| Vielen Studenten
graut es davor, einen wissenschaftlichen Text zu
verfassen. Und zwar nicht nur bei der ersten Seminar-
oder Hausarbeit, sondern auch noch dann, wenn es um die
Diplomarbeit geht. Dr. Joachim Deppe von der Universität
Bochum hat einige Tips zusammengestellt, damit einem
zumindest der erste Schritt - die Literaturrecherche -
leichter fällt. Wissenschaftliches Arbeiten Die
Literaturrecherche: Es gibt vor allem einen Grund, warum die meisten solch eine Aversion davor haben, einen wissenschaftlichen Text zu verfassen: Man muß nicht nur selbständig etwas zu einem Thema schreiben, es müssen auch noch die schriftlich niedergelegten Gedanken anderer Personen aufgespürt, bewertet und verarbeitet werden. Diese Literaturrecherche und -verarbeitung wird oft als ein Buch mit sieben Siegeln angesehen. Daß dies nicht so sein muß und daß Literaturarbeit bei systematischem Vorgehen Lust statt Frust bereiten kann, zeigen die folgenden Tips. |
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Nr. 1: Nicht alles selbst ausdenken! |
Zu fast allen Themen ist bereits viel geschrieben worden. Nutzen Sie diese Erkenntnisse als Basis für die eigenen Überlegungen und Ausarbeitungen. Eine systematische Literatursuche, -auswahl, -beschaffung und -verarbeitung ist keine lästige Pflicht, sondern eine konkrete Hilfe beim eigenen Durchdringen eines Sachgebiets. Literatur hilft, eine Strukturierung vorzunehmen, eine Gliederung zu entwickeln und einen sinnvollen Text zu verfassen. |
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Nr. 2: Die richtige Suchstrategie entscheidet! |
Wenn man geeignete Literatur suchen will, sollte man die richtigen Suchstrategien beherrschen. Dazu muß man folgendes wissen: 1. Welche
Literaturarten sind zu unterscheiden? Bei den Literaturarten ist zwischen Monographien (Lehrbücher, Dissertationen, Habilitationen etc.), Sammelwerken (z.B. Handwörterbücher, Festschriften oder Dokumentationen), Fachzeitschriften, tagesaktuellen Printmedien und grauer Literatur (Lehrstuhlberichte, Tagungsberichte, Working Papers etc.) zu unterscheiden. Materialien, wie etwa Skripte von Mitschriftenteams, die für einen Außenstehenden nicht beschaffbar sind, sind auch nicht zitierfähig. |
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Nr. 3: Von Anfang an dokumentieren! |
Dokumentieren Sie gleich von Anfang an alle Quellen, die Sie finden. Legen Sie dazu eine Verfasserkartei an, die gleichzeitig als Grundlage für das spätere Literaturverzeichnis dient. Dabei müssen Sie systematisch und sorgfältig vorgehen. Die Erfassung kann dabei entweder auf Karteikarten oder sofort mit Hilfe des PC erfolgen. |
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Nr. 4: Thema konkretisieren und abgrenzen |
Zu Beginn der Literaturrecherche müssen Sie das Thema konkretisieren, um eine Vorstellung davon zu bekommen, welche Literatur Sie überhaupt suchen müssen. Dabei sollten Sie auf folgendes achten: 1. Der zeitliche Aspekt: Die Zeit, die Sie für den Einstieg verwenden, hängt von der Art der zu erstellenden Arbeit ab. So können bei einer Hausarbeit zwei bis drei Tage genügen, während bei einer Diplomarbeit durchaus vier bis sechs Wochen erforderlich werden können. 2. Der technische Aspekt: Anfangs werden Sie schnell und auch noch ungefiltert Literatur sammeln, wobei es nicht um Vollständigkeit geht. Ziehen Sie dabei insbesondere Handbücher, Handwörterbücher, Standardlehrbücher und die letzten Jahrgänge einschlägiger Fachzeitschriften zu Rate. 3. Der inhaltliche Aspekt: Hier geht es darum, das Thema abzugrenzen und damit handhabbar zu machen. Außerdem müssen Sie erste Ideen für die Strukturierung der Arbeit entwickeln. |
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Nr. 5: Systematisch recherchieren und auswerten! |
Nach der inhaltlichen Schnellanalyse beginnt die systematische Literaturrecherche, die von weiteren Tätigkeiten, wie der Beschaffung und der Auswertung der Literatur sowie dem Erstellen einer ersten Gliederung überlagert wird. Allerdings läuft die Literatursuche auch danach weiter, d.h. Sie suchen im Grunde bis zum Ende der Arbeit nach neuen Quellen. Generell sollte es so sein, daß Sie zuerst die aktuelle Literatur erschließen, um sich dann langsam in die Vergangenheit zurückzuarbeiten. Deshalb bietet es sich an, zunächst Fachzeitschriften, die meist aktuellere Informationen präsentieren, systematisch auszuwerten, und sich später Monographien und Sammelbänden zuzuwenden. Daneben wird als Vorgehensweise auch das sog. Schneeballprinzip empfohlen. Der Ausgangspunkt der Literaturrecherche ist dabei etwa ein Überblicksartikel, dem wiederum weitere Literaturhinweise entnommen werden. Die Anzahl der Quellen nimmt jetzt zwar schnell zu. Sie werden jedoch bald merken, daß sich bestimmte Quellen ständig wiederholen. Das Problem bei dieser Vorgehensweise: Sie können sich nicht zwangsläufig darauf verlassen, daß die Autoren der herangezogenen Beiträge eine sorgfältige Literaturauswahl getroffen haben. Vielmehr besteht die Gefahr, daß wichtige Quellen übersehen wurden. Zum anderen können Sie auch an ein Zitierkartell geraten, mit anderen Worten: Es wird nur mit Quellen gearbeitet, die derselben wissenschaftlichen Schule angehören. |
