Unzählige Möglichkeiten

Tourismus studieren

Seit Jahrzehnten ist die Türkei ein beliebtes Reiseziel. Vor allem Istanbul mit seiner reizvollen Lage am Bosporus und seinen Baudenkmälern sowie die türkische Riviera haben es vielen angetan. Doch im letzten Sommer war alles anders: Nach mehreren Terroranschlägen und dem gescheiterten Putschversuch im Juli machten viele Touristen einen großen Bogen um die Türkei. Im August 2016 kamen fast 40 Prozent weniger Auslandsgäste als im Vorjahr. Und in diesem Jahr zeichnet sich bereits ein weiterer massiver Einbruch ab.

Auch andere Länder wie Tunesien und Ägypten leiden nach wie vor unter den stark zurückgegangenen Touristenzahlen, während die Tourismuseinnahmen in anderen Ländern steigen. So verzeichnete Griechenland schon 2016 ein kräftiges Besucherplus, was in dem krisengeschüttelten Land für zehntausende zusätzliche Arbeitsplätze sorgte. 2017 sollen die Zahlen noch besser werden. In Spanien stießen viele Touristenziele bereits letztes Jahr an ihre Kapazitätsgrenzen. Allein im August 2016 kamen über zehn Millionen Gäste ins Land, so viele wie noch nie zuvor in diesem Monat.

Weil der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, wurde die Reiselust der Deutschen sogar schon zum Politikum. So ermunterte Kanzlerin Angela Merkel ihre Mitbürger beim Tourismusgipfel September 2016 in Berlin, verstärkt in die arabische Welt und in Entwicklungs- und Schwellenländer zu reisen. Weil dadurch mehr lokale Produkte und Dienstleistungen gekauft werden, eröffneten sich für diese Regionen neue Chancen.

Auch dieser Sommer wird es wieder zeigen: Krisenherde und Terrorangst führen nicht dazu, dass den Deutschen die Lust aufs Reisen vergeht. Sie suchen sich einfach andere Reiseziele aus, die als sicher gelten - wovon auch der heimische Fremdenverkehr profitiert.

Für die Branche insgesamt sind das positive Nachrichten. Auch wer nach dem Studium den Berufseinstieg in die bunte Welt des Tourismus plant, kann sich freuen. Denn der Personalbedarf in der Tourismusindustrie ist ungebrochen hoch. Und da auch in dieser Branche die Aufgaben ständig komplexer werden, wird immer häufiger eine Hochschulausbildung, am besten mit entsprechender Spezialisierung, verlangt. Nicht zuletzt wird die Branche zunehmend von internationalen Konzernen dominiert, deren Manager betriebswirtschaftliches und branchenspezifisches Wissen benötigen.

Wer sich für diesen Wirtschaftssektor interessiert und dort Karriere machen möchte, findet heute an zahlreichen Hochschulen spezielle Tourismus-Studiengänge. Hat man vor dem Studium praktische Erfahrungen erworben, beispielsweise durch eine Berufsausbildung zur Reisefachwirtin bzw. zum Reisefachwirt, erhöht das die beruflichen Chancen nochmals.

Internationalität ist ein wesentliches Merkmal der Reisebranche. Deswegen sollte man gut Englisch sprechen und am besten noch eine andere Fremdsprache beherrschen. Außerdem sind Auslandserfahrungen nützlich, die man bereits während des Studiums sammeln kann — etwa durch Praktika oder Gastsemester im Ausland oder indem man geich dort studiert. Beispielsweise in der Schweiz, wo es viele erstklassige Hotelfachschulen und Hochschulausbildungen gibt.

So bietet die Università della Svizzera Italiana (USI) in Lugano den Master of Arts in International Tourism an. Das zweijährige Programm, das komplett auf Englisch unterrichtet wird, bereitet die Teilnehmer auf Tätigkeiten in Tourismuskonzernen, bei Reiseveranstaltern, im Regions- und Destinationsmarketing sowie im Konferenz- und Eventmanagement vor. Module des Lehrplans sind unter anderem E-Tourism, Technology Labs, Economics of Transport and Mobility und Risk and Crisis Management in Tourism.

Internationalität wird auch im Bachelor-Studiengang Tourism & Event Management der privaten International School of Management (ISM) groß geschrieben. Ein Semester verbringen alle Studenten im Ausland, beispielsweise an einer der zahlreichen ISM-Partnerhochschulen. Wer sich für den "Global Track" entscheidet, geht noch für ein weiteres Semester ins Ausland.

Programme wie die der USI und der ISM eignen sich vor allem für Studenten, die genau wissen, dass sie in der Tourismusbranche arbeiten und deshalb eine intensive branchenspezifische akademische Ausbildung durchlaufen wollen. Wer sich noch nicht entschieden hat, in welcher Branche er oder sie tätig werden möchte, sollte eher ein BWL-Studium wählen, bei dem in höheren Semestern — neben anderen Wahlfächern — eine Spezialisierung auf Tourismuswirtschaft angeboten wird.

Das gibt es beispielsweise an der Hochschule Luzern. Dort kann man — in Vollzeit oder berufsbegleitend — einen Bachelor in Business Administration mit der Vertiefung Tourismus und Mobilität machen. Außerdem hat die Hochschule den Master of Business Administration mit dem Hauptfach Tourism im Angebot. Die Teilnehmer des Studiengangs werden — auf Englisch und innerhalb von zwei Jahren — auf Führungsaufgaben, vor allem bei Touristikunternehmen, vorbereitet.

