Vielleicht klang „Nachhaltigkeit“ vor kurzem noch großväterlich. Heute haben fast alle seine enorme Bedeutung erkannt. Immer mehr Hochschulen bieten dazu etwas an.

Studienreport Nachhaltigkeit

Es wird eng!

Inzwischen dürften es die allermeisten meisten Menschen verstanden haben: Ihr Heimatplanet ist in Not, und damit geraten auch sie immer mehr in die Bredouille. Letztes Jahr war das heißeste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Auch dieses Jahr sollen wieder hohe Temperaturen erreicht werden. Wieder werden viele Menschen sterben, wenn das Thermometer unerträglich heißes Wetter anzeigt.

Auch die anderen Folgen des Klimawandels wie Dürre, Stürme, Waldbrände, Überflutungen und steigender Meeresspiegel werden nicht weniger, sondern mehr. Missernten erhöhen den Hunger in der Welt und die Zahl der Klimaflüchtlinge. Wir haben uns offenbar schon an schlechte Nachrichten wie diese gewöhnt und wähnen uns in Mitteleuropa noch einigermaßen in Sicherheit, auch wenn die Flutwellen in Süddeutschland und ausgetrocknete Flüsse wie im letzten Sommer das Bild zunehmend stören. Doch wir werden dem Klimawandel ebenso wenig wie die Menschen in anderen Teilen der Welt entkommen, auch wenn er dort brutaler zuschlägt. Selbst wenn es einige noch nicht wahrhaben wollen: Er ist bereits in vollem Gange.

In der ländlichen Ruhe lässt sich gut studieren. Vor allem, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Der Umwelt-Campus Birkenfeld, etwa 50 Kilometer von Trier entfernt, hat sich ganz diesem Thema verschrieben, erklärt Prof. Klaus Helling. Weiter ...

Die Klimafoscher warnen uns schon seit langem. Jetzt sind sie selbst überrascht, wie schnell die Pole, das Grönlandeis und die Gebirgsgletscher von den Anden über die Alpen bis zum Himalaya schmelzen und sich das Meereswasser erwärmt.

Eine Hiobsbotschaft kam gerade von Haiwaii, wo der Anteil des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre seit langem exakt gemessen wird. In diesem Mai hat das dortige Mauna Loa Observatory im Tagesdurchschnitt 427 ppm (parts per million) gemessen. Höhere Werte hat es zuletzt vor Jahrmillionen gegeben. Und es sind 50 Prozent mehr als in der vorindustriellen Zeit. Die besonders schlechte Nachricht: Der Anteil des CO2 in der Erdatmosphäre steigt unablässig, trotz immer größerer Bemühungen, ihn zu senken. Die Erneuerbaren, die in manchen Ländern wie Deutschland erfreulich zunehmen, reichen nicht aus, um gegen die fossilen Brennstoffe Öl, Erdgas und Kohle anzukommen.

Die ganzen UN-Klimakonferenzen, die COPs, die politischen Willensbekundungen, die Verpflichtungen der Privatwirtschaft, die Bemühungen der Klimaaktivisten, die Achtsamkeit von mittlerweile unzähligen Menschen, die ihren CO2-Footprint klein halten, bringen offenbar nichts oder zu wenig. Das Pariser Klimaziel von 2015, wonach der Anstieg der globalen Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts unter zwei, besser noch unter 1,5 Grad Celsius gehalten werden soll, dürfte sich damit endgültig als illusorisch erweisen. Einige Experten haben das bereits vor längerem prognostiziert.

China, und das muss auch immer wieder gesagt werden, trägt zu rund 30 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei. Indien stößt inzwischen mehr aus als alle EU-Länder zusammen. Zusammen machen die Bevölkerungen der beiden Länder rund drei Milliarden Menschen aus, womit ihr Pro-Kopf-Ausstoß allerdings niedriger ist als in den Industriestaaten.

