Der moderne und hochkomplexe Staat benötigt an allen Ecken und Enden Fachleute. Häufig bildet er den Nachwuchs an besonderen Hochschulen selbst aus.
Arbeiten beim Staat
Der Staat ist ein großer Arbeitgeber, meist sogar der größte in einem Land. So ist es auch in Deutschland, wo er im Jahr 2024 über fünf Millionen Menschen beschäftigte, wozu Verwaltungsbeamte, Lehrer, Soldaten, Polizisten, Richter und Tarifbeschäftigte bei Bund, Ländern und Kommunen zählen. Sie machen etwa zwölf Prozent aller Erwerbstätigen aus.
Die Staatsbediensteten gliedern sich in etwa 1,8 Millionen Beamte und Richter — Erstere gehören zur Exekutive, Letztere zur Judikative. Über drei Millionen sind Tarifbeschäftigte, also Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst, die nicht verbeamtet sind, sondern einen privatrechtlichen Arbeitsvertrag haben, dessen Bedingungen durch Tarifverträge geregelt sind. Hinzu kommen derzeit etwa 180.000 Soldaten.
Die meisten Bediensteten arbeiten in der allgemeinen Verwaltung, als Lehrer oder Dozenten im Bildungswesen und im Bereich der öffentlichen Sicherheit, etwa als Polizisten oder Kriminalbeamte.
Sie alle sind diejenigen, die den Staat „am Laufen halten“. Viel zu viele, sagen einige. Es sind meist jene, die viele Staatsbedienstete mit lähmender Bürokratie gleichsetzen. Neue Zahlen ergaben gerade, dass die Bürokratie die deutsche Wirtschaft im Jahr die gigantische Summe von 62 Mrd. Euro kostet. Viel zu wenige, sagen hingegen andere, die oft mangelnde Kompetenz oder lange Bearbeitungszeiten in den Behörden beklagen.
In den USA ist Donald Trump der Meinung, dass es zu viele sind. Er heuerte Elon Musk an, der ein paar Wochen für DOGE, das Department of Government Efficiency, tätig war und viele Staatsbedienstete des Bundes entließ, was ihm heftige Kritik und viel Ärger einbrachte, auch weil es zum Teil völlig willkürlich geschah. Über 200.000 sollen es gewesen sein. Dabei ging etliches Know-how verloren, was zum Teil zu großen Problemen führte und unzählige Bürgerinnen und Bürger massiv verärgerte.
Einen modernen Staat zu organisieren und zu lenken, mit allem, was dazu gehört, ist eine gewaltige Aufgabe, die sehr viel Know-how, Talente und Fähigkeiten erfordert. Nicht zuletzt deshalb, weil moderne Gesellschaften immer komplexer werden. Auch weil es immer mehr Regularien jeder Art gibt, von Gesetzen über Verordnungen bis zu Verwaltungsvorschriften. Dazu kommen ständig neue Gerichtsurteile, die ebenfalls beachtet werden wollen.
In einem dreijährigen Bachelorstudium wird der Nachwuchs der Deutschen Bundesbank auf seine Aufgaben vorbereitet. Die Ausbildung erfolgt auf Schloss Hachenburg im Westerwald, wo sich die Hochschule der Deutschen Bundesbank befindet. Wir bilden auch für die BaFin aus, erläutert Prof. Erich Keller, der bis Ende 2025 Rektor der Hochschule war und weiterhin dort lehrt. Weiter ...
Außerdem sind die Zeiten des Obrigkeitsstaates vorbei, der die Menschen nach Belieben herumschubste. Die heutige Zivilgesellschaft verlangt nach zuvorkommenden und serviceorientierten Staatsbediensteten. Im Bewusstsein, dass diese für die Bürgerinnen und Bürger da sind und nicht umgekehrt — zumal sie auch von ihren Steuergeldern bezahlt werden. Empfinden sie, dass ihnen Unrecht geschieht, rufen heute viele die Gerichte an. Auch Bürgerproteste können drohen. Nicht zuletzt sind rasch die Medien zur Stelle, sollte der Staat über die Stränge schlagen. Noch eins ist klargeworden: Eine effiziente und serviceorientierte Verwaltung, die Dinge ermöglicht und nicht verhindert, ist ein wichtiger Standortvorteil für jedes Land.
Wer mit dem Gedanken spielt, später in den „Staatsdienst“ — wie man statt „Bürgerdienst“ immer noch sagt — einzutreten, ist also fehl am Platz, wenn er dabei nur daran denkt, eine ruhige Kugel zu schieben oder einen sicheren Arbeitsplatz zu ergattern. Gefragt ist eine positive Einstellung zur modernen Gesellschaft und der Wille, engagiert zu einem funktionierenden und gerechten Gemeinwesen beizutragen, in dem alle gleich behandelt werden und das seinen Menschen eine Heimat ist, in der sie sich wohl fühlen.
Neben den klassischen Studiengängen wie Rechtswissenschaft, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, natur- und ingenieurwissenschaftlichen sowie technischen und medizinischen Studiengängen, die an den „regulären“ Hochschulen geboten werden und auch zu Anstellungen beim Staat führen können, gibt es besondere Ausbildungsstätten für den Nachwuchs bestimmter staatlicher Institutionen.
Nicht viele wissen, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Mannheim und Schwerin eine Hochschule mit über 500 Studierenden betreibt. Sie werden dort zu Fachkräften für Bildungs-, Berufs- und Beschäftigungsberatung sowie in Arbeitsmarktmanagement ausgebildet. Die Professorin Doris Keye-Ehing erläutert die Studiengänge und welche Möglichkeiten sich damit später ergeben. Weiter ...
