Der Mittelstand hat Absolventen eine Menge zu bieten. Viele Unternehmen sind „Hidden Champions“. Mit dem passenden Studium erhöhen Bewerber ihre Chancen.

Studienreport Mittelstandsmanagement

Am Puls der Wirtschaft

„Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.“ Wohl jeder hat diesen Satz schon mal gehört, besonders aus dem Mund von Politikern, die sich vor allem im Wahlkampf gern für den Mittelstand stark machen (um ihn dann bei nächster Gelegenheit mit noch mehr Abgaben und Bürokratie zu triezen). Auch wer nicht bei einem mittelständischen Unternehmen arbeitet, fühlt sich angesprochen. Denn „Mittelstand“ sind wir doch irgendwie alle: die hart arbeitende Mitte der Gesellschaft, die ihren sozialen Status keinen Erbhöfen und Privilegien verdankt, sondern eigener Leistung. Mit anderen Worten: Die das Fundament bildet, auf dem dieser Staat steht.

Dabei ist nicht einmal klar, was Mittelstand genau bedeutet. Während die einen den Begriff für alle eigentümergeführten Unternehmen verwenden, benutzen ihn andere nur für Betriebe einer bestimmten Größenordnung. Demnach gehören alle Firmen mit mehr als 49, aber weniger als 500 Mitarbeitern und einem Umsatz zwischen zehn und 50 Mio. Euro zum Mittelstand. Doch was ist dann mit Familienunternehmen wie Dr. Oetker, Würth oder Henkel, die sich selbst gern als „Mittelständler“ bezeichnen, aber viel größer sind? Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) zählt sie ebenfalls zum Mittelstand, sofern zwei Voraussetzungen erfüllt sind: 1) zwei natürliche Personen (oder ihre Familienangehörigen) halten direkt oder indirekt mindestens 50 Prozent der Anteile des Unternehmens und 2) diese natürlichen Personen gehören der Geschäftsführung an.

Wie auch immer man Mittelstand definiert: Daran, dass er für die deutsche Wirtschaft unverzichtbar ist, besteht kein Zweifel. Laut Bundeswirtschaftsministerium erwirtschaften die KMU, die kleinen und mittleren Unternehmen, 35 Prozent des Umsatzes aller Unternehmen und über die Hälfte der Nettowertschöpfung. Sie stellen fast 60 Prozent der Arbeits- und über 80 Prozent der Ausbildungsplätze. Und sie sorgen als Zulieferer großer Konzerne und mit eigenen Auslandsaktivitäten dafür, dass der Exportmotor brummt. Mit anderen Worten: Sie halten die Wirtschaft am Laufen.

Hinter den Zahlen verbirgt sich so manche unternehmerische Erfolgsgeschichte, wie sie nur der Mittelstand schreibt. Wie die des Münchner Studenten-Start-up Celonis, das es in wenigen Jahren zum weltweiten Marktführer für Process Mining gebracht hat. Oder das Fintech Raisin, auf dessen Plattformen man die besten Angebote für Fest- und Tagesgeld vergleichen kann. Ein Mittelständler wie aus dem Buche ist auch der Sensorhersteller Sick aus dem Schwarzwald, ein Familienunternehmen, mit dessen Produkten — Lichtschranken und Sensoren jeder Art — wohl jeder schon Bekanntschaft gemacht hat. Man findet sie in Supermärkten und Flughäfen genauso wie in Museen und Fabrikschloten. Sensoren von Sick überwachen die Mona Lisa im Pariser Louvre, und sie messen die Emissionen chinesischer Kohlekraftwerke.

Unternehmen wie Sick haben den Ruf des „German Mittelstand“ begründet, um den das Ausland die Deutschen beneidet. Sie gelten nicht nur als bodenständig und qualitätsbewusst, sondern sind auch besonders innovativ und flexibel. Untersuchungen zeigen, dass die deutschen KMU im europäischen Vergleich mehr Innovationen bis zur Marktreife bringen als der Mittelstand in anderen Ländern. Außerdem ist der Anteil der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, die dem High-Tech-Sektor zugerechnet werden, mit 3,7 Prozent deutlich höher als der EU-Durchschnitt von 2,1 Prozent.

Was ist das Erfolgsgeheimnis des deutschen Mittelstands? Laut IfM vor allem die feste Verwurzelung in einer Region und die guten Beziehungen zu den dortigen Stakeholdern. Dadurch fällt es den Firmen leichter, an günstige Kredite zu kommen und geeignete Mitarbeiter zu rekrutieren. Auffällig ist auch, dass viele Mittelständler Netzwerke oder Cluster bilden. Das erleichtert den Austausch von Wissen und die Nutzung von Ressourcen. Schließlich konzentrieren sich erfolgreiche Mittelständler häufig auf einen kleinen Ausschnitt des Marktes, den sie nach allen Regeln der Kunst bearbeiten. Diese Nischenfokussierung, verbunden mit der nötigen Beharrlichkeit und Energie, hat schon aus mancher kleinen Familienfirma einen Weltmarktführer gemacht, der bei Investoren im In- und Ausland Begehrlichkeiten weckt. Über 1.300 dieser „Hidden Champions“ soll es in Deutschland geben — fast so viele wie in allen anderen Ländern zusammen.

„Fest verwurzelt“ bedeutet allerdings nicht „provinziell“. Immerhin 37 Prozent der KMU sind im Ausland aktiv, bei Unternehmen mit über zwei Mio. Euro Jahresumsatz ist es jedes zweite. Wer bei einem Mittelständler arbeitet, muss sich also in der Regel keine Sorgen machen, dass er wichtige globale Trends verpasst. Im Gegenteil: Wegen ihrer größeren Beweglichkeit sind sie meist eher in der Lage, neue Ideen aufzugreifen und das Ruder schnell herumzureißen als ein großer, schwerfälliger Konzern. Die kürzeren Entscheidungswege und -prozesse haben zudem den Vorteil, dass man beruflich oft schneller vorankommt.

