Die Zahl der Studiengänge hat sich in den letzten Jahren stark erhöht. Bei der Auswahl kommt es auf vieles an.

Studienreport

Was soll ich bloß studieren?

Ja, die gute alte Zeit, als alles irgend­wie noch einfacher war. Auch das Studieren. Das sagen jedenfalls die Älteren, die schon seit Jahrzehnten im Beruf stehen oder sogar bereits Rich­tung Rente unterwegs sind. Denn wenn sie sich heute die Studienmöglichkeiten ansehen, die sich ihrer Tochter und dem Sohnemann bieten, sind sie meist ziem­lich hilflos.

Auf „Papa, du hast doch BWL studiert, du kannst mir sicher helfen“ folgt meist ein ratloses „solche Studiengänge gab es zu meiner Zeit gar nicht“. Doch selbst wenn Papa mit der Nase noch dichter an den Screen geht, um die Website der Hochschule besser lesen zu können, hellen sich seine Gesichts­züge nicht unbedingt auf. „Ich ver­stehe gar nicht, wie man sich ein gan­zes Studium nur mit Eventmarketing befassen kann“, brummelt er dann viel­leicht. „Bei uns war Marketing eines von vielen Fächern, und von Eventmar­keting sprach kein Mensch.“

Die Digitalisierung weiter Wirtschaftsbereiche erfordert ein neues Management-Wissen. Man kann es sich durch den Fernstudiengang Digital Management der Diploma Hochschule aneignen. Er führt zum Master und wird von Prof. Stephan Convent geleitet. Weiter ...

„Ja, bei Euch, Ihr hattet doch sowieso keine Ahnung!“ „Hallo junges Fräulein, bitte nicht so mit deinem Vater!“ „Ist doch wahr“, wird sie wahrscheinlich antworten und ihn mit „von Eventmar­keting sprach kein Mensch“ nachäf­fen. „Hey, das ist ein Riesen-Business, und es würde mir voll Spaß machen. Werbe-Events gibt es überall. Ich fän­de es echt cool, da zu arbeiten.“ „Dann mach doch, was du willst. Warum fragst du mich überhaupt? Und komm mir später bloß nicht und bettle um Geld, weil du keinen Job findest.“

„Warum soll ich denn keinen Job fin­den? Spezialisten werden überall ge­sucht.“ „Hast du schon mal von Coro­na gehört? Ich kann mir nicht vorstel­len, dass da viele Marking-Events statt­finden. Wahrscheinlich sitzen da jetzt Tausende auf der Straße.“ „Corona, Corona, das ist doch sowieso bald vor­bei.“

Lassen wir die beiden an dieser Stelle allein. Wahrscheinlich werden sie noch eine Weile streiten, bis sich die Tochter in ihr Zimmer verzieht und ihren Freund anruft: „Ich habe mal wieder Stress mit meinem Vater, der will mich von mei­nem Lieblingsstudium abbringen.“

Die Personalentwicklung spielt neben dem Recruiting eine wichtige Rolle. Wer sich hier spezialisieren will, findet am Distance and Independent Studies Center (DISC) der TU Kaiserslautern einen maßgeschneiderten berufsbegleitenden Studiengang, meint Prof. Gordon Müller-Seitz. Weiter ...

Papa wird sich hingegen wundern, was heute an den Hochschulen los ist. Zu seiner Zeit studierte man BWL, aufge­teilt in Grund- und Hauptstudium. Im Grundstudium ging es um die wichtigs­ten Fächer wie Finanzierung, Marke­ting, Personalwesen, Produktion, Lo­gistik und so weiter. Sozusagen die betriebswirtschaftlichen Grundfesten, auf denen mehr oder weniger jedes Unternehmen fußt. Dass das heute Fi­nance, Human Resources, Produc­tion sowie Supply Chain heißt, hat er natürlich längst mitbekommen. Alter Wein in neuen Schläuchen, denkt er dann immer. Im Hauptstudium spezi­alisierte man sich auf zwei Fächer, die einem besonders lagen. „Ist egal, wel­che Sie nehmen, sagte sein Lieblings-Prof damals. Wenn Sie analysieren, strukturieren und quantitativ denken können, können Sie sich später sowie­so jedes neue Fach in kürzester Zeit aneignen.“ Genau das war dann auch Papas Berufserfahrung.

Er selbst war später immer wieder froh, dass er in seinem Studium einen guten Überblick über die ganze BWL erhal­ten hatte. Wenn er zurückblickt, kann er sich an viele Situationen in seinem Berufsleben erinnern, in denen ihm das sehr geholfen hat. Andere, insbeson­dere sogenannte Spezialisten, konn­ten ihm deshalb kein X für ein U vor­machen. Er war meist in der Lage, sich schnell in neue Probleme hineinzu­denken und auf des Pudels Kern zu kommen. Gleichgültig aus welchen Bereichen sie stammten.