Den Kopf in den Sand zu stecken und fatalistisch die kommenden Ereignisse abzuwarten, ist jedoch keine Lösung. Vielleicht wird sich die Menschheit tatsächlich nur retten können, indem sie Kohlendioxid aus der Erdatmosphäre absaugt, es zudem bei der Entstehung abfängt und es in tiefe Erdschichten einlagert und zudem auf Geoengineering hofft, wie auch immer es konkret aussehen soll. Ob Chemikalien in die Erdatmosphäre gesprüht oder Sonnenreflektoren hochgeschossen werden. Die Lösung wird wahrscheinlich aus vielen Elementen bestehen. Und dazu wird nach wie vor gehören, die Emissionen auf der Erde mit allen nur denkbaren Mitteln zu reduzieren.

Über Nachhaltigkeit kann man wunderbar theoretisieren oder Nägel mit Köpfen machen. An der Hochschule Pforzheim hält man es mit Letzterem, weshalb der Masterstudiengang „Life Cycle & Sustainability“ ausgesprochen projektorientiert ist. Wobei die Theorie nicht zu kurz kommt, meint Studiengangsleiter Prof. Tobias Viere. Weiter ...

Damit wird Nachhaltigkeit nach wie vor eine große Rolle spielen, die wichtigste überhaupt. Darauf wird allein schon die Jugend drängen, die später alles ausbaden muss, was ihre Eltern und Großeltern verursacht haben. Wie schlimm es werden wird, lässt sich heute noch nicht absehen. Doch es wird kein Zuckerschlecken werden. Steigt die Durchschnittstemperatur erst einmal in Richtung drei Grad Celsius und geht sie dann sogar in Richtung vier Grad, werden die Auswirkungen massiv sein. Der Meeresspiegel wird so stark steigen, dass viele Küstenregionen zunehmend unbewohnbar werden. Hunderte von Millionen wohnen entlang der Küsten, dort befinden sich zudem Häfen und oft große Industrieanlagen. In bevorzugten Wohngegenden in Meeresnähe werden Immobilien rapide an Wert verlieren. Bereits heute lässt das Interesse an Villen in Meeresnähe in Florida stark nach. Das könnte auch zu neuen Banken- und Finanzkrisen führen, wenn der Beleihungswert dieser Immobilien rapide sinkt und nicht mehr die Hauskredite abdeckt. Ganze Urlaubsregionen an den Küsten, die heute noch Millionen Menschen ein Einkommen verschaffen, werden aussterben.

Fridays for Future war ein erster Aufschrei der Jugend. Er hat einiges bewirkt, indem er viele auf den Ernst der Lage hinwies. Auch wenn man von den Klimaaktivisten derzeit eher weniger hört. Letzte Generation, die etwas härtere Protestbewegung mit spektakuläreren Aktionen, ist der Meinung, dass aufgrund der Lage, in der sich der Planet bereits befindet, stärker auf die Pauke gehauen werden muss, um die Menschen in Bewegung zu bringen.

Selbst ein erzkonservativer Politiker wie der ehemalige CSU-Chef Erwin Huber macht eine Wandlung durch und versteht heute die jungen Leute aus der Letzten Generation besser als früher, wie er sagt. Er studiert auf seine alten Tage noch an einer Hochschule und bekennt: „Durch das Studium habe ich eine Erweiterung meines Gesichtskreises erfahren und sehe jetzt, dass sich manche Probleme sehr viel schärfer darstellen, als ich früher gedacht habe. Die Atmosphäre, die Weltmeere, die Böden — es ist so viel gefährdet, dass ein gesundes Leben für die Menschen immer schwieriger wird. Wir sind an einem Kipppunkt.“ Da hat es offenbar einer begriffen.

Nach wie vor gilt der ernüchternde Satz von UN-Generalsekretär António Guterres, mit dem er seinerzeit die Welt aufschreckte: „Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle — mit dem Fuß auf dem Gaspedal.“ Womit er die Lage der Welt treffend beschrieb.

Wie sollen Unternehmen Nachhaltigkeit in ihre Strategie aufnehmen und vor allem umsetzen? Mit RASUM, sagt man an der Hochschule Darmstadt. Es steht für Risk Assessment and Sustainability Management, erklärt Prof. Martin Führ. Risikoabschätzung und Nachhaltigkeitsmanagement heißt auch der Studiengang, den er leitet. Weiter ...

