Studienreport Taxation

Steuerexperte werden

Als Folge der zunehmenden Vernet­zung der Welt gibt es seit 30 Jahren eine Abwärtsspirale bei der Besteue­rung von Unternehmen“, fasste US-Finanzministerin Janet Yellen die Pro­bleme bei der Besteuerung von inter­national tätigen Konzernen zusammen. Weil die Höhe der Unternehmenssteu­ern ein wichtiger Standortfaktor ist und große Firmen mit Milliardengewinnen sehr viel Geld sparen können, wenn sie ihren Sitz in ein Land mit niedrigen Steuersätzen verlegen, begannen die Industrieländer in den neunziger Jah­ren, die Steuerlast der Wirtschaft kräf­tig zu reduzieren.

Beispiel Deutschland: Seit 1996, als Ge­winne noch mit 59,5 Prozent besteuert wurden, wurden die Unternehmens­steuern in mehreren Schritten auf 30 Prozent halbiert. In Großbritannien gin­gen sie im selben Zeitraum von 33 auf 19 Prozent zurück, in der Schweiz von 28,5 auf 18 Prozent. In der EU sank die Körperschaftsteuer im letzten Vier­teljahrhundert von durchschnittlich 38 auf 21,3 Prozent. Während Hochsteu­erländer wie Deutschland auf die in­ternationale Entwicklung eigentlich nur reagierten, betrieben andere EU-Mit­glieder mithilfe der Steuern aktive und aggressive Standortpolitik. Dabei fiel vor allem Irland auf. Die noch vor we­nigen Jahrzehnten landwirtschaftlich geprägte Inselrepublik lockte mit ihren sehr niedrigen Steuern viele internatio­nale Konzerne an. Von fast 40 Prozent Steuern auf Gewinne Mitte der neun­ziger Jahre stutzte Irland den Satz An­fang dieses Jahrhunderts auf 12,5 Pro­zent zurück. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Aus dem einstigen Ar­menhaus Europas wurde bald der „kel­tische Tiger“.

Wie wichtig es dem westeuropäischen Land ist, Großkonzerne möglichst un­geschoren davonkommen zu lassen, zeigte der skurrile Streit zwischen Dublin und Brüssel um Apple. 2016 for­derte die EU-Kommission den iPhone-Hersteller auf, 13 Mrd. Euro Steuern an Irland nachzuzahlen. Apple habe ei­ne unzulässige steuerliche Vorzugsbehandlung durch die Regierung in Dublin erfahren, indem es über einen Zeitraum von zehn Jahren gerade mal 0,005 Prozent seiner Gewinne an den Fiskus abführen musste. Die erstaun­liche Folge war, dass sich der IT-Kon­zern gemeinsam mit Irland gegen die Steuernachforderung zur Wehr setzte. Der Fall liegt immer noch beim Euro­päischen Gerichtshof.

Steuerberatung ist nach wie vor ein beliebter Beruf. Die Hoch­schule Worms hat mit dem „Mas­ter Taxation“ ein Konzept entwi­ckelt, wie man in erstaunlich kur­zer Zeit alle Voraussetzungen für die Steuerberaterprüfung erfüllt. Studiengangsleiter Prof. Patrick Sinewe erklärt es. Weiter ...

Der Steuerwettbewerb zwischen Län­dern ist grundsätzlich zu begrüßen. Er zwingt die Staaten durch die gerin­geren Steuereinnahmen, ständig ihre Ausgaben zu überprüfen und etwa auf eine schlanke und effiziente Verwal­tung zu achten. Ist beispielsweise der Beamtenapparat zu aufgebläht, wäh­rend sich mit modernen digitalen Pro­zessen viel Personal einsparen ließe? Bevor das Sparen jedoch zu Lasten der Bürger geht und die notwendigen Funk­tionen des Staates bedroht sind, muss mit der Abwärtsspirale Schluss sein. Das erfordert ein ständiges Abwägen, was man bei einigen großen Staaten oft vermisst, die ihre Bürokratie zum Ärger der Bürger ständig aufpumpen. Und es geht um Gerechtigkeit. Die nicht gegeben ist, wenn die Bürger und Ei­gentümer von Personengesellschaften bei der Einkommensteuer und bei Ver­brauchsteuern kräftig zur Kasse gebe­ten werden, während sich Kapitalge­sellschaften kaum an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen.