Interesse an Wirtschaft und Technik? Dann könnte Wirtschaftsingenieur der richtige Beruf sein. Die Hochschule Hamm-Lippstadt bietet dazu ein Bachelorstudium in Vollzeit an. Mit echtem Karrierepotenzial, wie der Studiengangsleiter Prof. Jörg Wenz und die Professorin Sabine Hollmann betonen. Weiter ...

Während er es also heute noch gut fin­det, eine generalistische Ausbildung erfahren zu haben, gibt es andere, die früh ihre Vorliebe für ein bestimmtes Thema entdecken und es gern beruf­lich verfolgen wollen. Nicht alle Men­schen sind gleich, und jeder sollte die Freiheit haben, seinen persönlichen In­teressen nachzugehen. Hinzu kommt, dass alle Wissenschaften, nicht nur die Wirtschaftswissenschaften, immer fa­cettenreicher werden, sich sozusagen mehr und mehr atomisieren. Hier den Überblick zu behalten, wird nicht nur immer schwieriger, sondern ist oft geradezu unmöglich. Das gilt für die Medizin, die Physik, die Chemie und für viele andere Natur- und auch So­zialwissenschaften.

Jeder möchte etwas Interessantes studieren. Denn nichts ist schlimmer als Langeweile. Wer in Richtung Medien und Kommunikation denkt, sollte sich das Studienangebot der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Berlin, Köln und Frankfurt ansehen, meint ihr Rektor Prof. Klaus-Dieter Schulz. Weiter ...

Geniale Gene­ralisten wie Deutschlands bekann­ter TV-Physiker Harald Lesch, die dennoch das Vermögen haben, im­mer wieder einzelne, oft weit aus­einanderliegende Themen aufzugrei­fen und sie nicht nur kompetent, sondern auch noch verständlich dar­zustellen, gibt es immer weniger. Zu ihnen gehören im Wirtschaftsbereich etwa der bekannte Ökonom Hans-Werner Sinn, der früher das Ifo-Ins­titut leitete, sowie sein Nachfolger Clemens Fuest. Nicht umsonst wer­den sie gern in Talkshows eingeladen, um komplexe wirtschaftliche Sach­verhalte zu erklären.

Die richtige Haltung dürfte sein, die enorm vielen Studiengänge, die es heute gibt und die uns die Bologna-Reform durch die Einführung der Bachelor- und Master-Abschlüsse in Kontinentaleuropa brachte, als zu­sätzliches Angebot zu sehen. Denn wer möchte, kann immer noch einen Bachelorstudiengang wählen, der wie früher das Grundstudium bei den Diplomstudiengängen die Kernthe­men der Betriebswirtschaftslehre be­handelt.

Diese Studiengänge findet man meist an den staatlichen Universitäten und Fachhochschulen, die diese — durch­aus berechtigte und sinnvolle — Tra­dition bis heute weiterführen. Wäh­rend die privaten Hochschulen, die oft unter dem Zwang stehen, sich von der staatlichen Konkurrenz abheben zu müssen, eine starke Tendenz zu speziellen Studiengängen haben. Oft sind es hier schon Bachelorstudien­gänge, die sich einem ganz besonde­ren Thema widmen. Da sie berufs­qualifizierend sind, fühlt man sich auch oft aufgerufen, den Teilnehmern möglichst viel Wissen für die an­schließende berufliche Tätigkeit mit auf den Weg zu geben.

Wie die Informatik ist die Wirtschaftsinformatik ein Fach mit sehr vielen Facetten geworden. Wer sich für dieses Studium an der Hochschule Merseburg entscheidet, erhält eine Ausbildung, die auf viele Aufgaben in der Praxis vorbereitet, meint Prof. Lutz Klimpel. Weiter ...

Die Entscheidung, ob man ein eher generelles oder spezielles Studium wählt, hat auch damit zu tun, ob man sich in jungen Jahren möglichst viele Optionen offenhalten will. Denn wer hat schon mit 18, 19 Jahren den Über­blick, was ein bestimmtes Studium und die sich daraus ergebenden Berufs­möglichkeiten im Einzelnen bedeuten? Kaum jemand.

Das zeigen die hohen Dropout-Quoten in einigen Fächern und die Tatsache, dass man in vielen Berufen Querein­steiger findet, die ursprünglich etwas ganz anderes studiert haben. Da ist der Physiker, der plötzlich aufs Investment­banking verfallen ist, der Consultant, der eigentlich Theaterwissenschaften studiert hat, der Psychologe und der Theologe, die jetzt in den Personalab­teilungen von Großkonzernen arbei­ten. Oder der Germanist, der in einer IT-Firma darauf achtet, dass sich die Nerds, die die Software schreiben, ver­ständlich ausdrücken, damit auch ein Normalbürger sie benutzen kann und nicht immer nur Bahnhof versteht. Alles Fälle aus der Wirklichkeit, die sich durch zahllose weitere ergänzen las­sen.

