In Deutschland herrscht alles andere als Hochschulnot. Es gibt sie überall. Wer zum Studieren aus seiner Heimatregion raus möchte, könnte sich beispielsweise in Trier umsehen.
Deutsche Hochschulen
Städte, die nahe an einer Grenze liegen, haben durch den Grenzverkehr meist einen internationalen Touch. Man fährt häufiger mal ins andere Land und kennt sich „auf der anderen Seite“ oft recht gut aus. Nicht selten sind die Beziehungen sogar noch enger und man hat dort Freunde und Bekannte.
In den Benelux-Staaten Belgien, Niederlande und Luxemburg verschwimmen die Grenzen oft regelrecht. Man weiß in den Grenzregionen manchmal nicht mehr, wo man sich gerade befindet. Das gilt auch für Deutschland als Anrainerstaat der Benelux-Länder. So fragt sich der eine oder andere Reisende im Aachener Gebiet, ob er noch in Deutschland oder schon in den Niederlanden oder in Belgien ist.
Haben solche Grenzstädte Hochschulen wie Aachen, Saarbrücken und Trier, das gewissermaßen um die Ecke von Luxemburg liegt, oder Frankfurt an der Oder, das direkt an Polen grenzt, strahlen sie oft zusätzliche Attraktivität aus, weil man so ganz nebenbei noch ein anderes Land kennenlernen kann. Befindet sich gegenüber ebenfalls eine Hochschule, gibt es oft grenzüberschreitende Kontakte zwischen ihnen, etwa gemeinsame Studienprogramme.
An der Uni Trier ist man stolz darauf, eine Ausbildung in vielen Fächern zu bieten. Die Vielfalt gilt auch für die Wirtschaftswissenschaften. So lassen sich hier BWL und VWL in mehreren Varianten studieren. Wobei stets darauf geachtet wird, ein ganzheitliches Bild der Wirtschaft zu vermitteln, erläutert Fachstudienberater Dr. Tobias Kranz.
Universität Trier
Trier hat nicht nur eine reichhaltige Geschichte, sondern liegt auch im Herzen Europas, nahe bei den Benelux-Ländern.
Kranz: Weshalb wir uns hier auch der europäischen Idee und der Internationalität verpflichtet fühlen. Nach Luxemburg ist es beispielsweise nur ein Katzensprung.
Das interessanterweise auch noch ein Finanzzentrum ist — mit Niederlassungen vieler internationaler Finanzinstitute. Was einen auf die Idee bringen könnte, dort ein Semester oder ein Praktikum zu absolvieren, falls man Ambitionen in Richtung Finance hat.
Kranz: Oder sich dort nach dem Studium einen attraktiven Job zu suchen. Was in der Tat einige unserer Absolventinnen und Absolventen tun, die beispielsweise einen Abschluss in Economics and Finance gemacht haben. Einige ziehen dann dorthin, andere bleiben in Trier wohnen und pendeln täglich zur Arbeit.
Wo liegen die Schwerpunkte dieses Studiums?
Kranz: Es ist ein Bachelorstudium, das auf die Anforderungen ausgelegt ist, die einen im Banking, in anderen Financal Institutions wie etwa Versicherungen, aber auch in Zentralbanken oder politischen Institutionen erwarten.
Wie sieht das Curriculum aus?
Kranz: Es geht unter anderem um Geld und Währung, um Banking und Finance sowie um Außenhandelspolitik. Eine Besonderheit ist auch die enge Verzahnung von BWL und VWL, die notwendig ist, um die heutige Wirtschaft in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen.
Kann man sich bei dem Studium auch spezialisieren?
Kranz: Ja, man kann unter diesen Themen wählen: Arbeitsmarkt, Personal und soziale Sicherung, Economic Data Science, Financial Accounting, Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit, ökonomische Staatswissenschaft sowie Steuerarten und Unternehmensbesteuerung. Ein rundes Angebot.
Und wenn jemand ein klassisches VWL-Studium sucht?
Kranz: Dem empfehlen wir das Bachelorstudium Economics/VWL, das um einen Master ergänzt werden kann.
Und wenn sich jemand in Richtung internationales Management orientieren will?
Kranz: Auch hier kommt niemand zu kurz. Mit unserem neuen, sehr praxisorientierten Bachelorstudium Internationale Kommunikation und Management kann man sich auf Managementaufgaben in anderen Ländern und Kulturen vorbereiten. Hier ist außerdem ein berufsbegleitendes Studium möglich.
