern kombiniert. Etwa beim Master in Finance, Accounting and Taxation der FU Berlin. Das viersemestrige Vollzeitstudium findet zum Teil in Englisch statt und behandelt Finanzierung, Bilanzierung, Wirtschaftsprüfung, Controlling und Steuern. Damit eignet es sich vor allem für Studenten, die einen ersten wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang hinter sich haben und sich auf den Einstieg in eine Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder in ein Unternehmen vorbereiten wollen, wo sie sich beispielsweise mit Controlling oder Finanzierung befassen.

Der Master of Accounting & Taxation der Mannheim Business School ist ein berufsbegleitendes Two-Track-Studium: Wer sich in Richtung Steuerberatung entwickeln will, konzentriert sich auf Taxation, wer Wirtschaftsprüfer werden möchte, nutzt die Accounting-Schiene. Beide Tracks können innerhalb von drei Jahren im Teilzeitstudium absolviert werden.

Erstmalig zum  Wintersemester 2016/17 hat die TU Kaiserslautern ein berufsbegleitendes Fernstudium Steuerrecht für die Unternehmenspraxis im Programm, das sich in erster Linie an Berufstätige wendet, die Steuerwissen erwerben oder ihr bereits vorhandenes Wissen erweitern wollen. Es setzt ein abgeschlossenes Hochschulstudium und eine mindestens einjährige einschlägige Berufserfahrung oder mehrjährige Berufstätigkeit und eine bestandene Eignungsprüfung voraus. Das Studium dauert vier Semester, die Unterrichtsfächer decken die zentralen Gebiete wie Allgemeines Steuerrecht und Steuerverfahrensrecht, Einkommen- und Körperschaftsteuerrecht mit Steuerbilanzrecht, Gewerbe-, Umsatz- und Umwandlungssteuerrecht sowie europäisches und internationales Steuerrecht ab. Auch das Steuerstrafrecht wird nicht vergessen. Am Ende erwirbt man den Master of Laws (LL.M.).

Wer sich beruflich international orientieren möchte, kann im sieben Semester dauernden Bachelor-Studiengang International Taxation and Law der Hochschule Rhein-Waal entsprechendes Know-how erwerben. Zunächst geht es um nationales Steuerrecht, anschließend spezialisiert man sich auf internationales Steuerrecht. Der Unterricht findet komplett auf Englisch statt. Teil des Studiums ist auch ein Praxis- oder Auslandssemester.

Allen, die sich schon in ihrem Erststudium in Richtung Steuerexperte entwickeln wollen, bieten verschiedene Hochschulen entsprechende Bachelor-Studiengänge an. Etwa die ADG Business School an der Steinbeis-Hochschule Berlin, die das Bachelor-Programm Taxation & Accounting durchführt. Es kann direkt nach dem Abitur als duales Studium absolviert werden. Nach Abschluss des Studiums und der erfolgreichen Berufsprüfung haben sie einen Bachelor-Titel sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das Bachelor-Studium richtet sich auch an Berufstätige, die nach ihrer Berufsausbildung eine zusätzliche akademische Qualifikation erwerben wollen.

Auch die Hochschule Worms bietet zwei Bachelor-Studiengänge in Steuerlehre. In sieben Semestern erwirbt man Kenntnisse in Steuerrecht und verwandten BWL-Fächern. Damit wird man auf eine spätere Tätigkeit als Steuerberater vorbereitet. Das Studium ist auch im Praxisverbund möglich: Wer sich für diese Variante entscheidet, arbeitet in den Semesterferien bei einer Steuerberatungs- oder WP-Gesellschaft. Zudem kann man sich auf die externe Prüfung für Steuerfachangestellte vorbereiten.

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