Immer mehr Tipping Points werden überschritten. Zu ihrer Definition gehört, dass sie unumkehrbar sind. Die Zahnpasta geht nicht mehr in die Tube zurück. Da tröstet es auch nicht, wenn durch das Verschwinden des Eises in der Arktikregion Schiffsrouten frei werden, die einen schnelleren und günstigeren Gütertransport von Asien nach Nordamerika und Europa und den Abbau von Bodenschätzen in dieser Gegend ermöglichen. Allein der schnelle Rückgang der riesigen Eismassen in Grönland reicht aus, dass es Klimawissenschaftlern vor Schreck den Magen umdreht.

Wenn der Klimawandel und die Umweltzerstörung auf der Aufmerksamkeitsskala gelegentlich etwas nach unten rutschen, wie Umfragen ergeben, dann ist das zum einen dem Gewöhnungseffekt zu verdanken. Außerdem kann der Mensch nicht immer in High-Alert-Verfassung sein. Das stresst ungemein und die Psyche sucht dann nach Auswegen, um den Menschen gesund zu halten. Dazu gehören Zur-Seite-drängen und der verständliche Wunsch, zu vergessen.

Zum anderen leben wir in einer Welt, in der seit einiger Zeit eine Krise die andere jagt. Die Pandemie, der Ukraine-Krieg, der Aggressor Putin, der es vielleicht noch auf andere europäische Länder abgesehen hat, der Nahost-Konflikt, die Inflation, die Angriffe auf die Demokratie, der Aufstieg Chinas zu einer immer aggressiveren und bedrohlicheren Macht, Stichwort Taiwan. Auch die plötzliche Wucht, mit der die künstliche Intelligenz auftritt, verunsichert viele. Wird sie zum Jobkiller? Bedroht sie ebenfalls den Menschen, wie nicht wenige Experten sagen? In diesem Szenario rutscht dann die Klimakrise manchmal in den Hintergrund.

Doch sie ist der Elefant im Raum, der sich nicht mehr von der Stelle bewegt, sondern eher noch größer wird. Sie ist wie eine lebensbedrohende Krankheit, die man gern vergessen würde, die jedoch nicht locker lässt.

Ein Mittel gegen den Fatalismus, der sich bei dem einen oder anderen einschleichen könnte, sind die seit Jahren überall an den Hochschulen aus dem Boden sprießenden Nachhaltigkeitsstudiengänge. Sie nehmen es mit der ganzen Themenbreite auf, die der Nachhaltigkeit innewohnt. Denn bekanntlich hat sie neben der ökologischen Seite noch eine ökonomische und soziale Seite.

Deutschlands Norden ist dank des reichlich vorhandenen Windes zu einem wichtigen Produzenten von regenerativem Strom geworden. Ein Grund für die Hochschule Emden/Leer, den neuen Bachelorstudiengang Energy & Sustainability Management anzubieten. Prof. Marc Hanfeld verspricht, dass man alles lernt, um gefragte Fachkompetenzen für nachhaltige Energien aufzubauen. Weiter ...

Der Begriff selbst stammt aus der Forstwirtschaft und ist mit dem Namen Hans Carl von Carlowitz verbunden. Der fragte sich bereits Anfang des 18. Jahrhunderts, wie sich sicherstellen ließe, dass immer ausreichend gesundes Holz zu Verfügung steht, da es für den Fortbestand des Landes unerlässlich ist. Bei der Nachhaltigkeit geht es im Kern also darum, dass man mit natürlichen Ressourcen so umgeht, dass sie dauerhaft zur Verfügung stehen und nicht eines Tages aufgebraucht sind.

Nachhaltigkeit ist damit das Gegenteil von Verschwendung. Es bedeutet sparsames Wirtschaften, was die Menschheit nicht immer getan hat, sondern den Planeten — meist aus Gier — oft ausplünderte, mit zum Teil erheblichen Konsequenzen. Ein Beispiel ist die Überfischung der Meere, was die dortigen Ökosysteme aus der Balance bringt. Und wie kann es sein, dass vier von fünf deutschen Bäumen krank sind? Neben Käfern sind dafür auch Trockenheit und Hitze verantwortlich, womit wir wieder beim Klimawandel sind. Auch das Artensterben geht zu einem großen Teil auf den Menschen zurück. Schon heute kommt es uns teuer zu stehen.

