Studienreport Taxation

Steuerprofi werden

Die Schweiz kann aufatmen. Die EU-Finanzminister haben beschlossen, den — nicht zur Europäischen Union gehörenden — Alpenstaat von der „grauen Liste“ der unter Beobachtung stehenden Länder zu streichen. Damit ist offiziell, dass die Schweiz keine Steueroase mehr ist. Zu verdanken haben das die Eidgenossen ihrer Steuerreform, die Anfang nächsten Jahres in Kraft tritt und es ausländischen Anlegern schwerer machen soll, Steuern zu hinterziehen.

Damit hat sich das Land vom (Steuer-) Saulus zum Paulus gewandelt. Noch Anfang 2018 galt die Schweiz als die größte und intransparenteste Steueroase der Welt. Zu diesem Ergebnis kam damals das Tax Justice Network, eine gemeinnützige Organisation, die sich für mehr internationale Steuergerechtigkeit einsetzt. Schließlich geht es bei Steuerhinterziehung immer auch um dieses Thema. Denn während die meisten Bürger und Unternehmen brav ihre Steuern entrichten, versuchen einige immer wieder, sich ihrer Steuerpflicht zu entziehen, indem sie Gelder in Steueroasen verschieben.

Nach der Veröffentlichung der Panama Papers im Frühjahr 2016, die Steuerhinterziehung und Geldwäsche von tausenden Prominenten, Politikern, Kriminellen und Terroristen mithilfe eines Offshore-Dienstleisters in Panama City enthüllten, verschärfte die EU den Druck auf viele internationale Steueroasen. So führte sie eine graue Liste mit Ländern wie der Schweiz, Costa Rica und Mauritius sowie eine schwarze Liste mit besonders unkooperativen und intransparenten Steueroasen ein. Auf Letzterer stehen unter anderem heute noch die Amerikanischen Jungferninseln, Fidschi, Trinidad und Tobago sowie Vanuatu.

Neben der — illegalen — Steuerhinterziehung gibt es die völlig legale Steuergestaltung oder -optimierung. Dabei geht es darum, möglichst wenig Steuern zu zahlen. Was ein natürlicher Reflex jedes Steuerpflichtigen ist, da niemand gern Abgaben an den Staat zahlt, vor allem wenn sie nicht sein müssen. Allerdings ist nicht alles, was legal ist, auch legitim. Ein Beispiel sind die umstrittenen „Cum-Ex-Geschäfte“, die nur aufgrund einer — mittlerweile geschlossenen — Gesetzeslücke möglich waren. Wer sich ihrer bediente, verstieß zwar gegen kein Gesetz. Doch dass in betrügerischer Absicht gehandelt wird, wenn mehrfach für dieselbe Dividende Steuerrückerstattungen vom Finanzamt gefordert werden, ist offensichtlich. Kein Wunder, dass sich die Gerichte mit dem Thema befassen.

Ebenfalls umstritten sind die Steueroptimierungsmodelle, die internationale Konzerne entwickeln, um ihre Steuerlast — etwa mithilfe von Briefkastenfirmen in Niedrigsteuerländern — gegen null zu drücken. Auch das ist nicht illegal, stößt aber vielen Bürgern, die diese Möglichkeiten nicht haben und deshalb um ihre Steuerzahlungen nicht herumkommen, sauer auf. Vor allem wenn es sich um riesige Firmen handelt, die Rekordgewinne einfahren. Wie der Smartphone-Hersteller Apple — vor kurzem noch das wertvollste Unternehmen der Welt —, der jahrelang lediglich 0,0005 Prozent Steuern für seine in Europa erzielten Gewinne entrichten musste.

Die Causa Apple ist längst zum Politikum in der EU geworden. Denn der Silicon-Valley-Riese ist nur deshalb lange Zeit nahezu ungeschoren davongekommen, weil das EU-Mitglied Irland den Steuerhebel nutzt, um Standortpolitik zu betreiben. Zwischen 2003 und 2014 hat das Land Apple massive Steuervergünstigungen gewährt, die die EU-Kommission als unzulässige staatliche Beihilfe wertet. Irland wurde deshalb schon vor drei Jahren aufgefordert, von Apple 13 Mrd. Euro Steuern nachzufordern. Aus Angst, dass der Konzern seine Europa-Niederlassung in ein anderes Land verlegt, ist man der Aufforderung bislang nicht nachgekommen. Der Streit ist mittlerweile so weit eskaliert, dass Apple gemeinsam mit Irland gegen den Beschluss der EU-Kommission klagt.

Nicht nur für IT-Konzerne, für jedes Unternehmen sind Steuern ein wichtiges Thema. Da sie einen erheblichen Kostenblock darstellen, der über Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit, im Extremfall sogar über die Existenz des Unternehmens mitentscheidet, gehört es zu den Pflichten des Managements, diese Kosten durch steuerrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten zu reduzieren. Und die finden sich nicht nur im nationalen Steuerrecht, sondern auch in internationalen Vorschriften. Sie aufzuspüren und zu nutzen ist die Aufgabe von Steuerexperten.

