Studienreport Tourismusmanagement

Eine dynamische Branche

Seit Jahrzehnten ist die Türkei ein beliebtes Reiseziel, vor allem bei den Deutschen. Insbesondere Istanbul mit seiner reizvollen Lage am Bosporus und seinen Baudenkmälern sowie die türkische Riviera haben es vielen angetan. Doch seit dem Sommer 2016 ist alles anders: Nach mehreren Terroranschlägen, dem gescheiterten Putschversuch im Juli jenes Jahres und wegen der anschließenden politischen Entwicklung machen viele Touristen bis heute einen großen Bogen um die Türkei. So kamen auch im Sommer 2017 viel weniger Auslandsgäste als früher. Für viele Tourismusbetriebe, seien es Hotels, Restaurants, Souvenirläden oder lokale Mietwagenfirmen, ist das eine Katastrophe. Nicht wenige mussten schließen. Jetzt sind alle gespannt, wie sich die Zahlen im Sommer 2018 entwickeln werden.

Auch andere Länder wie Tunesien und Ägypten leiden nach wie vor unter den stark zurückgegangenen Touristenzahlen, während die Tourismuseinnahmen in anderen Ländern steigen. So verzeichnete Griechenland schon 2016 ein kräftiges Besucherplus, was in dem nach wie vor krisengeschüttelten Land für zehntausende zusätzliche Arbeitsplätze sorgte. 2017 waren die Zahlen noch besser. In Spanien stießen viele Touristenziele bereits 2016 an ihre Kapazitätsgrenzen. Was die politischen Unruhen wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens für die Saison 2018 bedeuten, muss abgewartet werden.

Weil der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, hat er auch politische Bedeutung. So ermunterte Kanzlerin Angela Merkel ihre Mitbürger beim Tourismusgipfel September 2016 in Berlin, verstärkt in die arabische Welt und in Entwicklungs- und Schwellenländer zu reisen. Weil dadurch mehr lokale Produkte und Dienstleistungen gekauft werden, eröffneten sich für diese Regionen neue Chancen.

Doch es gibt auch negative Entwicklungen wie den „Overtourism“, der zunehmend Ärger in einigen Regionen auslöst. Etwa wenn Städte wie Barcelona, Venedig oder Dubrovnik oder Mallorca derart von Touristen gestürmt werden, dass sich die Einheimischen regelrecht überrannt fühlen. Oder wenn Buchungsplattformen für Privatunterkünfte wie Airbnb dazu führen, dass die Mietpreise für die Einheimischen unerschwinglich werden. 

Dennoch: Wer nach dem Studium den Berufseinstieg in die bunte Welt des Tourismus plant, kann sich freuen. Denn der Personalbedarf in der Tourismusindustrie ist ungebrochen hoch. Und da auch in dieser Branche die Aufgaben ständig komplexer werden, wird immer häufiger eine Hochschulausbildung, am besten mit entsprechender Spezialisierung, verlangt. Nicht zuletzt wird die Branche zunehmend von internationalen Konzernen dominiert, deren Manager betriebswirtschaftliches und branchenspezifisches Wissen benötigen.

Wer sich für diesen Wirtschaftssektor interessiert und dort Karriere machen möchte, findet heute an zahlreichen Hochschulen spezielle Tourismus-Studiengänge. Hat man vor dem Studium praktische Erfahrungen erworben, beispielsweise durch eine Berufsausbildung zur Reisefachwirtin bzw. zum Reisefachwirt, erhöht das die beruflichen Chancen nochmals.

Internationalität ist ein wesentliches Merkmal der Reisebranche. Deswegen sollte man gut Englisch sprechen und am besten noch eine andere Fremdsprache beherrschen. Außerdem sind Auslandserfahrungen nützlich, die man bereits während des Studiums sammeln kann — etwa durch Praktika oder Gastsemester im Ausland oder indem man geich dort studiert. Beispielsweise in der Schweiz, wo es viele erstklassige Hotelfachschulen und Hochschulausbildungen gibt.