Wegen der vielen Hackerangriffe rangiert IT-Security bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Prioritätenliste. Wer hier seine berufliche Zukunft sieht, liegt mit dem Bachelorstudiengang „Datenschutz und IT-Sicherheit“ der Hochschule Ansbach genau richtig. Prof. Wolf Knüpffer sagt, was ihn auszeichnet. Weiter ...

Oft lohnt es sich auch, sich vor Antritt des Bachelorstudiums erste Gedan­ken zu machen, ob man es bei diesem Studium belassen möchte oder spä­ter noch einen Master draufsatteln will. Für manche ist das von vornherein klar, etwa weil es ihnen von den El­tern, von Lehrern, Freunden oder Be­kannten empfohlen wird. Oder sie ha­ben den Eindruck, dass eine richtige Karriere, die in der Unternehmenswelt weit nach oben führen soll, unbedingt einen Master erfordert. In diesen Fäl­len kann das Bachelorstudium ruhig etwas genereller angelegt sein, die er­wünschte Spezialisierung erfolgt dann im Masterstudium.

Einige Websites privater Hochschu­len sind so angelegt, dass der Besu­cher gefragt wird, in welche Richtung er gehen möchte. Soll es etwas mit Wirtschaft sein? Denn werden die Fra­gen spezifischer, etwa um heraus­zufinden, ob man mehr zu Marketing oder betrieblicher Steuerlehre neigt. Ein nettes und nützliches Spiel, weil es einen zwingt, sich zu fragen, was man eigentlich möchte. Gut gemacht ist der „Studieninteressentest“ der Hochschule für Medien, Kommunika­tion und Wirtschaft (HMKW), der ei­nem hilft, unter den angebotenen Stu­diengängen den richtigen zu finden.

Denn das ist die wichtigste Aufgabe, bevor man sich für ein Bachelor- und später für ein Masterstudium entscheidet. Und sie ist wahrlich nicht einfach, trotz der vielen Hilfen, sprich Berufs- und Studienberatungen, die es heute gibt. Denn eng damit ver­bunden ist auch die Frage, wo man studieren soll. In der Heimatregion, weit weg von den Eltern oder gar gleich im Ausland? Soll es eine Uni oder eine Fachhochschule sein, die sich seit einiger Zeit meist nur noch „Hochschule“ nennt? Obwohl dies eigentlich der Oberbegriff für Uni­versitäten und Fachhochschulen ist, wie es unter anderem die Formulie­rung „das deutsche Hochschulwe­sen“, worunter Unis und FHs fallen, deutlich macht.

Manchmal fallen Entrepreneure vom Himmel. Wer aber nicht warten will, bis ihm die Superidee im Schlaf kommt, sollte diesen Studiengang belegen. Er nennt sich „Innovation und Entrepreneurship“ und findet an der Munich Business School statt. Die Leiterin Prof. Anne Tryba ist sich sicher, dass sich damit die Chancen auf ein erfolgreiches Start-up beträchtlich erhöhen. Weiter ...

Und man sollte sich auch anregen lassen, denn oft bringen einen erst andere auf die richtige Idee. Das kann durch Gespräche, etwa mit Leuten in der Praxis oder Bekannten der El­tern oder sonst wem geschehen. An­regungen finden sich überall, man muss nur Ohren und Augen offen­halten. Natürlich auch im Internet.

Manche sind auch von ungewöhnli­chen Fächern fasziniert, unter denen sich andere oft gar nichts vorstellen können. Die Antwort lautet dann meist, das sei alles nur „brotlose Kunst“. Etwa wie „underwater basket wea­ving“, das es übrigens an keiner Uni auf der ganzen Welt gibt. Oder viel­leich doch? Googeln bringt Klarheit, oder auch nicht.

Die ADG Business School bietet ausbildungs- und berufsintegrierte Studiengänge an. Dabei geht es nicht nur um Finance und Banking, sondern auch um Handel, Marketing, Digital Innovation und Hotellerie. Immer stehen eine werteorientierte Ökonomik und Nachhaltigkeit im Zentrum, betont Prof. Christian Kalhöfer. Weiter ...

Orchideenfächer nennt man sol­che Studiengänge. Sie müssen nicht unbedingt brotlos machen. Bis heute gehört dazu beispielsweise auch die Philosophie. Was aus einem werden kann, der sich diesem Fach verschreibt, sieht man an Richard Da­vid Precht, der heute auf allen Ka­nälen funkt und selbst zu wirtschaft­lichen Fragen eine Meinung hat.

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