Wer heute studiert, benötigt einen weiten Blick. Bloßes Fachwissen reicht nicht, um sich in der modernen Welt zurechtzufinden. Dessen waren sich auch die Gründer der Zeppelin University in Friedrichshafen am Bodensee bewusst, weshalb sie ein wirklich interdisziplinäres Studium bieten wollten. Was ihnen auch gelungen ist, meint Präsidentin Prof. Anja Achtziger.

ZU — Zeppelin Universität

Vernetzt und individuell studieren

Anja Achtziger

In der hochkomplexen Welt verlieren sogar Erwachsene die Orientierung, umso mehr die Jugendlichen. Können da Universitäten helfen?

Achtziger: Ja, aber nicht, indem sie einfache Gewissheiten verkünden. Sie müssen junge Menschen dazu befähigen, Komplexität zu verstehen, Informationen einzuordnen und begründete Urteile zu treffen. Reines Fachwissen reicht nicht. Es geht um wissenschaftliches Denken, Methodik, intellektuelle Selbstständigkeit, Verantwortungsfähigkeit und lebenslanges Lernen.

Wie erreichen Sie das?

Achtziger: Etwa mit dem Zeppelin-Jahr zu Studienbeginn — ein Einstieg in wissenschaftliches Arbeiten, Gegenwartsfragen und die Denkweisen in unseren Fächer. Die Studierenden lernen, gute Fragen zu stellen, Argumente zu prüfen und ihre Interessen einzuordnen. Zugleich erhalten sie Einblicke in die Studienrichtungen.

Ihre Studiengänge, etwa Corporate Management & Economics, haben alle einen interdisziplinären Ansatz.

Achtziger: Entscheidend ist, wie man Interdisziplinarität mit Leben füllt. Bei uns werden Fächer nicht nur nebeneinandergestellt, sondern ihre Perspektiven systematisch auf komplexe Fragen bezogen. Wirtschaftsentscheidungen haben psychologische Voraussetzungen, politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Folgen. Genau an diesen Schnittstellen entwickelt die ZU ihr besonderes Profil.

Und wer später möglicherweise wissenschaftliche Ambitionen hat?

Achtziger: Der lernt bei uns früh, wie wissenschaftliche Eigenständigkeit entsteht: durch präzise Fragen, kritische Lektüre, methodische Sorgfalt und eigene Argumente. Wer diesen Weg weitergehen möchte, kann an der ZU promovieren. Wissenschaftliche Urteilskraft ist aber auch außerhalb der Wissenschaft zentral.

Sie sind eine kleine Universität mit überschaubaren Lerngruppen.

Achtziger: Das ist ein großer Vorteil, wenn man ihn akademisch nutzt. Kleine Gruppen ermöglichen intensive Lehre, direkte Rückmeldungen und ernsthafte Diskussion. Gute Lehre ist zugewandt, fordert aber auch Vorbereitung, Konzentration und die Bereitschaft, eigene Annahmen prüfen zu lassen.

Was etwas an den Ansatz guter US-Universitäten erinnert.

Achtziger: Ich kenne das US-Hochschulsystem aus eigener Erfahrung und habe erlebt, wie prägend eine lebendige akademische Kultur sein kann. Für die ZU heißt das nicht, Modelle zu kopieren, sondern wissenschaftlichen Anspruch mit hoher studentischer Mitverantwortung zu verbinden. Dazu gehört auch eine studentische Vizepräsidentschaft.