So bietet die Università della Svizzera Italiana (USI) in Lugano den Master of Arts in International Tourism an. Das zweijährige Programm, das komplett auf Englisch unterrichtet wird, bereitet die Teilnehmer auf Tätigkeiten in Tourismuskonzernen, bei Reiseveranstaltern, im Regions- und Destinationsmarketing sowie im Konferenz- und Eventmanagement vor. Module des Lehrplans sind unter anderem E-Tourism, Technology Labs, Economics of Transport and Mobility und Risk and Crisis Management in Tourism.

Internationalität wird auch im Bachelor-Studiengang Tourism & Event Management der privaten International School of Management (ISM) groß geschrieben. Ein Semester verbringen alle Studenten im Ausland, beispielsweise an einer der zahlreichen ISM-Partnerhochschulen. Wer sich für den "Global Track" entscheidet, geht noch für ein weiteres Semester ins Ausland.

Programme wie die der USI und der ISM eignen sich vor allem für Studenten, die genau wissen, dass sie in der Tourismusbranche arbeiten und deshalb eine intensive branchenspezifische akademische Ausbildung durchlaufen wollen. Wer sich noch nicht entschieden hat, in welcher Branche er oder sie tätig werden möchte, sollte eher ein BWL-Studium wählen, bei dem in höheren Semestern — neben anderen Wahlfächern — eine Spezialisierung auf Tourismuswirtschaft angeboten wird.

Das gibt es beispielsweise an der Hochschule Luzern. Dort kann man — in Vollzeit oder berufsbegleitend — einen Bachelor in Business Administration mit der Vertiefung Tourismus und Mobilität machen. Außerdem hat die Hochschule den Master of Business Administration mit dem Hauptfach Tourism im Angebot. Die Teilnehmer des Studiengangs werden — auf Englisch und innerhalb von zwei Jahren — auf Führungsaufgaben, vor allem bei Touristikunternehmen, vorbereitet.

In Deutschland zählt die Hochschule Worms zu den Pionieren der Touristikausbildung. Sie hat gleich sechs Studiengänge im Programm, zwei davon befassen sich speziell mit dem Luftverkehr. Insgesamt 45 Dozenten sorgen dafür, dass kein Wunsch offenbleibt. Wer einen Bachelor, Master oder einen MBA erwerben möchte, sollte sich das umfangreiche Ausbildungsangebot dieser Hochschule genau ansehen (s. auch das Interview mit Prof. Hans Rück).

Lies das Interview mit Prof. Hans Rück von der Hochschule Worms zur Internationalität der Tourismuswirtschaft, zur Serviceorientierung, die man mitbringen sollte, und dass bei aller Reisefreude stets die betriebswirtschaftlichen Aspekte beachtet werden müssen. Weiter ...

Die Tourismusbranche bietet auch deshalb vielfältige Berufsmöglichkeiten, weil der Reisemarkt sehr facettenreich ist. Je nach Alter, Interessen, Geldbeutel und zur Verfügung stehender Zeit gibt es ganz unterschiedliche Ferienangebote — vom Wochenendausflug nach Mallorca zum Discountpreis über die Mittelmeerkreuzfahrt bis zur Exklusivreise nach Grönland mit Übernachtung im Luxus-Iglu, von der Bildungsreise über die organisierte und begleitete Radtour bis zum Wellness-Trip mit Öko-Hotel in der Toskana oder in Südfrankreich, vom Familienurlaub mit Kinderbespaßung über Single-Reisen bis zum gediegenen Kultururlaub für gut situierte Ruheständler. Die Nach-Abi-Reisen zum Binge Drinking an der Costa Brava nicht zu vergessen.

Ein schnell wachsender Zweig ist der Öko- bzw. Nachhaltigkeitstourismus für gestresste, aber umweltbewusste Großstädter. Dabei achten die Veranstalter genauestens darauf, dass die Kunden mit der Bahn statt mit dem Flugzeug reisen, um weniger Kohlendioxid zu produzieren, in klimaneutralen Hotels wohnen und vegetarisches oder veganes Essen von Demeter-Bauernhöfen gereicht bekommen. Für diesen sanften Tourismus gibt es jetzt immer mehr spezielle Studiengänge.

