Vor 35 Jahren nahm die CEU in Budapest den Lehrbetrieb auf und sollte bald weltweit bekannt werden: Ungarns autoritärer Staatschef Viktor Orbán drängt die vom Philantropen George Soros gegründete Uni aus dem Land, weil sie ihm zu liberal ist. Seit 2019 ist ihr Sitz in Wien, wo sie ein einzigartiges Spektrum interdisziplinärer Studien bietet, erläutert Pro-Rektor Prof. Mathias Möschel.

CEU — Central European University

Liberal, international, interdisziplinär

Mathias Möschel

Als Orbán im April die Wahl spektakulär verlor, war die Freude an der CEU sicherlich groß.

Möschel: Keine Frage — wir haben gefeiert und hoffen nun, dass das Land unter seinem neuen Regierungschef Petér Magyar zu demokratischen und liberalen Verhältnissen zurückfindet.

Mit Ihnen hofft das die überwältigende Mehrheit der Europäer. Die bisherigen Signale geben Anlass zu Optimismus.

Möschel: Ganz einfach wird es allerdings nicht, da 16 Jahre Orbán natürlich tiefe Spuren hinterlassen haben.

Sieht man sich die Studienangebote der CEU an, haben diese Jahre ihrem Spirit nichts anhaben können. Sie atmet nach wie vor den Geist der Open Society, die einst von George Soros gegründet wurde und die für Demokratie, Menschenrechte, Liberalität und Völkerverständigung steht.

Möschel: Wir haben in all den Jahren seit der Gründung nicht nur den Ruf einer forschungsstarken Universität erworben, wir werden auch geschätzt, weil wir Nachwuchs ausbilden, der überall in Politik, Wirtschaft, im öffentlichen und im Non-Profit-Sektor und in der Wissenschaft Karriere machen kann. Alumni der CEU finden Sie heute in unterschiedlichsten Positionen in sehr vielen Ländern.

Welches Studium bietet sich jemandem mit Interesse an Ökonomie an?

Möschel: Etwa der Bachelorstudiengang „Philosophy, Politics and Economics“, ein hochinteressantes interdisziplinäres Studium, das sich mit der tiefen Verzahnung dieser drei Gebiete befasst und einen auf anspruchsvolle Aufgaben in Wirtschaft, Politik und in anderen gesellschaftlichen Bereichen vorbereitet. Und für die Wirtschaftsjuristen einen LLM in Global Business Law and Regulation.

Gibt es auch Masterstudiengänge?

Möschel: Wir bieten einen Master in Economics, Data and Policy, dann einen in Business Analytics und zudem den Master in Environmental Sciences, Policy and Management. Wie Sie sehen, geht es immer um Interdisziplinarität und einen ganzheitlichen Ansatz. Was auch unbedingt nötig ist, will man der enormen Komplexität der heutigen Welt und der modernen Gesellschaft auch nur annähernd gerecht werden.

Wie lässt sich Ihre Uni noch charakterisieren?

Möschel: Als internationale Lern- und Lehrstätte, die das Beste amerikanischer Colleges mit traditioneller europäischer Lehrkultur verbindet. Alle unsere Abschlüsse werden übrigens auch in den USA anerkannt.