Kleinere Unternehmen engagieren in der Regel externe Steuerberater, während größere oft eine eigene Steuerabteilung mit entsprechend qualifizierten Fachleuten haben. Allen, die hier ihre berufliche Zukunft sehen, bietet sich ein interessanter Ausbildungsweg an: Studiengänge für betriebliches Steuerwesen oder International Taxation, die häufig mit einem Master abgeschlossen werden. Sie sind nicht zu verwechseln mit der Ausbildung zum Steuerberater. Die genannten Studiengänge qualifizieren jedoch für die Arbeit in Steuerabteilungen von Unternehmen und für die Arbeit in großen Steuerberatungsgesellschaften, welche diese Experten ebenfalls benötigen, selbst wenn sie kein Steuerberater sind. Oft werden die Studiengänge auch von Steuerberatern absolviert, die sich im internationalen Steuerrecht fit machen wollen.

So bietet die Universität Köln den berufsbegleitenden Studiengang für Unternehmensteuerrecht an. Das Programm, das mit dem Master of Laws (LL.M.) abgeschlossen wird, ist in vier Module aufgeteilt: Grundlagen, nationales Unternehmensteuerrecht, europäisches und internationales Unternehmensteuerrecht sowie Unternehmensbesteuerung und Gestaltungsberatung. Im Studium erwerben die Teilnehmer Fähigkeiten, die in Unternehmen immer wieder gefragt sind, etwa die Steueroptimierung der Geschäftstätigkeit, die steuerrechtliche Gestaltung bei Umstrukturierungen sowie die Bewältigung von Krisensituationen in der Steuerberatung.

An der Uni Hamburg gibt es den drei Semester dauernden berufsbegleitenden Masterstudiengang International Taxation. Im Studium werden die Steuersysteme von rund einem Dutzend Ländern im Detail vorgestellt — von den USA über Großbritannien und Italien bis China und Indien. Zudem geht es um internationale Rechnungslegung, die Besteuerung multinationaler Unternehmen, um Unternehmenskauf und einiges mehr. Neben dem Master erwerben die Absolventen des Studiengangs den Titel „Fachberater/in für internationales Steuerrecht“.

Wer Experte für Unternehmensteuern werden will, muss sich also mit juristischen und betriebswirtschaftlichen Themen befassen. Viele Teilnehmer bringen bereits Steuerwissen mit — aus ihrem Erststudium mit entsprechenden Vertiefungsfächern oder aus ihrer Assistententätigkeit in einer Steuerberatungsgesellschaft.

Weil viele, die sich beruflich mit Steuern befassen wollen, auch das Steuerberaterexamen anstreben, sind einige Taxation-Studiengänge eng mit ihm verzahnt. Etwa das TaxMaster-Programm der Uni Freiburg: Innerhalb von sieben Semestern kann man dort berufsbegleitend einen Master und das Steuerberaterexamen machen. Die Präsenzphasen können in Freiburg, Frankfurt und Hamburg absolviert werden. Bei der „Flexpress“-Variante kann man beide Abschlüsse bereits nach fünf Semestern erwerben.

Der Master of Taxation der Hochschule Mainz ist ähnlich aufgebaut. Im Anschluss an das fünfsemestrige, berufsbegleitende Studium nehmen die Studenten am Steuerberaterexamen teil. Das komplette fünfte Semester ist der Vorbereitung auf dieses Examen gewidmet.

Die Hochschule Aalen hat ihren Studiengang zum Master of Arts in Taxation so mit den Steuer- und Klausurenlehrgängen der Steuerfachschule Dr. Endriss kombiniert, dass die Teilnehmer das Steuerberaterexamen ablegen können, sobald sie den Master in der Tasche haben. Unterstützt wird das „Two-in-one“-Konzept, indem die Studienkurse und Steuerlehrgänge an zehn Standorten angeboten werden. So haben auch berufstätige Studenten die Chance, den Doppelabschluss zu erwerben.

Bei einigen Taxation-Studiengängen wird die betriebliche Steuerlehre mit anderen BWL-Fächern kombiniert. Etwa beim Master of Accounting & Taxation der bekannten Mannheim Business School. Dabei handelt es sich um ein berufsbegleitendes Two-Track-Studium: Wer sich in Richtung Steuerberatung entwickeln will, konzentriert sich auf Taxation, wer Wirtschaftsprüfer werden möchte, wählt den Accounting-Zweig.

Bereits im Erststudium kann man die Richtung Steuerexperte einschlagen. So bietet die Hochschule Worms zwei Bachelorstudiengänge in Steuerlehre. In sieben Semestern erwirbt man Kenntnisse in Steuerrecht und verwandten BWL-Fächern. Damit wird man zugleich auf eine spätere Tätigkeit als Steuerberater vorbereitet. Das Studium ist auch im Praxisverbund möglich: Wer sich für diese Variante entscheidet, arbeitet in den Semesterferien bei einer Steuerberatungs- oder WP-Gesellschaft.

Kaum ein Fach, für das es kein Fernstudium gibt. So auch bei Taxation: Die TU Kaiserslautern etwa führt ein Steuer-Fernstudium zum Master of Laws (LL.M.) durch. In vier Semestern werden die zentralen Gebiete — Allgemeines Steuerrecht und Steuerverfahrensrecht, Einkommen- und Körperschaftsteuerrecht, Umsatz-, Gewerbe- und Umwandlungssteuerrecht sowie internationales Steuerrecht — abgedeckt.

 

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