Etwa an der Hochschule Heilbronn, wo man ab dem Wintersemester 2017/18 einen Master in nachhaltiger Tourismusentwicklung machen kann. Die Absolventen des Studiengangs finden dort Betätigungsfelder, wo nachhaltige Tourismusprojekte geplant oder erweitert werden, also etwa bei der Entwicklung von Resorts und Freizeitparks, oder bei staatlichen Stellen, deren Aufgabe es ist, die Wirtschaft der Region anzukurbeln und die deshalb auch nachhaltige Tourismusprojekte planen.

Im Bachelor-Studium nachhaltiger Tourismus der Hochschule Rhein-Waal werden allgemeines betriebswirtschaftliches Wissen und Themen wie unternehmerische Sozialverantwortung und interkulturelles Management oder Entwicklungspolitik und internationale Beziehungen vermittelt. Teil des Studiums, das in Vollzeit oder berufsbegleitend absolviert werden kann, ist auch ein Praxis- oder Auslandssemester.

Wer in der Tourismusbranche arbeitet und noch eine zusätzliche akademische Ausbildung machen möchte, kann auch ein Fernstudium machen. So bietet die SRH Fernhochschule die Bachelor-Programme Hotel- und Tourismusmanagement sowie Betriebswirtschaft und Management mit der Spezialisierung Hotellerie und Tourismus an.

Um das für die Tourismusbranche ebenfalls wichtige Thema Hotelmanagement geht es im Bachelor-Studiengang Management & Hotellerie der ADG Business School, der berufsbegleitend an einem der sechs Studienorte der Hochschule absolviert werden kann. In drei Jahren wird man für eine Karriere in der Hotelbranche fit gemacht.

Gelegentlich werden Tourismus und Event Management verbunden. Nicht nur an der ISM (s. oben), sondern beispielsweise auch an der EBC Hochschule, die je einen Campus in Hamburg, Berlin und Düsseldorf unterhält. Der Bachelor-Studiengang Tourism & Event Management dauert sechs Semester und wird an allen drei Standorten geboten. Die Studieninhalte orientieren sich an den Empfehlungen der Branchenverbände FAMAB/FME, DTV und DGT. Das zweite Standbein Event Management ist eine gute Idee, da sich dadurch zusätzliche berufliche Möglichkeiten im Marketing anderer Branchen eröffnen. Übrigens: Wer ein gutes Tourismus-Lexikon sucht, das einem beim Studium und auch sonst weiterhilft, findet es auf der Website der EBC.

Die Praxis spielt bei vielen Tourismusstudiengängen eine bedeutende Rolle. Was sich auch daran zeigt, dass vor allem Fachhochschulen, bei denen die praktische Anwendbarkeit des Lehrstoffs und die Vernetzung mit der Praxis eine wichtigere Rolle spielen als an den Universitäten, entsprechende Studiengänge anbieten.

So bietet die IUBH, die jeweils einen Campus in Bad Honnef, Bad Reichenhall und Berlin betreibt, den Bachelor-Studiengang Internationales Tourismusmanagement an, bei dem die Studenten ein einsemestriges Praktikum im In- oder Ausland absolvieren. Internationale Erfahrungen sammeln sie außerdem während der zwei Auslandssemester. Die IUBH führt außerdem den Master-Studiengang International Hospitality Management durch, der auf Führungsaufgaben im Hotelwesen vorbereitet. Außerdem gibt es ein duales Bachelor-Programm Tourismuswirtschaft.

Bei den dualen Studiengängen gehen Theorie und Praxis, Studium und Beruf Hand in Hand: Neben dem Studium arbeitet man in einem Unternehmen und absolviert dort oft eine berufliche Ausbildung. Beim dualen Studiengang BWL/Tourismus der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin erhalten die Teilnehmer einen Ausbildungsvertrag von einem kooperierenden Unternehmen der Tourismusbranche. Studium und Praxiseinsätze finden in dreimonatigem Wechsel statt. Am Ende haben die Absolventen einen Bachelor und eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Tasche. Ähnlich ist der duale Bachelor-Studiengang Tourismusmanagement der FH Frankfurt aufgebaut.

Wer sich durch ein Bachelor- oder Master-Studium auf eine Karriere in der Tourismusbranche vorbereiten will, kann sich also nicht über mangelnde Auswahl bei den Studiengängen beklagen.

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