Deshalb ist es ein großer Fortschritt und ein wichtiger Beitrag zur Steuer­gerechtigkeit, dass sich im Oktober dieses Jahres 136 Staaten auf eine glo­bale Mindestbesteuerung für Unter­nehmen einigen konnten. Ab 2023 sol­len internationale Konzerne mindes­tens 15 Prozent Steuern zahlen. Damit es sich nicht mehr lohnt, Gewinne in Steueroasen mit niedrigen Sätzen zu verschieben, kann der Fiskus im Hei­matstaat der Unternehmen künftig zu­dem die Differenz einkassieren.

Warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und Steuerberater und Master gleichzeitig werden? Mit dem berufsbegleitenden Studiengang „Taxation“, der zum LLM führt, ist das möglich. Harald Beschorner, Kanzler der FOM Hochschule für Oekonomie & Management, erklärt es. Weiter ...

Erstaunlicherweise hat sogar Irland das Abkommen unterzeichnet. Außerdem hat das Land im Oktober ein nationales Gesetz verabschiedet, wonach Firmen mit einem Umsatz von über 750 Mio. Euro 15 statt 12,5 Prozent Steuern zah­len. Damit will man offenbar neuem Är­ger mit anderen europäischen Ländern vorbeugen. Auch US-Präsident Joe Biden hat die Mindestbesteuerung ab­gesegnet. Voraussetzung war jedoch, dass Frankreich, Großbritannien, Ita­lien, Österreich und Spanien auf ihre kürzlich eingeführten nationalen Digi­talsteuern verzichten. Diese zielten vor allem auf die großen US-Digitalkon­zerne ab, die sich durch das weltweite Verschieben von Gewinnen größten­teils der Besteuerung entziehen.

Nicht nur für IT-Konzerne, für alle Un­ternehmen sind Steuern ein ständi­ges Thema. Denn sie sind ein erheb­licher Kostenblock, der über Profita­bilität und Wettbewerbsfähigkeit, im Extremfall sogar über die Existenz des Unternehmens mitentscheidet. Des­wegen gehört es zu den Pflichten des Managements, sämtliche gesetzeskon­formen steuerlichen Gestaltungsmög­lichkeiten zu nutzen. Sie finden sich im nationalen und internationalen Steuer­recht. Sie aufzuspüren ist die Aufga­be von Steuerfachleuten. Kleinere Un­ternehmen engagieren in der Regel ex­terne Steuerberater, während größere oft eine eigene Steuerabteilung mit entsprechenden Experten unterhalten.

Allen, die sich von Steuern und Steu­errecht angezogen fühlen — die aktuellen Ereignisse zeigen bereits, wie interessant diese Themen sind — und hier ihre berufliche Zukunft sehen, bieten sich mehrere Ausbildungswege an. Neben dem klassischen BWL- oder Jurastudium und der anschließenden Ausbildung zum Steuerberater gibt es heute viele Studiengänge für betriebli­ches Steuerwesen oder International Taxation, die mit einem Bachelor oder Master abschließen.

Die Hochschule Stralsund und die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin bieten gemeinsam einen Masterstudiengang Unternehmenssteuerrecht an. Wer es richtig einfädelt, kann bald danach die Steuerberaterprüfung machen, erläutert Prof. Ulrich Niehus. Weiter ...

Sie allein befähigen jedoch nicht zum Steuerberater, dieser Berufstitel muss zusätzlich erworben werden. Die Stu­diengänge qualifizieren jedoch für die Arbeit in den Steuerabteilungen von Unternehmen und in großen Steuer­beratungsgesellschaften, die solche Ex­perten ebenfalls benötigen, auch wenn sie keine Steuerberater sind. Oft wer­den die Studiengänge auch nachträg­lich von Steuerberatern absolviert, et­wa um sich im internationalen Steuer­recht fit zu machen.

An der Uni Hamburg gibt es den drei Semester dauernden berufsbegleiten­den Masterstudiengang International Taxation. Dabei werden die Steuer­systeme von rund einem Dutzend Län­dern vorgestellt — von den USA über Großbritannien und Italien bis China und Indien. Außerdem geht es um in­ternationale Rechnungslegung, die Be­steuerung multinationaler Unterneh­men, um Unternehmenskauf und eini­ges mehr. Neben dem Master erwer­ben die Absolventen des Studiengangs den Titel „Fachberater/in für interna­tionales Steuerrecht“. Denn wer Ex­perte für Unternehmenssteuern werden will, muss sich mit betriebswirtschaft­lichen und juristischen Themen befas­sen. Viele Teilnehmer bringen bereits Steuerwissen mit — aus ihrem Erst­studium mit entsprechenden Vertie­fungsfächern oder aus ihrer Assisten­tentätigkeit in der Steuerberatung.