Trotz seiner wirtschaftlichen Bedeutung wurde der Mittelstand von den Hochschulen lange Zeit eher stiefmütterlich behandelt. Man konzentrierte sich lieber auf die Belange großer Unternehmen. Das hat sich in den letzten 20 Jahren geändert. Mit dem weltweiten Erfolg des Mittelstands stieg auch das Interesse an ihm. Inzwischen gibt es eine Handvoll Hochschulen, die Mittelstandsmanagement als Schwerpunktfach oder als eigenständiges Studium anbieten. Meist sind es Masterprogramme, die auf einem BWL-Studium aufbauen. An zwei Hochschulen in Rheinland-Pfalz, nämlich in Koblenz und in Kaiserslautern, ist auch ein Bachelorstudium in Mittelstandsmanagement bzw. Mittelstandsökonomie möglich.

Und dann ist da noch die FHM, die sich ganz dem Mittelstand verschrieben hat. Dass ihre Geschichte vor zwei Jahrzehnten in Bielefeld begann, dürfte kein Zufall sein, denn rund um die Stadt in Ostwestfalen haben viele erfolgreiche Mittelständler wie Dr. Oetker oder Miele ihren Sitz. Heute studieren an den neun Standorten der privaten Hochschule über 5.000 meist junge Leute. Das Angebot reicht vom üblichen Vollzeitstudium über Teilzeitprogramme für den Berufstätigen und duale/triale Modelle bis zum Fernstudium.

Das berufsbegleitende Masterstudium Mittelstandsmanagement der FHM dauert 32 Monate und ist in acht Trimester unterteilt. In dieser Zeit lernt man alles, was für eine leitende Funktion in einer mittelständischen Firma benötigt wird. Auf dem Lehrplan stehen Leistungserstellung, Controlling und Finanzmanagement sowie Innovations- und Change Management. Außerdem werden tiefere Kenntnisse in Personalmanagement und Marketing/Vertrieb vermittelt. Interdisziplinäre Fächer wie Business English und eine mehrmonatige Praxisphase runden die Ausbildung ab, die auch als Fernstudium absolviert werden kann. Die monatlichen Kosten belaufen sich auf 475 Euro (Teilzeitstudium) bzw. 285 Euro (Fernstudium).

Ein Masterprogramm Mittelstandsmanagement findet man auch an der Hochschule Aalen. Es zeichnet sich durch kleine Lerngruppen, eine intensive Betreuung und große Wahlfreiheit bei den Veranstaltungen aus. Abgeschlossen wird es nach drei Semestern mit dem Master of Arts. Die Hochschule Stralsund hat einen Master-Studiengang namens „Management von KMU“ im Angebot. Wie die anderen Programme vermittelt es eine breite Ausbildung in den betriebswirtschaftlichen Kernfächern, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der KMU. Dazu kommen Methoden- und Sozialkompetenzen.

Am Bodensee hat man eine spezielle Klientel im Visier: Der Executive Master for Family Entrepreneurship der Zeppelin Universität in Friedrichshafen richtet sich an „Nachfolger, Gesellschafter und (angehende) Führungskräfte in Familienunternehmen, die sich mit der gesamten Betriebswirtschaftslehre speziell für Familienunternehmen auseinandersetzen möchten“. Das 21-monatige Studium, das man berufsbegleitend absolviert, ist mit 28.900 Euro zwar nicht ganz billig. Dafür hat man später bei Bewerbungen für eine Managementposition allerbeste Karten.

An der Hochschule Würzburg-Schweinfurt hat man sich ebenfalls etwas Besonderes ausgedacht. „Wir glauben, dass der Mittelstand in Deutschland der wirkungsvollste Innovationsmotor weltweit sein sollte“, heißt es in ihrem Mission Statement. Daher kann man im schönen Frankenland „Innovation im Mittelstand“ studieren und sich damit seinem künftigen Arbeitgeber als Innovations- oder Change Manager empfehlen. Das dreisemestrige Masterprogramm lässt sich in Vollzeit oder berufsbegleitend absolvieren.

Man muss aber nicht bis zum Master warten, um Mittelstandsmanagement studieren zu können. An der Hochschule Kaiserslautern, Standort Zweibrücken, kann man sich schon seit 1994 für Mittelstandsökonomie einschreiben, worauf man zu Recht stolz ist. Das siebensemestrige Bachelorstudium vermittelt „solide Grundkenntnisse über die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Funktionsfelder“. Im 150 Kilometer entfernten Koblenz ließ man sich davon offenbar inspirieren und richtete einen eigenen Studiengang Mittelstandsmanagement ein. Die Studenten erwerben nach sechs Semestern einen Bachelor of Science. Das letzte Semester ist der Bachelor-Thesis und einem Praxiseinsatz in einer mittelständischen Firma vorbehalten.

Wer Mittelstandsmanagement von Anfang an sehr praxisnah studieren möchte, kann das an der Fachhochschule für die Wirtschaft (FHDW) in Hannover tun. Der Studiengang Unternehmertum und Mittelstandsmanagement vermittelt grundlegende BWL-Kenntnisse sowie spezielles Wissen über das Gründen und Führen mittelständischer Unternehmen. Das Vollzeitstudum wird nach dreieinhalb Jahren mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen.

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