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Nr. 6: Nutzen Sie "Bücher über Bücher"! |
Bei der systematischen Literatursuche sollten Sie zunächst auf Verlagsprospekte zurückgreifen, um einen Überblick über Neuerscheinungen zu gewinnen. Darüber hinaus können Bibliographien, d.h. Bücher über Bücher, und - um diese zu erschließen - Bibliographien der Bibliographien herangezogen werden. Die für wirtschaftswissenschaftliche Literatur relevanten Bibliographien sind:
Darüber hinaus finden Sie in Fachzeitschriften Besprechungen von Fachbüchern. Bei der Suche nach Zeitschriftenartikeln helfen diese Bibliographien:
Während die Suche nach amtlichen Veröffentlichungen relativ einfach ist (z.B. Gesetzgebung des Bundes, Europäische Gemeinschaften, Rechtsprechung, offizielle Quellen für Statistiken), gestaltet sich die Suche nach grauer Literatur äußerst schwierig, da es hierzu keine offiziellen Beschaffungskanäle gibt. Häufig finden sich jedoch Hinweise in Arbeitspapieren, Lehrstuhlberichten und Kongreßmaterialien. Um eine Bezugsquelle zu finden, sollten Sie versuchen, den Namen des Verfassers über das Hochschullehrerverzeichnis (Deutscher Hochschullehrerverband), das Wer ist Wer? oder ähnliche Verzeichnisse sowie über das World Wide Web zu finden. |
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Nr. 7: Arbeiten Sie mit Datenbanken! |
Eine weitere interessante Möglichkeit bietet die Online-Recherche in Literaturdatenbanken. Dabei lassen sich folgende Wege unterscheiden:
Die bei einer Datenbankrecherche anfallenden Kosten sind abhängig von der Online-Zeit sowie der Anzahl der abgerufenen Dokumente. Wichtige Literaturdatenbanken für Ökonomen:
Diese Datenbanken liefern Informationen wie Autor, Titel, Fundstelle, Erscheinungsdatum und eventuell einige Schlagworte sowie eine Kurzfassung. Ein weiteres Hilfsmittel sind CD-ROM-Datenbanken, die dem Bibliotheksbenutzer einen kostenfreien Zugriff ermöglichen. Für den Bereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften liegt seit Januar 1994 die dreiteilige WISO-CD-ROM vor, die von der Gesellschaft für betriebswirtschaftliche Information in München vertrieben wird. Wenn geklärt ist, welche Literatur es zu einem Themenbereich gibt, muß herausgefunden werden, wo sich die betreffende Literatur befindet. Dabei sind Bibliothekskataloge ein unverzichtbares Hilfsmittel, wobei zwischen alphabetischem und systematischem Katalog, zwischen Schlagwort- und Standortkatalog unterschieden wird. Es kann sich um Zettel-, Mikrofiche- oder EDV-gestützte Kataloge handeln. Zunehmend findet man in den Bibliotheken den Online Public Access Catalogue (OPAC), der von einem PC-Arbeitsplatz aus abgefragt werden kann. Dieser kann sich in der Bibliothek befinden, an einem Lehrstuhl oder auch bei Ihnen zuhause. Der OPAC hat den Vorteil, daß bei ihm die klassische Trennung zwischen alphabetischem und sachlichem Katalog aufgehoben ist und kombinierte Suchkriterien eingegeben werden können. So kann man sich alle Schriften eines Verfassers oder nur die zu einem bestimmten Thema, das mit Hilfe von Titelstichworten, Schlagworten oder systematischer Klassifikation bestimmt wird, ausgeben lassen. |
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Nr. 8: Nicht alles kopieren! |
Bei der Literaturbeschaffung haben Sie verschiedene Möglichkeiten:
Generell gilt, daß Sie sich zunächst eine kleine Bibliothek mit Standardliteratur aufbauen sollten. Neben den einschlägigen Lehrbüchern gehört dazu auch ein entsprechendes Lexikon. Das Photokopieren scheint an Universitäten mittlerweile eine Art Studentensport geworden zu sein. Man sollte sich aber jedesmal fragen, ob man die jeweilige Literatur auch wirklich benötigt. Das Arbeiten in den Bibliotheken ist insbesondere dann zweckmäßig, wenn es eine sogenannte Präsenzbibliothek mit Lesesaal oder Zeitschriftenlesesaal gibt, in denen die Hefte der aktuellen Jahrgänge zugänglich sind. Wenn Sie bestimmte Literatur nicht in Ihrer Heimatbibliothek finden, sollten Sie die Fernleihe nutzen. Dabei können Sie in der Regel für eine Gebühr von einer Mark pro Bestellung auf die Bestände anderer Bibliotheken zurückgreifen. Das gilt allerdings nicht bei ausländischen Bibliotheken, deren Gebühren sich aus Porto-, Versicherungs-, und Kopierkosten zusammensetzen. |
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Nr. 9: Überblick verschaffen und bewerten! |
Wenn Sie sich die Literatur beschafft haben, müssen Sie sich einen Überblick über sie verschaffen. Sie müssen vor allem herausfinden, was davon für Sie von Bedeutung ist. Erst wenn Sie das wissen, sollten Sie intensiver in die Literatur einsteigen. Sie finden das am besten heraus, wenn Sie die jeweilige Literatur systematisch bewerten, wobei Ihnen Checklisten helfen können. Wenn Sie sich rechtzeitig die richtigen Arbeitstechniken zulegen, brauchen Sie keine Angst vor der Literaturrecherche und -beschaffung haben. Im Gegenteil: Sie wird Ihnen dann sogar Spaß machen. (aus WISU 1/97 und WISU 2/97) |