Wirtschaft ist ein sehr weites Feld. Das zeigt sich auch an den zahllosen Studiengängen und Kombinationen. Doch die Suche nach dem richtigen Studiengang lohnt sich.

Studienreport

Mach dich auf die Suche

Wer heutzutage studieren möchte, hat ein hartes Stück Arbeit vor sich. Wohl gemerkt: Die Rede ist nicht vom Studium selbst, sondern von der Zeit davor, wenn es darum geht, den richtigen Studiengang zu finden. Denn „irgendwie Wirtschaft studieren“ führt einen nicht weit.

Auch da war die Welt früher wesent­lich einfacher. Man musste sich ei­gentlich nur zwischen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre entscheiden. Wen das überforderte, der studierte eben Ökonomie, eine Mischung aus beidem. Und es gab noch ein paar Sandwich-Fächer wie Wirtschaftsin­genieurwesen, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsmathematik und vielleicht noch Wirtschaftsrecht. Richtig, Wirt­schaftsgeografie, Wirtschaftspädago­gik und Wirtschaftspsychologie gab es damals auch schon. Aber das waren eher Orchideenfächer, wie man damals sagte, seltene Pflanzen eben.

Warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und Steuerberater und Master gleichzeitig werden? Mit dem berufsbegleitenden Studiengang „Taxation“, der zum LLM führt, ist das möglich. Harald Beschorner, Kanzler der FOM Hochschule für Oekonomie & Management, erklärt es. Weiter ...

Die Idee des BWL-Studiums war es, im Grundstudium Kernfächer wie Mar­keting, Finanzwirtschaft, Rechnungs­wesen, Personalwesen, Organisation betriebliche Steuerlehre oder Logistik zu lernen und sich dann im Hauptstu­dium auf zwei Fächer zu spezialisie­ren. Aus denen stammte auch die Di­plomarbeit. Mit dieser Ausbildung im Tornister war man für alles gewapp­net, was die Geschäftswelt so mit sich brachte. War da mal was Unbekann­tes dabei, war man locker in der La­ge, sich das Thema ruckzuck zu erarbeiten. Schließlich hatte man das an der Uni bereits mehrfach getan. Man hatte gelernt, zu lernen und sich den Stoff beizubringen.

Man kann also sagen, BWL war ein generalistisches Studium mit zwei Ver­tiefungsfächern, was übrigens stark an viele MBA-Programme angelsächsi­scher Prägung erinnert. Auch da geht es um fünf bis sechs Core Courses und zwei Electives, also Vertiefungs­fächer. Wer hat denn da wohl von wem abgeschaut? Ohne der Frage weiter nachzugehen, lässt sich sagen: Ein gutes und erfolgreiches Konzept, das zahllose fähige Betriebswirte hervor­gebracht hat, die die deutsche Wirt­schaft nach dem Krieg zusammen mit vielen anderen wuppten und nicht nur das Wirtschaftswunder auf die Beine stellten, sondern das Land auch zu einer der drei führenden Wirtschafts­nationen machte.

Was bis dahin also sehr gut funktio­nierte, wurde dann vom angelsächsi­schen Bachelor-Master-System abge­löst. Kontinentaleuropa glaubte, die Globalisierung, die kurz vor der Jahr­tausendwende so richtig Fahrt auf­nahm, mache es notwendig, das alte Diplomsystem an den Nagel zu hän­gen. Auch um mehr Studenten aus allen Teilen der Welt anzulocken. Nur die Juristen und die Mediziner zogen nicht mit, sondern blie­ben bei ihrem alten System. Denn, wie ein weiser Zyniker damals meinte: Man brauche zumindest gute Anwäl­te und Ärzte, der Rest sei ir­gendwie nicht so wichtig.

Was nutzt die tollste Technik, wenn sich das Gerät schlecht bedienen lässt? Die Absolventen des Masterstudiengangs „Usability Engineering“ der Hochschule Rhein-Waal am Standort Kamp-Lintfort wissen, wie man es besser macht, meint Prof. Karsten Nebe, der den Studiengang leitet. Weiter ...