Wer den Steuerberater anstrebt und seinen Bachelorabschluss durch ein universitäres Masterstudium ergänzen möchte, ist bei diesem Studiengang an der Uni Freiburg genau richtig, sagt Prof. Wolfgang Kessler. Studiert werden kann auch in Frankfurt. Weiter ...

Die Universität Köln bietet den be­rufsbegleitenden Studiengang für Unternehmensteuerrecht an. Das Pro­gramm, das mit dem Master of Laws (LL.M.) abschließt, ist in die Module Grundlagen, nationales, europäisches und internationales Unternehmensteu­errecht sowie Unternehmensbesteue­rung und Gestaltungsberatung aufge­teilt. Die Teilnehmer erwerben damit Wissen, das etwa bei der Steuerop­timierung oder bei der steuerrechtlichen Gestaltung anlässlich von Unterneh­mensrestrukturierungen gefragt ist.

Da viele, die sich beruflich mit Steuern befassen wollen, auch das Steuerbera­terexamen anstreben, sind einige Ta­xation-Studiengänge eng mit ihm ver­zahnt, wie das TaxMaster-Programm der Uni Freiburg. Innerhalb von sieben Semestern kann man dort berufsbe­gleitend einen Master und das Steuerberaterexamen machen. Bei der „Flex­press“-Variante kann man beide Ab­schlüsse bereits nach fünf Semestern erwerben.

Die Hochschule Rhein-Waal ist für ihren großen Anteil ausländischer Studenten bekannt. Daher bietet sie den Bachelorstudiengang International Taxation and Law in englischer Sprache. Prof. Norbert Dautzenberg leitet ihn. Weiter ...

Der Master of Taxation der Hoch­schule Mainz ist ähnlich aufgebaut. Im Anschluss an das fünfsemestrige, berufsbegleitende Studium geht man ins Steuerberaterexamen. Das kom­plette fünfte Semester ist der Vor­bereitung auf diese Prüfung gewid­met.

Die Hochschule Aalen hat ihren Stu­diengang zum Master of Arts in Ta­xation mit den Steuer- und Klausu­renlehrgängen der Steuerfachschu­le Dr. Endriss kombiniert. Die Teil­nehmer können das Steuerberaterexamen ablegen, sobald sie den Mas­ter in der Tasche haben. Dieses „Two-in-one“-Konzept ist auch für berufs­tätige Studenten interessant, da die Studienkurse und die Steuerlehr­gänge an zehn Standorten angebo­ten werden.

Ein ähnliches Konzept verfolgt die FOM Hochschule für Oekonomie & Management mit dem berufsbegleitenden Masterstudiengang Taxation. Im An­schluss an zwei Semester Studium bereitet man sich ein Jahr lang beim Steuerrechts-Institut Knoll auf die Steuerberaterprüfung vor. Anschlie­ßend werden die Steuerberaterklau­suren und die Master-Arbeit geschrie­ben. Den Abschluss bildet die münd­liche Steuerberaterprüfung.

Bei einigen Taxation-Studiengängen wird die betriebliche Steuerlehre mit anderen BWL-Fächern kombiniert. So etwa beim Master of Accounting & Taxation der Mannheim Business School, einem berufsbegleitenden Two-Track-Studium: Wer sich in Rich­tung Steuerberatung entwickeln will, konzentriert sich auf Taxation, wer den Wirtschaftsprüfer anstrebt, wählt den Accounting-Zweig.

Wer schon früh weiß, dass es später im Beruf in Richtung Steuerexperte gehen willl, kann sich bereits mit ei­nem entsprechenden Bachelorstu­diengang darauf vorbereiten. Etwa mit dem der Hochschule Worms: In sieben Semestern erwirbt man Kennt­nisse in Steuerrecht und verwand­ten BWL-Fächern. Damit wird man zugleich auf eine spätere Tätigkeit als Steuerberater vorbereitet. Das Be­sondere am Wormser Studiengang: Man kann ihn auch als duales Studi­um absolvieren.

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