Viele sind der Meinung, dass Wirtschaften nur nachhaltiges Wirtschaften bedeuten kann. Damit zieht Nachhaltigkeit jedoch nicht nur in die gesamte Betriebswirtschaftslehre ein, sondern auch in jede Form von Politik. Politiker, die nicht den Planeten und damit das Gemeinwohl der Menschheit im Visier haben, sondern irgendwelche Partikularinteressen, möglicherweise sogar die eigenen, müssen aus den Palästen vertrieben werden.

Doch gottseidank hat bei etlichen Politikern inzwischen ein Umdenken eingesetzt. Sie haben gemerkt, dass Nachhaltigkeit mittlerweile viele Schichten der Bevölkerung bewegt. Allein deshalb, weil viele Eltern um die Zukunft ihrer Kinder besorgt sind.

Nachhaltigkeit ist schon länger ein Thema an der Uni Oldenburg. Prof. Bernd Siebenhüner koordiniert den Masterstudiengang Sustainability Economics and Management, der Change Agents des nachhaltigen Wirtschaftens ausbildet. Weiter ...

Man muss also kein Ökofreak mehr sein, wie noch vor nicht allzu langer Zeit, um die Tragweite des Problems zu erkennen. Offene Augen, wacher Verstand und Mitdenken reichen aus. Zunehmend haben Politiker auch Angst davor, als böswillige Monster in die Geschichte einzugehen, wenn sie sich nicht um die Umwelt und damit um die Lebensgrundlage des Menschen kümmern.

Hochschulen reagieren unterschiedlich auf die neuen Herausforderungen. Während die einen sich damit begnügen, Nachhaltigkeit in diesem oder jenem BWL-Fach zu erwähnen und auf seine Bedeutung hinzuweisen, machen andere Nägel mit Köpfen und installieren gleich spezielle Nachhaltigkeitsstudiengänge. Einige kommen dabei auf den Geschmack und fügen noch einen oder zwei hinzu. Vor allem, wenn die Nachfrage bei den Studierenden da ist. Und sie ist in den letzten Jahren kräftig gestiegen, wobei die jahrelange Pandemie bei einigen zu einer gewissen Apathie geführt hat, wie einige Professoren berichten.

Sehr engagierte Hochschulen eröffnen gleich Institute, die sich dem Thema widmen und publizieren fleißig Fachartikel in den einschlägigen Zeitschriften. Damit versuchen sie, über ihre Hochschule hinaus zu wirken und zur Bewusstseinsveränderung beizutragen.

Ihr Name macht gleich klar, worum es der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde geht. Wer hier studiert, lernt, Nachhaltigkeit und ihre Span­nungsfelder zu verstehen, um später in strategisch wichti­gen Positionen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und man ist mit viel Herzblut und Engagement dabei. Denn es geht um alles, meint Präsi­dent Prof. Matthias Barth. Weiter ...

Einige Studierende reagieren inzwischen sogar verblüfft, wenn eine Hochschule, für die sie sich interessieren, nichts zum Thema Nachhaltigkeit anzubieten hat. In der Tat könnte ein Angebot auf diesem Gebiet in vielleicht nicht so ferner Zukunft zum Profil jeder guten Hochschule gehören.

Dennoch: Wer sich für Nachhaltigkeit interessiert und sie zum Gegenstand seines Studiums machen möchte, findet schon heute viele gute Angebote, die man sich genauer ansehen sollte.

Nachhaltigkeit durchdringt heute fast alle Fachbereiche, selbst das Personalmanagement. Nachhaltige Unternehmen sind nur so gut, wie ihre Beschäftigten Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen, was auch ein nachhaltiges Personalmanagement voraussetzt, meint Prof. Uta Kirschten. Sie leitet an der Westsächsischen Hochschule Zwickau den Masterstudiengang Nachhaltiges Personalmanagement. Weiter ...

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