Mit der Folge, dass diese Studiengän­ge nach wie vor sehr übersichtlich sind, während beim Rest eine regelrechte Explosion stattfand. Inzwischen soll es über 20.000 Studiengänge bei den übrigen Fachbereichen geben. Und keinen einzigen Menschen weit und breit, der das noch überblicken wür­de. Selbst wenn es nur um die Wirt­schaftsstudiengänge geht.r

Allein da bietet sich den Studierwilli­gen ein unübersehbares Spektrum an Bachelor- und Masterstudiengängen, sogar einige wenige Diplomstudien­gänge sind noch dabei. Auch des­halb, weil zu den ohnehin schon zahl­reichen staatlichen Hochschulen noch viele private hinzugekommen sind. Ihr Geschäftsmodell besteht nicht selten darin, spezielle oder sogar hochspe­zielle Ausbildungen anzubieten, um sich von den staatlichen Hochschu­len abzuheben. Was wiederum einige staatliche Hochschulen veranlasst, ihre Studienangebote ebenfalls zu ver­feinern und zu spezialisieren.

Damit will man auch mit der Zeit ge­hen. Denn alles ist komplexer gewor­den. Nicht nur die Gesellschaft, der Staat und die Verwaltung, sondern auch die Technologie und damit die Wirtschaft. Komplexere Produkte und Märkte, anspruchsvollere Konsumen­ten, vielfältigere Transportwege oder ein vielschichtigeres Marketing. On­line-Werbung und Influencer im Net gab es noch nicht, als Papa seinen Diplom-Kaufmann machte. Heute kann man sich hingegen, wenn man will, gleich auf Online-Marketing stürzen. Oder man wählt Medieninformatik oder etwas mit Nachhaltigkeit, etwa Sustainable Supply Chain Manage­ment.

Digital hinkt die öffentliche Verwaltung hinterher. Das zeigte sich wieder bei Corona. Wer helfen will, das zu ändern, sollte sich den Studiengang Verwaltungsinformatik der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW Dresden) genauer ansehen, meint Studiendekan Prof. Jürgen Anke. Weiter ...

Das lässt bereits ahnen, wie schwie­rig die Wahl des richtigen Studien­gangs sein kann. Und natürlich muss man auch sorgfältig seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse erkun­den. Ist man jemand, der sich gern früh — und vielleicht sein ganzes Leben lang — mit einem Spezialge­biet befassen möchte? Oder eher je­mand, der sich möglichst viele Tü­ren offenhalten will. Auch weil er oder sie noch nicht weiß, wofür das Herz wirklich schlägt? Im letzteren Fall tut man gut daran, ein generel­les Bachelorstudium zu wählen, mit ein oder zwei Vertiefungen, wie es die Hochschule oft vorschreibt.

Danach bleiben allerdings noch vie­le andere Fragen. Soll man anschlie­ßend noch ein Masterstudium ab­solvieren, soll man auch — oder so­gar nur — im Ausland studieren, soll es eine staatliche oder private Hoch­schule sein? Eine Universität oder eine Fachhochschule, die sich heute meist einfach „Hochschule“ nennen?

Man kann sich auch von den vielfäl­tigen Angeboten inspirieren lassen, die die Hochschulen bereithalten. Gut möglich, dass sie einen erst auf die richtige Idee bringen. Das können selbst ungewöhnliche Studiengänge sein wie „Europäische Wirtschafts­kommunikation“. Ein Bachelorstudi­um an den Unis Siegen und Orléans in Frankreich, das eine Kombination von Sprachwissenschaft, Französisch und Englisch sowie Wirtschaftswis­senschaften ist. Studiert wird an bei­den Unis, von denen man je einen Abschluss erwirbt.

