Nachhaltigkeit nützt nicht nur der Umwelt, sie zahlt sich auch für die Unternehmen aus. Gleich zwei gute Gründe, Nachhaltigkeitsmanagement zu studieren.

Studienreport Nachhaltigkeitsmanagement

Eine doppelt gute Wahl

Nachhaltigkeit könnte zum Schlüsselbegriff des 21. Jahrhunderts werden. Denn kaum ein Bereich der Gesellschaft, seien es die Medien, die Politik, die Wirtschaft oder die Hochschulen, in dem nicht ständig davon die Rede ist. Auch international sorgt er für Furore. Bereits 2001 beschlossen die EU-Staaten eine europäische Strategie für nachhaltige Entwicklung. 2015 verabschiedete die UNO dann ihre Nachhaltigkeitsstrategie Agenda 2030. Darin werden 17 Ziele für eine nachhaltige globale Entwicklung formuliert, die Sustainable Development Goals.

Der Siegeszug der Nachhaltigkeit hat natürlich vor allem mit dem Klimawandel zu tun. Seit er die Schlagzeilen beherrscht, sehen sich Politiker, Manager, Hochschulrektoren, Schulleiter und Familienväter mit der Forderung nach (mehr) Nachhaltigkeit konfrontiert. Ohne den vorausschauenden und schonenden — sprich nachhaltigen — Umgang mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten sind die Klimaziele, die sich die Menschheit gegeben hat, nicht zu erreichen. Es besteht sogar die Gefahr, dass weite Regionen der Erde unbewohnbar werden.

Obwohl sich dessen immer mehr Menschen bewusst sind, sind unsere Gesellschaften weit davon entfernt, nachhaltig zu sein. Ungeachtet aller Maßnahmen und Appelle geht der Raubbau an der Natur munter weiter, steigen die Treibhausgasemissionen und wird der globale Müllberg immer größer. Im Jahr 2050 dürfte die Menschheit nach einer Weltbank-Prognose 70 Prozent mehr Abfall produzieren als heute. Eines der größten Probleme: Plastik, das in die Gewässer und Ökosysteme gelangt — und damit in die Nahrungsketten von Mensch und Tier.

Zwar geht der größte Teil des Mülls auf das Konto der Industrieländer: Die dort lebenden Menschen machen nur 16 Prozent der Weltbevölkerung aus, produzieren aber ein Drittel des Mülls. Doch die Entwicklungs- und Schwellenländer holen rasant auf. Zudem werden dort nur vier Prozent der Abfälle recycelt. In den Industriestaaten sind es immerhin 30 Prozent.

Nachhaltigkeit als ökologisches Ziel ist deshalb richtig und wichtig. Leider wird der Begriff heute so inflationär verwendet, dass viele meinen, es sei besser, auf ihn zu verzichten. Denn kaum ein Produkt, das laut Hersteller nicht „nachhaltig“ ist. Sogar nachhaltige Kreuzfahrten und Flugreisen kann man heute buchen. An der zunehmenden Verwässerung hat auch die Politik eine gewisse Schuld. Denn seit sie entdeckt hat, dass man damit Wähler beeindrucken kann, werden alle möglichen Standpunkte, Forderungen und Pläne mit dem Etikett „nachhaltig“ versehen. Ob sie es auch wirklich sind, steht auf einem anderen Blatt.

Dabei ist es im Grunde ganz einfach: „Nachhaltigkeit bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten künftiger Generationen nicht eingeschränkt werden“, heißt es im Brundlandt-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung von 1987. Damals war man, was den Ausgleich der Interessen der heute und der künftig Lebenden anbelangt, noch recht optimistisch: „Die Menschheit ist zu einer nachhaltigen Entwicklung fähig. Sie kann gewährleisten, dass die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu beeinträchtigen.“

Zwei Dutzend Klimakonferenzen später, die wenig Zählbares gebracht haben, sind sich viele da nicht mehr so sicher. Schließen sich unsere moderne, konsumorientierte Lebensweise und Nachhaltigkeit möglicherweise aus? Andere machen für das Auseinanderklaffen von Wunsch und Wirklichkeit das kapitalistische Wirtschaftssystem mit seinem angeblichen Wachstumsfetischismus verantwortlich. Auch die Wirtschaftswissenschaft steht in der Kritik, genauer gesagt ihre neoliberale Spielart. Sie soll gierige und gewissenlose Manager hervorbringen.

Dabei wäre die Politik gut beraten, öfter auf die Ökonomen zu hören. Der Emissionsrechtehandel ist dafür nur ein Beispiel. Ökonomie bedeutet — sinngemäß übersetzt — nichts anderes als „kluges Haushalten“. Nachhaltigkeit hat in den Wirtschaftswissenschaften also eine lange Tradition. Dasselbe gilt für die Unternehmen. Schließlich liegt es in ihrem ureigenen Interesse, Ressourcen nicht zu verschwenden, sondern möglichst effizient zu nutzen. Zumal in Zeiten hoher Energiepreise und einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit.

