Wer Wirtschaftswissenschaften studiert, sieht sich vielen Optionen gegenüber. Sie tragen auch zu vielen Berufsmöglichkeiten bei.
Studienreport Wirtschaftswissenschaften
Wer sich auf die Wirtschaftswissenschaften als Studium einlässt, kann sich über Langeweile nicht beklagen. Da ist zum einen das riesige Feld der Betriebswirtschaftslehre mit ihren vielen Fächern, die oft ein ganzer Kosmos sind. Man denke nur an Finanzwirtschaft oder Marketing, Gebiete, die ständig an Umfang zunehmen. Allein durch das Online-Marketing ist bei Letztem eine völlig neue Welt hinzugekommen, die sich zudem permanent verändert. Auch in der Volkswirtschaftslehre kommt stets Neues hinzu. Stichworte sind hier unter anderem die Internet-Ökonomie und die Verhaltensökonomie. Von der Glücksökonomie sprach früher auch noch niemand.
Dann entstehen allumfassende neue Aspekte, die wie die Nachhaltigkeit alles überlagern, nicht nur die Wirtschaftswissenschaften. Nichts anderes gilt für die künstliche Intelligenz, bei der viele voraussagen, dass sie keinen Stein auf dem anderen lassen wird.
In der immer komplizierter werdenden Welt ist alles miteinander verzahnt. Deshalb bietet die Universität Bamberg den interdisziplinären Bachelorstudiengang Computational Economics and Politics (CEP). Mit ihm lassen sich viele Erscheinungen wie Migration, Pandemien oder Wirtschaftskrisen besser verstehen, erläutern Prof. Johannes Marx und Prof. Marco Sahm. Weiter ...
„Panta rhei“, meinte der berühmte griechische Philosoph Heraklit einst. Alles fließt. Dem kann man heute nur hinzufügen: und zwar mit Höchstgeschwindigkeit! Und hoffentlich nicht nur bergab. Denn die Spannung steigt, wohin das noch alles führen wird, sei es der Klimawandel, die KI, seien es die massiven geopolitischen Veränderungen, das immer stärker werdende China, das auch wirtschaftlich zu einem immer größeren Konkurrenten der westlichen Volkswirtschaften wird. Nicht nur bei E-Autos, Solarpanels und Tausenden von Billigprodukten, mit denen es in letzter Zeit die Weltmärkte überschwemmt, sondern bald beispielsweise auch bei KI.
Die Wirtschaftswissenschaften waren schon immer ein attraktives Studium, nicht zuletzt weil sie sehr viele Berufsmöglichkeiten eröffnen. Wirtschaftler findet man überall, nicht nur in den Unternehmen, auch beim Staat, in der Politik, bei Verbänden oder in den Medien, selbst bei NGOs. Ihre Expertise ist heutzutage fast überall gefragt, was beispielsweise durch Tätigkeitsbereiche wie Sportmanagement, Kultur- oder Medienmanagement deutlich wird.
Die Herausforderungen, denen sich die Welt gegenüber sieht, erfordern eine neu interpretierte Ökonomie. Das sieht man auch an der HfWU so und schuf den Studiengang „Zukunftsökonomie“. Die Studiengangsleiter Prof. Ulrike Berger-Kögler und Prof. Christian Arndt erläutern, was es damit auf sich hat. Weiter ...
Diese Attraktivität erhöht sich noch durch Fächer wie Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsmathematik, die in der Praxis ebenfalls stark gefragt sind. Sehr an Bedeutung hat in letzter Zeit auch die Wirtschaftspsychologie gewonnen, da sich nicht leugnen lässt, dass nicht nur die Ratio, sondern auch die Psyche enormen Einfluss auf die Verhaltensweisen des Menschen hat. Nicht nur Werbepsychologen wissen davon ein Liedchen zu singen. Vergessen werden dürfen auch nicht Spezialfächer wie Wirtschaftsgeografie, Wirtschaftsgeschichte oder Agrarwirtschaft, die von einigen wenigen Universitäten angeboten werden. Ja, es gibt sogar — obwohl es viele nicht wissen werden — Wirtschaftschemie und Wirtschaftsphysik. Manche mögen sie Orchideenfächer nennen, in unserer kommerzialisierten Welt machen sie jedoch viel Sinn.
Dabei war noch gar nicht von Studiengängen die Rede, die einen gleich in eine bestimmte Branche hineinführen — wie beispielsweise die Tourismusindustrie, die Immobilienwirtschaft, die Medienwirtschaft, die Gesundheitswirtschaft oder in beratende Berufe wie Steuerberatung oder Wirtschaftsprüfung, auch zur Unternehmensberatung gibt es längst Studiengänge.
All das zeigt gleichzeitig, dass die grundsätzliche Entscheidung für Wirtschaftswissenschaften nicht nur sehr verlockend ist, weil sie ein hochinteressantes Studium verspricht und danach sehr weitgefächerte Berufsmöglichkeiten eröffnet. Sie verlangt auch, dass man sich im Voraus gut informieren sollte, was unter dem großen Dach Wirtschaftswissenschaften plus Nebengebieten so alles möglich ist.
Nicht wenige sind durch die vielen Optionen, die ihnen entgegenlachen, nicht nur irritiert, sondern verständlicherweise auch verunsichert. Denn wie findet man heraus, welches die richtige Wahl für einen ist? Und das schon mit 18 oder 19 Jahren gleich nach dem Abitur?
Für diejenigen, die sich beispielsweise nicht zwischen BWL und VWL entscheiden können, bieten einige Unis das Studienfach Wirtschaftswissenschaften, eine sinnvolle Kombination von beidem, auch weil sich BWL und VWL in manchen Bereichen, etwa in der Finanzwelt, zunehmend überlappen. Es gibt gleichzeitig das gute Gefühl, beruflich offen zu sein, da man dann auf beiden Gebieten mitreden kann.