Der Karriere eine neue Richtung geben und Wirtschaft unterrichten? Mit ihrem berufsbegleitenden Masterstudiengang Wirtschaftspädagogik macht es die Allensbach Hochschule möglich. Es ist zugleich der einzige Fernstudiengang Deutschlands in diesem Fach, erklärt Studiengangsleiter Prof. Martin H. Bauer. Weiter ...

Manch einer und manch eine will spä­ter ein Unternehmen gründen und sich vorher das notwendige Know-how an einer Hochschule holen. Da bietet sich ein Bachelorstudium Entrepreneurship an, etwa an der Internatio­nalen Hochschule (IU). Hier ist es so­gar als Fernstudium möglich, falls man bereits dran ist, sein Unterneh­men aufzubauen. Andernorts kann man Entrepreneurship auch mit ei­nem Masterabschluss studieren, bei­spielsweise an der WHU in Vallen­dar bei Koblenz, die schon viele er­folgreiche Firmengründer hervorge­bracht hat.

Oder jemand ist bereits Versiche­rungskaufmann und möchte sich für eine weitere Karriere in dieser Bran­che fitmachen. Wie wäre es dann mit „Wirtschaftsmathematik/Aktuarwis­senschaft“? Ein Bachelorstudium, das von der TH Rosenheim geboten wird.

Am Gymnasium gut in Chemie gewe­sen? Aber keine Lust, nur Chemie zu studieren? Auch da kann geholfen werden — mit dem Bachelorstudi­engang „Wirtschaftschemie“. Die Uni Kiel hat ihn im Progamm und die Hochschule Fresenius. Und was für Chemie gilt, gilt auch für Physik. Die kleine, aber feine Uni Ulm packt die­se Naturwissenschaft mit Wirtschaft zusammen und hat so daraus einen Bachelorstudiengang „Wirtschafts­physik“ gemacht. Dabei werden „phy­sikalische und statistische Theorien zur Lösung von Problemen in der Volks- und Betriebswirtschaft ver­wendet“, lautet die Beschreibung. Wirtschaftschemie kann man hier üb­rigens auch studieren.

Man einer und manch eine schwankt zwischen BWL- und Jurastudium. Wie wäre es mit beidem gleichzei­tig? Der Abschluss ist dann ein Ba­chelor of Laws (LL.B.) oder ein Mas­ter of Laws (LL.M.). Rechtsanwalt oder Richter kann man damit zwar nicht werden, das können nur Volljuristen. Doch in der Wirtschaft und in ver­schiedensten Organisationen sind Wirtschaftsjuristen immer mehr ge­fragt. Viele Hochschulen bieten diese Studiengänge an, etwa die TU Kai­serslautern, die Unis Bayreuth, Bo­chum oder Bonn und viele andere.

VW, Bosch und Continental sind nicht weit, Tesla demnächst auch nicht. Der Bachelorstudiengang „Wirtschaftsingenieurwesen Automobiltechnologie“ der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Ostfalia am Standort Wolfsburg ist für Auto-Fans also genau das Richtige. Das meint auch Prof. Karl-Heinz Lüke. Weiter ...

Die Tourismusindustrie wurde zwar von Corona arg gebeutelt. Doch die Hoffnung, dass es nach der Epide­mie wieder mächtig mit dem Reisen losgeht, besteht zu Recht. Wen ferne Länder, andere Kulturen, Sprachen und Hospitality reizen, sollte sich nach Tourismusstudiengängen um­sehen. Die Hochschule Worms hat hier viel zu bieten, auch an vielen an­deren Hochschulen kann man Touris­mus studieren.

Das sind nur einige wenige Appe­tithäppchen, die zusammen mit den Interviews in den Kästen zeigen, dass sich hinter „etwas mit Wirt­schaft studieren“ ein ganzer Kosmos verbirgt. Da ist garantiert für jeden etwas dabei, der in die faszinierende Welt der Wirtschft eintauchen will — oder sie zumindest als Zutat dabei haben möchte.

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