Die Tourismusbranche bietet auch deshalb vielfältige Berufsmöglichkeiten, weil der Reisemarkt sehr facettenreich ist. Je nach Alter, Interessen, Geldbeutel und zur Verfügung stehender Zeit gibt es ganz unterschiedliche Ferienangebote — vom Wochenendausflug nach Mallorca zum Discountpreis über die Mittelmeerkreuzfahrt bis zur Exklusivreise nach Grönland mit Übernachtung im Luxus-Iglu, von der Bildungsreise über die organisierte und begleitete Radtour bis zum Wellness-Trip mit Öko-Hotel in der Toskana oder in Südfrankreich, vom Familienurlaub mit Kinderbespaßung über Single-Reisen bis zum gediegenen Kultururlaub für gut situierte Ruheständler. Die Nach-Abi-Reisen zum Binge Drinking an der Costa Brava nicht zu vergessen.

Ein schnell wachsender Zweig ist der Öko- bzw. Nachhaltigkeitstourismus für gestresste, aber umweltbewusste Großstädter. Dabei achten die Veranstalter genauestens darauf, dass die Kunden mit der Bahn statt mit dem Flugzeug reisen, um weniger Kohlendioxid zu produzieren, in klimaneutralen Hotels wohnen und vegetarisches oder veganes Essen von Demeter-Bauernhöfen gereicht bekommen. Für diesen sanften Tourismus gibt es jetzt immer mehr spezielle Studiengänge.

Etwa an der Hochschule Heilbronn, wo man ab dem Wintersemester 2017/18 einen Master in nachhaltiger Tourismusentwicklung machen kann. Die Absolventen des Studiengangs finden dort Betätigungsfelder, wo nachhaltige Tourismusprojekte geplant oder erweitert werden, also etwa bei der Entwicklung von Resorts und Freizeitparks, oder bei staatlichen Stellen, deren Aufgabe es ist, die Wirtschaft der Region anzukurbeln und die deshalb auch nachhaltige Tourismusprojekte planen.

Im Bachelor-Studium nachhaltiger Tourismus der Hochschule Rhein-Waal werden allgemeines betriebswirtschaftliches Wissen und Themen wie unternehmerische Sozialverantwortung und interkulturelles Management oder Entwicklungspolitik und internationale Beziehungen vermittelt. Teil des Studiums, das in Vollzeit oder berufsbegleitend absolviert werden kann, ist auch ein Praxis- oder Auslandssemester.

Wer in der Tourismusbranche arbeitet und noch eine zusätzliche akademische Ausbildung machen möchte, kann auch ein Fernstudium machen. So bietet die SRH Fernhochschule die Bachelor-Programme Hotel- und Tourismusmanagement sowie Betriebswirtschaft und Management mit der Spezialisierung Hotellerie und Tourismus an.

Um das für die Tourismusbranche ebenfalls wichtige Thema Hotelmanagement geht es im Bachelor-Studiengang Management & Hotellerie der ADG Business School, der berufsbegleitend an einem der sechs Studienorte der Hochschule absolviert werden kann. In drei Jahren wird man für eine Karriere in der Hotelbranche fit gemacht.

Gelegentlich werden Tourismus und Event Management verbunden. Nicht nur an der ISM (s. oben), sondern beispielsweise auch an der EBC Hochschule, die je einen Campus in Hamburg, Berlin und Düsseldorf unterhält. Der Bachelor-Studiengang Tourism & Event Management dauert sechs Semester und wird an allen drei Standorten geboten. Die Studieninhalte orientieren sich an den Empfehlungen der Branchenverbände FAMAB/FME, DTV und DGT. Das zweite Standbein Event Management ist eine gute Idee, da sich dadurch zusätzliche berufliche Möglichkeiten im Marketing anderer Branchen eröffnen. Übrigens: Wer ein gutes Tourismus-Lexikon sucht, das einem beim Studium und auch sonst weiterhilft, findet es auf der Website der EBC.

Die Praxis spielt bei vielen Tourismusstudiengängen eine bedeutende Rolle. Was sich auch daran zeigt, dass vor allem Fachhochschulen, bei denen die praktische Anwendbarkeit des Lehrstoffs und die Vernetzung mit der Praxis eine wichtigere Rolle spielen als an den Universitäten, entsprechende Studiengänge anbieten.

So bietet die IUBH, die jeweils einen Campus in Bad Honnef, Bad Reichenhall und Berlin betreibt, den Bachelor-Studiengang Internationales Tourismusmanagement an, bei dem die Studenten ein einsemestriges Praktikum im In- oder Ausland absolvieren. Internationale Erfahrungen sammeln sie außerdem während der zwei Auslandssemester. Die IUBH führt außerdem den Master-Studiengang International Hospitality Management durch, der auf Führungsaufgaben im Hotelwesen vorbereitet. Außerdem gibt es ein duales Bachelor-Programm Tourismuswirtschaft.

Bei den dualen Studiengängen gehen Theorie und Praxis, Studium und Beruf Hand in Hand: Neben dem Studium arbeitet man in einem Unternehmen und absolviert dort oft eine berufliche Ausbildung. Beim dualen Studiengang BWL/Tourismus der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin erhalten die Teilnehmer einen Ausbildungsvertrag von einem kooperierenden Unternehmen der Tourismusbranche. Studium und Praxiseinsätze finden in dreimonatigem Wechsel statt. Am Ende haben die Absolventen einen Bachelor und eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Tasche. Ähnlich ist der duale Bachelor-Studiengang Tourismusmanagement der FH Frankfurt aufgebaut.

Wer sich durch ein Bachelor- oder Master-Studium auf eine Karriere in der Tourismusbranche vorbereiten will, kann sich also nicht über mangelnde Auswahl bei den Studiengängen beklagen.

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