Was liegt da näher, als gleich einumfassendes Nachhaltigkeitsmanagement zu betreiben? Unternehmen tun damit nicht nur etwas für die Umwelt. Indem sie ihr Handeln an langfristigen Zielen ausrichten, übernehmen sie gesellschaftliche Verantwortung und sorgen gleichzeitig für die eigene Zukunft vor. Denn Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gehen Hand in Hand: Wer mit einem Umwelt-, Qualitäts- und Risikomanagementsystem Nachhaltigkeit unter Beweis stellt, hat langfristig geringere Kosten, motiviertere Mitarbeiter, weniger Probleme mit Behörden und gute Argumente, wenn es um den Verkauf der Produkte geht.

Da trifft es sich gut, dass man Nachhaltigkeitsmanagement heute an vielen Hochschulen studieren kann. Etwa an der TU Berlin, die ein Bachelorstudium in nachhaltigem Management anbietet. Es vermittelt Grundkenntnisse in BWL und VWL sowie in Recht, Wirtschaftsmathematik und Statistik. Daneben kann man aus einem breiten Angebot an Aufbau- und Fokusmodulen wählen, etwa Sustainable Marketing. Darauf aufbauend ist ein Masterstudium in Innovation Management, Entrepreneurship and Sustainability oder Sustainable Mobility Management möglich.

Auch in Oldenburg ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Die dortige Universität wendet sich mit ihrem Bachelorprogramm Nachhaltigkeitsökonomik vor allem an Interessenten, die später in einer Behörde oder internationalen Organisation die richtigen Weichen stellen wollen.

Wer sich auf Nachhaltigkeit im Produktmanagement konzentrieren möchte, ist an der Hochschule Nürtingen-Geislingen genau richtig. Das siebensemestrige Bachelorstudium ist in ein Grundlagen- und ein Vertiefungsstudium unterteilt und vermittelt wirtschaftliche, rechtliche und technische Kenntnisse. Dazu wird man in Projektmanagement und Wirtschaftsenglisch fit gemacht und in Zeit- und Selbstmanagement, Kommunikation und Konfliktmanagement geschult. Zudem werden einem Lern- und Arbeitstechniken beigebracht.

Auch die praktische Ausbildung kommt an der schwäbischen Hochschule nicht zu kurz: Das fünfte Semester ist einem Praxiseinsatz vorbehalten. Absolventen sind somit bestens für einen Job in der Industrie, in einem Handels- oder Dienstleistungsunternehmen gewappnet. Auch Beratungs- oder öffentliche Unternehmen kommen als Arbeitgeber in Betracht.

Oder liegt einem Einkauf mehr? Dann ist der Studiengang nachhaltige Beschaffungswirtschaft der Hochschule Heilbronn möglicherweise etwas. Er dauert sieben Semester und wird mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Die Hochschule Trier hat ein duales Studium namens nachhaltige Ressourcenwirtschaft im Programm, bei dem man gleichzeitig eine kaufmännische Ausbildung absolviert, womit man nach drei Jahren gleich zwei Abschlüsse in der Tasche hat. Ihr Umweltcampus im 60 Kilometer entfernten Birkenfeld wurde bereits als eine der grünsten Hochschulen der Welt ausgezeichnet. Und an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve kann man sich zum Experten für nachhaltigen Tourismus ausbilden lassen, der dafür sorgt, dass Reisende kein schlechtes Gewissen haben müssen.

Dann ist da noch die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, die gleich mit ihrem Namen klarmacht, worum es geht. Sie hat ein halbes Dutzend nachhaltige Studiengänge im Angebot, drei Bachelor- (Finanz-, Regional- und Unternehmensmanagement) und drei Masterprogramme (Unternehmensführung, Kommunalwirtschaft und Tourismusmanagement). Während die Bachelorprogramme inklusive Praktikum sechs Semester dauern, wird der Master nach drei bzw. vier Semestern abgelegt. Zum Teil können die Masterprogramme per Teilzeit- oder Fernstudium absolviert werden.

Wer sich erst nach seinem BWL-Bachelor auf nachhaltiges Management spezialisieren möchte, wird aber nicht nur in Eberswalde fündig. Ein gutes Dutzend weiterer Hochschulen bietet solche Programme an, darunter wieder die Hochschule Nürtingen-Geislingen, die einen MBA in Trend- und Nachhaltigkeitsmanagement vergibt. An den Fachhochschulen in Münster und Osnabrück kann man nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft studieren, an der Hochschule Fresenius Sustainable Marketing & Leadership und an der Uni Kassel nachhaltiges Wirtschaften. Die Hochschule Bochum hat ihr Masterprogramm „angewandte Nachhaltigkeit“ genannt. Wer dem Phänomen Nachhaltigkeit so richtig auf den Grund gehen möchte, muss nach Lüneburg. An der dortigen Uni kann man nämlich Nachhaltigkeitswissenschaft studieren.

Viele Hochschulen bieten nicht nur Studiengänge wie Nachhaltigkeitsmanagement an. Sie engagieren sich auch sonst stark für den Nachhaltigkeitsgedanken. Ein gutes Beispiel ist die Hochschule Pforzheim, die nicht nur ein Sustainability Board besitzt, sondern sich auch den Principles for Responsible Management Education der UNO angeschlossen hat. Ethische und umweltökonomische Fragen spielen bei der Ausbildung deshalb eine zentrale Rolle. Natürlich kann man in Pforzheim auch Nachhaltigkeit studieren. Es gibt einen siebensemestrigen Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaft/Ressourceneffizienz-Management und ein dreisemestriges Masterprogramm Life Cycle & Sustainability.

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