Ein Beispiel sind die Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg, Letztere ist auch als Helmut-Schmidt-Universität bekannt. Beide bieten die Möglichkeit, die Offizierausbildung mit einem akademischen Studium zu verbinden, was allerdings eine Dienstverpflichtung von wenigstens13 Jahren erfordert. Daneben gibt es eine zivile Variante, bei der man in Zusammenarbeit mit Bundes- und Landesministerien und Behörden sowie Unternehmen, die einen Bezug zur Bundeswehr haben, studiert. Das Studienangebot ist bemerkenswert groß, neben Bachelor- und Masterabschlüssen in BWL, VWL sowie Wirtschaftsinformatik sind viele weitere Studiengänge möglich. Studierende Offizieranwärterinnen sowie -anwärter bekommen ihr Gehalt, das vom Alter, Dienstgrad und Familienstand abhängt, auch während ihrer Studienzeit. Jobben neben dem Studium muss man also nicht.
Wer nach den 13 Jahren in die Wirtschaft gehen will, findet viele offene Türen. Denn den Absolventinnen und Absolventen der Bundeswehrunis eilt ein sehr guter Ruf voraus. Sie gelten als ausgesprochen leistungsorientiert und führungsstark. Viele erklimmen dann auch schnell die Karriereleiter in mittelständischen und großen Unternehmen.
Eine bekannte staatliche Institution ist auch die Bundesagentur für Arbeit, die 150 Agenturen für Arbeit mit etwa 600 Niederlassungen in ganz Deutschland unterhält. Hinzu kommen in Mannheim und Schwerin zwei eigene Hochschulen. An den Hochschulen der Bundesanstalt für Arbeit (HdBA), wie sie sich nennen, werden die beiden dualen Bachelorstudiengänge „Arbeitsmarktmanagement“ sowie „Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung“ geboten, Kombinationen aus Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften. Sie bereiten einen auf die Aufgaben bei der Bundesagentur vor. Man kann nach dem Studium auch in der öffentlichen Verwaltung oder in der freien Wirtschaft arbeiten, etwa in Personalabteilungen und bei Personaldienstleistern.
Während des dualen Studiums erhält man eine monatliche Vergütung von knapp 2.000 Euro. Nach dem Studium locken eine unbefristete Übernahme, ein Einstiegsgehalt von mindestens 4.486 Euro brutto sowie ein zukunftssicherer Job.
Wen Finanzen im Allgemeinen und staatliche Geldpolitik im Besonderen locken, sollte sich die Möglichkeiten ansehen, die die Deutsche Bundesbank bietet. Auch sie kann eine eigene Hochschule vorweisen, die sich sogar in einem echten Schloss in idyllischer Umgebung im Westerwald befindet. Hier werden der Nachwuchs der Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ausgebildet, die nicht wie die Bundesbank in Frankfurt am Main, sondern in Bonn ansässig ist. Nach dreijährigem Studium erwirbt man den Bachelor-Titel. Und wie bei der Bundeswehr und der Bundesagentur für Arbeit muss man sich um seine finanzielle Situation während des Studiums keine Sorgen machen (s. Interview S. XXX).
Da wir gerade bei historischen Gebäuden sind: Die Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen hat da ebenfalls etwas zu bieten. Sie unterhält auch eine eigene Unterrichtsstätte, die Hochschule für Finanzen (HSF), die in einem Schloss residiert, sogar in einem Wasserschloss. Es befindet sich in Nordkirchen, das zwischen Dortmund und Münster liegt. Hier wird man in drei Jahren zur Diplom-Finanzwirtin oder zum Diplom-Finanzwirt ausgebildet. Wie schon bei den vorigen Ausbildungsmöglichkeiten handelt es sich um ein duales Studium, da man zugleich eine praktische Ausbildung in einem Finanzamt in der Nähe seines Wohnorts durchläuft. Auch hier verdient man bereits während des Studiums Geld, in diesem Fall sind es rund 1.550 Euro im Monat. Danach wird man ins Beamtenverhältnis auf Probe übernommen.
Von der gesamten Ausbildungszeit entfallen 21 Monate auf das Studium an der Hochschule in Nordkirchen mit weiteren Außenstellen in Hamminkeln und Herford und 15 Monate auf die praktische Ausbildung. Die Ausbildung hat einen sehr guten Ruf und macht einen zum Steuerexperten. Sie ist so gut, dass so manches Steuerberaterbüro gern eine Absolventin oder einen Absolventen der HSF in seinen Reihen hätte.
Dann gibt es noch Hochschulen für den öffentlichen Dienst wie die in Bayern, die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen im baden-württembergischen Ludwigsburg oder die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl bei Bonn. Sie bieten allerdings keinen direkten Zugang, sondern setzen voraus, dass man bereits bei einer staatlichen Stelle angestellt ist, die einen dann zum Studium der jeweiligen Hochschule zuweist.
Und wer gleich an Europa denkt, beispielsweise an eine Tätigkeit bei einer europäischen Behörde in Brüssel? Der sollte sich die Studienmöglichkeiten am College of Europe im belgischen Brügge mit speziellen Studiengängen in europäischer Politik, in Recht, Wirtschaft, Diplomatie und internationalen Beziehungen ansehen. Viele Karrieren, die nach Brüssel, Luxemburg oder Straßburg führten, begannen einst hier.
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