Ab dem kommenden Wintersemester kann man am Innovation Campus Lemgo der TH Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) neben dem Bachelor auch den Master in Wirtschaftspsychologie absolvieren. Die beiden Studiengangsleiter Prof. Nadine Guhr und Prof. Tobias Krüger versprechen eine runde Ausbildung in diesem wichtigen und faszinierenden Fach sowie vertiefte Wirtschafts- und Methodenkenntnisse, die später auch zu Führungspositionen führen können. Weiter ...
Denn natürlich lauert die Gefahr, dass man sich durch ein sehr spezielles Studium zu früh auf ein bestimmtes Gebiet festlegt, ohne zu wissen, ob es einem auch später noch gefällt. Eine Erfahrung, die nicht wenige machen. Ein Schülerpraktikum hilft da nicht viel weiter, frühe Praktika während des Studiums oder sogar davor schon eher, da sie einem oft Hinweise geben, wie die berufliche Realität aussieht.
Ein bewährtes Rezept ist, das Bachelorstudium so generell wie möglich zu halten, um sich eine breite und solide Wissensbasis zu verschaffen. Etwa mittels eines klassischen BWL-Studiums, das einen durch die betriebswirtschaftlichen Standardgebiete führt. Eventuell akzentuiert durch ein oder zwei Schwerpunktfächer, die einem ins Auge stechen.
Wer sich vorstellen kann, später ein eigenes Unternehmen zu gründen, tut auch gut daran, sich solide BWL-Kenntnisse zuzulegen. Bei gut strukturierten Entrepreneur-Studiengängen, die in den letzten Jahren überall aus dem Boden geschossen sind, werden sie in der Regel mitgeliefert. Garniert mit einem besonderen Training der Skills, die Gründer haben sollten, um ihre jungen Unternehmen zum Erfolg zu führen. Wobei sich hier immer wieder die alte Frage stellt, inwieweit man sich Unternehmergeist antrainieren kann, oder ob das nicht eher eine Sache der Veranlagung ist. Zumindest kann einem die Gemeinschaft mit anderen Start-up-Aspiranten Anregungen und auch Mut geben, es selbst — oder besser im Team mit zwei, drei anderen Gründern — zu versuchen. Von denen nicht alle dieselben Talente haben müssen, sich jedoch ergänzen sollten.
Wer seine Zukunft hingegen als Beschäftigter in Unternehmen sieht und sich sogar zutraut, dort eines Tages weit auf der Karriereleiter nach oben zu steigen, könnte sich schon früh einen entsprechenden Plan zulegen. Was nicht bedeutet, dass er sich später bis ins Kleinste umsetzen lässt. Eher nicht. Er ist jedoch so etwas wie ein Denkrahmen, der einem Ziele vorgibt und damit auch eine gewisse Orientierung vermittelt. Dazu könnte beispielsweise gehören, für später ein MBA-Studium an einer Top-Business-School einzuplanen, möglicherweise sogar im Ausland. Zumindest jedoch ein Auslandssemester, das — wie sich immer wieder herausstellt — meist karrierefördernd ist.
Für wen solch hochgesteckte Pläne zu viel Stress bedeuten, die ihm oder ihr gleich die Lust aufs Studieren nehmen, kann es dennoch später weit bringen. Entscheidend ist, dass man während des Studiums flexibel bleibt und sich nicht schon in frühen Jahren auf eine starre Linie einpendelt. Dazu bewegt sich die Wirtschaft viel zu schnell. Was heute noch als Nonplusultra gilt, kann morgen schon in der Mottenkiste versinken. Die Technologie mit ihrem rasenden Fortschritt ist da unerbittlich und pflügt manchmal ganze Unternehmen, gar ganze Branchen um.
Digitale Transformation und global Entrepreneurship sind die Themen eines Studiengangs an der Hochschule Neu-Ulm, International Entrepreneurship, Digitalization and Sustainability die eines anderen. Sie werden beide von Prof. Daniel Schallmo geleitet. Weiter ...
Schön ist, dass das Studium auch Raum gibt für Leute, die Wirtschaft nicht nur als bloßes Instrument zum Geldverdienen sehen, obwohl das immer wichtig bleiben wird. Sondern die auch gern tiefer in sie einsteigen, sie etwa als einen Grundpfeiler jeder gesellschaftlichen Entwicklung erkennen und sich darüber tiefere Gedanken machen.
Ihnen werden Studiengänge wie „Philosophie, Politik und Ökonomik“ an der Uni Witten/Herdecke, an der LMU heißt er „Philosophie, Politik und Wirtschaft“, oder wie „Philosophy & Economics“ an der Uni Bayreuth, den auch die Uni Düsseldorf anbietet, oder auch „Nachhaltigkeit und Demokratie“ der Uni Münster sehr gelegen kommen. Nicht nur, dass man hier zum Teil auch etwas über Marx & Engels und all die anderen Bengels erfährt, die uns einst den Kommunismus eingebrockt haben, man ist mit gleichgesinnten Dickbrettbohrern zusammen. Eine Freude, die in unserer schnelllebigen und entsprechend oberflächlichen Zeit eher eine Seltenheit geworden ist.
Nicht jedoch beim Studiengang mit dem verlockenden Titel „Zukunftsökonomie“ der Hochschule Nürtingen-Geislingen, der auch Hoffnung geben will, dass wir die Zukunft doch irgendwie meistern werden.
Fazit: Die Wirtschaftswissenschaften sind nach wie vor ein Studium wert. Wie kaum ein anderes bietet es den unterschiedlichsten Geistern eine faszinierende Plattform, einen wichtigen Teil der Gesellschaft zu erkunden.
© wisu626/540