Das alles ist natürlich auch gut und erfreulich im Sinne der Völkerverständigung und eines immer mehr zusammenrückenden Europas, das wegen der unerfreulichen Ereignisse im Osten des Kontinents immer wichtiger wird. Wird im Nachbarland eine andere Sprache gesprochen, in diesen Fällen Französisch, Niederländisch und Polnisch, regt das die eine oder den anderen vielleicht an, die eigenen Sprachkenntnisse zu erweitern. Und wer weiß: Manchmal verlieben sich auch zwei aus diesen Ländern und schließen den Bund fürs Leben. Was im neuen Europa zunehmend selbstverständlich ist.
Kommt wie im Falle von Trier, Cottbus, Passau, Regensburg, Konstanz am Bodensee oder Freiburg im Breisgau noch eine schöne Landschaft hinzu, erhöht sich der Reiz nochmals, an einer dieser Hochschulen zu studieren. Nicht selten geschieht es auch, dass sich einige dort — oder in der näheren Umgebung — einnisten und nach dem Studium ins Berufsleben starten.
Nicht zuletzt gibt es welche, die ganz bewusst aus den Großstädten rauswollen und deren Vorstellungen von Studieren nichts mit Massenunis zu tun haben. Zumal wenn sie entdecken, dass auch kleinere Hochschulen heute einiges zu bieten haben. Interessante Studiengänge, die sich voll an dem orientieren, was heute in der Wirtschaft geschieht. Die bei der Zusammenstellung ihres Studienangebotes den Finger am Puls der Zeit haben und entsprechend schnell auf neue Entwicklungen reagieren. Ein aktuelles Beispiel sind die Studiengänge zur künstlichen Intelligenz, die derzeit an vielen Hochschulen geradezu aus dem Boden sprießen. Die Nachfrage nach KI-Experten aus der Wirtschaft und anderswo nimmt rapide zu, also müssen die Hochschulen gut ausgebildeten Nachwuchs liefern. Selbst auf einem Gebiet wie diesem, das sich rasend schnell weiterentwickelt und von dem heute niemand weiß, wie es in fünf oder zehn Jahren aussieht.
Eine ähnliche Entwicklung war und ist beim Thema Nachhaltigkeit zu beobachten. War die Reaktion der Hochschulen hier anfangs eher verhalten, gibt es heute nur noch sehr wenige, die das Thema links liegen lassen (s. auch S. 750). Eine der Hochschulen, die es besonders engagiert aufgegriffen hat und die dazu besonders viel zu bieten hat, ist interessanterweise die Hochschule Trier mit ihrem Umwelt-Campus Birkenfeld, der Luftlinie 40 Kilometer von der Stadt Trier entfernt ist.
Hier geht nachhaltigkeitsmäßig regelrecht die Post ab. 1.800 Studierende aus sage und schreibe über 80 Ländern haben das Dörfchen zu ihrem Studienort erkoren. Kein Wunder, locken hier doch 16 Bachelor- sowie 14 Masterstudiengänge und neun duale Studiengänge mit rund 60 Dozenten, die alle irgendwas mit Umwelt zu tun haben. Wer bei seinen Studienplänen in Richtung Nachhaltigkeit denkt, sollte über die Websites des Campus streifen. Oder dem Campus gleich einen Besuch abstatten. Es lohnt sich.
Auch die Universität Trier ist eine Adresse, die man sich genauer ansehen sollte. Bei Trier kommen den meisten die Eifel und die Porta Nigra, das „Schwarze Tor“, in den Sinn. In der Tat trieben sich die alten Römer auch in dieser Gegend rum. Wo waren sie nicht?
Die bereits 1473 gegründete und 1970 neueröffnete Uni ist ein weitläufiger und heller Komplex. Sie bietet erstaunlich viele Fachrichtungen, worauf die Präsidentin und Professorin Eva Martha Eckkrammer zu Recht stolz ist. Die Wirtschaftswissenschaften gehören natürlich auch dazu. Hier lässt sich gut studieren — mit der landschaftlich reizvollen Eifel im Rücken und dem Großherzogtum Luxemburg vor der Nase.
Womit sich an den Wochenenden mehrere perfekte Ausflugsmöglichkeiten anbieten. Fährt man durch das kleine Luxemburg mit seinen knapp 700.000 Einwohnern, ist man in Belgien. Biegt man davor nach Süden ab, ist man gleich in Frankreich.
Luxemburg hat selbst eine bemerkenswerte Uni, bei der man ein Gastsemester einlegen kann. Es ist zudem ein bedeutender Finanzplatz, der interessante Jobs bietet. Außerdem residiert hier der Europäische Gerichtshof, das oberste Gericht der Europäischen Union. Mit anderen Worten: Hier wird ebenso wie in Brüssel und Straßburg, wo sich das zweite europäische Parlamentsgebäude befindet, europäische Geschichte geschrieben.
Fasst man das alles zusammen, versteht man, dass sich die Menschen hier im Mittelpunkt Europas wähnen. Nicht jeder kann später sagen, hier studiert zu haben.